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Etsy Ads: Wann sich Werbung lohnt und wie Du sie richtig steuerst

Wie Etsy Ads funktionieren, was Offsite Ads davon unterscheidet, welches Budget sinnvoll ist und woran Du erkennst, ob sich Deine Werbung rechnet.

Von Oliver Wrase15 Min. LesezeitStand

Etsy Ads sind kein Wachstumsknopf. Sie verstärken, was ohnehin funktioniert — und beschleunigen den Verlust bei allem, was nicht funktioniert.

Es gibt einen Satz, den ich in Etsy-Gruppen immer wieder lese: „Ich habe Ads angeschaltet und es hat nichts gebracht.“

Fast immer steckt dahinter dasselbe Muster. Ein Shop läuft nicht, der Verkäufer sucht nach einem Hebel, schaltet Werbung — und stellt nach zwei Wochen fest, dass er nun Geld ausgibt und immer noch nichts verkauft. Die Schlussfolgerung lautet dann: Etsy Ads funktionieren nicht.

Das ist die falsche Schlussfolgerung. Werbung war in diesem Fall nur das falsche Werkzeug für das vorliegende Problem.

Etsy Ads bringen mehr Menschen auf ein Listing. Was diese Menschen dort erleben, ändern sie nicht. Wenn ein Artikel bei hundert organischen Besuchern keinen Verkauf erzielt, wird er das bei dreihundert bezahlten Besuchern in der Regel auch nicht tun — Du hast dann nur für die zweihundert zusätzlichen bezahlt.

In eigenen Projekten haben wir mit Etsy Ads nachweislich einen ROAS von bis zu 10 erreicht, bei einem Tagesbudget von 500 Dollar. Das war aber kein Ergebnis der Werbung allein, sondern der Kombination: funktionierende Listings, stimmige Preise, saubere Abläufe — und darauf dann Werbung als Verstärker.

Zwei Werbeformen, die oft verwechselt werden

Etsy bietet zwei grundverschiedene Dinge an, die beide „Ads“ heißen.

Etsy Ads

Das sind Anzeigen innerhalb von Etsy. Deine Artikel erscheinen prominenter in den Suchergebnissen und auf Kategorieseiten, gekennzeichnet als Anzeige.

Du zahlst pro Klick. Du legst ein maximales Tagesbudget fest, und Etsy schöpft es aus, wenn genug Klicks zustande kommen. Mehr als Dein Tagesbudget wird nicht abgerechnet. Alle Gebote laufen in US-Dollar.

Die Steuerung ist bewusst einfach gehalten: Du wählst aus, welche Artikel beworben werden, und legst das Budget fest. Auf einzelne Suchbegriffe kannst Du nicht bieten — das übernimmt Etsy.

Offsite Ads

Das sind Anzeigen außerhalb von Etsy, geschaltet von Etsy selbst auf Google, Meta, Pinterest, Bing und weiteren Partnern.

Du zahlst nichts pro Klick. Du zahlst nur dann, wenn aus einer solchen Anzeige tatsächlich ein Verkauf entsteht — genauer: wenn jemand auf die Anzeige klickt und innerhalb von 30 Tagen in Deinem Shop bestellt.

Die Gebühr beträgt 15 Prozent der Bestellsumme, wenn Dein Shop in den vergangenen 365 Tagen weniger als 10.000 USD Umsatz gemacht hat, und 12 Prozent darüber. Gedeckelt ist sie bei 100 USD je Bestellung.

Der entscheidende Unterschied: Etsy Ads sind freiwillig und steuerbar. Offsite Ads sind ab 10.000 USD Jahresumsatz verpflichtend. Unterhalb dieser Schwelle kannst Du Dich abmelden — überschreitest Du sie einmal, gilt die Teilnahme für die Lebensdauer des Shops, auch wenn der Umsatz später wieder fällt.

Etsy Ads

Anzeigen innerhalb von Etsy, in Suchergebnissen und auf Kategorieseiten.

