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Etsy Gebühren: Alle Kosten im Überblick und wie Du richtig kalkulierst

Jede Gebühr, die Etsy erhebt — mit Höhe, Bemessungsgrundlage und Quelle. Plus die Rechnung, die zeigt, was am Ende wirklich bei Dir bleibt.

Von Oliver Wrase13 Min. LesezeitStand

Etsy nimmt nicht viel — aber es nimmt an mehreren Stellen gleichzeitig. Wer nur eine davon einrechnet, wundert sich später über die Auszahlung.

Die häufigste Fehlrechnung auf Etsy sieht so aus: Jemand liest „6,5 Prozent Transaktionsgebühr”, rechnet damit — und wundert sich, warum am Monatsende deutlich weniger ankommt.

Der Grund ist simpel: Die 6,5 Prozent sind nur eine von mehreren Gebühren, und sie fallen neben der Zahlungsabwicklung an, nicht statt ihr. Wer beide zusammenzählt, landet bei über zehn Prozent — und das ist noch vor Werbung und Einstellgebühren.

Dieser Beitrag geht jede Gebühr einzeln durch: Was sie kostet, worauf sie berechnet wird und wann sie anfällt. Alle Angaben stammen aus der offiziellen Etsy-Dokumentation, die am Ende verlinkt ist.

Die Übersicht

Für einen Verkäufer mit Zahlkonto in Deutschland gilt:

Gebühr Höhe Berechnet auf
Einstellgebühr 0,20 USD je Artikel pro Einstellvorgang, 4 Monate gültig
Transaktionsgebühr 6,5 % Artikelpreis + Versand + Geschenkverpackung
Zahlungsbearbeitung 4 % + 0,30 € gesamter Kaufbetrag
Offsite Ads 12 % oder 15 % Bestellsumme, nur bei zugeschriebenen Bestellungen
Währungsumrechnung 2,5 % bei abweichender Listing-Währung
Etsy Plus 10 USD im Monat freiwilliges Abo

Gesetzliche Betriebskosten, die Etsy in manchen Ländern erhebt, fallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht an. Das betrifft unter anderem Frankreich, Italien, Spanien, das Vereinigte Königreich und die Türkei.

Die Einstellgebühr

Für jeden Artikel, den Du einstellst, berechnet Etsy 0,20 USD. Diese Gebühr fällt an, egal ob der Artikel sich verkauft oder nicht.

Ein Listing bleibt vier Monate aktiv. Danach läuft es aus. Ist die automatische Erneuerung aktiviert — und das ist die Voreinstellung —, wird es automatisch neu eingestellt und die Gebühr fällt erneut an.

Wichtig für die Kalkulation: Auch beim Verkauf wird erneuert. Etsy behandelt einen Verkauf so, als würdest Du den Artikel danach neu einstellen. Bei jedem Verkauf fallen also 0,20 USD zusätzlich an.

Verkaufst Du in einer Bestellung mehrere Exemplare desselben Artikels, wird für jedes weitere Exemplar erneut 0,20 USD berechnet.

Da die Gebühr in US-Dollar festgelegt ist, hängt der Eurobetrag vom Tageskurs ab. Bei einem Kurs um 0,92 sind das etwa 18 Cent.

Was das praktisch bedeutet: Bei einem Artikel für 8 Euro sind 0,20 USD spürbar. Bei einem Artikel für 60 Euro fallen sie kaum ins Gewicht. Das ist einer der Gründe, warum sehr niedrigpreisige Einzelartikel auf Etsy schwer profitabel zu betreiben sind.

Die Transaktionsgebühr

Verkauft sich etwas, berechnet Etsy 6,5 Prozent. Bemessungsgrundlage ist der Preis, den Du für den Artikel anzeigst, zuzüglich der Beträge, die Du für Versand und Geschenkverpackung verlangst.

Das ist der Punkt, an dem viele Kalkulationen kippen: Die Gebühr gilt nicht nur für den Artikelpreis, sondern für den vollen Betrag, den der Käufer zahlt.

