Etsy Preise kalkulieren: Von den Kosten zum tragfähigen Preis
Wie Du Preise auf Etsy richtig kalkulierst: Materialkosten, Arbeitszeit, Gebühren, Versand und Marge — und warum die Orientierung am Wettbewerb der teuerste Fehler ist.
Der Preis ist die einzige Stellschraube, die direkt auf den Gewinn wirkt. Trotzdem wird er in den meisten Shops geschätzt statt gerechnet.
Wenn ich einen Etsy Shop analysiere, ist die Preisfrage fast immer die, bei der es am meisten wehtut. Nicht weil die Preise zu hoch wären — sondern weil sie zu niedrig sind, und weil niemand nachgerechnet hat.
Der Ablauf ist bei fast allen derselbe: Man schaut, was vergleichbare Artikel kosten. Man legt sich knapp darunter. Und dann hofft man, dass genug übrig bleibt.
Diese Reihenfolge ist verkehrt, und sie ist der Grund, warum viele Shops viel verkaufen und wenig verdienen.
Warum der Marktpreis nicht Dein Ausgangspunkt sein darf
Der Wettbewerbspreis ist eine Information, keine Grundlage. Er sagt Dir, was Kunden gewohnt sind. Er sagt Dir nichts über Deine Kosten.
Der Anbieter, an dem Du Dich orientierst, hat möglicherweise günstigeres Material, produziert in größerer Stückzahl, versendet zu anderen Konditionen, rechnet seine Arbeitszeit gar nicht mit ein — oder verkauft schlicht unter Selbstkosten, ohne es zu wissen.
Wer sich an einem solchen Preis orientiert, übernimmt fremde Fehler.
Der richtige Weg ist der umgekehrte: Rechne von unten nach oben. Was dabei herauskommt, ist Dein Mindestpreis. Erst danach schaust Du auf den Markt — nicht um den Preis anzupassen, sondern um zu beurteilen, ob Dein Produkt zu diesem Preis eine Chance hat.
Die Kalkulation Schritt für Schritt
Gehen wir es durch, Position für Position.
Materialkosten
Alles, was in das Produkt eingeht. Aber vollständig: nicht nur der Rohstoff, sondern auch Verschnitt, Ausschuss und Hilfsstoffe.
Wenn aus einer Holzplatte für 40 Euro sechs Schilder entstehen und dabei Verschnitt anfällt, sind die Materialkosten pro Schild nicht 40 geteilt durch sechs, sondern höher — weil ein Teil der Platte nicht verwertbar ist. Und wenn jedes zwanzigste Stück misslingt, gehört auch das in die Rechnung.
Rechne die Kosten pro Stück ehrlich aus, nicht optimistisch.
Verpackung
Karton, Füllmaterial, Klebeband, Etikett, Beilage, Aufkleber. Klingt nach Kleinbeträgen — bei tausend Bestellungen im Jahr sind 80 Cent Unterschied 800 Euro.
Versandkosten
Der tatsächliche Tarif für die fertig verpackte Sendung. Gewogen, nicht geschätzt. Und der Tarif aus der aktuellen Preisliste, nicht der aus der Erinnerung.
Wenn Du kostenlosen Versand anbietest, gehört dieser Betrag vollständig in den Produktpreis.
Arbeitszeit
Die Position, die am häufigsten fehlt — und die den größten Unterschied macht.
Rechne alle Zeit, nicht nur die Fertigung. Zuschnitt, Herstellung, Nachbearbeitung, Kontrolle, Personalisierung prüfen, Verpacken, Frankieren. Dazu anteilig: Kundennachrichten, Fotografie, Listing-Pflege, Wege zur Post.
Setze einen Stundensatz an, mit dem Du leben kannst. Und zwar einen, der berücksichtigt, dass Du als Selbstständiger davon auch Kranken- und Altersvorsorge, Urlaub und Ausfallzeiten tragen musst. Ein Stundensatz auf Mindestlohnniveau ist für eine selbstständige Tätigkeit deutlich zu niedrig.
