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Etsy und Recht: Impressum, AGB, Widerruf und Produktsicherheit

Welche rechtlichen Pflichten für Etsy-Verkäufer in Deutschland gelten: Impressum, Widerrufsbelehrung, AGB, Datenschutz, Verpackungsregister, GPSR und Kennzeichnung — verständlich erklärt.

Von Oliver Wrase13 Min. LesezeitStand

Rechtliche Pflichten sind auf Etsy kein Thema für später. Sie gelten ab dem ersten Verkauf — und sie werden regelmäßig abgemahnt.

Ein Hinweis vorweg, der hier hingehört: Ich bin kein Rechtsanwalt. Was Du hier liest, ist die Einordnung eines Praktikers, der seit vielen Jahren selbst auf Etsy verkauft und mit vielen Shops gearbeitet hat. Es ist keine Rechtsberatung und ersetzt sie nicht. Für die verbindliche Prüfung Deines konkreten Falls ist ein Anwalt zuständig.

Warum ich das Thema trotzdem ausführlich behandle: weil es der Bereich ist, in dem die meisten Etsy-Shops die teuersten Fehler machen. Und weil diese Fehler fast immer aus demselben Grund entstehen — nicht aus bösem Willen, sondern weil niemand gesagt hat, dass diese Pflichten überhaupt existieren.

Der zentrale Punkt, den viele unterschätzen: Etsy ist ein Marktplatz, kein Schutzschirm. Du verkaufst nicht über Etsy als Zwischenhändler, sondern als eigenständiger Unternehmer über eine Plattform. Der Kaufvertrag kommt zwischen Dir und dem Kunden zustande. Alle Pflichten, die ein Online-Händler in Deutschland hat, hast auch Du.

Gewerblich oder privat — die Vorfrage

Bevor es um einzelne Pflichten geht, muss eine Frage geklärt sein: Verkaufst Du gewerblich?

Die Antwort hängt nicht davon ab, wie Du Dich selbst siehst, und auch nicht davon, ob Du ein Gewerbe angemeldet hast. Sie hängt daran, ob Deine Tätigkeit planmäßig, auf Dauer angelegt und auf Einnahmen gerichtet ist.

Wer regelmäßig gleichartige Ware herstellt und anbietet, einen Shop mit Sortiment betreibt und Wiederholungsverkäufe erzielt, handelt in aller Regel gewerblich. Das gilt auch bei kleinen Umsätzen und auch dann, wenn es nebenbei läuft.

Diese Einordnung ist entscheidend, weil praktisch alle folgenden Pflichten an sie anknüpfen. Wer gewerblich verkauft, sich aber wie ein Privatverkäufer verhält — kein Impressum, keine Widerrufsbelehrung, kein Register —, ist angreifbar.

Impressum: die Anbieterkennzeichnung

Die bekannteste Pflicht und zugleich die am einfachsten zu erfüllende.

Gewerbliche Anbieter müssen bestimmte Angaben leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar bereitstellen. Dazu gehören in der Regel: Name beziehungsweise Firma, ladungsfähige Anschrift, Kontaktmöglichkeit einschließlich E-Mail-Adresse, gegebenenfalls Handelsregisterangaben und, falls vorhanden, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Zwei Punkte, an denen es in der Praxis hakt.

Die Anschrift muss ladungsfähig sein. Ein Postfach reicht nicht. Das bedeutet für viele, die von zu Hause arbeiten, dass die private Adresse öffentlich wird. Das ist unangenehm, aber rechtlich schwer zu umgehen. Wer das nicht möchte, muss über eine Geschäftsadresse nachdenken — mit allen Konsequenzen, die das hat.

Die Angaben müssen auffindbar sein. Etsy stellt in den Shop-Einstellungen Felder dafür bereit. Es reicht nicht, die Informationen irgendwo in einer Artikelbeschreibung zu verstecken.

Widerrufsrecht: der komplizierteste Teil

Hier entstehen die meisten Fehler, und hier sind sie am folgenreichsten.

