6.9Umsatzsteuer: warum bei digitalen Produkten Etsy verkauft, nicht Du25 Minuten

Die häufigsten Irrtümer aus Verkäufergruppen

Danach hast Du: Du erkennst die verbreiteten Falschaussagen und kannst sie richtigstellen.

Zu keinem Thema kursieren in Verkäufergruppen so viele falsche Auskünfte wie zu diesem. Das ist verständlich: Die Systematik ist ungewöhnlich, und wer sie nicht kennt, überträgt die Regeln für physische Produkte, die er kennt.

Zehn Aussagen, die regelmäßig zu lesen sind.

Die Zehn

„Ich muss auf jeden Verkauf 19 Prozent abführen."

Falsch bei automatischen Downloads. Der Umsatz ist in Deutschland nicht steuerbar, weil er an Etsy Ireland geht. Siehe 6.1.

„Ich brauche als Kleinunternehmer keine USt-IdNr."

Falsch. Ohne sie berechnet Etsy irische Steuer auf die Gebühren, die Du nicht zurückbekommst. Siehe 5.5.

„Ich muss ins OSS-Verfahren, weil ich EU-weit verkaufe."

Nicht bei Etsy-Downloads. Etsy schuldet die Steuer im Käuferland und führt sie dort ab. Siehe 7.3.

„Als Kleinunternehmer habe ich mit Umsatzsteuer nichts zu tun."

Falsch. Auf die Etsy-Gebühren schuldest Du 19 Prozent nach § 13b UStG. Siehe 5.6.

„Etsy führt alle meine Steuern ab."

Nur die Umsatzsteuer gegenüber dem Käufer. Deine Einkommensteuer, Deine Gewerbesteuer und die Steuer auf die Gebühren betreffen Dich.

„Ich schreibe meinen Käufern Rechnungen mit Mehrwertsteuer."

Gefährlich. Ausgewiesene Steuer schuldest Du nach § 14c UStG, auch wenn sie nicht angefallen ist. Siehe 6.5.

„Mein Etsy-Umsatz zählt zur 25.000er-Grenze."

Bei automatischen Downloads nicht, weil nur inländische Umsätze eingehen. Siehe 6.7.

„Personalisierung ändert nichts, es bleibt eine Datei."

Falsch. Menschliche Arbeit für den einzelnen Kunden macht daraus eine andere Leistungsart. Siehe 6.4.

„Ich brauche keine Zusammenfassende Meldung."

Als Kleinunternehmer richtig, als regelbesteuerter Verkäufer falsch. Siehe 6.8.

„Ein eigener Shop daneben ändert nichts."

Der teuerste Irrtum der Liste. Dort bist Du der Verkäufer, mit allem, was dazugehört. Siehe 7.7.

Woher die Irrtümer kommen

Drei Quellen, und es lohnt sich, sie zu kennen, weil man dann erkennt, welchen Auskünften man trauen kann.

Übertragung von physischen Produkten. Wer Handgemachtes verkauft, kennt die Regeln dafür, und die sind andere: Dort ist Etsy Vermittler, nicht Verkäufer, und der Verkäufer schuldet die Steuer. Wer diese Erfahrung überträgt, liegt bei Dateien falsch.

Veraltete Quellen. Die Vorschrift zur Plattformhaftung gilt in ihrer heutigen Form seit einigen Jahren, die Kleinunternehmergrenzen seit 2025. Ein Beitrag von 2021 kann in beiden Punkten überholt sein und liest sich trotzdem seriös.

Verallgemeinerte Einzelauskünfte. „Mein Steuerberater hat gesagt” ist kein Argument, wenn der Sachverhalt ein anderer war. Wer physische Produkte und Dateien mischt oder daneben einen eigenen Shop betreibt, hat eine andere Lage als jemand mit reinem Etsy-Download-Shop.

Die Auskunft, die verbindlich ist

Nichts von alledem, auch nicht dieser Kurs. Verbindlich ist eine verbindliche Auskunft des Finanzamts nach § 89 AO. Sie ist gebührenpflichtig und lohnt sich erst bei größeren Beträgen.

Für die meisten Fälle genügt der Weg aus Abschnitt 6.10: die eigene Lage schriftlich festhalten, mit den Vorschriften, auf die sie sich stützt, und einmal von einem Steuerberater durchsehen lassen.

Was Du mit einer falschen Annahme machst

Wenn Du auf eine dieser Aussagen hin etwas eingerichtet hast, prüf, ob es zu korrigieren ist.

Wenn Du bisherDann
Keine USt-IdNr hattestSofort beantragen. Die bisherige irische Steuer ist verloren, ab dem Eintrag hört es auf.
Keine Steuer auf die Gebühren gemeldet hastNachmelden, für die offenen Jahre. Berichtigte Voranmeldungen sind der übliche Weg.
Rechnungen mit Steuerausweis geschrieben hastMit dem Steuerberater klären. Eine Berichtigung gegenüber dem Empfänger ist möglich.
Deine Umsätze fälschlich als steuerpflichtig behandelt hastPrüfen lassen. Eine Erstattung ist im Rahmen der Änderungsfristen möglich.

Keiner dieser Fälle ist eine Katastrophe. Alle vier werden schlimmer, wenn man sie liegen lässt.

Aufgabe

Deine eigenen Annahmen prüfen

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