7.7Internationale Verkäufe, OSS und die Grenzfälle25 Minuten
Eigener Shop daneben: die Steuerfalle
Danach hast Du: Du kennst die Folgen eines eigenen Shops und kannst entscheiden, ob und wann er sich lohnt.
Dieser Abschnitt ist noch zu
Der Kurs baut aufeinander auf: Jeder Abschnitt setzt voraus, was in den vorigen entschieden wurde. 7.7 öffnet sich, sobald alles davor abgeschlossen ist.
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„Ich verkaufe die Dateien einfach auch über meine eigene Seite, dann spare ich die Etsy-Gebühren.” Der Gedanke liegt nahe und ist der teuerste in diesem Kurs.
Nicht weil ein eigener Shop schlecht wäre, sondern weil er die gesamte Systematik aus Kapitel sechs aufhebt, und zwar für den Teil, der über ihn läuft.
Was sich ändert
| Frage | Über Etsy | Über den eigenen Shop |
|---|---|---|
| Wer verkauft an den Käufer | Etsy | Du |
| Ort bei EU-Privatkunden | Irrelevant | Käuferland, ab 10.000 € Schwelle |
| OSS-Verfahren | Nein | Ja, über der Schwelle |
| Zählt zum Gesamtumsatz | Nein | Ja |
| Rechnungen an Käufer | Von Etsy | Von Dir |
| Länder und Steuersätze erfassen | Nein | Ja, je Bestellung |
| Drittlandsverkäufe | Etsys Sache | Möglicherweise Registrierungspflicht |
| Widerrufsbelehrung, Impressum, AGB | Etsy stellt den Rahmen | Deine Sache, vollständig |
Acht Zeilen, acht neue Pflichten. Jede einzelne ist erledigbar, alle zusammen sind ein zweiter Betrieb.
Die Falle bei der Kleinunternehmergrenze
Das ist der Punkt, der am meisten Geld kostet, und er wird fast immer übersehen.
Ein Shop macht 30.000 Euro über Etsy mit automatischen Downloads. Diese Umsätze zählen nicht zum Gesamtumsatz, der Verkäufer bleibt Kleinunternehmer.
Er eröffnet einen eigenen Shop und setzt dort 26.000 Euro um. Diese Umsätze zählen. Er überschreitet damit die 25.000 Euro und ist im Folgejahr regelbesteuert.
Folge: Auf die 26.000 Euro aus dem eigenen Shop fällt Umsatzsteuer an, die er entweder aufschlagen oder aus dem Preis herausrechnen muss. Bei 19 Prozent aus dem Bruttopreis sind das rund 4.150 Euro, die er vorher nicht abgeführt hat.
Die eingesparten Etsy-Gebühren betrugen auf denselben Umsatz etwa 3.600 Euro. Die Ersparnis ist damit aufgezehrt, bevor der technische und rechtliche Aufwand überhaupt gerechnet ist.
Das Beispiel ist zugespitzt und der Effekt ist echt: Der eigene Shop ist nicht gebührenfrei, er bezahlt nur an eine andere Stelle.
Was ein eigener Shop tatsächlich kostet
| Posten | Im Jahr |
|---|---|
| Shopsystem oder Baukasten mit digitaler Auslieferung | 200 bis 600 € |
| Zahlungsdienstleister, etwa 2 bis 3 % plus Festbetrag | umsatzabhängig |
| Rechtstexte, geprüft | 100 bis 300 € |
| Steuerliche Betreuung, Mehraufwand | 200 bis 600 € |
| Deine Zeit für Einrichtung und Pflege | 30 bis 60 Stunden im ersten Jahr |
Dem steht die Ersparnis der Etsy-Gebühren gegenüber, etwa 14 Prozent des dort umgesetzten Betrags. Bei 5.000 Euro Umsatz im eigenen Shop sind das 700 Euro Ersparnis gegen mindestens 500 Euro Kosten und vierzig Stunden Arbeit.
Und die entscheidende Frage ist damit noch nicht gestellt: Woher kommen die Besucher?
Der eigentliche Grund, warum es selten aufgeht
Etsy bringt Käufer mit. Ein eigener Shop bringt keine. Wer dort verkaufen will, muss Besucher selbst beschaffen, und das kostet entweder Geld oder Zeit oder beides.
Die Erfahrung aus vergleichbaren Fällen: Ein eigener Shop, der nicht beworben wird, macht im ersten Jahr einen niedrigen dreistelligen Umsatz. Dafür lohnen sich weder das System noch der steuerliche Aufwand.
Wann er sich lohnt
Drei Bedingungen, und sinnvollerweise alle drei:
- Der Etsy-Shop läuft stabil, mit mindestens sechzig Listings und regelmäßigen Verkäufen über mehrere Monate.
- Du hast eine eigene Reichweite, über die Menschen ohne Etsy zu Dir finden: eine Liste, eine Website mit Besuchern, eine Präsenz mit echtem Publikum.
- Der steuerliche Rahmen ist geklärt, mit einem Steuerberater, vor dem Start.
Fehlt einer der drei Punkte, ist der eigene Shop verfrüht.
Die Zwischenlösung
Eine eigene Website, die zeigt und erklärt, und für den Kauf zu Etsy führt.
Damit hast Du die Sichtbarkeit, den eigenen Auftritt und die Möglichkeit, eine Liste aufzubauen, ohne einen zweiten steuerlichen Betrieb zu eröffnen. Wenn Deine Reichweite eines Tages groß genug ist, um einen eigenen Verkauf zu tragen, steht die Seite bereits.
Das ist der Weg, den ich empfehlen würde, und Abschnitt 20.9 geht ihn im Einzelnen durch.
Aufgabe
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