Verbraucher haben bei Fernabsatzverträgen grundsätzlich ein Widerrufsrecht. Sie können den Vertrag innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen widerrufen. Über dieses Recht musst Du in vorgeschriebener Form belehren.

Die Frist beginnt nicht automatisch. Sie startet erst, wenn der Verbraucher ordnungsgemäß belehrt wurde und die Ware erhalten hat. Wer falsch oder gar nicht belehrt, verlängert die Widerrufsfrist erheblich — im Extremfall auf zwölf Monate und vierzehn Tage.

Die Belehrung ist formalisiert. Der Gesetzgeber stellt ein Muster zur Verfügung. Wer davon abweicht und dabei Fehler macht, riskiert, dass die Belehrung unwirksam ist. Eigene Formulierungen sind hier keine gute Idee.

Die Ausnahme für personalisierte Waren. Für Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt oder eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind, sieht das Gesetz einen Ausschluss vor. Das ist für viele Etsy-Verkäufer der relevanteste Punkt — und zugleich der am häufigsten falsch verstandene.

Der Ausschluss greift nicht schon deshalb, weil ein Produkt handgemacht ist oder weil der Kunde aus mehreren vorgegebenen Varianten wählt. Entscheidend ist, dass die Ware individuell nach den Vorgaben des Kunden gefertigt wird und für den Verkäufer anderweitig nicht mehr verwertbar ist. Ein T-Shirt in einer von fünf angebotenen Farben ist keine Kundenspezifikation. Ein Schild mit einem eingravierten Namen in der Regel schon.

Wo genau die Grenze verläuft, ist Gegenstand von Rechtsprechung und hängt am Einzelfall. Wer sich darauf stützt, sollte das einmal fachlich prüfen lassen — und den Ausschluss klar und an der richtigen Stelle kommunizieren.

Digitale Inhalte haben eigene Regeln. Bei sofort bereitgestellten Downloads kann das Widerrufsrecht erlöschen, wenn der Verbraucher ausdrücklich zugestimmt und seine Kenntnis vom Erlöschen bestätigt hat. Auch das ist formalisiert.

AGB und Rückgaberichtlinien

Etsy bietet die Möglichkeit, Shop-AGB und Rückgaberichtlinien zu hinterlegen. Beides erfüllt unterschiedliche Funktionen.

Die Rückgaberichtlinie regelt, ob und unter welchen Bedingungen Du über das gesetzliche Widerrufsrecht hinaus Rücknahmen akzeptierst. Sie darf das gesetzliche Recht nicht einschränken, kann es aber erweitern. Etsy zeigt diese Angaben prominent auf der Artikelseite an, und sie sind ein Vertrauensfaktor.

Die Shop-AGB regeln die Details Deiner Geschäftsbeziehung — Zahlungsbedingungen, Lieferzeiten, Gewährleistung, Verantwortlichkeiten. AGB sind rechtlich anspruchsvoll: Klauseln, die Verbraucher unangemessen benachteiligen, sind unwirksam, und unwirksame Klauseln sind ein häufiger Abmahngrund.

Der praktische Rat: Verwende geprüfte Textbausteine statt selbst formulierter Klauseln, und lasse sie an Deinen Fall anpassen. Kostenlose Generatoren aus dem Netz sind unterschiedlich gut und oft nicht auf Marktplätze zugeschnitten.

Datenschutz

Auch als Etsy-Verkäufer verarbeitest Du personenbezogene Daten: Namen, Adressen, Nachrichteninhalte. Damit unterliegst Du der Datenschutz-Grundverordnung.

Die praktischen Anforderungen umfassen unter anderem eine Datenschutzerklärung, die über Art, Zweck und Rechtsgrundlage der Verarbeitung informiert, ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten sowie Löschfristen für Daten, die Du nicht mehr benötigst.

Ein Bereich, der häufig übersehen wird: Wenn Du Kundendaten außerhalb von Etsy verwendest — etwa Adressen in eine Versandsoftware überträgst oder Kunden per E-Mail kontaktierst —, brauchst Du dafür eine Rechtsgrundlage. Insbesondere die Nutzung von Kundendaten für Werbung ist eng geregelt.