  • Abrechnung pro Klick, Gebote in US-Dollar
  • Du legst Tagesbudget und beworbene Artikel fest
  • Freiwillig und jederzeit abschaltbar

Offsite Ads

Anzeigen außerhalb von Etsy, geschaltet von Etsy selbst.

  • Abrechnung nur bei tatsächlichem Verkauf
  • Keine Steuerung durch Dich
  • Ab 10.000 USD Jahresumsatz verpflichtend

Wann Werbung sinnvoll ist — und wann nicht

Die ehrliche Antwort lautet: Werbung ist ein Verstärker, kein Starthilfekabel.

Sinnvoll ist Werbung, wenn:

Ein Listing organisch bereits verkauft und Du die Reichweite gezielt ausbauen willst. Du weißt dann, dass das Produkt funktioniert, der Preis stimmt und die Bilder überzeugen.

Du saisonal Gas geben willst. Vor Weihnachten oder Muttertag ist die Nachfrage hoch — hier kann Werbung den entscheidenden Schub geben, wenn die Grundlagen stimmen.

Du ein neues Produkt in einem bereits funktionierenden Sortiment testen willst. Werbung verkürzt die Zeit, bis Du weißt, ob es angenommen wird.

Deine Marge es trägt. Das ist die härteste Bedingung, und sie wird am häufigsten übersprungen.

Nicht sinnvoll ist Werbung, wenn:

Dein Listing viele Aufrufe, aber keine Verkäufe hat. Dann ist das Problem nicht die Sichtbarkeit, sondern das, was Besucher vorfinden. Werbung verschärft dieses Problem, weil Du zusätzlich für Besucher zahlst, die ohnehin abspringen.

Deine Marge dünn ist. Bei 20 Prozent Rohmarge frisst jede halbwegs realistische Werbegebühr den Gewinn auf.

Dein Shop noch keine zwanzig, dreißig Listings hat. Dann fehlt schlicht die organische Basis, auf der Werbung aufsetzen könnte.

Du nicht liefern kannst. Werbung, die zu Bestellungen führt, die Du nicht rechtzeitig fertigst, produziert schlechte Bewertungen — und die kosten Dich langfristig mehr als die Werbung gebracht hat.

  • Das Listing verkauft organisch bereits — Produkt, Preis und Bilder sind bestätigt
  • Dein Shop hat genug Listings, damit Werbung auf etwas aufsetzen kann
  • Deine Marge trägt eine zusätzliche Werbegebühr
  • Du kannst die zusätzlichen Bestellungen auch rechtzeitig fertigen
  • Du willst saisonal verstärken oder ein neues Produkt im laufenden Sortiment testen

Budget: die Frage, die falsch gestellt wird

„Mit welchem Budget soll ich starten?“ ist die häufigste Frage — und die am wenigsten hilfreiche.

Wichtiger als die Höhe ist die Laufzeit. Werbung braucht Daten, und Daten brauchen Zeit. Ein Tagesbudget von 3 Euro über vier Wochen liefert brauchbarere Erkenntnisse als 20 Euro über fünf Tage, weil Du Schwankungen ausgleichst und mehr Klicks ansammelst.

Ein praktikables Vorgehen:

Starte mit einem niedrigen Tagesbudget und bewirb zunächst nur die Artikel, die organisch bereits am besten laufen. Nicht alle — die Streuung über dreißig Listings verbrennt Budget an Artikeln, die ohnehin nicht konvertieren.

Lass das mindestens zwei bis vier Wochen laufen, ohne einzugreifen. Jede Änderung setzt die Lernphase zurück.

Schau Dir dann pro Artikel an: Wie viele Klicks? Wie viele Verkäufe? Wie viel Umsatz gegen wie viel Ausgaben?

Schalte ab, was nicht trägt. Erhöhe bei dem, was trägt.

Diese Schleife wiederholst Du. Werbung auf Etsy ist keine Einrichtung, sondern eine laufende Optimierung.

