Vertiefung

Betriebsausgaben für Etsy-Verkäufer: Was Du absetzen kannst und wie

Absetzbare Kosten im Etsy-Shop: Material, Verpackung, Etsy-Gebühren, Software, Arbeitszimmer, Fahrtkosten, geringwertige Wirtschaftsgüter und Abschreibung — mit den Posten, die am häufigsten vergessen werden.

Von Oliver Wrase22 Min. LesezeitStand

Bei den meisten Etsy-Shops, die ich mir ansehe, fehlen fünf bis fünfzehn Prozent der Betriebsausgaben — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil niemand daran gedacht hat. Das ist bares Geld, das Du versteuerst, ohne es gehabt zu haben.

Betriebsausgaben sind der einzige Bereich der Steuerthemen, in dem Sorgfalt sofort Geld bringt. Jeder Euro, den Du korrekt erfasst, mindert Deinen Gewinn und damit Deine Steuer.

Und trotzdem ist es der Bereich, in dem am meisten liegenbleibt. Bei den Shops, die ich mir ansehe, fehlen regelmäßig fünf bis fünfzehn Prozent der abziehbaren Kosten. Nicht die großen Posten — die vergisst niemand. Es sind die kleinen, wiederkehrenden: das Software-Abo, der Toner, das Klebeband, die Fahrt zum Großhandel.

Der Grundsatz ist einfach: Betriebsausgaben sind Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Es gibt keine Mindesthöhe und keine Liste, auf der etwas stehen muss. Entscheidend ist der Zusammenhang mit Deiner Tätigkeit.

Und der Hinweis, den ich in diesem Kapitel überall setze: Ich bin kein Steuerberater. Was hier steht, zeigt Dir, woran Du denken solltest. Die Abgrenzung im Einzelfall — besonders bei gemischt genutzten Gegenständen und beim Arbeitszimmer — gehört fachlich geklärt.

Die offensichtlichen Posten

Damit die Liste vollständig ist, auch wenn diese Punkte niemand vergisst.

Material und Rohstoffe. Alles, was in Deine Produkte eingeht. Holz, Stoff, Garn, Farbe, Ton, Metall, Papier, Rohlinge. Bei Wareneinkauf für den Weiterverkauf ebenso.

Verpackung. Kartonagen, Polstermaterial, Klebeband, Etiketten, Beilagen, Geschenkverpackung, Versandtaschen. Das summiert sich schneller, als man denkt — bei zweihundert Sendungen im Jahr sind das leicht dreistellige Beträge.

Porto und Versandetiketten. Egal, ob über Etsy gekauft oder direkt beim Dienstleister.

Etsy-Gebühren in allen Varianten. Einstellgebühren, Transaktionsgebühren, Zahlungsabwicklungsgebühren, Etsy Ads, Offsite Ads, Etsy Plus, Währungsumrechnungsgebühren. Vollständig abziehbar.

Werkzeuge und Maschinen. Bis 800 Euro netto je Gegenstand sofort in voller Höhe, darüber über die Nutzungsdauer verteilt.

Und die Waren, die Du nicht verkauft bekommst. Ausschuss, Fehlproduktionen, beschädigte Ware — das Material dafür hast Du bezahlt, und es ist betrieblich veranlasst.

Hier liegt das Geld

In den Shops, in die ich Einblick hatte, lagen zwischen fünf und fünfzehn Prozent der Betriebsausgaben unerfasst. Nicht weil sie strittig gewesen wären, sondern weil niemand sie für eine Ausgabe gehalten hat. Bei 8.000 Euro Jahresausgaben sind das 400 bis 1.200 Euro, die den Gewinn nicht gemindert haben.

Die Posten, die am häufigsten vergessen werden

Hier liegt das Geld, das die meisten liegen lassen.

Software-Abonnements. Bildbearbeitung, Designwerkzeuge, Buchhaltung, Recherche-Werkzeuge für Etsy-SEO, Cloudspeicher, Passwortmanager, Terminplanung. Bei drei bis vier Abos sind das schnell dreihundert bis sechshundert Euro im Jahr — und jedes einzelne davon ist betrieblich veranlasst, wenn Du es für den Shop nutzt.

Fachliteratur und Weiterbildung. Bücher, Kurse, Webinare, Fachzeitschriften. Auch der Onlinekurs zur Produktfotografie.

Kommunikationskosten anteilig. Telefon und Internet, soweit betrieblich veranlasst. Für die Aufteilung braucht es einen nachvollziehbaren Maßstab — der Steuerberater kennt die üblichen Wege.

Fahrtkosten. Zum Großhandel, zur Post, zur Packstation, zu einer Messe, zum Steuerberater. Bei Nutzung des privaten Fahrzeugs für betriebliche Fahrten gibt es die Möglichkeit, pauschal je gefahrenem Kilometer anzusetzen. Ein einfaches Fahrtenbuch oder eine Aufstellung der Fahrten reicht dafür als Grundlage.

Kontoführungsgebühren des Geschäftskontos. Und die Gebühren des Zahlungsdienstleisters, soweit sie nicht schon über Etsy laufen.

Bürobedarf. Drucker, Papier, Toner, Stifte, Ordner, Etikettendrucker. Die Positionen, bei denen niemand an den Beleg denkt.

