10.4Gestaltung in Photoshop und Affinity30 Minuten

Freistellen und Retusche für Produktgrafiken

Danach hast Du: Deine freigestellten Motive haben saubere Kanten, auch auf dunklem Untergrund.

Freistellen ist die Aufgabe, an der man erkennt, ob ein Clipart-Paket sorgfältig gemacht ist. Ein heller Saum um ein Motiv fällt am Bildschirm nicht auf und auf einem farbigen Untergrund sofort.

Die Reihenfolge

Vier Schritte, immer gleich
  1. Grob auswählen mit der automatischen Motivauswahl. Sie ist inzwischen erstaunlich gut und erledigt achtzig Prozent.
  2. In eine Maske umwandeln, statt den Hintergrund zu löschen. Dann bleibt alles rückgängig zu machen.
  3. Kanten nachbessern, mit weichem Pinsel auf der Maske. Weiß holt zurück, Schwarz nimmt weg.
  4. Auf farbigem Grund prüfen und Säume entfernen.

Schritt zwei ist der, der den Unterschied macht. Wer löscht, kann nichts mehr korrigieren; wer maskiert, kann jeden Pixel zurückholen.

Die schwierigen Fälle

FallVorgehen
Harte Kanten, klare FormenAutomatische Auswahl reicht meist
Haare, Fell, FedernKantenverbesserung mit Kantenpinsel, danach Saum entfernen
Weiche Schatten und VerläufeMaske von Hand mit weichem Pinsel
Glas und DurchsichtigesTeildeckende Maske, aufwendig
Motiv in ähnlicher Farbe wie HintergrundVon Hand, die Automatik versagt hier

Der letzte Fall ist der Grund, warum eigene Vorlagen mit klarem Kontrast entstehen sollten: Wer selbst zeichnet oder fotografiert, arbeitet auf einem Hintergrund, der sich deutlich vom Motiv unterscheidet, und erspart sich den halben Aufwand.

Der Farbsaum

Beim Freistellen bleibt oft ein dünner Rand in der Farbe des alten Hintergrunds stehen. Auf Weiß unsichtbar, auf Dunkel deutlich.

Der Test, den man immer machen sollte

Leg eine kräftig farbige Fläche unter das freigestellte Motiv, am besten Magenta oder ein sattes Grün. Auf diesen Farben zeigt sich jeder Saum sofort.

Wer nur auf Weiß prüft, verkauft Cliparts, die beim Käufer auf farbigem Untergrund einen hellen Rand haben. Das ist eine der häufigsten Beschwerden bei dieser Produktart.

Gegen den Saum helfen zwei Wege: die Kante um ein bis zwei Pixel nach innen versetzen, oder die Funktion zum Entfernen von Farbrändern, die die meisten Programme haben.

Retusche

Bei eigenen Fotos und gescannten Zeichnungen kommen weitere Arbeiten dazu:

ProblemWerkzeug
Staub, Flecken, SensorpunkteReparaturpinsel
Störende ElementeInhaltsbasiertes Füllen oder Kopierstempel
Papierton bei ScansTonwertkorrektur als Einstellungsebene
Schiefer ScanGerade ausrichten, dann beschneiden
Zu wenig KontrastGradationskurve, vorsichtig

Bei gescannten Zeichnungen ist die Tonwertkorrektur der wichtigste Schritt: Sie macht aus einem grauen Papierton ein sauberes Weiß und aus grauen Linien schwarze. Danach lässt sich das Motiv deutlich leichter freistellen.

Wie sauber ist sauber genug

Nicht perfekt, sondern unauffällig bei normaler Betrachtung.

Die drei Prüfungen
  1. In hundert Prozent Ansicht die Kanten entlangfahren. Keine harten Treppen, keine abgeschnittenen Details.
  2. Auf drei Untergründen prüfen: weiß, schwarz, kräftig farbig.
  3. Verkleinert ansehen. So sieht der Käufer es im Listingbild.

Wer bei diesen drei Prüfungen nichts sieht, ist fertig. Weiterzuarbeiten kostet Zeit ohne Gegenwert.

Die automatischen Werkzeuge

Die Hintergrundentfernung mit einem Klick ist inzwischen in fast jedem Programm und in vielen Onlinediensten vorhanden. Sie ist gut, und sie hat zwei Einschränkungen:

Sie ist nicht zuverlässig bei feinen Strukturen. Bei Haaren und dünnen Linien schneidet sie weg oder lässt stehen.

Onlinedienste bekommen Dein Motiv. Aus Abschnitt 8.7: Ein unveröffentlichtes Produkt gehört nicht auf einen fremden Server, dessen Bedingungen Du nicht kennst.

Für schnelle Fälle mit klaren Kanten sind sie trotzdem die richtige Wahl. Nur prüfen muss man das Ergebnis, und zwar nach den drei Prüfungen oben.

Aufgabe

Ein Motiv freistellen

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