ROAS: die Kennzahl, die Du wirklich brauchst

ROAS steht für Return on Ad Spend — das Verhältnis von Werbeumsatz zu Werbeausgaben. Ein ROAS von 4 bedeutet: Für jeden ausgegebenen Euro kommen vier Euro Umsatz zurück.

Der häufigste Fehler im Umgang mit dieser Zahl: Sie wird mit Gewinn verwechselt.

Ein ROAS von 1 ist ein klares Verlustgeschäft. Du gibst einen Euro aus und bekommst einen Euro Umsatz — davon gehen aber noch Material, Etsy-Gebühren, Verpackung, Porto und Umsatzsteuer ab.

Wo Deine Grenze liegt, hängt an Deiner Marge. Grobe Orientierung: Bei 30 Prozent Rohmarge nach allen Kosten außer Werbung brauchst Du einen ROAS von etwa 3,3, um bei null herauszukommen. Alles darunter kostet Dich Geld. Bei 50 Prozent Marge liegt die Schwelle bei etwa 2.

Rechne diese Grenze für Deine Produkte einmal aus und schreib sie Dir auf. Sie ist die Zahl, an der Du jede Werbeentscheidung misst — nicht der ROAS an sich.

In meinem eigenen Shop lag der ROAS über den Zeitraum von Juni 2023 bis Juni 2024 bei 3,10: 35.810,82 USD Werbeausgaben standen 111.128,51 USD Umsatz gegenüber, der direkt auf Anzeigen zurückging. Das war knapp über meiner Rentabilitätsschwelle — ordentlich, aber kein Selbstläufer. Und es hat mehrere Monate Optimierung gebraucht, bis diese Zahl stand.

  • 1,0ROAS ist bereits ein klares Verlustgeschäft
  • rund 3,3ROAS nötig bei 30 Prozent Rohmarge, um bei null zu landen
  • rund 2,0ROAS nötig bei 50 Prozent Rohmarge
  • 3,10ROAS im eigenen Shop über zwölf Monate hinweg

Welche Artikel Du bewerben solltest

Nicht alle. Das ist die wichtigste Regel.

Bewirb, was bereits verkauft. Ein Artikel mit nachgewiesener Conversion ist der beste Kandidat, weil Du weißt, dass zusätzlicher Traffic zu zusätzlichen Verkäufen führt.

Bewirb, was gute Marge hat. Bei zwei ähnlich gut laufenden Artikeln gehört das Budget dem mit der besseren Spanne.

Bewirb Artikel mit hohem Warenkorbwert. Die Werbegebühr ist prozentual, die Fixkosten Deiner Fertigung sind es nicht. Ein 60-Euro-Artikel trägt Werbekosten deutlich leichter als ein 12-Euro-Artikel.

Bewirb saisonal passend. Ein Weihnachtsartikel im März ist verschwendetes Budget.

Bewirb nicht: Artikel ohne organische Verkäufe, Artikel mit dünner Marge, Artikel, die Du nicht zuverlässig liefern kannst, und Artikel, deren Bilder Du selbst nicht überzeugend findest.

Was Du in den Auswertungen anschauen solltest

Etsy zeigt Dir zu jeder Kampagne mehrere Kennzahlen. Diese lohnen den genauen Blick:

Impressionen — wie oft Deine Anzeige gezeigt wurde. Sehr wenige Impressionen deuten meist darauf hin, dass Dein Listing für kaum eine Suchanfrage relevant ist. Das ist dann ein SEO-Problem, kein Werbeproblem.

Klicks und Klickrate — wie oft geklickt wurde. Viele Impressionen bei wenigen Klicks bedeuten: Dein Vorschaubild oder Dein Titel überzeugen nicht. Das ist eine Baustelle, die Du ohne Werbung lösen musst.

Bestellungen — wie viele Verkäufe zustande kamen. Viele Klicks ohne Bestellungen heißt: Das Listing hält nicht, was das Vorschaubild verspricht. Auch hier: erst reparieren, dann bewerben.