Der häufigste Einwand: „Dann wird mein Produkt zu teuer.” Das mag sein. Aber dann ist das die Wahrheit über Dein Produkt — und die zu kennen ist besser, als sie zu übergehen. Ein Produkt, das nur funktioniert, wenn Du Deine Arbeit verschenkst, funktioniert nicht.
Etsy-Gebühren
Die Verkaufsgebühr von 6,5 Prozent auf den Gesamtbetrag inklusive Versand. Die Etsy-Payments-Gebühr von 4 Prozent plus 0,30 Euro in Deutschland. Die Einstellgebühr von 0,20 USD pro Artikel.
Wichtig: Die prozentualen Gebühren beziehen sich auf den Endpreis. Du kannst sie also nicht einfach oben draufschlagen — das ergibt eine leicht zu niedrige Zahl. Wer genau rechnen will, teilt die Zwischensumme durch eins minus den Gebührensatz.
Wenn Du Werbung schaltest, gehören die anteiligen Werbekosten ebenfalls in die Kalkulation.
Umsatzsteuer
Wenn Du regelbesteuert bist, ist im Verkaufspreis Umsatzsteuer enthalten, die abzuführen ist. Sie ist kein Ertrag. Bei 19 Prozent bleiben von 100 Euro Verkaufspreis rund 84 Euro netto.
Als Kleinunternehmer entfällt das — dafür kannst Du keine Vorsteuer ziehen, was Deine Materialkosten effektiv erhöht.
Marge
Was jetzt noch fehlt: ein Aufschlag für alles, was in keiner der bisherigen Positionen steckt. Werkzeuge und Maschinen. Software. Anteilige Raumkosten. Versicherungen. Steuerberatung. Rücklagen für Ausfälle, Rücksendungen und verlorene Sendungen. Und Reserve für schwache Monate.
Das ist keine Gier, sondern Betriebswirtschaft. Ein Preis ohne Marge deckt bestenfalls die direkten Kosten und lässt nichts für alles andere.
Ein vollständiges Rechenbeispiel
Damit die Systematik greifbar wird, hier eine Kalkulation von Anfang bis Ende — für ein personalisiertes Holzschild.
Direkte Kosten: Material einschließlich Verschnitt 5,20 Euro. Verpackung 0,90 Euro. Tatsächliches Porto 4,20 Euro. Summe: 10,30 Euro.
Arbeitszeit: 25 Minuten für Fertigung, Personalisierung, Kontrolle und Verpacken, plus anteilig 5 Minuten für Kommunikation und Wege. Bei einem Stundensatz von 30 Euro sind das 15,00 Euro.
Zwischensumme: 25,30 Euro. Das ist der Betrag, der nach allen Gebühren und Steuern übrig bleiben muss.
Umsatzsteuer: Bei Regelbesteuerung mit 19 Prozent muss der Nettopreis diese Zwischensumme decken. 25,30 Euro netto entsprechen 30,11 Euro brutto.
Etsy-Gebühren: Auf den Gesamtbetrag inklusive Versand fallen 6,5 Prozent Verkaufsgebühr und 4 Prozent plus 0,30 Euro Zahlungsgebühr an, dazu die Einstellgebühr. Zusammen rund 10,5 Prozent plus etwa 0,49 Euro Fixbeträge.
Rechnet man das ein, landet man bei einem Gesamtbetrag von rund 34,20 Euro, also etwa 29,70 Euro Produktpreis plus 4,50 Euro Versand.
Und jetzt die Marge. Auf diesem Niveau ist noch nichts für Werkzeuge, Software, Raumkosten, Ausfälle und Rücklagen enthalten. Ein Aufschlag von 20 bis 30 Prozent bringt den Preis in den Bereich von 36 bis 39 Euro brutto.
Was diese Rechnung zeigt: Ein Produkt, das viele intuitiv bei 25 Euro angesetzt hätten, braucht tatsächlich etwa 37 Euro, um wirtschaftlich zu sein. Wer bei 25 Euro verkauft, arbeitet für einen Stundenlohn im einstelligen Bereich — und trägt alle Fixkosten aus eigener Tasche.