Bietest Du optionale Personalisierung gegen Aufpreis an, wird dieser Aufpreis auf den angezeigten Artikelpreis aufgeschlagen — und unterliegt damit ebenfalls der Transaktionsgebühr.

Für Verkäufer außerhalb der USA gilt zusätzlich: Die Gebühr wird auf den Artikelpreis einschließlich aller Steuern berechnet, für die Du selbst verantwortlich bist. Bei Regelbesteuerung heißt das: Die Transaktionsgebühr läuft auf den Bruttopreis, nicht auf den Nettopreis.

Die Zahlungsbearbeitung über Etsy Payments

Hier liegt die zweite große Position, und sie wird am häufigsten übersehen.

Für jede Transaktion über Etsy Payments fällt eine Bearbeitungsgebühr an. Sie besteht aus einem Prozentsatz und einem Fixbetrag, und beides hängt davon ab, in welchem Land Dein Bankkonto liegt — nicht davon, wo der Käufer sitzt.

Für Deutschland: 4 Prozent + 0,30 Euro pro Bestellung.

Zum Vergleich einige andere Länder aus der offiziellen Etsy-Tabelle:

  • Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande: 4 % + 0,30 €
  • Schweiz: 4 % + 0,50 CHF
  • Vereinigtes Königreich: 4 % + 0,20 GBP
  • USA: 3 % + 0,25 USD

Berechnet wird auf den Gesamtkaufbetrag einschließlich Versandkosten und gegebenenfalls anfallender Verkaufssteuern.

Diese Gebühr ist umsatzsteuerpflichtig. Ohne hinterlegte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer schlägt Etsy die Umsatzsteuer auf — dazu weiter unten mehr.

Erstattest Du einen Verkauf, werden die Bearbeitungsgebühren anteilig gutgeschrieben.

Offsite Ads: die Gebühr, die überrascht

Etsy schaltet Anzeigen für Deine Artikel auf externen Plattformen — Google, Meta, Pinterest und andere. Klickt jemand auf so eine Anzeige und bestellt innerhalb von 30 Tagen in Deinem Shop, wird eine Werbegebühr fällig.

Die Höhe richtet sich nach Deinem Shop-Umsatz der vergangenen 365 Tage:

Unter 10.000 USD Umsatz: 15 Prozent auf die zugeschriebene Bestellung. In dieser Phase kannst Du Dich von Offsite Ads abmelden.

Ab 10.000 USD Umsatz: 12 Prozent — und die Teilnahme ist verpflichtend. Diese Verpflichtung bleibt für die Lebensdauer des Shops bestehen, selbst wenn Dein Umsatz später wieder unter die Schwelle fällt.

Berechnet wird auf die Gesamtsumme der Bestellung, also inklusive Versand und Geschenkverpackung. Gedeckelt ist die Gebühr bei 100 USD pro Bestellung — bei hochpreisigen Artikeln ist das ein relevanter Schutz.

Eine Einschränkung, die oft untergeht: Klickt der Käufer innerhalb dieser 30 Tage zuletzt auf eine Etsy-interne Anzeige, fällt nur die Etsy-Ads-Gebühr an, nicht zusätzlich die für Offsite Ads.

Zur Einordnung: 15 Prozent klingen viel. Man muss aber sehen, dass diese Gebühr nur bei tatsächlich zugeschriebenen Verkäufen anfällt — es ist erfolgsabhängige Werbung, kein laufendes Budget. Ob sie sich lohnt, hängt an Deiner Marge. Bei 30 Prozent Rohmarge frisst eine 15-Prozent-Gebühr die Hälfte davon.

Die Währungsumrechnung

Listest Du Deine Artikel in einer anderen Währung als der Deines Zahlkontos, berechnet Etsy 2,5 Prozent des Verkaufspreises für die Umrechnung.