Umsatz gegen Ausgaben — der ROAS. Die Zahl, die am Ende entscheidet.

Die Diagnose ist also gestaffelt: Wenige Impressionen deuten auf SEO, wenige Klicks auf Bild und Titel, wenige Bestellungen auf das Listing selbst. Erst wenn diese drei Stufen sauber laufen, ist der ROAS eine sinnvolle Steuergröße.

  • Impressionen: Wenige davon sind ein SEO-Problem, kein Werbeproblem
  • Klickrate: Viele Einblendungen ohne Klicks zeigen auf Vorschaubild und Titel
  • Bestellungen: Klicks ohne Käufe zeigen auf das Listing selbst
  • Umsatz gegen Ausgaben: der ROAS, gemessen an Deiner eigenen Schwelle
  • Erst wenn die ersten drei Stufen sauber laufen, taugt der ROAS zur Steuerung

Offsite Ads: rechnen statt ärgern

Offsite Ads sorgen in Verkäufergruppen zuverlässig für Ärger. 15 Prozent auf eine Bestellung fühlen sich nach viel an — besonders, wenn man das Gefühl hat, der Kunde hätte ohnehin gekauft.

Zwei Dinge helfen bei der Einordnung.

Erstens: Du zahlst ausschließlich bei tatsächlichen Verkäufen. Es gibt kein Budget, das ins Leere läuft. Verglichen mit klassischer Klickwerbung ist das ein sehr defensives Modell.

Zweitens: Der Deckel bei 100 USD pro Bestellung schützt bei hochpreisigen Artikeln. Bei einer Bestellung über 1.500 Euro wären 15 Prozent 225 Euro — abgerechnet werden aber maximal 100 USD.

Was Du nicht ändern kannst, ist die Verpflichtung ab 10.000 USD Jahresumsatz. Was Du ändern kannst, ist Deine Kalkulation: Wer ab dem ersten Tag mit dieser Gebühr rechnet, wird davon nicht überrascht, wenn der Shop wächst.

Praktisch heißt das: Kalkuliere Deine Preise so, dass sie auch mit 12 Prozent zusätzlicher Werbegebühr noch tragen. Nicht jede Bestellung wird zugeschrieben — aber die, die es werden, sollten Dich nicht ins Minus ziehen.

  • 15 %der Bestellsumme unter 10.000 USD Jahresumsatz
  • 12 %der Bestellsumme oberhalb dieser Schwelle
  • 100 USDHöchstbetrag je einzelner Bestellung
  • 30 TageZeitfenster zwischen Anzeigenklick und Bestellung

Prüfschema mit drei Bedingungen, die vor dem Start von Etsy Ads erfüllt sein müssen

Sichtbarkeit, Conversion und Marge entscheiden, ob Werbung überhaupt das richtige Werkzeug ist.

Der häufigste Denkfehler

Zum Schluss der Punkt, auf den es wirklich ankommt.

Werbung ist kein Ersatz für ein funktionierendes Angebot. Sie ist ein Multiplikator. Und ein Multiplikator wirkt in beide Richtungen: Er verstärkt einen guten Shop und beschleunigt den Verlust bei einem schlechten.

Bevor Du Geld in Etsy Ads steckst, stell Dir drei Fragen:

Bekommt mein Listing organisch Aufrufe? Wenn nein, liegt das Problem bei SEO — dort musst Du zuerst ansetzen.

Verkauft mein Listing bei diesen Aufrufen? Wenn nein, liegt es an Bildern, Preis oder Beschreibung. Auch das löst Werbung nicht.

Trägt meine Marge eine Werbegebühr? Wenn nein, ist Werbung ein Zuschussgeschäft, egal wie gut sie läuft.

Erst wenn Du alle drei mit Ja beantwortest, ist Werbung das richtige Werkzeug. Vorher ist sie eine teure Ablenkung von dem, was tatsächlich zu tun wäre.