Das ist keine theoretische Spielerei. Es ist der häufigste Befund in Shopanalysen.
Wenn der Mindestpreis über dem Marktpreis liegt
Der unangenehme Fall, und er kommt regelmäßig vor. Du hast gerechnet, und Dein Mindestpreis liegt deutlich über dem, was vergleichbare Artikel kosten.
Dann hast Du drei Optionen — und eine Nicht-Option.
Option eins: Kosten senken. Günstigeres Material bei gleicher Qualität, effizientere Fertigung, größere Einkaufsmengen, weniger Handgriffe pro Stück. Oft steckt hier mehr Potenzial, als man denkt — besonders bei der Arbeitszeit.
Option zwei: den wahrgenommenen Wert erhöhen. Bessere Bilder, präzisere Beschreibung, hochwertigere Verpackung, klarere Positionierung. Ein Produkt, das erkennbar besser dargestellt ist, verträgt einen höheren Preis. Der Preis ist relativ zur wahrgenommenen Qualität, nicht absolut.
Option drei: das Produkt aufgeben. Nicht jedes Produkt trägt sich. Diese Erkenntnis ist unangenehm, aber sie ist besser als zwei Jahre Arbeit, an deren Ende nichts übrig bleibt.
Die Nicht-Option: unter Selbstkosten verkaufen und auf Menge hoffen. Das funktioniert nicht, weil mit der Menge auch Deine Arbeit steigt. Ein Verlust pro Stück wird durch mehr Stück größer, nicht kleiner.
Preise erhöhen: der Test, den fast alle bestehen
Die Sorge vor Preiserhöhungen ist der häufigste Grund, warum unrentable Preise bestehen bleiben. Die Praxis widerspricht dieser Sorge meist.
Was tatsächlich passiert: Bei einer moderaten Erhöhung — zehn bis zwanzig Prozent — sinkt die Conversion Rate in der Regel deutlich weniger, als befürchtet. Häufig bleibt sie nahezu unverändert. Auf Etsy suchen Menschen nach Besonderem, nicht nach dem Billigsten, und ein Preisunterschied von drei Euro entscheidet selten.
Wie Du es sauber machst:
Nicht alle Artikel gleichzeitig. Nimm eine Gruppe von fünf bis zehn Listings und erhöhe dort. Beobachte über vier bis sechs Wochen die Aufrufe, die Conversion Rate und die Bestellzahl.
Rechne das Ergebnis in Deckungsbeitrag um, nicht in Bestellungen. Zehn Prozent weniger Bestellungen bei dreißig Prozent mehr Deckungsbeitrag pro Bestellung sind ein deutliches Plus — auch wenn die Bestellzahl in der Statistik schlechter aussieht.
Wenn es funktioniert, ziehe die nächste Gruppe nach.
Ein Hinweis zur Wahrnehmung: Ein höherer Preis kann die Conversion sogar verbessern, wenn er das Produkt glaubwürdiger macht. Ein handgefertigtes Schmuckstück für 12 Euro weckt Zweifel. Dasselbe Stück für 34 Euro wirkt wertiger — und ist es ja auch.
Rabatte, Coupons und Sets
Preisnachlässe sind ein Werkzeug, kein Reflex. Der Unterschied liegt darin, ob sie etwas bewirken oder nur Marge kosten.
Was Marge kostet, ohne zu wirken: pauschale Rabatte auf alles, Dauerangebote, die nie enden, und Nachlässe, die vergeben werden, weil gerade wenig los ist. Ein Rabatt geht direkt vom Deckungsbeitrag ab — bei dünner Marge kann ein Zehn-Prozent-Nachlass die Hälfte des Gewinns kosten.
Was tatsächlich wirkt:
Mengenrabatte. Zwei Artikel zehn Prozent günstiger. Das erhöht den Bestellwert, und die Fixkosten pro Bestellung — Zahlungspauschale, Verpackung, Weg zur Post — verteilen sich auf mehr Umsatz. Rechnerisch bist Du oft besser dran als bei zwei Einzelbestellungen zum vollen Preis.