Das ist eine Gebühr, die sich vollständig vermeiden lässt: Liste in der Währung Deines Zahlkontos. Käufern werden die Preise ohnehin in ihrer eigenen Währung angezeigt — die Umrechnung für die Anzeige ist kostenlos, nur die Umrechnung Deiner Einnahmen kostet.

Für deutsche Verkäufer heißt das schlicht: in Euro listen.

Umsatzsteuer auf die Gebühren

Ein Punkt, der Kleinunternehmer regelmäßig kalt erwischt.

Etsy rechnet über eine irische Gesellschaft ab. Was das für Dich bedeutet, hängt davon ab, ob Du eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hinterlegt hast.

Mit USt-IdNr.: Es greift das Reverse-Charge-Verfahren. Etsy stellt die Gebühren netto in Rechnung, die Umsatzsteuerschuld geht auf Dich über und wird in Deiner Voranmeldung neutral abgebildet. Wirtschaftlich kosten Dich die Gebühren dann genau den ausgewiesenen Betrag.

Ohne USt-IdNr. — der typische Fall bei Kleinunternehmern nach § 19 UStG: Etsy berechnet Umsatzsteuer auf sämtliche Gebühren. Da Du als Kleinunternehmer keinen Vorsteuerabzug hast, ist dieser Aufschlag ein echter Kostenfaktor.

Bei 19 Prozent bedeutet das: Aus rund 10,5 Prozent Gebühren werden effektiv etwa 12,5 Prozent. Das ist ein Unterschied, der in der Kalkulation berücksichtigt gehören.

Für die verbindliche Beurteilung Deiner Situation sprich mit einem Steuerberater — die Kleinunternehmerregelung hat Vor- und Nachteile, die über die Etsy-Gebühren hinausgehen.

Eine vollständige Beispielrechnung

Damit die Zahlen greifbar werden, hier ein durchgerechneter Verkauf. Annahmen: Artikelpreis 24,90 Euro, Versand 4,90 Euro, Materialkosten und Porto zusammen 6,50 Euro, Regelbesteuerung, ein Einstellvorgang, keine Werbung.

Der Käufer zahlt: 29,80 Euro

Etsy berechnet:

  • Einstellgebühr: 0,20 USD ≈ 0,18 €
  • Transaktionsgebühr: 6,5 % von 29,80 € = 1,94 €
  • Zahlungsbearbeitung: 4 % von 29,80 € + 0,30 € = 1,49 €
  • Gebühren gesamt: 3,61 € — das sind 12,1 Prozent des Kaufbetrags

Auszahlung von Etsy: 26,19 €

Davon gehen ab:

  • Umsatzsteuer ans Finanzamt: 29,80 € − (29,80 € ÷ 1,19) = 4,76 €
  • Deine Kosten: 6,50 €

Es bleiben: 14,93 € — bei einem Nettoumsatz von 25,04 Euro entspricht das einer Marge von rund 60 Prozent.

Klingt gut. Jetzt derselbe Verkauf mit Offsite Ads:

  • Zusätzlich 15 % von 29,80 € = 4,47 €
  • Gebühren gesamt: 8,08 € statt 3,61 €
  • Es bleiben: 10,46 € — die Marge fällt auf knapp 42 Prozent

Ein einziger zugeschriebener Verkauf über Offsite Ads kostet Dich also rund ein Drittel Deines Gewinns bei diesem Artikel. Das ist nicht automatisch schlecht — wenn dieser Verkauf sonst gar nicht zustande gekommen wäre, hast Du immer noch verdient. Aber es zeigt, warum die Marge stimmen muss, bevor Werbung ins Spiel kommt.

Was das für Deine Preise bedeutet

Aus diesen Zahlen ergeben sich einige praktische Schlüsse.

Niedrigpreisige Einzelartikel sind schwierig. Bei einem Verkaufspreis von 8 Euro machen die Fixbeträge — 0,30 Euro Zahlungspauschale und 0,18 Euro Einstellgebühr — allein schon 6 Prozent aus. Dazu die prozentualen Gebühren, die Umsatzsteuer und Deine Kosten. Solche Preise funktionieren nur über Bündel oder größere Mengen pro Bestellung.