Etsy Ads im Jahresverlauf

Werbung ist auf Etsy keine gleichmäßige Angelegenheit. Die Nachfrage schwankt über das Jahr erheblich, und mit ihr die Klickpreise.

Im vierten Quartal wird es teuer. Zwischen Oktober und Dezember bewerben alle gleichzeitig. Die Klickpreise steigen, weil mehr Shops um dieselben Plätze konkurrieren. Gleichzeitig steigt aber auch die Kaufbereitschaft — Menschen sind im Geschenkemodus und vergleichen weniger lange. Ein höherer Klickpreis kann sich in dieser Phase durchaus rechnen, wenn die Conversion mitzieht.

Im Januar bricht es ein. Nach Weihnachten fällt die Nachfrage in fast allen Geschenkkategorien deutlich ab. Wer sein Budget unverändert weiterlaufen lässt, zahlt für Klicks, die schlechter konvertieren. In meinem eigenen Shop sind die Bestellungen im Januar spürbar zurückgegangen — und Ende Januar wieder angestiegen, als der Blick Richtung Valentinstag und Ostern ging.

Die Zwischensaison ist die Lernphase. Februar bis September sind die Monate, in denen Du herausfindest, welche Artikel tragen, ohne dass Dir saisonale Ausschläge die Daten verzerren. Wer erst im Oktober mit Werbung anfängt, optimiert im teuersten Umfeld — und hat keine Vergleichswerte.

Die praktische Konsequenz: Budget nicht das ganze Jahr über konstant halten, sondern der Nachfrage folgen. Und die Lernarbeit in die ruhigen Monate legen, nicht in die Hochsaison.

Lernen in der ruhigen Saison

Zwischen Oktober und Dezember bewerben alle gleichzeitig, die Klickpreise steigen entsprechend. Wer erst dann anfängt, optimiert im teuersten Umfeld und ohne Vergleichswerte. Die Monate zwischen Februar und September sind die Phase, in der Du ohne saisonale Verzerrung herausfindest, welche Artikel Werbung überhaupt tragen.

Wenn Werbung nicht funktioniert: die Fehlersuche

Läuft eine Kampagne schlecht, hilft eine geordnete Diagnose mehr als Herumprobieren. Diese Reihenfolge hat sich bewährt.

Kaum Impressionen

Deine Anzeige wird selten ausgespielt. Das hat fast immer eine von zwei Ursachen.

Dein Listing ist für kaum eine Suchanfrage relevant. Etsy Ads erscheinen in Suchergebnissen — wenn Dein Artikel für keinen gesuchten Begriff infrage kommt, gibt es keine Gelegenheit zur Ausspielung. Das ist ein SEO-Problem, und Du löst es bei Titel, Tags und Attributen, nicht im Werbekonto.

Dein Budget ist zu niedrig für Deine Kategorie. In umkämpften Bereichen reicht ein Minimalbudget nicht, um überhaupt sichtbar zu werden.

Viele Impressionen, wenige Klicks

Deine Anzeige wird gezeigt, aber nicht angeklickt. Hier entscheidet, was in den Suchergebnissen sichtbar ist: das erste Bild, der Titelanfang, der Preis.

Das Vorschaubild ist der wichtigste Hebel. Es konkurriert mit Dutzenden anderen auf einem kleinen Bildschirm. Ist es zu detailreich, zu dunkel, zu ähnlich zu allen anderen? Hebt es sich ab, wenn Du die Suchergebnisseite mit zusammengekniffenen Augen betrachtest?

Der Preis spielt mit hinein. Wenn Du deutlich über dem Umfeld liegst, ohne dass der Mehrwert im Bild sichtbar wird, klicken Menschen weiter.

Viele Klicks, keine Bestellungen

Menschen kommen auf Dein Listing und kaufen nicht. Jetzt liegt es an der Artikelseite selbst.