Etsy selbst ist für die Verarbeitung auf seiner Plattform verantwortlich und stellt dazu eigene Informationen bereit. Das entbindet Dich nicht von Deinen eigenen Pflichten für das, was Du mit den Daten machst.

Verpackungsregister

Eine Pflicht, die viele erst spät entdecken — und die eindeutig geregelt ist.

Wer in Deutschland mit Ware befüllte Verpackungen in Verkehr bringt, die typischerweise beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen, muss sich vor dem Inverkehrbringen im Verpackungsregister registrieren und die Verpackungen bei einem dualen System lizenzieren.

Betroffen sind nicht nur Umverpackungen, sondern auch Versandkartons, Füllmaterial, Klebeband und Produktverpackungen. Die Registrierung selbst ist kostenlos, die Lizenzierung kostet je nach Menge — bei kleinen Mengen sind es überschaubare Beträge im niedrigen zweistelligen Bereich pro Jahr.

Es gibt keine Bagatellgrenze. Die Pflicht besteht ab der ersten Sendung.

Produktsicherheit und Kennzeichnung

Hier ist in den vergangenen Jahren viel in Bewegung gekommen.

GPSR. Die EU-Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit verlangt für Verbraucherprodukte unter anderem Angaben zum Hersteller mit Kontaktdaten, bei Herstellern außerhalb der EU zusätzlich eine verantwortliche Person innerhalb der EU, sowie Warnhinweise und Sicherheitsinformationen, wo erforderlich. Etsy hat dafür eigene Eingabefelder in den Listings eingeführt.

Für viele handgemachte Produkte bedeutet das konkret: Du bist der Hersteller, und Deine Angaben gehören ins Listing. Wer über Print on Demand oder Zwischenhändler bezieht, muss klären, wer Hersteller im Sinne der Verordnung ist.

Textilkennzeichnung. Textilerzeugnisse müssen mit ihrer Faserzusammensetzung gekennzeichnet werden — dauerhaft am Produkt und in der Produktinformation.

Produkte für Kinder. Spielzeug und Artikel für Kleinkinder unterliegen besonderen Sicherheitsanforderungen und Kennzeichnungspflichten. Das ist ein Bereich, in dem selbst gemachte Produkte schnell in einen regulierten Rahmen fallen, den viele nicht auf dem Schirm haben.

Kosmetik und Lebensmittel. Seifen, Cremes, Kerzen mit Hautkontakt, essbare Produkte — alle diese Bereiche haben eigene, teils sehr strenge Vorschriften. Wer hier verkaufen will, muss sich vorher gründlich einlesen oder beraten lassen.

Preisangaben. Bei Waren, die nach Gewicht, Volumen oder Länge angeboten werden, ist zusätzlich der Grundpreis anzugeben. Das betrifft auf Etsy etwa Seifen, Öle, Bänder und Stoffe.

Urheberrecht und Marken

Ein Bereich, in dem auf Etsy besonders viel schiefgeht — in beide Richtungen.

Fremde Rechte respektieren. Figuren, Logos, Sprüche, Schriftarten, Muster und Fotos sind häufig geschützt. Ein Produkt mit einer bekannten Zeichentrickfigur ist keine Hommage, sondern eine Rechtsverletzung. Auch Markennamen in Titeln und Tags — etwa um von der Bekanntheit einer Marke zu profitieren — sind riskant. Etsy hat ein Verfahren für Rechteinhaber, um solche Listings entfernen zu lassen, und wiederholte Verstöße können zur Schließung des Shops führen.

Besondere Vorsicht ist bei Schriftarten und Grafiken geboten. Viele kostenlose Schriften sind ausdrücklich nur für private Nutzung freigegeben. Wer sie kommerziell verwendet, verletzt die Lizenz. Prüfe die Lizenzbedingungen jeder Datei, die in ein Verkaufsprodukt einfließt.

Eigene Rechte. Deine eigenen Produktfotos und Designs sind grundsätzlich geschützt, ohne dass Du etwas dafür tun musst. Praktisch durchsetzbar ist das aber nur mit Aufwand. Wenn ein Wettbewerber Deine Bilder verwendet, bietet Etsy ein Meldeverfahren an.