Versicherungen für den Betrieb. Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Rechtsschutz für Selbstständige. Private Versicherungen dagegen nicht.

Beiträge zu Kammern und Verbänden. Der IHK-Beitrag ist Betriebsausgabe.

Steuerberatungskosten, soweit sie den Betrieb betreffen.

Und Musterbestellungen bei Wettbewerbern oder Print-on-Demand-Anbietern. Wer ein Produkt testet, bevor er es anbietet, hat eine betrieblich veranlasste Ausgabe.

Mein praktischer Rat: Setz Dich einmal hin und geh Dein Konto und Deine E-Mails eines vollständigen Monats durch. Jede Abbuchung, jede Rechnung. Danach hast Du eine Liste der wiederkehrenden Posten, die Du nur noch abhaken musst. Der Aufwand ist eine Stunde, und der Effekt hält Jahre.

Betriebsausgaben, die Etsy-Verkäufer am häufigsten vergessen

Nicht die großen Posten fehlen, sondern die kleinen wiederkehrenden.

Geringwertige Wirtschaftsgüter und Abschreibung

Der Punkt, an dem die Frage lautet: sofort oder verteilt.

Die Grenze liegt bei 800 Euro netto je selbstständig nutzbarem beweglichem Anlagegut. Bis dahin darfst Du den vollen Betrag im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgabe abziehen.

Was das praktisch bedeutet: Eine Kamera für 750 Euro netto ist sofort in voller Höhe abziehbar. Eine für 900 Euro netto wird über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt — bei Fotoausrüstung sind das mehrere Jahre.

“Selbstständig nutzbar” ist die Einschränkung, die man kennen muss. Ein Objektiv allein ist nicht selbstständig nutzbar, weil es einen Body braucht. Bei solchen Konstellationen greift die Sofortabschreibung nicht ohne Weiteres.

Die Nutzungsdauern stehen in den Abschreibungstabellen des Bundesfinanzministeriums. Für Rechner und Zubehör gilt seit einigen Jahren eine sehr kurze Nutzungsdauer, was in der Praxis oft auf eine Abschreibung im Anschaffungsjahr hinausläuft. Das ist ein Punkt, den man mitnehmen sollte, weil er größere Anschaffungen deutlich attraktiver macht.

Der praktische Rat bei größeren Anschaffungen: Sprich den Zeitpunkt mit dem Steuerberater ab. Ob eine Maschine im Dezember oder im Januar gekauft wird, kann bei der Steuer einen spürbaren Unterschied machen — in beide Richtungen, je nachdem, wie das laufende und das kommende Jahr aussehen.

Und für Kleinunternehmer: Die 800-Euro-Grenze bezieht sich auf den Nettowert. Da Du keine Vorsteuer ziehst, ist für Dich der Bruttobetrag maßgeblich für die Zahlung, aber die Grenze bemisst sich nach dem Nettowert. Das klingt spitzfindig, entscheidet aber darüber, ob eine Anschaffung von 940 Euro brutto noch unter die Sofortabschreibung fällt.

Die 800-Euro-Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter

Bis 800 Euro netto sofort abziehbar, darüber verteilt über die Nutzungsdauer.

  • 6 €Tagespauschale je Arbeitstag zu Hause
  • 210 Tagebis der Höchstbetrag erreicht ist
  • 1.260 €Höchstbetrag im Kalenderjahr
  • 0 €Nachweis nötig — die Tage genügen

Das häusliche Arbeitszimmer und die Tagespauschale

Der Bereich mit den meisten Missverständnissen — und der, bei dem sich die Regeln in den letzten Jahren geändert haben.

Die erste Variante: das häusliche Arbeitszimmer. Es setzt einen separaten Raum voraus, der nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird. “Nahezu ausschließlich” heißt in der Praxis: kein Gästebett, kein Fernseher, kein Kleiderschrank mit Privatkleidung. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer erfüllt die Voraussetzung nicht, und auch ein Durchgangszimmer wird kritisch gesehen.

Wenn die Voraussetzungen vorliegen, sind die anteiligen Kosten des Raums abziehbar: Miete oder Gebäudeabschreibung, Nebenkosten, Strom, Heizung, Reinigung, Renovierung. Der Anteil bemisst sich nach dem Verhältnis der Fläche des Zimmers zur Gesamtwohnfläche. Bei einem Arbeitszimmer von 14 Quadratmetern in einer Wohnung von 90 Quadratmetern sind das rund 15,5 Prozent der Wohnkosten — bei 900 Euro Warmmiete also rund 140 Euro im Monat oder 1.680 Euro im Jahr. Das ist ein Betrag, der sich lohnt, ihn richtig zu ermitteln.

Ob dieser Abzug in voller Höhe möglich ist, hängt zusätzlich davon ab, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt Deiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. Bei einer hauptberuflichen Etsy-Tätigkeit, die im Wesentlichen dort stattfindet, kann das der Fall sein. Bei einer Nebentätigkeit neben einer Vollzeitstelle in aller Regel nicht — dann kommt die zweite Variante ins Spiel.

