Kapitel 6 von 2010 Abschnitte4,6 Stunden

Umsatzsteuer: warum bei digitalen Produkten Etsy verkauft, nicht Du

Das Kapitel, das diesen Kurs vom Rest unterscheidet. Bei automatisch ausgelieferten Dateien gilt Etsy umsatzsteuerlich als Verkäufer. Dein Umsatz ist eine Leistung an Etsy in Irland, nicht an den Käufer in München.

Dies ist das Kapitel, wegen dem dieser Kurs existiert. Alles, was bis hier stand, gilt für jeden Onlineshop. Was jetzt kommt, gilt nur für digitale Produkte, und es steht in keinem der üblichen Etsy-Ratgeber.

Der Satz, um den es geht

Wenn ein Käufer in München eine Datei aus Deinem Shop herunterlädt, hast Du nicht an diesen Käufer verkauft.

Umsatzsteuerlich verkauft Etsy an ihn. Du hast eine Leistung an Etsy Ireland UC in Dublin erbracht, und Etsy hat sie an den Käufer weiterverkauft. Aus einem Vorgang werden zwei, und beide sind anders zu behandeln, als man erwartet.

Warum das keine Spitzfindigkeit ist

Aus diesem einen Satz folgt der Rest:

Die Folgen, im Einzelnen
  1. Du weist keine deutsche Umsatzsteuer aus, auch als regelbesteuerter Verkäufer nicht. Deine Leistung ist in Deutschland nicht steuerbar.
  2. Du brauchst kein OSS-Verfahren, obwohl Du an Käufer in ganz Europa verkaufst. Etsy erledigt das.
  3. Dein Etsy-Umsatz füllt die Kleinunternehmergrenze nicht, weil nur inländische Umsätze hineinzählen.
  4. Du schreibst keine Rechnungen an Deine Käufer, weil sie nicht Deine Kunden sind.
  5. Und Du meldest möglicherweise etwas anderes, nämlich eine innergemeinschaftliche Leistung an Etsy.

Jeder dieser Punkte widerspricht dem, was in Verkäufergruppen als gesichertes Wissen gilt. Deshalb ist dieses Kapitel ausführlich und belegt die Aussagen mit den Vorschriften, auf denen sie beruhen.

Die Bedingung, an der alles hängt

Die Regel gilt für auf elektronischem Weg erbrachte Leistungen, also für Dateien, die nach dem Kauf automatisch ausgeliefert werden, ohne dass ein Mensch etwas tut.

Sobald Du eine Datei von Hand personalisierst und dem Käufer schickst, ist die Bedingung nicht mehr erfüllt, und alles kehrt sich um: Dann verkaufst Du an den Käufer, dann gilt deutsches Umsatzsteuerrecht, dann sieht die Rechnung anders aus. Abschnitt 6.4 behandelt diesen Grenzfall, weil er auf Etsy häufiger vorkommt, als es scheint.

Was dieses Kapitel nicht ist

Keine Steuerberatung. Die Vorschriften sind hier zutreffend wiedergegeben und für den Regelfall dargestellt: Wohnsitz in Deutschland, Verkauf ausschließlich über Etsy, automatische Auslieferung.

Der letzte Abschnitt erstellt deshalb eine Seite, auf der Deine Lage so zusammengefasst ist, dass ein Steuerberater sie ohne Rückfragen erfassen kann. Erfahrungsgemäß ist genau das der schwierige Teil eines Erstgesprächs: Viele Berater haben mit Plattformverkäufen digitaler Güter selten zu tun, und wer die Systematik selbst sauber darlegen kann, spart Zeit und Honorar.

Die Abschnitte dieses Kapitels

Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.

Anfangen mit 6.1

  1. 6.1Die Grundregel: wer hier eigentlich an wen verkauft25 Minuten
  2. 6.2Warum das Gesetz das so vorsieht25 Minuten
  3. 6.3Die Bedingung: automatisch ausgeliefert, ohne Dein Zutun30 Minuten
  4. 6.4Der Grenzfall: personalisierte Dateien von Hand30 Minuten
  5. 6.5Was das für Deine Rechnungen bedeutet30 Minuten
  6. 6.6Reverse Charge in beide Richtungen30 Minuten
  7. 6.7Zählt dieser Umsatz zur Kleinunternehmergrenze?30 Minuten
  8. 6.8Die Zusammenfassende Meldung: wer sie abgeben muss25 Minuten
  9. 6.9Die häufigsten Irrtümer aus Verkäufergruppen25 Minuten
  10. 6.10Deine Lage schriftlich festhalten, für den Steuerberater25 Minuten