Rabatt ab Mindestbestellwert. Wirkt in dieselbe Richtung und ist leicht zu kommunizieren.
Sets und Bündel. Kein Rabatt im eigentlichen Sinn, sondern ein eigenes Produkt mit eigenem Preis. Der wahrgenommene Vorteil ist hoch, der tatsächliche Margenverlust gering.
Warenkorb-Erinnerungen. Etsy bietet Möglichkeiten, Interessenten mit einem Angebot zurückzuholen. Das ist zielgerichteter als ein Rabatt für alle.
Was Du in jedem Fall tun solltest: Rechne den Rabatt in Deine Kalkulation ein, bevor Du ihn anbietest. Ein Preis, der nur mit Rabatt attraktiv ist, war von Anfang an zu hoch angesetzt — und ein Preis, der den Rabatt nicht verträgt, gehört nicht rabattiert.
Preise über die Zeit pflegen
Zum Abschluss der Punkt, der am häufigsten vergessen wird: Kalkulation ist keine einmalige Aufgabe.
Materialpreise steigen. Portotarife werden angepasst. Etsy ändert gelegentlich Gebühren. Deine eigenen Kosten für Software, Versicherungen und Werkzeuge entwickeln sich.
Ein Preis, der vor drei Jahren richtig kalkuliert war, ist heute möglicherweise nicht mehr kostendeckend — ohne dass es jemand bemerkt hätte, weil die Veränderung schleichend war.
Die Routine, die das verhindert: einmal im Jahr die Kalkulation für Deine zehn wichtigsten Produkte neu durchrechnen. Aktuelle Materialpreise, aktuelle Portotarife, aktuelle Gebühren. Zwei Stunden Arbeit.
Was dabei regelmäßig herauskommt: Ein oder zwei Produkte sind in die Verlustzone gerutscht. Sie zu erkennen, bevor sie ein Jahr lang Geld gekostet haben, ist der ganze Sinn dieser Übung.
Der Preis ist die einzige Stellschraube, die unmittelbar auf den Gewinn wirkt. Eine Preiserhöhung um zehn Prozent bei gleichbleibender Menge erhöht den Deckungsbeitrag um ein Vielfaches dieser zehn Prozent — weil die Kosten unverändert bleiben. Keine andere Maßnahme hat ein besseres Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
Deshalb ist die Zeit, die Du in eine saubere Kalkulation steckst, die produktivste im ganzen Shop.
Psychologie: was Preise beim Kunden auslösen
Ein Aspekt, der neben der reinen Rechnung eine Rolle spielt.
Der Preis ist ein Qualitätssignal. Bei Produkten, deren Qualität der Kunde nicht prüfen kann — und das ist online der Normalfall —, dient der Preis als Anhaltspunkt. Ein handgefertigtes Schmuckstück für 12 Euro weckt Zweifel. Dasselbe Stück für 34 Euro wirkt wertiger.
Das bedeutet nicht, dass höher immer besser ist. Es bedeutet, dass ein Preis, der deutlich unter dem Umfeld liegt, erklärungsbedürftig ist — und dass die Erklärung, die sich der Kunde selbst gibt, meist nicht schmeichelhaft ausfällt.
Preisschwellen wirken. Der Unterschied zwischen 19,90 und 21 Euro ist rechnerisch klein und in der Wahrnehmung groß. Wo genau die Schwellen liegen, hängt vom Preisniveau ab — im niedrigen Bereich sind es Zehner, im höheren Fünfziger und Hunderter.
Der Vergleich entsteht im Ergebnisbild. Dein Preis wird nicht isoliert wahrgenommen, sondern neben den Nachbarn in der Suchergebnisliste. Schau Dir einmal an, wie Dein Produkt dort erscheint — inklusive Versandkosten, die Etsy mit anzeigt.