Der Versand gehört in die Kalkulation. Weil Etsy auf den Gesamtbetrag berechnet, ist es gebührenmäßig gleichgültig, ob Du den Versand separat ausweist oder einrechnest. Für die Sichtbarkeit ist kostenloser Versand allerdings ein Vorteil, weil Etsy günstige Gesamtpreise bevorzugt.

Rechne mit Werbung, auch wenn Du keine schaltest. Sobald Dein Shop 10.000 USD Jahresumsatz überschreitet, sind Offsite Ads verpflichtend. Wer seine Preise vorher ohne diesen Posten kalkuliert hat, verliert genau in dem Moment Marge, in dem der Shop erfolgreich wird.

Prüfe Deine Kalkulation regelmäßig. Etsy kann Gebühren ändern, Materialpreise steigen, Portokosten auch. Eine Kalkulation von vor zwei Jahren ist keine Kalkulation mehr.

Wenn Du das für Deine eigenen Produkte durchspielen willst, kannst Du unseren Etsy Gebührenrechner nutzen. Er rechnet alle hier beschriebenen Positionen durch und unterscheidet zwischen Regelbesteuerung und Kleinunternehmerregelung.

Wann Etsy die Gebühren abbucht

Die Gebühren werden nicht einzeln abgebucht, sondern in Deinem Zahlkonto verrechnet. Etsy zieht sie von Deinen Verkaufseinnahmen ab, bevor der Restbetrag auf Dein Bankkonto überwiesen wird.

Bleibt am Monatsende ein negativer Saldo — etwa weil Du viele Artikel eingestellt, aber wenig verkauft hast —, wird der offene Betrag am Ersten des Folgemonats fällig und über die hinterlegte Zahlungsmethode eingezogen.

Deshalb solltest Du eine gültige Karte hinterlegt haben. Ein Shop mit überfälliger Abrechnung wird von Etsy gesperrt, bis der Betrag beglichen ist.

Etsy Plus: lohnt sich das Abo?

Für 10 USD im Monat bietet Etsy ein Abo mit Zusatzfunktionen an: Guthaben für Einstellgebühren und Werbung, erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten für den Shop, Benachrichtigungen für Kunden bei wieder verfügbaren Artikeln, Rabatt auf eine eigene Domain.

Ob sich das rechnet, ist reine Mathematik: Das enthaltene Guthaben muss den Abopreis übersteigen. Für einen Shop mit wenigen Listings und geringem Werbebudget lohnt es sich in der Regel nicht. Für einen Shop mit vielen Artikeln und laufender Werbung kann es aufgehen.

Rechne es einmal für Deinen Fall durch, statt es aus dem Bauch heraus zu entscheiden — und prüfe die Rechnung nach ein paar Monaten erneut.

Die Gebühren in Deiner Buchhaltung

Ein praktischer Aspekt, der oft erst beim Jahresabschluss auffällt.

Etsy zahlt Dir nicht den Bruttobetrag aus und zieht die Gebühren später ein. Etsy verrechnet direkt: Von jedem Verkauf gehen die Gebühren ab, der Rest landet in Deinem Zahlkonto und wird von dort überwiesen.

Für die Buchhaltung bedeutet das: Der Betrag auf Deinem Bankkonto ist nicht Dein Umsatz. Dein Umsatz ist der Bruttobetrag, den der Käufer gezahlt hat. Die Gebühren sind Betriebsausgaben, die separat zu erfassen sind.

Wer das verwechselt, weist zu geringe Umsätze aus — und das kann bei einer Prüfung unangenehm werden. Auch für die Kleinunternehmergrenze zählt der Bruttoumsatz, nicht die Auszahlung.

Etsy stellt monatliche Rechnungen über die Gebühren bereit. Diese gehören in Deine Unterlagen, weil sie die Betriebsausgaben belegen. Du findest sie im Shop-Manager unter den Finanzen.