Halten die weiteren Bilder, was das erste verspricht? Ein aufgehübschtes Titelbild und dann ernüchternde Detailaufnahmen ist ein sicherer Absprunggrund.

Fehlen Informationen? Maße, Material, Lieferzeit, Ablauf bei Personalisierung. Jede offene Frage ist ein Grund, das Fenster zu schließen.

Stimmt der Preis im Kontext? Nicht absolut, sondern im Vergleich zu dem, was der Käufer auf der Seite sieht.

Sind Bewertungen vorhanden? Ein Listing ohne jede Bewertung hat es schwerer — das ist einer der Gründe, warum Werbung für brandneue Shops selten sofort funktioniert.

Bestellungen ja, aber unrentabel

Jetzt funktioniert alles außer der Mathematik. Prüfe, ob Du beworbene Artikel mit auskömmlicher Marge ausgewählt hast, und ob Dein Zielwert für den ROAS überhaupt realistisch für Deine Preisklasse ist.

Manchmal ist die Antwort schlicht: Dieses Produkt trägt keine Werbung. Dann gehört das Budget zu einem anderen Artikel — oder der Preis auf den Prüfstand.

  1. Kaum Impressionen Dein Listing ist für kaum eine Suchanfrage relevant — nachbessern bei Titel, Tags und Attributen.
  2. Impressionen, aber keine Klicks Vorschaubild, Titelanfang oder Preis überzeugen im Suchergebnis nicht.
  3. Klicks, aber keine Bestellungen Die Artikelseite hält nicht, was das erste Bild verspricht, oder es fehlen Angaben.
  4. Bestellungen, aber unrentabel Marge und Preisklasse tragen die Werbung nicht — Budget umschichten oder den Preis prüfen.

Was Werbung nicht ersetzt

Zum Abschluss die Einordnung, die mir wichtig ist.

Ich habe in eigenen Projekten einen ROAS von bis zu 10 erreicht. Das war kein Kunststück im Werbekonto — die Steuerungsmöglichkeiten bei Etsy Ads sind bewusst begrenzt. Es war das Ergebnis von Vorarbeit: Listings, die für gesuchte Begriffe optimiert waren. Bilder, die im Suchergebnis auffielen. Preise, die trugen. Abläufe, die auch bei hoher Bestellmenge funktionierten.

Werbung war der letzte Schritt, nicht der erste. Sie hat verstärkt, was ohnehin funktionierte.

Wer diese Reihenfolge umdreht und Werbung als Lösung für einen nicht funktionierenden Shop einsetzt, zahlt Lehrgeld. Das ist keine Meinung, sondern schlicht die Mechanik dahinter: Ein Multiplikator kann nichts vervielfachen, was nicht da ist.

Ein Multiplikator wirkt in beide Richtungen

Werbung verstärkt einen funktionierenden Shop und beschleunigt den Verlust bei einem, der nicht trägt. Sie kann nichts vervielfachen, was nicht da ist. Prüfe deshalb vorher, ob Dein Listing organisch Aufrufe bekommt, ob es bei diesen Aufrufen verkauft und ob Deine Marge eine Werbegebühr überhaupt aushält.

Häufige Fragen aus der Praxis

Soll ich alle Artikel bewerben oder nur einzelne?

Nur einzelne. Etsy bietet die Möglichkeit, den gesamten Shop zu bewerben — das klingt bequem, verteilt Dein Budget aber gleichmäßig über gute und schlechte Listings. Das Ergebnis ist ein mittelmäßiger Durchschnitt, aus dem Du nichts lernst. Wähle zehn bis fünfzehn Artikel aus, die organisch bereits laufen, und beobachte diese.

Was mache ich, wenn ein Artikel mit Werbung schlechter läuft als ohne?

Das kommt vor und irritiert zunächst. Meistens liegt es daran, dass bezahlte Klicks eine andere Zusammensetzung haben als organische: Menschen, die über eine Anzeige kommen, sind oft weniger weit im Kaufprozess. Wenn ein Artikel organisch gut und bezahlt schlecht konvertiert, ist er schlicht kein guter Werbekandidat — nimm ihn heraus.