Die zweite Variante: die Tagespauschale für die häusliche Tätigkeit. Sie steht Dir zu, wenn Du an einem Tag überwiegend zu Hause arbeitest, und sie ist an keinen separaten Raum gebunden. Sie beträgt einen festen Betrag je Tag, begrenzt auf eine Höchstzahl von Tagen im Jahr. Für die meisten Etsy-Verkäufer mit einer Arbeitsecke statt eines Arbeitszimmers ist das die relevante Variante — und die deutlich einfachere, weil keine Flächenberechnung nötig ist, sondern nur eine Aufzeichnung der Tage.

Was Du dafür brauchst: eine einfache Liste der Tage, an denen Du zu Hause für den Shop gearbeitet hast. Ein Kalender reicht.

Der dritte Fall, den viele nicht auf dem Schirm haben: Betriebliche Räume, die keine häuslichen Arbeitszimmer sind. Eine Werkstatt in der Garage, ein Lagerraum, ein Atelier mit eigenem Zugang — dafür gelten andere, oft günstigere Regeln als für das häusliche Arbeitszimmer. Wenn Du für Deinen Shop tatsächlich produzierst und lagerst, lohnt es sich, diese Abgrenzung mit dem Steuerberater durchzusprechen. Sie wird häufig übersehen, weil alle nur an das “Arbeitszimmer” denken.

Mein Rat: Rechne einmal beide Varianten durch. Bei einem separaten Raum und hoher Miete kann der Arbeitszimmerabzug deutlich mehr bringen als die Pauschale — vorausgesetzt, die Voraussetzungen liegen wirklich vor. Wer sie sich schönrechnet, riskiert bei einer Prüfung die Streichung des gesamten Abzugs für alle offenen Jahre.

Der Punkt, der bei der EÜR überrascht

Material, das Du im Dezember kaufst und erst im Februar verarbeitest, mindert trotzdem den Gewinn des alten Jahres. Bei der Einnahmenüberschussrechnung zählt der Abfluss des Geldes, nicht der Verbrauch der Ware. Ein unverkaufter Warenbestand steht in der EÜR nirgends — anders als in einer Bilanz.

Warenbestand, Materialeinkauf und der Zeitpunkt

Ein Punkt, der bei der Einnahmenüberschussrechnung anders funktioniert als viele erwarten.

Der Grundsatz bei der EÜR: Es gilt das Zufluss- und Abflussprinzip. Eine Ausgabe wirkt sich in dem Jahr aus, in dem Du sie bezahlt hast — nicht in dem Jahr, in dem Du das Material verbrauchst oder das Produkt verkaufst.

Was das praktisch bedeutet: Wenn Du im Dezember Material für 2.000 Euro kaufst und erst im Folgejahr daraus produzierst, mindert die Ausgabe trotzdem den Gewinn des laufenden Jahres. Das ist ein Gestaltungsspielraum, den man kennen sollte — und einer, den man nicht überziehen sollte.

Wo die Grenzen liegen: Bei Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens gilt das Abflussprinzip nicht in dieser Form; dort greifen die Regeln zur Abschreibung. Und bei bestimmten Konstellationen kann die Finanzverwaltung eine willkürliche Verlagerung beanstanden. Wer regelmäßig im Dezember auf Vorrat kauft, weil er das Material ohnehin braucht, ist auf der sicheren Seite. Wer im Dezember Material für drei Jahre kauft, um den Gewinn zu drücken, weniger.

Ein Sonderfall, der bei Etsy häufig vorkommt: die Anzahlung auf eine größere Anschaffung. Sie wirkt sich im Zeitpunkt der Zahlung aus, aber bei abschreibungspflichtigen Gütern gelten eigene Regeln. Das gehört im Zweifel geklärt, bevor Du zahlst, nicht danach.

Und was ich empfehle, wenn das Jahr gut lief: Sprich im November mit dem Steuerberater über anstehende Anschaffungen. Ein vorgezogener Materialeinkauf, eine Maschine, ein Kurs — all das lässt sich zeitlich steuern, und der Effekt auf die Steuer ist unmittelbar. Nach dem 31. Dezember ist diese Tür zu.

Bewirtung, Geschenke und Repräsentation

Ein kleines Feld, das bei Etsy selten groß wird, aber trotzdem dazugehört.

Geschenke an Geschäftspartner sind bis zu einer betragsmäßigen Grenze je Empfänger und Jahr abziehbar. Darüber sind sie es nicht — und zwar dann gar nicht, nicht nur der übersteigende Teil. Für Etsy-Verkäufer betrifft das etwa Präsente an Lieferanten oder Kooperationspartner.

Beilagen für Kunden sind etwas anderes. Eine Dankeskarte, ein Sticker, eine kleine Zugabe im Paket ist Teil der Leistung an den Kunden und damit Betriebsausgabe — keine Geschenkposition im steuerlichen Sinn.

Bewirtungskosten aus geschäftlichem Anlass sind anteilig abziehbar, wenn die Aufzeichnungspflichten erfüllt sind: Anlass, Teilnehmer, Datum, Ort, und die maschinelle Rechnung des Betriebs. Bei einem Etsy-Shop kommt das selten vor — beim Treffen mit einem Lieferanten oder auf einer Messe aber schon.

Was nicht geht: die private Mittagspause, das Essen mit Freunden, die Familienfeier. Das sind Kosten der privaten Lebensführung, und der Versuch, sie unterzubringen, ist der schnellste Weg zu Ärger bei einer Prüfung.