Was Etsy im Vergleich kostet

Zur Einordnung ein Blick auf andere Marktplätze. Die Zahlen ändern sich, aber die Größenordnungen sind aufschlussreich.

Etsy liegt mit rund 10,5 Prozent plus Fixbeträgen im mittleren Bereich. Amazon verlangt je nach Kategorie 7 bis 15 Prozent, dazu bei Fulfillment durch Amazon noch Lager- und Versandgebühren sowie eine monatliche Grundgebühr für den professionellen Verkäufer-Account. eBay bewegt sich je nach Kategorie in ähnlichen Regionen.

Der entscheidende Unterschied liegt woanders: Etsy hat keine monatliche Grundgebühr. Du zahlst nur, wenn Du einstellst und verkaufst. Für einen Shop, der klein anfängt oder saisonal schwankt, ist das ein struktureller Vorteil — bei Amazon läuft die Grundgebühr auch in einem Monat ohne Verkäufe.

Der zweite Unterschied ist die Zielgruppe. Auf Etsy suchen Menschen bewusst nach Handgemachtem und Besonderem und achten weniger auf den niedrigsten Preis. Das erlaubt Margen, die auf preisgetriebenen Marktplätzen schwer durchzusetzen sind. Die Gebühren allein zu vergleichen greift deshalb zu kurz — entscheidend ist, welchen Preis Du auf der jeweiligen Plattform überhaupt erzielen kannst.

Sechs Wege, die Gebührenlast zu senken

Die Gebührensätze selbst kannst Du nicht verhandeln. Was Du beeinflussen kannst, ist die Summe, die am Ende zusammenkommt.

In Euro listen. Spart 2,5 Prozent Umrechnungsgebühr. Der einfachste Hebel überhaupt, und er wird erstaunlich oft übersehen.

Automatische Erneuerung bewusst steuern. Artikel, die seit Monaten weder Aufrufe noch Verkäufe haben, kosten Dich alle vier Monate erneut 0,20 USD. Bei fünfzig solchen Karteileichen sind das rund 9 Euro im Jahr für nichts. Prüfe Dein Sortiment regelmäßig.

Bestellwert erhöhen statt Bestellzahl. Die Fixbeträge — 0,30 Euro Zahlungspauschale, 0,20 USD Einstellgebühr — fallen pro Bestellung beziehungsweise pro Artikel an. Zwei Artikel in einer Bestellung sind gebührenmäßig günstiger als zwei einzelne Bestellungen. Bündel, Sets und Mengenrabatte zahlen also direkt auf Deine Gebührenquote ein.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hinterlegen, wenn Du regelbesteuert bist. Dann greift Reverse Charge, und Etsy rechnet die Gebühren netto ab. Ohne diese Angabe zahlst Du Umsatzsteuer auf die Gebühren, die Du bei Regelbesteuerung eigentlich nicht tragen müsstest.

Offsite Ads bewusst entscheiden. Solange Du unter 10.000 USD Jahresumsatz liegst, kannst Du Dich abmelden. Ob das sinnvoll ist, hängt an Deiner Marge — bei dünner Spanne kann die Abmeldung die wirtschaftlich richtige Entscheidung sein.

Etsy Plus durchrechnen. 10 USD im Monat lohnen sich nur, wenn Du das enthaltene Guthaben tatsächlich ausschöpfst. Prüfe das nach ein paar Monaten anhand Deiner realen Zahlen, nicht nach Gefühl.

Der Fehler, der am meisten kostet

Zum Schluss der Punkt, der in Shopanalysen am häufigsten auffällt: Preise, die vor der Gebührenrechnung festgelegt wurden.

Viele Verkäufer orientieren sich am Wettbewerb. Sie schauen, was ähnliche Artikel kosten, und legen sich knapp darunter. Erst danach — wenn überhaupt — wird gerechnet, was übrig bleibt.

