7.5Internationale Verkäufe, OSS und die Grenzfälle30 Minuten

Was auf Deiner Etsy-Abrechnung wirklich steht

Danach hast Du: Du kannst eine Etsy-Abrechnung lesen und jede Zeile richtig zuordnen.

Die Etsy-Abrechnung ist der wichtigste Beleg Deines Betriebs. Sie ist zugleich der am häufigsten falsch gelesene, weil sie vier Arten von Beträgen mischt, die buchhalterisch nichts miteinander zu tun haben.

Die vier Kategorien

KategorieBeispielzeilenIn Deiner Buchhaltung
Deine EinnahmenVerkaufserlös je BestellungBetriebseinnahme, voller Betrag
Deine AusgabenTransaktionsgebühr, Zahlungsabwicklung, Einstellgebühr, WerbungBetriebsausgabe, netto
Fremde SteuerVAT oder Sales Tax des KäuferlandesGar nicht, weder ein noch aus
KorrekturenErstattungen, Stornos, WechselkursdifferenzenAls Minderung im Monat des Anfalls

Die dritte Zeile ist die, an der es schiefgeht. Wer die Käufersteuer als Einnahme bucht, hat einen zu hohen Gewinn und zahlt darauf Einkommensteuer.

Wo Du die Abrechnung findest

Im Verkäuferbereich unter Finanzen. Dort gibt es die Monatsübersicht als Zusammenfassung und den Zahlungskontoauszug als vollständige Liste. Beide sind exportierbar.

Für die Buchhaltung brauchst Du beides: die Übersicht als Beleg, den Auszug für die Einzelzuordnung.

Herunterladen, nicht verlinken

Die Abrechnungen sind nicht unbegrenzt abrufbar, und ein Verweis auf ein Onlinekonto ist kein Beleg im Sinne der Aufbewahrungspflicht.

Lad sie monatlich herunter und leg sie ab, wie in Abschnitt 5.8 beschrieben. Es dauert zwei Minuten und ist der Unterschied zwischen einer geordneten und einer rekonstruierten Buchhaltung.

Die Zeilen im Einzelnen

Verkaufserlös. Dein Preis, ohne die Steuer des Käuferlandes. Das ist Deine Einnahme, in voller Höhe, unabhängig davon, was später an Gebühren abgeht.

Transaktionsgebühr. 6,5 Prozent des Verkaufspreises. Bei digitalen Produkten entfällt der Versandanteil, den es bei physischen gibt.

Zahlungsabwicklung. Etwa 4 Prozent plus 0,30 Euro je Bestellung, je nach Land. Sie fällt je Bestellung an, nicht je Artikel, und das ist der Grund, warum Bündel aus Abschnitt 2.7 so wertvoll sind.

Einstellgebühr. 0,20 US-Dollar je Listing, alle vier Monate erneut, dazu bei jedem Verkauf eine erneute Einstellung, wenn die automatische Erneuerung aktiv ist.

Werbung. Nur wenn gebucht. Etsy Ads werden täglich abgerechnet und stehen als eigene Zeilen.

Offsite Ads. Eine Besonderheit: Wenn Etsy außerhalb der Plattform wirbt und daraufhin ein Verkauf zustande kommt, fällt eine zusätzliche Gebühr von 12 oder 15 Prozent an. Abschnitt 13.8 behandelt, wann das ein gutes Geschäft ist und wann nicht.

Umsatzsteuer auf die Gebühren. Steht nur da, wenn Deine USt-IdNr nicht hinterlegt ist. In diesem Fall ist es die irische Steuer aus Abschnitt 5.5, und dann ist etwas zu tun.

Die Kontrollrechnung

Die Probe, die jeden Monat aufgehen sollte
  1. Summe Verkaufserlöse ohne Käufersteuer.
  2. Minus Summe aller Gebühren, netto.
  3. Minus Erstattungen des Monats.
  4. Ergibt die Auszahlung, verschoben um den Auszahlungsrhythmus.

Wenn es nicht aufgeht, liegt es meistens an einer Bestellung über den Monatswechsel, einer Rückerstattung aus einem Vormonat oder einer Reserve, die Etsy bei neuen Shops einbehält.

Der Fehler, der am teuersten ist

Nicht die Käufersteuer, sondern die Verbuchung der Auszahlung statt des Umsatzes.

Falsch

Auf dem Konto kamen 5.200 Euro an. Also 5.200 Euro Einnahmen buchen, fertig.

Ergebnis: Umsatz zu niedrig, Gebühren als Ausgabe verloren, Umsatzgrenzen falsch berechnet.

Richtig

6.000 Euro Einnahmen und 800 Euro Ausgaben buchen. Auf dem Konto landen 5.200.

Ergebnis: derselbe Gewinn, aber richtige Zahlen für Umsatzgrenzen, Voranmeldung und Statistik.

Rechnerisch ist der Gewinn in beiden Fällen gleich, und deshalb fällt es lange nicht auf. Falsch ist es trotzdem, und bei einer Prüfung wird es zum Thema.

Wann Software sinnvoll wird

Im ersten Jahr genügt eine Tabelle mit zwölf Zeilen, eine je Monat, gefüllt aus der Monatsübersicht.

Ab etwa dreißig Bestellungen im Monat oder sobald personalisierte Verkäufe dazukommen, lohnt sich ein Programm, das die Abrechnungen einliest. Kapitel 20 vergleicht die Anbieter, darunter Billbee und Lexware, und zeigt, welche Einstellungen für digitale Produkte nötig sind.

Aufgabe

Eine Abrechnung durcharbeiten

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