Mein pragmatischer Rat: Lass die Finger von Grenzfällen. Der Betrag, um den es bei einem Etsy-Shop geht, steht in keinem Verhältnis zu dem Misstrauen, das ein aufgefallener Grenzfall auf alle anderen Positionen wirft.

  • Private Entnahmen und Geld, das Du Dir selbst auszahlst
  • Die Einkommensteuer und die Solidaritätszuschläge darauf
  • Kleidung, die auch privat tragbar ist — auch wenn Du sie nur im Shop trägst
  • Der Anteil an Telefon und Internet, der privat veranlasst ist
  • Material, das im privaten Bastelprojekt gelandet ist
  • Geldstrafen und Bußgelder
  • Bewirtung ohne betrieblichen Anlass und ohne die geforderten Angaben

Was keine Betriebsausgabe ist

Damit die Abgrenzung von der anderen Seite klar wird.

Private Entnahmen. Geld, das Du Dir aus dem Betrieb nimmst, ist keine Ausgabe. Es ist eine Entnahme und mindert den Gewinn nicht. Das ist der Punkt, an dem bei Einzelunternehmern die meisten Denkfehler passieren: Dein “Gehalt” gibt es steuerlich nicht. Der Gewinn ist Dein Einkommen, unabhängig davon, wie viel Du Dir auszahlst.

Die Einkommensteuer. Sie ist eine Personensteuer und keine Betriebsausgabe. Die Gewerbesteuer ist es ebenfalls nicht, sie wird aber bei Einzelunternehmern in bestimmtem Umfang auf die Einkommensteuer angerechnet.

Private Versicherungen. Kranken-, Renten-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen für den privaten Bereich sind keine Betriebsausgaben. Manche davon sind als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung abziehbar — das ist ein anderer Weg mit anderen Grenzen.

Kleidung, außer typischer Berufskleidung. Ein Pullover, den Du beim Fotografieren trägst, bleibt ein Pullover. Bei Schutzkleidung und eindeutiger Arbeitskleidung sieht es anders aus.

Und alles ohne betrieblichen Anlass. Die Frage ist immer dieselbe: Hätte ich diese Ausgabe auch ohne den Shop gehabt? Wenn ja, wird es schwierig.

  1. Sofort ablegen Beleg fotografieren oder als PDF in einen Ordner ziehen, am Tag des Kaufs
  2. Monatlich sortieren Alles aus dem Sammelordner in den Monatsordner, benannt nach Datum und Zweck
  3. Gegen den Kontoauszug prüfen Jede Abbuchung muss einen Beleg haben, jeder Beleg eine Abbuchung
  4. Jährlich sichern Kopie an einen zweiten Ort — die Aufbewahrungsfrist überlebt jede Festplatte

Eine Belegroutine, die trägt

Weil der beste Betriebsausgabenabzug nichts nützt, wenn der Beleg fehlt.

Digitale Belege sofort ablegen. Ein E-Mail-Filter, der Rechnungen automatisch in einen Ordner sortiert, ist in zehn Minuten eingerichtet und spart Dir über Jahre Sucherei. Alles, was mit “Rechnung”, “Invoice”, “Beleg” oder dem Namen eines Lieferanten im Betreff kommt, landet dort.

Papierbelege am selben Tag fotografieren. Kassenbons verblassen, und zwar schneller, als die Aufbewahrungsfrist läuft. Ein Foto oder Scan gehört in denselben Monatsordner wie alles andere.

Dateinamen mit Datum voran. Dann sortiert sich alles von selbst und die Suche funktioniert.

Einmal im Monat gegen den Kontoauszug prüfen. Jede Abbuchung braucht einen Beleg. Wenn eine fehlt, ist sie im laufenden Monat in zwei Minuten geklärt und ein Jahr später gar nicht mehr.

Und die Liste der wiederkehrenden Ausgaben. Software-Abos, Versicherungen, Kammerbeiträge, Kontoführung — einmal notiert, danach jedes Jahr abhaken. Das ist der Trick, mit dem die fünf bis fünfzehn Prozent nicht mehr liegenbleiben.

Was Du bei fehlenden Belegen tun kannst: Bei betrieblich veranlassten Ausgaben ist unter Umständen ein Eigenbeleg möglich, mit Datum, Zahlungsempfänger, Betrag, Grund und Deiner Unterschrift. Das ist die Ausnahme, nicht die Lösung — und bei größeren Beträgen wird die Finanzverwaltung nachfragen.

Vor dem ersten Verkauf

Ausgaben, die vor dem ersten Umsatz anfallen, sind grundsätzlich abziehbar, wenn ein Zusammenhang mit der beabsichtigten Tätigkeit erkennbar ist. Sammle Belege ab dem Tag, an dem Du den Entschluss gefasst hast — nicht erst ab der Gewerbeanmeldung. Kamera, Material, Verpackung, Fachbücher, Kurse: das alles zählt schon dazu.

Betriebsausgaben in der Anlaufphase

Ein Bereich, der bei Etsy-Shops besonders relevant ist, weil die Investitionen oft vor dem ersten Verkauf liegen.