Beeinflusst Werbung mein organisches Ranking?

Nicht direkt. Etsy Ads kaufen Dir keine bessere organische Position. Indirekt kann es aber einen Effekt geben: Wenn Werbung zu Verkäufen und Bewertungen führt, verbessern sich Deine Qualitätssignale — und die zahlen wieder auf die organische Platzierung ein. Das ist einer der wenigen legitimen Gründe, Werbung bei einem neuen, aber überzeugenden Produkt einzusetzen.

Wie lange dauert es, bis ich brauchbare Daten habe?

Als Faustregel: mindestens hundert Klicks pro beworbenem Artikel, bevor Du eine Entscheidung triffst. Bei kleinem Budget kann das mehrere Wochen dauern. Alles darunter ist Zufall, nicht Erkenntnis.

Sollte ich das Budget vor Weihnachten erhöhen?

Wenn Deine Artikel laufen und Du liefern kannst: ja. Wenn eines von beidem wackelt: nein. Ein erhöhtes Budget in der Hochsaison verstärkt beides — Umsatz und Probleme. Wer im November feststellt, dass er die Bestellmenge nicht schafft, hat sich mit Werbung selbst geschadet.

Lohnt sich Etsy Ads bei digitalen Produkten?

Oft besser als bei physischen, weil keine Materialkosten anfallen und die Marge entsprechend höher liegt. Ein digitales Produkt mit 90 Prozent Marge trägt Werbekosten deutlich leichter als ein handgefertigter Artikel mit 40 Prozent.

Häufige Fragen

Lohnen sich Etsy Ads für neue Shops?

In der Regel nicht sofort. Werbung verstärkt die Leistung eines Listings — wenn ein Artikel organisch keine Verkäufe erzielt, wird er sie mit Werbung meist auch nicht erzielen, nur teurer. Sinnvoll wird Werbung, sobald ein Listing nachweislich konvertiert und Du die Reichweite gezielt ausbauen willst.

Was ist der Unterschied zwischen Etsy Ads und Offsite Ads?

Etsy Ads schaltest Du selbst mit eigenem Tagesbudget innerhalb von Etsy — Du zahlst pro Klick. Offsite Ads schaltet Etsy für Dich auf externen Plattformen wie Google oder Meta. Dabei zahlst Du nichts pro Klick, sondern eine Gebühr von 12 oder 15 Prozent, wenn daraus ein Verkauf entsteht.

Mit welchem Tagesbudget sollte ich starten?

Mit dem Mindestbetrag, den Etsy vorgibt, oder knapp darüber. Wichtiger als die Höhe ist die Laufzeit: Ein sehr kleines Budget über mehrere Wochen liefert brauchbarere Daten als ein großes über drei Tage. Erhöhe erst, wenn Du weißt, welche Artikel tragen.

Was ist ein guter ROAS auf Etsy?

Ein ROAS von 1 bedeutet, dass Du genau so viel Umsatz erzielst, wie Du für Werbung ausgibst — das ist ein Verlustgeschäft, weil davon noch Material, Gebühren und Steuern abgehen. Wo die Grenze zur Rentabilität liegt, hängt an Deiner Marge. Bei 30 Prozent Rohmarge brauchst Du grob einen ROAS über 3, um überhaupt etwas zu verdienen.

Kann ich Offsite Ads deaktivieren?

Nur solange Dein Shop in den letzten 365 Tagen unter 10.000 USD Umsatz liegt. Darüber ist die Teilnahme verpflichtend, dafür sinkt der Satz dauerhaft von 15 auf 12 Prozent.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern — im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

Fragen zu Deinem Etsy Shop?

Schreib mir kurz, wo Dein Shop steht. Ich schaue ihn mir an und sage Dir, wo die größten Hebel liegen.