Und der Anker wirkt. Wenn Du neben einem Einzelprodukt ein größeres Set anbietest, wirkt das Einzelprodukt günstiger. Diese Wirkung ist real und völlig legitim, solange beide Preise kalkuliert sind.
Preisstrategien für unterschiedliche Ziele
Nicht jeder Shop verfolgt dasselbe Ziel. Drei Ansätze, die sich bewährt haben.
Der Margenansatz. Wenige Produkte, hohe Preise, wenige Bestellungen. Sinnvoll bei aufwendiger Handarbeit und begrenzter Zeit. Der Vorteil: Weniger Bestellungen bedeuten weniger Logistik, weniger Kommunikation, weniger Stress bei gleichem Ergebnis.
Der Mengenansatz. Breites Sortiment, moderate Preise, viele Bestellungen. Funktioniert nur, wenn die Produktion effizient ist und die Abläufe stehen. Bei Handarbeit stößt dieser Ansatz schnell an Zeitgrenzen.
Der Mischansatz. Ein Einstiegsprodukt zu einem attraktiven Preis, das Kunden in den Shop holt, und höherpreisige Produkte, die die Marge tragen. Dieser Aufbau funktioniert auf Etsy gut, weil Kunden, die einmal gekauft haben, sich das Sortiment ansehen.
Welcher Ansatz zu Dir passt, hängt weniger vom Markt ab als von Deiner verfügbaren Zeit. Wer nebenberuflich zehn Stunden pro Woche hat, fährt mit dem Margenansatz besser — bei zwanzig Euro Deckungsbeitrag und dreißig Minuten pro Bestellung sind das rund vierhundert Euro im Monat bei voller Auslastung. Beim Mengenansatz mit fünf Euro Deckungsbeitrag wäre dieselbe Zeit deutlich weniger wert.
Diese Rechnung einmal für die eigene Situation zu machen, verändert oft die gesamte Sortimentsstrategie — und zwar zum Besseren.
Die häufigsten Kalkulationsfehler
Aus vielen Shopanalysen, in der Reihenfolge, in der sie Geld kosten.
Arbeitszeit nicht eingerechnet. Der teuerste Fehler, mit Abstand. Wer seine Zeit mit null ansetzt, arbeitet unbezahlt und merkt es erst, wenn er ausgelastet ist und trotzdem nichts verdient.
Nur die Fertigungszeit gerechnet. Auch wer Zeit ansetzt, vergisst häufig Kommunikation, Verpackung, Wege und die anteilige Zeit für Fotos und Listings. Diese Nebenzeiten machen oft die Hälfte des Gesamtaufwands aus.
Porto geschätzt statt gewogen. Ein Euro Differenz pro Sendung ist bei tausend Bestellungen ein vierstelliger Betrag.
Verschnitt und Ausschuss ignoriert. Material wird zum Einkaufspreis geteilt durch die theoretische Stückzahl gerechnet — ohne Reste und ohne misslungene Stücke.
Gebühren obendrauf gerechnet statt herausgerechnet. Ergibt eine zu niedrige Zahl, weil sich die Prozentsätze auf den Endpreis beziehen.
Keine Marge für Fixkosten. Werkzeuge, Software, Raumkosten, Versicherungen tauchen in keiner Produktkalkulation auf und müssen trotzdem bezahlt werden.
Keine Reserve für Ausfälle. Verlorene Sendungen, Beschädigungen, Erstattungen, Rücksendungen. Ein bis drei Prozent des Umsatzes sind ein realistischer Ansatz.
Jeder einzelne dieser Punkte kostet wenige Prozent. Zusammen führen sie dazu, dass ein Shop, der auf dem Papier profitabel aussieht, tatsächlich keinen Gewinn abwirft.
Der Preis als unternehmerische Entscheidung
Zum Abschluss die Haltung, die hinter alldem steht.
Ein Preis ist keine Meinung darüber, was Dein Produkt wert ist. Er ist eine Rechnung darüber, was es kosten muss, damit Dein Betrieb funktioniert.