Vorweggenommene Betriebsausgaben sind Aufwendungen, die vor der Aufnahme der eigentlichen Tätigkeit anfallen, aber mit ihr in einem hinreichend konkreten Zusammenhang stehen. Für einen Etsy-Shop kann das die Kamera sein, die Du für die Produktfotos gekauft hast, das Material für die ersten Muster, der Kurs zur Produktfotografie oder die Rechtstexte.

Die Voraussetzung: Der Zusammenhang mit der späteren Tätigkeit muss erkennbar sein. Eine Kamera, die Du drei Jahre vor der Shopgründung gekauft hast, wird schwer als vorweggenommene Betriebsausgabe durchgehen. Eine, die Du zwei Monate davor für die ersten Produktfotos angeschafft hast, eher.

Was Du praktisch tun solltest: Belege aus der Vorbereitungsphase aufbewahren, auch wenn Du noch kein Gewerbe hast. Und beim ersten Steuerberatertermin ansprechen, welche davon sich noch geltend machen lassen.

Die Einlage von Gegenständen aus dem Privatvermögen ist ein verwandter Fall. Wenn Du einen vorhandenen Rechner künftig überwiegend für den Shop nutzt, kann er ins Betriebsvermögen eingelegt und ab dann abgeschrieben werden. Bewertet wird in der Regel mit dem Wert im Zeitpunkt der Einlage, nicht mit den ursprünglichen Anschaffungskosten. Auch hier gilt: Die konkrete Handhabung gehört fachlich geklärt.

Und der Verlust in der Anlaufphase: Er ist normal und steuerlich grundsätzlich nutzbar. Bei einer Nebentätigkeit neben einer Anstellung mindert er das zu versteuernde Einkommen unmittelbar. Das ist einer der Gründe, warum sich die vollständige Erfassung der Anlaufkosten besonders lohnt — die Steuerersparnis wirkt sofort, nicht erst, wenn der Shop Gewinn macht.

Wiederkehrende Ausgaben systematisch erfassen

Der Trick, mit dem die vergessenen fünf bis fünfzehn Prozent nicht mehr vergessen werden.

Das Problem: Wiederkehrende kleine Ausgaben fallen einzeln nie auf. Ein Software-Abo für neun Euro im Monat ist unsichtbar. Über ein Jahr sind es 108 Euro. Bei vier solchen Abos über 400 Euro. Und diese 400 Euro tauchen in keiner Buchhaltung auf, wenn niemand daran denkt.

Die Lösung ist eine Liste. Einmal erstellt, jedes Jahr abgehakt. Sie enthält:

Alle Abonnements mit Betrag und Zahlungsrhythmus. Bildbearbeitung, Designwerkzeuge, Buchhaltung, Recherche-Werkzeuge für Etsy-SEO, Cloudspeicher, Passwortmanager, E-Mail-Dienst, Domain und Hosting.

Alle Versicherungen für den Betrieb mit Fälligkeit.

Die Kammerbeiträge.

Die Kontoführungsgebühren.

Die Beiträge zu Diensten, die Du nur einmal im Jahr zahlst — und die deshalb besonders leicht durchrutschen.

Wie Du sie erstellst: Geh Dein Geschäftskonto eines vollständigen Jahres durch und notiere jede wiederkehrende Abbuchung. Dazu Deine E-Mails nach Abo-Bestätigungen durchsuchen. Der Aufwand ist eine Stunde.

Was Du davon außerdem hast: Du siehst, welche Abos Du gar nicht mehr nutzt. Bei den meisten, die diese Übung machen, kommen ein bis zwei Dienste zusammen, die seit Monaten laufen und niemandem fehlen. Die Kündigung finanziert die Stunde mehrfach.

Und der Kalendereintrag dazu: einmal im Jahr, im Januar, die Liste durchgehen. Neue Abos ergänzen, gekündigte streichen, Beträge aktualisieren.

Kleinunternehmer

Die Ausgabe wirkt mit dem Bruttobetrag.

  • 119 Euro Materialrechnung = 119 Euro Betriebsausgabe
  • Kein Vorsteuerabzug, die Umsatzsteuer ist Teil der Kosten
  • Die Buchhaltung ist deutlich einfacher

Regelbesteuerung

Die Ausgabe wirkt mit dem Nettobetrag, die Umsatzsteuer kommt zurück.

  • 119 Euro Materialrechnung = 100 Euro Betriebsausgabe plus 19 Euro Vorsteuer
  • Wirtschaftlich günstiger, sobald nennenswert eingekauft wird
  • Dafür Voranmeldungen und vollständige Rechnungen als Pflicht

Der Vergleich: Kleinunternehmer und Regelbesteuerter

Weil sich die Behandlung von Betriebsausgaben zwischen beiden unterscheidet.

Als Kleinunternehmer ziehst Du keine Vorsteuer. Deine Betriebsausgaben sind deshalb die Bruttobeträge — was Du gezahlt hast, ist was Du absetzt.

Als Regelbesteuerter ziehst Du die Vorsteuer. Deine Betriebsausgaben sind die Nettobeträge, und die enthaltene Steuer holst Du über die Voranmeldung zurück.

Was das praktisch bedeutet:

Eine Anschaffung für 1.190 Euro brutto kostet einen Kleinunternehmer 1.190 Euro und einen Regelbesteuerten 1.000 Euro.

