7.2Internationale Verkäufe, OSS und die Grenzfälle20 Minuten

Warum Etsy die Steuer im Käuferland abführt

Danach hast Du: Du verstehst, wie der Preis beim Käufer zustande kommt und was davon bei Dir ankommt.

Etsy führt in einer großen und wachsenden Zahl von Ländern Umsatzsteuer oder ähnliche Abgaben ab. Das ist der Teil der Plattform, für den sich die Gebühren rechnen, und es lohnt sich zu verstehen, was dabei mit Deinem Preis geschieht.

Der Weg des Geldes

Vom Käuferpreis zu Deiner Auszahlung
  1. Du setzt einen Preis, etwa 12 Euro. Das ist Dein Betrag, ohne die Steuer des Käuferlandes.
  2. Etsy ermittelt das Käuferland aus Rechnungsanschrift, Zahlungsmittel und weiteren Merkmalen.
  3. Etsy rechnet die dortige Steuer auf oder heraus, je nach Land und Anzeigeeinstellung.
  4. Der Käufer zahlt den Endbetrag und sieht die Steuer auf seinem Beleg.
  5. Etsy führt sie ab, im jeweiligen Land, unter eigener Registrierung.
  6. Du bekommst Deinen Preis, abzüglich der Gebühren aus Kapitel fünf.

Der wichtige Punkt ist Schritt 6: Die Käufersteuer kommt bei Dir nicht an und geht auch nicht von Deinem Erlös ab. Sie liegt außerhalb Deiner Rechnung.

Warum der Preis in verschiedenen Ländern verschieden aussieht

Weil die Steuersätze verschieden sind. Ein Beispiel mit 12 Euro Verkaufspreis:

Land des KäufersSteuersatzDer Käufer zahlt etwaDein Erlös vor Etsy-Gebühren
Deutschland19 %14,28 €12,00 €
Frankreich20 %14,40 €12,00 €
Luxemburg17 %14,04 €12,00 €
Ungarn27 %15,24 €12,00 €
USA, je nach Bundesstaat0 bis 10 %12,00 bis 13,20 €12,00 €

Die letzte Spalte ist überall gleich, und das ist die gute Nachricht: Deine Kalkulation ist vom Käuferland unabhängig. Was der Käufer zahlt, schwankt; was Du bekommst, nicht.

Die Anzeigeeinstellung, die Verwirrung stiftet

Etsy zeigt Preise je nach Land und Einstellung mit oder ohne Steuer an. Ein deutscher Besucher sieht in der Regel den Bruttopreis, ein amerikanischer den Nettopreis, weil das dort üblich ist.

Wer seinen eigenen Shop in einer anderen Länderansicht aufruft, erschrickt deshalb über einen abweichenden Preis. Das ist kein Fehler, sondern die Anpassung an die dortige Preisangabepflicht.

Was das für Deine Preisgestaltung heißt

Du setzt einen Preis, und er gilt weltweit. Das hat zwei Folgen, die in Abschnitt 15.8 wichtig werden.

Der Preis wirkt in Hochsteuerländern teurer. Ein Käufer in Ungarn zahlt für dieselbe Datei rund einen Euro mehr als einer in Luxemburg. Bei niedrigen Preisen fällt das kaum ins Gewicht.

Und die Währung schwankt. Wer in Euro einstellt, hat für amerikanische Käufer einen Preis, der sich mit dem Kurs bewegt. Abschnitt 7.8 behandelt das.

Was Etsy dabei nicht erledigt

Drei Dinge, damit die Entwarnung nicht zu weit geht:

Etsy erledigt

Die Umsatzsteuer gegenüber dem Käufer, in jedem Land.

Die Registrierung dafür, unter eigenem Namen.

Den Beleg an den Käufer.

Du erledigst

Die Steuer auf die Gebühren, siehe 5.6.

Deine Einkommensteuer auf den Gewinn.

Deine Meldungen, siehe 6.6 und 6.8.

Der Blick auf die Abrechnung

Nimm eine Monatsabrechnung und such die Zeile mit der Käufersteuer. Sie steht dort ausgewiesen, damit nachvollziehbar ist, was der Käufer gezahlt hat.

Diese Zeile gehört nicht in Deine Einnahmen. Wer sie mitzählt, weist einen zu hohen Umsatz aus und zahlt darauf Einkommensteuer, obwohl das Geld nie bei ihm war.

Das ist der häufigste Buchungsfehler in diesem Bereich, und er fällt selten auf, weil er zu Lasten des Verkäufers geht. Abschnitt 7.5 geht die Abrechnung Zeile für Zeile durch.

Aufgabe

Den Preisweg nachvollziehen

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