Eine eingetragene Marke ist eine andere Kategorie. Sie kostet Geld und Aufwand, gibt Dir aber ein durchsetzbares Recht an Deinem Namen. Für einen Shop, der langfristig eine Marke aufbauen will, kann das eine sinnvolle Investition sein — für den Einstieg ist es keine Voraussetzung.

Was eine Abmahnung praktisch bedeutet

Damit die Größenordnung klar ist.

Eine Abmahnung ist die außergerichtliche Aufforderung, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen, verbunden mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und der Forderung, die Kosten der Abmahnung zu tragen. Diese Kosten bewegen sich je nach Gegenstandswert typischerweise im dreistelligen bis unteren vierstelligen Bereich.

Der eigentliche Schmerz liegt aber in der Unterlassungserklärung. Wer sie unterschreibt und später erneut gegen denselben Punkt verstößt, schuldet eine Vertragsstrafe — und die ist deutlich höher. Ein fehlerhafter Widerrufstext, der nach der Abmahnung an einer Stelle vergessen wird, kann so richtig teuer werden.

Deshalb gilt: Eine Abmahnung nie ungeprüft unterschreiben und nie ignorieren. Beides sind Fehler. Der richtige Weg führt über einen Anwalt, der prüft, ob die Abmahnung berechtigt ist und ob die geforderte Erklärung so weit gehen muss.

Eine praktische Reihenfolge

Wenn Du das alles gerade zum ersten Mal liest und Dich fragst, wo Du anfangen sollst — diese Reihenfolge hat sich bewährt.

Zuerst das Sichtbare: Impressum vollständig, Widerrufsbelehrung korrekt, Datenschutzerklärung vorhanden. Das sind die Punkte, die von außen sofort prüfbar sind und deshalb am häufigsten abgemahnt werden.

Dann die Register: Verpackungsregister anmelden und lizenzieren. Einmaliger Aufwand, danach jährliche Meldung.

Dann die Produkte: Kennzeichnungspflichten für Deine konkreten Artikel klären. Je nach Sortiment kann das schnell erledigt sein oder umfangreich werden.

Und laufend: Bei jedem neuen Produkt prüfen, ob fremde Rechte betroffen sein könnten und ob zusätzliche Kennzeichnungen nötig sind.

Was das kostet, wenn Du es einmal fachlich prüfen lässt, liegt meist im Bereich weniger hundert Euro. Was es kostet, wenn Du es nicht machst und erwischt wirst, liegt darüber — plus die Zeit und die Nerven.

Für mich war das immer eine der einfachsten Rechnungen im ganzen Geschäft.

Rechnungen: was Du ausstellen musst

Ein Punkt, der in der Praxis für viel Unsicherheit sorgt.

Gegenüber Privatkunden besteht in Deutschland grundsätzlich keine Pflicht, eine Rechnung auszustellen — anders als gegenüber Unternehmen. In der Praxis erwarten Kunden sie aber, und viele fragen danach. Eine Rechnung mitzuliefern ist deshalb guter Service, auch wenn keine Pflicht besteht.

Wenn Du eine Rechnung ausstellst, muss sie den formalen Anforderungen genügen: vollständiger Name und Anschrift von Verkäufer und Käufer, Rechnungsdatum, fortlaufende Rechnungsnummer, Menge und Bezeichnung der Ware, Entgelt und Steuerbetrag beziehungsweise ein Hinweis auf die Steuerbefreiung, Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Ein häufiger Fehler bei Kleinunternehmern: Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen, obwohl keine erhoben wird. Wer das tut, schuldet die ausgewiesene Steuer tatsächlich — auch wenn sie gar nicht angefallen wäre. Stattdessen gehört ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung auf die Rechnung.

Etsy stellt Bestellinformationen bereit, aus denen sich Rechnungen erzeugen lassen. Ob das den deutschen Anforderungen vollständig genügt, hängt vom Einzelfall ab — prüfe das einmal, bevor Du es dauerhaft nutzt.