Der Kleinunternehmer setzt 1.190 Euro als Betriebsausgabe ab und spart darauf Einkommensteuer. Der Regelbesteuerte setzt 1.000 Euro ab und hat 190 Euro über die Vorsteuer zurückbekommen.

Was unterm Strich günstiger ist: Für den Regelbesteuerten ist die Anschaffung netto billiger. Die Ersparnis über die Einkommensteuer ist beim Kleinunternehmer zwar höher, weil die Bemessungsgrundlage größer ist — aber sie beträgt nur einen Bruchteil des Steuersatzes, während die Vorsteuer in voller Höhe zurückkommt.

Die 800-Euro-Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter bezieht sich in beiden Fällen auf den Nettowert. Für den Kleinunternehmer heißt das: Eine Anschaffung von 940 Euro brutto entspricht rund 790 Euro netto und fällt damit noch unter die Sofortabschreibung — obwohl er 940 Euro gezahlt hat.

Warum ich das ausführe: Weil diese Unterscheidung bei größeren Anschaffungen einen realen Unterschied macht, und weil sie regelmäßig durcheinandergeht.

Und der praktische Schluss: Wenn eine größere Investition ansteht und Du ohnehin über einen Wechsel zur Regelbesteuerung nachdenkst, ist der Zeitpunkt ein Argument. Die Vorsteuer aus einer Anschaffung vor dem Wechsel lässt sich nicht ohne Weiteres nachholen — dafür gibt es Regelungen, die aber an Voraussetzungen geknüpft sind. Das gehört vorher besprochen.

Betriebsausgaben, die mit Etsy zusammenhängen

Eine spezifische Liste, weil sie sich von allgemeinen Aufstellungen unterscheidet.

Alles, was Etsy Dir berechnet. Einstellgebühren, Transaktionsgebühren, Zahlungsabwicklung, Etsy Ads, Offsite Ads, Etsy Plus, Währungsumrechnung, Versandetiketten. Vollständig abziehbar.

Werkzeuge für die Etsy-Arbeit. SEO-Werkzeuge, Recherchewerkzeuge, Buchhaltungssoftware mit Etsy-Anbindung, Bildbearbeitung, Designwerkzeuge.

Fotografie. Kamera, Objektive, Beleuchtung, Hintergründe, Requisiten für Produktfotos. Bei gemischt genutzter Ausrüstung anteilig.

Verpackung und Versand. Kartonagen, Polstermaterial, Klebeband, Etiketten, Beilagen, Porto.

Musterbestellungen. Bei Print-on-Demand-Anbietern, bei Materiallieferanten, auch bei Wettbewerbern zur Qualitätsprüfung. Betrieblich veranlasst.

Weiterbildung mit Etsy-Bezug. Kurse zu Produktfotografie, SEO, Buchhaltung.

Rechtstexte. Der Dienst oder der Anwalt für Impressum, Widerrufsbelehrung und Shoprichtlinien.

Verpackungslizenzierung. Die Beteiligung am dualen System und, bei Auslandsversand, die Registrierungen und Bevollmächtigten in den Zielländern.

Und die Beiträge, die aus der Gewerbeanmeldung folgen — IHK, gegebenenfalls Berufsgenossenschaft.

Was ich dabei besonders hervorheben möchte: die Musterbestellungen. Sie werden fast immer vergessen, weil sie sich nicht wie eine Betriebsausgabe anfühlen. Wer bei einem Print-on-Demand-Anbieter fünf Muster bestellt, um die Qualität zu prüfen, hat eine betrieblich veranlasste Ausgabe — und die gehört erfasst.

Und die Verpackungslizenzierung ist der zweite Posten, der regelmäßig fehlt. Er ist Pflicht, er kostet Geld, und er ist abziehbar.

  • Alle zwölf Monate im Kontoauszug durchgegangen, jede Abbuchung zugeordnet
  • Abos geprüft: läuft etwas, das Du nicht mehr brauchst?
  • Tagespauschale und Fahrten aufgeschrieben, nicht geschätzt
  • Anlageverzeichnis fortgeschrieben, Abschreibungen des Jahres berechnet
  • Anschaffungen für das Folgejahr bewusst terminiert
  • Belege des Jahres an einem zweiten Ort gesichert

Die Jahresprüfung der Betriebsausgaben

Ein Termin, den ich jedem empfehle.

Wann: im Januar, für das abgelaufene Jahr, bevor die Unterlagen zum Steuerberater gehen.

Was ich durchgehe:

Das Geschäftskonto von oben nach unten. Jede Abbuchung, mit Beleg abgeglichen. Was fehlt, wird gesucht — solange die Erinnerung noch da ist.

Die Liste der wiederkehrenden Ausgaben. Software-Abos, Versicherungen, Kammerbeiträge, Kontoführung, Domain, Hosting, Verpackungslizenzierung. Alles erfasst?

Die E-Mails des Jahres nach Rechnungen. Ein Suchdurchlauf nach “Rechnung”, “Invoice” und “Beleg” fördert regelmäßig etwas zutage.

Die Anschaffungen. Sind alle im Anlageverzeichnis? Sind die geringwertigen Wirtschaftsgüter richtig behandelt?

