4.10Nische, Zielgruppe und Positionierung20 Minuten

Deine Nische festschreiben

Danach hast Du: Du hast ein ausgefülltes Nischenblatt, auf das sich jedes Listing im weiteren Kurs bezieht.

Neun Abschnitte lang hast Du geprüft, gelesen und gerechnet. Jetzt kommt das alles auf ein Blatt, und zwar schriftlich.

Das klingt nach Bürokratie und ist der Grund, warum die nächsten sechzehn Kapitel schneller gehen. Fast jede Entscheidung, die im Kurs noch kommt, ist auf diesem Blatt schon beantwortet.

Warum schriftlich und nicht im Kopf

Eine Nische, die nur im Kopf existiert, verschiebt sich. Nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten: Ein Produkt läuft überraschend gut, also baust Du noch eines in die Richtung. Ein Trend fällt Dir auf, also nimmst Du ihn mit. Nach vier Monaten hast Du dreißig Listings ohne gemeinsamen Nenner und wunderst Dich, warum niemand ein zweites Produkt kauft.

Aufgeschrieben passiert das nicht. Nicht weil das Blatt Dich zwingt, sondern weil Du beim Abweichen merkst, dass Du abweichst.

Die sechs Felder

Jedes stammt aus einem Abschnitt dieses Kapitels. Wenn eines leer bleibt, fehlt die Arbeit dazu.

Was auf das Blatt gehört
  1. Der Zielgruppensatz aus Abschnitt 4.2, vierteilig: wer, in welcher Lage, was sie braucht, wozu.
  2. Der Nachfragebeleg aus Abschnitt 4.3: Trefferzahl, Preisspanne, Datum der jüngsten Bewertung.
  3. Die zwei Lücken aus Abschnitt 4.5, jede mit dem Satz aus einer Bewertung als Beleg.
  4. Die Produktliste aus Abschnitt 4.6: wie viele Listings die Nische trägt und welche.
  5. Die Mischung aus Abschnitt 4.7: was ganzjährig läuft, was saisonal ist, mit Vorlaufterminen.
  6. Die vier Festlegungen aus Abschnitt 4.9: zwei Schriften, fünf Farben, ein Bildaufbau, ein Ton.

Das siebte Feld, das die meisten weglassen

Was Du in dieser Nische nicht baust.

Ein Satz genügt, und er ist mehr wert als die anderen sechs zusammen, weil er in einem halben Jahr die Entscheidung trifft, für die Du dann keine Zeit hast.

Ohne diesen Satz

„Hochzeitspapeterie für Standesamt-Trauungen ohne Feier."

Im März fragt eine Käuferin nach einem Sitzplan. Du baust einen. Dann Menükarten. Dann Gastgeschenke.

Nach vier Monaten bist Du im Wettbewerb mit den großen Hochzeitsshops und hast Deinen Vorteil verloren.

Mit diesem Satz

„Ich baue nichts für Feiern mit mehr als zwanzig Gästen."

Im März fragt dieselbe Käuferin. Du antwortest freundlich, dass Du das nicht anbietest, und baust stattdessen das dritte Produkt für Trauzeugen.

Nach vier Monaten hast Du zwölf Listings, die alle dieselbe Person meinen.

Was das Blatt Dir später beantwortet

Nicht als Selbstzweck, sondern ganz praktisch. Drei Beispiele aus den Kapiteln, die noch kommen:

Frage im KursAntwort steht in Feld
Welche Suchbegriffe nehme ich (Kapitel 14)Zielgruppensatz und Lücken
Welchen Preis setze ich an (Abschnitt 15.8)Nachfragebeleg, Preisspanne
Was baue ich als Nächstes (Kapitel 11 und 12)Produktliste und Mischung
Wie sieht das Listingbild aus (Kapitel 16)Die vier Festlegungen
Nehme ich diesen Auftrag anDer Satz, was Du nicht baust

Wer das Blatt hat, sitzt bei diesen Fragen zehn Minuten. Wer es nicht hat, sitzt jedes Mal wieder eine Stunde und entscheidet jedes Mal ein bisschen anders.

Wohin damit

Ausgedruckt an die Wand über den Arbeitsplatz, nicht in einen Ordner. Ein Blatt im Ordner liest niemand wieder.

Zusätzlich als Datei, damit Du es fortschreiben kannst. Aber die Papierfassung hängt sichtbar, denn sie erledigt genau dann ihre Arbeit, wenn Du gerade dabei bist, sie zu vergessen.

Wann Du es änderst

Nicht aus Ungeduld, aber auch nicht nie. Es gibt einen Unterschied zwischen Nachjustieren und Wechseln.

Nachjustieren heißt: Ein Feld wird schärfer, weil Du etwas gelernt hast. Deine Käufer sind überwiegend Erzieherinnen, obwohl Du für Lehrkräfte gebaut hast. Dann schreibst Du den Zielgruppensatz um und behältst alles andere. Das ist gute Arbeit und passiert meistens nach den ersten dreißig Verkäufen.

Wechseln heißt: eine andere Nische. Dafür gilt die Regel aus Abschnitt 4.6, und sie ist streng: nicht vor vierzig Listings und nicht vor sechs Monaten.

Der Unterschied, an dem es meistens scheitert

Ausbleibende Verkäufe sind kein Grund zum Wechseln, solange Du unter vierzig Listings bist. Sie sind in aller Regel ein Mengenproblem, kein Nischenproblem.

Ein echter Grund zum Wechseln ist nur einer: Die Prüfung aus Abschnitt 4.8 fällt jetzt anders aus als damals, etwa weil ein großer Anbieter eingestiegen ist und die Preise unter drei Euro gedrückt hat. Das ist eine Messung, kein Gefühl.

Der Termin in sechs Monaten

Trag Dir heute ein Datum ein, sechs Monate voraus. An diesem Tag nimmst Du das Blatt herunter und prüfst drei Dinge: Stimmt der Zielgruppensatz noch mit dem überein, was tatsächlich gekauft wurde. Haben sich Trefferzahl und Preise verändert. Ist die Produktliste abgearbeitet oder liegt noch die Hälfte da.

Zehn Minuten Arbeit, einmal im halben Jahr. Mehr Nischenpflege braucht kein Shop.

Was Du jetzt hast

Ein Blatt, auf dem steht, für wen Du baust, warum es gekauft wird, wie viel es davon gibt und wie es aussieht. Damit ist der Teil des Kurses abgeschlossen, in dem es um Entscheidungen geht.

Dass die Nische gut ist, weiß niemand. Dass sie geprüft ist, weißt Du, und das unterscheidet Dich von den meisten, die anfangen.

Was in Kapitel fünf kommt

Ab hier wird es amtlich. Gewerbeanmeldung, Kleinunternehmerregelung, Steuernummer und die Frage, was von alledem für Dich gilt, wenn Etsy Deine Dateien verkauft und Dir einen Anteil auszahlt. Das ist der Teil, den viele überspringen, und der einzige im ganzen Kurs, bei dem ein Fehler richtig teuer wird.

Zum AusdruckenNischenblatt: Deine Position auf einem BogenZielgruppensatz, Nachfragebeleg, zwei Lücken, Produktliste, Saisonmischung und die vier Festlegungen auf einem Blatt.PDF herunterladen

Aufgabe

Dein Nischenblatt ausfüllen

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