Streitbeilegung und Plattformpflichten

Zwei Angaben, die in Shop-Texten regelmäßig fehlen.

Hinweis zur Online-Streitbeilegung. Online-Händler müssen Verbraucher über die Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung informieren. Der genaue Umfang und die Ausgestaltung dieser Hinweispflicht haben sich in den letzten Jahren geändert — hier lohnt ein Blick auf den aktuellen Stand, statt einen alten Textbaustein weiterzuschleppen.

Angaben zur Verbraucherschlichtung. Du musst angeben, ob Du bereit oder verpflichtet bist, an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen. Eine Aussage dazu ist erforderlich — auch wenn sie „nein” lautet.

Beides sind Punkte, die in Sekunden zu erledigen sind und trotzdem regelmäßig Anlass für Abmahnungen geben, weil sie schlicht vergessen werden.

Lieferzeitangaben: ein unterschätztes Risiko

Ein Bereich, den viele nicht als rechtliches Thema wahrnehmen.

Angaben zur Lieferzeit müssen klar, eindeutig und zutreffend sein. Vage Formulierungen wie „in der Regel schnell” oder „meist wenige Tage” sind problematisch, weil sie den Verbraucher nicht in die Lage versetzen, den Liefertermin zu bestimmen.

Etsy arbeitet mit Bearbeitungszeiten und Versandprofilen, aus denen sich voraussichtliche Liefertermine ergeben. Diese Angaben solltest Du realistisch pflegen — nicht optimistisch. Eine zu kurz angegebene Bearbeitungszeit ist doppelt schädlich: rechtlich angreifbar und praktisch ein Garant für unzufriedene Kunden.

Besonders in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft lohnt es sich, die Bearbeitungszeit vorübergehend zu verlängern. Das kostet ein paar Verkäufe an Ungeduldige und erspart Dir eine Menge Ärger mit allen anderen.

Wenn Du ins Ausland verkaufst

Sobald Kunden außerhalb Deutschlands bestellen, kommen zusätzliche Fragen dazu.

Innerhalb der EU gilt für Verbraucherverträge grundsätzlich das Recht des Landes, in dem der Verbraucher seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat — jedenfalls soweit es um Schutzvorschriften geht, von denen nicht abgewichen werden darf. Das bedeutet praktisch, dass Du Dich nicht darauf verlassen kannst, dass überall deutsche Regeln gelten.

Für die meisten Kernpflichten — Widerrufsrecht, Informationspflichten — ist das entschärft, weil sie EU-weit harmonisiert sind. Bei Details gibt es aber Unterschiede, etwa bei Fristen für Gewährleistung oder bei Sprachanforderungen.

Der praktische Umgang damit: Für den Einstieg reicht es, den deutschsprachigen Raum sauber abzudecken und die EU-weit harmonisierten Pflichten zu erfüllen. Wer gezielt in bestimmte Märkte expandieren will, sollte die dortigen Besonderheiten prüfen — und dabei auch an steuerliche Schwellenwerte denken, die eigene Pflichten auslösen.

Bei Lieferungen außerhalb der EU kommen Zoll- und Einfuhrfragen hinzu. Hier ist wichtig, dass Kunden vorab wissen, dass zusätzliche Abgaben anfallen können, für die sie aufkommen müssen.

Der Umgang mit Rücksendungen in der Praxis

Zwischen Rechtslage und Alltag klafft hier oft eine Lücke, die man kennen sollte.

Rechtlich hat der Verbraucher beim Widerruf die Ware zurückzusenden, und die Kosten der Rücksendung kann er tragen, wenn er darüber korrekt informiert wurde. Du erstattest den Kaufpreis einschließlich der Standardversandkosten der Hinsendung.

Praktisch stellt sich bei niedrigpreisigen Artikeln oft die Frage, ob sich eine Rücksendung überhaupt lohnt. Wenn die Rücksendung mehr kostet, als der Artikel wert ist, ist es für alle Beteiligten günstiger, den Betrag zu erstatten und auf die Rücksendung zu verzichten.