Und die Sonderposten. Fahrtkosten, Homeoffice-Tage, Musterbestellungen, Weiterbildung.

Was dabei regelmäßig gefunden wird: zwischen fünf und fünfzehn Prozent der Betriebsausgaben, die vorher nicht erfasst waren. Bei 8.000 Euro Ausgaben sind das 400 bis 1.200 Euro — und je nach Steuersatz mehrere hundert Euro weniger Steuer.

Der Zeitaufwand: zwei bis drei Stunden.

Und der Nebeneffekt, den ich schätze: Man findet dabei fast immer ein bis zwei Abos, die seit Monaten laufen und niemandem fehlen. Die Kündigung finanziert die investierte Zeit mehrfach.

Was ich anschließend mache: die Liste der wiederkehrenden Ausgaben aktualisieren. Was ich dieses Jahr gefunden habe, steht nächstes Jahr drauf — und dann wird es nicht mehr gefunden, sondern abgehakt.

Das kostet Dich zwanzig Minuten und bringt oft dreistellig

Die meisten Beratungsgespräche drehen sich um Fristen. Die interessanten Fragen sind andere: Ist mein Arbeitsbereich als Arbeitszimmer oder über die Tagespauschale besser abgebildet? Wie ordne ich den Etsy-Zufluss zu? Welche Anschaffung ziehe ich vor? Frag konkret, sonst bekommst Du Allgemeinplätze.

Was Du beim Steuerberater ansprechen solltest

Fünf Punkte, die zum Thema Betriebsausgaben gehören.

Erstens: das Arbeitszimmer oder die Tagespauschale. Welche Variante gilt für Dich, und was ist der günstigere Weg?

Zweitens: gemischt genutzte Gegenstände. Rechner, Kamera, Telefon. Welcher Aufteilungsmaßstab ist in Deinem Fall vertretbar?

Drittens: vorweggenommene Betriebsausgaben. Was aus der Zeit vor der Gewerbeanmeldung lässt sich noch geltend machen?

Viertens: die zeitliche Steuerung von Anschaffungen. Lohnt es sich, eine Investition ins alte oder ins neue Jahr zu legen?

Und fünftens: die Einlage vorhandener Gegenstände. Wenn Du einen Rechner oder eine Kamera künftig überwiegend betrieblich nutzt — wie ist das abzubilden?

Was Du zum Termin mitbringst: eine Liste Deiner Anschaffungen des Jahres, die Aufstellung Deiner wiederkehrenden Ausgaben und die Angaben zu Deinem Arbeitsraum.

Was ein solcher Termin bringt: Bei den Shops, die ich kenne, kommen dabei regelmäßig Positionen zusammen, an die vorher niemand gedacht hat. Der Termin kostet einen dreistelligen Betrag und ist selbst Betriebsausgabe.

Und der abschließende Gedanke: Betriebsausgaben sind der einzige Bereich der Steuerthemen, in dem Sorgfalt sofort Geld bringt. Jeder Euro, den Du korrekt erfasst, mindert Deinen Gewinn und damit Deine Steuer. Und es ist der Bereich, in dem am meisten liegenbleibt — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil niemand daran gedacht hat.

Mein Fazit zu Betriebsausgaben

Das ist der Bereich, in dem Sorgfalt am schnellsten Geld bringt — und der, in dem am meisten liegenbleibt.

Die drei Maßnahmen, die den größten Unterschied machen:

Ein getrenntes Geschäftskonto. Danach ist bei jeder Abbuchung klar, dass sie betrieblich war.

Eine Liste der wiederkehrenden Ausgaben. Einmal erstellt, jedes Jahr abgehakt. Genau hier liegen die vergessenen Posten.

Ein E-Mail-Filter für Rechnungen. Zehn Minuten Einrichtung, jahrelange Wirkung.

Was ich Dir außerdem ans Herz lege: Sprich größere Anschaffungen im November mit dem Steuerberater ab. Der Zeitpunkt ist steuerlich steuerbar, und nach dem Jahreswechsel ist der Spielraum weg.

Und die Grenze, die ich empfehle einzuhalten: Keine Grenzfälle. Der Betrag, um den es bei einem Etsy-Shop typischerweise geht, rechtfertigt nicht das Risiko, dass eine Prüfung anschließend jede andere Position anzweifelt. Sauber geführte Ausgaben in voller Höhe sind mehr wert als kreative Zusatzposten.

Und der Satz, der auch hier gilt: Ich bin kein Steuerberater. Besonders beim Arbeitszimmer, bei gemischt genutzten Gegenständen und bei der zeitlichen Steuerung von Anschaffungen gehört der Einzelfall geprüft.

Häufige Fragen zu Betriebsausgaben

Gibt es eine Mindesthöhe, ab der sich der Beleg lohnt? Nein. Betriebsausgabe ist Betriebsausgabe. Zwölf Euro Klebeband über zwanzig Bestellungen im Jahr sind zweihundertvierzig Euro.

Kann ich Anschaffungen vor der Gewerbeanmeldung absetzen? Vorweggenommene Betriebsausgaben sind unter Voraussetzungen möglich, wenn ein hinreichend konkreter Zusammenhang mit der späteren Tätigkeit besteht. Belege aufbewahren und beim ersten Steuerberatertermin ansprechen.