Diese Unterscheidung nimmt der Preisfrage viel von ihrer emotionalen Last. Es geht nicht darum, ob Du Dich traust, 39 Euro zu verlangen. Es geht darum, ob 39 Euro der Betrag ist, bei dem die Rechnung aufgeht.
Wenn ja, ist das der Preis. Ob Kunden ihn zahlen, ist die nächste Frage — und sie wird nicht durch einen niedrigeren Preis beantwortet, sondern durch ein besseres Listing, ein besseres Produkt oder eine bessere Positionierung.
Wer so denkt, hört auf, sich für seine Preise zu rechtfertigen. Und das ist, nach meiner Erfahrung, der Moment, in dem ein Shop anfängt, wie ein Unternehmen zu funktionieren.
Die eine Gewohnheit
Setze Dir einen jährlichen Termin für die Preisprüfung. Ein fester Tag, an dem Du Materialpreise, Portotarife und Gebühren neu einsetzt und die Kalkulation Deiner wichtigsten Produkte aktualisierst.
Zwei Stunden im Jahr. Es ist die Gewohnheit, die am zuverlässigsten verhindert, dass ein Shop unbemerkt in die Verlustzone rutscht — und die am häufigsten fehlt.
Und wenn Du zwischen zwei Preisen schwankst, nimm den höheren. Nach unten korrigieren geht jederzeit und schmerzlos. Nach oben korrigieren kostet Überwindung — und die Erfahrung zeigt, dass die meisten Shops ihre Preise zu spät und zu zögerlich anheben, nicht zu früh.
Und der letzte Punkt, der aus jahrelanger Praxis kommt: Kalkuliere für den Betrieb, den Du in zwei Jahren haben willst — nicht für den, den Du heute hast. Wer seine Preise so ansetzt, dass sie gerade eben tragen, hat keinen Spielraum für Investitionen, für Hilfe, für schlechte Monate und für die Fehler, die zwangsläufig passieren. Ein Preis mit Luft darin ist kein Übermut, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Shop wachsen kann, statt nur zu laufen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Etsy-Preis richtig?
Von unten nach oben: Materialkosten, Verpackung, tatsächliches Porto, Deine Arbeitszeit zu einem Stundensatz, den Du akzeptierst, dann die Etsy-Gebühren, dann die Umsatzsteuer, dann eine Marge für Fixkosten und Risiko. Was dabei herauskommt, ist Dein Mindestpreis — nicht Dein Wunschpreis.
Soll ich mich am Wettbewerb orientieren?
Als Information ja, als Grundlage nein. Der Wettbewerbspreis sagt Dir, was der Markt gewohnt ist. Er sagt Dir nichts darüber, ob Deine Kosten damit gedeckt sind. Wer den Marktpreis übernimmt, ohne zu rechnen, verkauft möglicherweise unter Selbstkosten.
Was mache ich, wenn mein Mindestpreis über dem Marktpreis liegt?
Dann hast Du ein Produktproblem, kein Preisproblem. Die Optionen sind: Kosten senken, den wahrgenommenen Wert erhöhen, oder das Produkt aufgeben. Was nicht funktioniert: unter Selbstkosten verkaufen und auf Menge hoffen.
Wie erhöhe ich Preise, ohne Kunden zu verlieren?
In kleinen Schritten und nicht bei allen Artikeln gleichzeitig. Beobachte die Conversion Rate über mehrere Wochen. In den meisten Fällen sinkt sie deutlich weniger, als befürchtet — und der höhere Deckungsbeitrag gleicht den Rückgang mehr als aus.
Lohnen sich Rabatte und Coupons?
Nur wenn sie Teil der Kalkulation sind. Ein Rabatt geht direkt vom Deckungsbeitrag ab. Bei zwanzig Prozent Rohmarge kann ein Zehn-Prozent-Rabatt bereits die Hälfte des Gewinns kosten. Sinnvoll sind Rabatte, die den Bestellwert erhöhen — etwa Mengenrabatte oder ein Nachlass ab einem Mindestbetrag.
Offizielle Quellen
Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern — im Zweifel gilt immer die Originalquelle.
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