Das ist eine unternehmerische Entscheidung, keine rechtliche Pflicht — und sie ist bei Etsy weit verbreitet. Wichtig ist nur, dass Du das bewusst entscheidest und nicht als Regel kommunizierst, an die Du Dich später gebunden fühlst.

Ein weiterer Punkt: Bei personalisierten Artikeln, bei denen das Widerrufsrecht ausgeschlossen ist, gibt es trotzdem Fälle, in denen kulantes Verhalten die bessere Wahl ist. Ein Kunde, der einen Tippfehler in seiner eigenen Eingabe entdeckt, hat rechtlich keinen Anspruch — aber eine Neuanfertigung zum Selbstkostenpreis kostet Dich wenig und rettet die Bewertung.

Was sich regelmäßig ändert

Zum Abschluss ein Hinweis zur Haltbarkeit dieser Informationen.

Der rechtliche Rahmen für Online-Handel ist in Bewegung. In den vergangenen Jahren kamen unter anderem neue Informationspflichten, Regeln für Marktplätze, Vorgaben zur Produktsicherheit und Anpassungen im Verbraucherrecht hinzu. Weitere Änderungen sind absehbar.

Was das für Dich bedeutet: Ein Rechtstext, der vor drei Jahren korrekt war, ist heute möglicherweise unvollständig. Wer einmal Textbausteine übernommen und danach nie wieder angefasst hat, arbeitet mit einem veralteten Stand.

Zwei Gewohnheiten helfen dagegen. Erstens: einmal im Jahr die eigenen Rechtstexte gegen den aktuellen Stand prüfen lassen — oder ein Angebot nutzen, das laufend aktualisierte Texte bereitstellt. Zweitens: die Mitteilungen von Etsy zu Richtlinienänderungen tatsächlich lesen. Wenn Etsy neue Pflichtfelder einführt, wie bei der Produktsicherheitsverordnung geschehen, steckt in der Regel eine geänderte Rechtslage dahinter.

Rechtliches ist auf Etsy kein Projekt, das man einmal abschließt. Es ist ein Teil des laufenden Betriebs — allerdings ein kleiner, wenn man ihn regelmäßig macht, statt ihn aufzuschieben, bis er dringend wird.

Häufige Fragen

Brauche ich als Etsy-Verkäufer ein Impressum?

Wer gewerblich verkauft, ist zur Anbieterkennzeichnung verpflichtet — unabhängig von der Umsatzhöhe. Etsy stellt dafür Felder in den Shop-Einstellungen bereit. Die Angaben müssen vollständig und leicht auffindbar sein, ein Postfach genügt nicht.

Gilt das Widerrufsrecht auch für personalisierte Artikel?

Für Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt oder eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind, sieht das Gesetz eine Ausnahme vom Widerrufsrecht vor. Die Ausnahme greift aber nicht automatisch bei allem, was irgendwie individuell wirkt — die Anforderungen sind enger, als viele annehmen, und der Ausschluss muss korrekt kommuniziert werden.

Muss ich mich beim Verpackungsregister anmelden?

Wer in Deutschland verpackte Ware an private Endverbraucher versendet, ist zur Registrierung im Verpackungsregister und zur Lizenzierung der Verpackungen verpflichtet. Diese Pflicht besteht ab der ersten Sendung, es gibt keine Bagatellgrenze.

Was bedeutet die GPSR für meinen Etsy Shop?

Die EU-Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit verlangt unter anderem Angaben zum Hersteller und, bei Herstellern außerhalb der EU, zu einer verantwortlichen Person in der EU sowie Sicherheits- und Warnhinweise. Etsy hat dafür eigene Felder eingeführt. Betroffen sind auch viele handgemachte Produkte.

Reichen die AGB von Etsy für meinen Shop aus?

Etsys eigene Nutzungsbedingungen regeln das Verhältnis zwischen Dir und Etsy, nicht das zwischen Dir und Deinen Kunden. Für Deine Shop-AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzangaben bist Du selbst verantwortlich. Etsy stellt die Felder zur Verfügung, den Inhalt musst Du liefern.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern — im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

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