Diese Reihenfolge ist verkehrt. Der Preis muss von unten aufgebaut werden: Materialkosten, Verpackung, echtes Porto, Deine Arbeitszeit zu einem Stundensatz, den Du akzeptabel findest, dann die Gebühren, dann die Umsatzsteuer, dann eine Marge, die Investitionen und schlechte Monate trägt.

Was dabei herauskommt, ist Dein Mindestpreis. Liegt er über dem, was der Markt hergibt, hast Du ein Produktproblem — nicht ein Preisproblem. Dann musst Du entweder die Kosten senken, den Wert erhöhen oder das Produkt lassen.

Wer stattdessen den Marktpreis übernimmt und hofft, dass es reicht, verkauft am Ende viel und verdient wenig. Das ist die häufigste Form des erfolglosen Erfolgs auf Etsy.

Wenn die Gebühren plötzlich anders aussehen

Ein letzter Hinweis, der Dir Nerven spart: Etsy passt seine Gebührenstruktur gelegentlich an. In den vergangenen Jahren gab es mehrfach Änderungen — bei der Höhe der Verkaufsgebühr, bei den Bedingungen für Offsite Ads, bei regionalen Zusatzgebühren.

Was das für Dich heißt: Verlasse Dich nicht auf eine Zahl, die Du vor zwei Jahren gelesen hast. Auch nicht auf die Zahl in einem YouTube-Video oder in einem Forumsbeitrag. Die einzige verbindliche Quelle ist die Gebührenübersicht von Etsy selbst, und die ändert sich ohne große Ankündigung.

Ich prüfe die offiziellen Seiten mehrmals im Jahr und rechne meine Kalkulation danach neu durch. Das dauert eine halbe Stunde und verhindert, dass eine Anpassung monatelang unbemerkt an der Marge frisst.

Wenn Etsy eine Änderung ankündigt, kommt in der Regel eine Nachricht im Shop-Manager. Diese Nachrichten sind es wert, gelesen zu werden — auch wenn die meisten davon Werbung sind.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent nimmt Etsy insgesamt?

Für Verkäufer mit Zahlkonto in Deutschland sind es ohne Werbung rund 10,5 Prozent plus 0,30 Euro pro Bestellung und 0,20 USD Einstellgebühr je Artikel. Die 10,5 Prozent setzen sich zusammen aus 6,5 Prozent Transaktionsgebühr und 4 Prozent Zahlungsbearbeitung. Kommen Offsite Ads dazu, können weitere 12 bis 15 Prozent anfallen.

Berechnet Etsy die Gebühren auch auf die Versandkosten?

Ja. Sowohl die Transaktionsgebühr als auch die Zahlungsbearbeitungsgebühr werden auf den gesamten Kaufbetrag berechnet — also Artikelpreis plus Versand und gegebenenfalls Geschenkverpackung. Kostenloser Versand ändert daran nichts, dann steckt der Versand eben im Artikelpreis.

Muss ich als Kleinunternehmer Umsatzsteuer auf die Etsy-Gebühren zahlen?

Ohne gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer berechnet Etsy Umsatzsteuer auf die Gebühren. Als Kleinunternehmer kannst Du diese nicht als Vorsteuer zurückholen — sie ist für Dich ein echter Kostenfaktor. Mit hinterlegter USt-IdNr. greift das Reverse-Charge-Verfahren und die Gebühren werden netto abgerechnet.

Fällt die Einstellgebühr auch an, wenn ich nichts verkaufe?

Ja. Die 0,20 USD werden beim Einstellen fällig, unabhängig vom Verkauf. Ein Listing läuft vier Monate. Danach wird es automatisch erneuert und die Gebühr fällt erneut an, sofern Du die automatische Erneuerung nicht abschaltest.

Kann ich Offsite Ads abschalten?

Nur solange Dein Shop in den vergangenen 365 Tagen weniger als 10.000 USD Umsatz gemacht hat. Ab dieser Schwelle ist die Teilnahme verpflichtend, und der Satz sinkt dauerhaft auf 12 Prozent — auch dann, wenn Dein Umsatz später wieder darunter fällt.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern — im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

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