Wie behandle ich einen Rechner, den ich beruflich und privat nutze? Anteilig, nach einem nachvollziehbaren Maßstab. Die konkrete Aufteilung gehört mit dem Steuerberater geklärt.

Sind Etsy Ads absetzbar? Ja, in voller Höhe. Wie jede andere Werbeausgabe auch.

Was ist mit Produkten, die ich verschenke oder als Muster verwende? Die Materialkosten sind betrieblich veranlasst. Bei Entnahmen für private Zwecke gelten eigene Regeln — dann liegt eine Entnahme vor, die zu erfassen ist.

Kann ich meine Kamera absetzen, wenn ich damit auch privat fotografiere? Anteilig. Bei überwiegend privater Nutzung wird es schwierig.

Muss ich Belege im Original aufbewahren? Digitale Belege in dem Format, in dem sie eingegangen sind. Papierbelege dürfen unter Voraussetzungen ersetzend gescannt werden — die Anforderungen an das Verfahren sind aber nicht trivial.

Was ist mit Kosten für die eigene Website neben Etsy? Domain, Hosting, Baukasten — betrieblich veranlasst und damit abziehbar.

Kann ich mein Arbeitszimmer absetzen? Nur unter engen Voraussetzungen als häusliches Arbeitszimmer — ein separater, nahezu ausschließlich betrieblich genutzter Raum. Sonst gibt es die Tagespauschale für die häusliche Tätigkeit. Und für echte Betriebsräume wie eine Werkstatt gelten eigene, oft günstigere Regeln.

Was ist mit meinem eigenen Gehalt? Es gibt es steuerlich nicht. Bei Einzelunternehmern ist der Gewinn Dein Einkommen — Entnahmen sind keine Betriebsausgaben.

Was ist mit Musterbestellungen? Betrieblich veranlasst und abziehbar. Der Posten, der am häufigsten vergessen wird.

Bis wann kann ich noch etwas ansetzen? Bis zur Abgabe der Erklärung. Danach nur noch über einen Einspruch gegen den Bescheid, innerhalb der Frist.

Wie lange muss ich Belege aufbewahren? Buchungsbelege seit 2025 acht Jahre, Jahresabschlüsse und vergleichbare Unterlagen zehn.

Was ist die wirksamste Maßnahme, um nichts zu vergessen? Eine Liste der wiederkehrenden Ausgaben, einmal erstellt und jährlich abgehakt. Genau dort liegen die fünf bis fünfzehn Prozent, die bei den meisten Shops fehlen.

Der Satz, den ich mitgebe: Betriebsausgaben sind der einzige Bereich der Steuerthemen, in dem Sorgfalt sofort Geld bringt — und der, in dem am meisten liegen bleibt, weil niemand daran denkt.

Häufige Fragen

Welche Kosten kann ich als Etsy-Verkäufer absetzen?

Alle Aufwendungen, die betrieblich veranlasst sind: Material, Verpackung, Porto, Etsy-Gebühren, Werkzeuge, Software, Fachliteratur, Weiterbildung, Fahrtkosten, Kontoführung des Geschäftskontos, Versicherungen für den Betrieb und anteilige Kommunikationskosten. Entscheidend ist der betriebliche Anlass, nicht die Höhe.

Was sind geringwertige Wirtschaftsgüter?

Selbstständig nutzbare bewegliche Anlagegüter bis zu einem Nettowert von 800 Euro dürfen im Jahr der Anschaffung vollständig als Betriebsausgabe abgezogen werden, statt über die Nutzungsdauer verteilt zu werden. Darüber wird abgeschrieben.

Kann ich mein Arbeitszimmer absetzen?

Nur unter engen Voraussetzungen als häusliches Arbeitszimmer — es muss ein separater, nahezu ausschließlich betrieblich genutzter Raum sein. Für alle anderen gibt es die Tagespauschale für die häusliche Tätigkeit. Welche Variante für Dich gilt, gehört mit dem Steuerberater geklärt.

Sind die Etsy-Gebühren Betriebsausgaben?

Ja, in voller Höhe — Einstellgebühren, Transaktionsgebühren, Zahlungsabwicklung, Werbekosten, Abos, Währungsumrechnung. Sie mindern Deinen Gewinn. Sie mindern aber nicht Deinen Umsatz, das ist ein wichtiger Unterschied.

Kann ich Anschaffungen absetzen, die ich vor der Gewerbeanmeldung gemacht habe?

Vorweggenommene Betriebsausgaben sind unter Voraussetzungen möglich, wenn ein hinreichender Zusammenhang mit der späteren Tätigkeit besteht. Bewahre die Belege auf und sprich das beim ersten Steuerberatertermin an.

Was ist mit gemischt genutzten Gegenständen?

Ein Rechner, der beruflich und privat genutzt wird, ist anteilig abziehbar. Für die Aufteilung braucht es einen nachvollziehbaren Maßstab. Bei einigen Positionen gelten Sonderregeln — auch das ein Punkt für den Berater.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern — im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

Fragen zu Deinem Etsy Shop?

Schreib mir kurz, wo Dein Shop steht. Ich schaue ihn mir an und sage Dir, wo die größten Hebel liegen.