6.10Umsatzsteuer: warum bei digitalen Produkten Etsy verkauft, nicht Du25 Minuten

Deine Lage schriftlich festhalten, für den Steuerberater

Danach hast Du: Du hast ein Steuerblatt, das Deine Lage vollständig beschreibt und ein Erstgespräch abkürzt.

Neun Abschnitte Systematik. Jetzt schreibst Du sie für Deinen eigenen Fall auf eine Seite, und zwar aus zwei Gründen, von denen der zweite der wichtigere ist.

Warum das Blatt

Für Dich. In einem Jahr wirst Du nicht mehr wissen, warum Du etwas so und nicht anders behandelt hast. Das Blatt beantwortet das in dreißig Sekunden.

Für den Steuerberater. Und das ist der eigentliche Nutzen. Ein Erstgespräch beginnt sonst damit, dass Du eine ungewöhnliche Systematik mündlich erklärst, während der Gegenüber sich fragt, ob Du das richtig verstanden hast. Mit dem Blatt beginnt es damit, dass er eine Seite liest und danach eine fachliche Frage stellt.

Der Unterschied sind erfahrungsgemäß neunzig Minuten Honorar.

Warum Steuerberater diesen Fall selten sehen

Digitale Produkte über eine Plattform sind ein kleiner Nebenerwerb, der in Kanzleien selten vorkommt. Der Regelfall dort ist der Handwerker, der Onlinehändler mit Ware oder der Freiberufler.

Das ist kein Vorwurf an die Berufsgruppe, sondern eine Frage der Häufigkeit. Wer die eigene Lage sauber darlegen kann, bekommt eine bessere Beratung, weil das Gespräch dann bei den Fragen anfängt, die tatsächlich offen sind.

Die sechs Felder

Was auf das Steuerblatt gehört
  1. Der Sachverhalt. Was Du verkaufst, über welche Plattform, wie ausgeliefert wird.
  2. Die Leistungsbeziehungen. Wer an wen leistet, in beide Richtungen, aus Abschnitt 6.1 und 6.6.
  3. Dein Status. Kleinunternehmer oder regelbesteuert, mit Datum der Entscheidung.
  4. Die Vorschriften. § 3 Abs. 11a UStG, Art. 9a MwStVO, § 3a Abs. 2 UStG, § 13b UStG, § 19 UStG.
  5. Deine Meldepflichten. Voranmeldung, Zusammenfassende Meldung, mit Rhythmus und Terminen.
  6. Die offenen Fragen. Alles, was Dir in Kapitel fünf und sechs unklar geblieben ist.

Wie ein ausgefülltes Blatt klingt

Zur Orientierung, in der Fassung eines reinen Download-Shops als Kleinunternehmer:

Beispiel für den Sachverhalt und die Folgerung

„Ich verkaufe über Etsy ausschließlich digitale Dateien, die nach der Zahlung automatisch und ohne mein Zutun ausgeliefert werden. Ich biete keine Personalisierung an und werde nach dem Kauf für den einzelnen Käufer nicht tätig.

Ich gehe davon aus, dass Etsy Ireland nach § 3 Abs. 11a UStG als Leistungserbringer gegenüber dem Endkunden gilt und dass meine Leistung an Etsy Ireland nach § 3a Abs. 2 UStG in Irland ausgeführt wird. Sie ist damit in Deutschland nicht steuerbar und geht nicht in den Gesamtumsatz nach § 19 Abs. 2 UStG ein.

Auf die Gebühren, die Etsy mir berechnet, schulde ich als Leistungsempfänger nach § 13b UStG die deutsche Umsatzsteuer und melde sie monatlich an. Als Kleinunternehmer ziehe ich sie nicht als Vorsteuer ab.

Eine Zusammenfassende Meldung gebe ich nach Auskunft des Bundeszentralamts für Steuern als Kleinunternehmer nicht ab."

Vier Absätze, und der Fall ist beschrieben. Wer regelbesteuert ist oder personalisiert, passt entsprechend an; das Arbeitsblatt führt beide Varianten.

Die offenen Fragen

Sammel sie ehrlich, auch die, bei denen Du glaubst, die Antwort zu kennen. Typisch für diesen Bereich sind vier:

FrageWarum sie sich lohnt
Teilen Sie meine Einordnung der Etsy-Umsätze als nicht steuerbar?Die Grundlage von allem
Gehen diese Umsätze in den Gesamtumsatz nach § 19 Abs. 2 ein?Entscheidet über den Status
Muss ich als Kleinunternehmer eine Zusammenfassende Meldung abgeben?Wird unterschiedlich beantwortet
Wie behandle ich personalisierte Verkäufe daneben?Nur, wenn Du sie anbietest

Wann Du das Blatt fortschreibst

Immer dann, wenn sich etwas an den Umständen ändert, und mindestens einmal im Jahr.

Auslöser sind: ein eigener Shop neben Etsy, physische Produkte im Sortiment, personalisierte Angebote, Überschreiten der Kleinunternehmergrenze, Umzug ins Ausland, eine zweite selbstständige Tätigkeit. Jeder dieser Punkte verändert die Systematik, und keiner davon kündigt sich an.

Was in Kapitel sieben kommt

Der Blick über die Grenze. Was passiert, wenn der Käufer in Frankreich, Großbritannien oder Kalifornien sitzt, warum Dich das bei Etsy fast nie betrifft, wann das OSS-Verfahren doch nötig wird, und der Fall, der die teuerste Falle des ganzen Bereichs enthält: der eigene Shop neben Etsy.

Am Ende steht die Fragenliste fürs Erstgespräch. Danach ist der steuerliche Teil dieses Kurses abgeschlossen, und ab Kapitel acht wird gebaut.

Zum AusdruckenSteuerblatt: Deine umsatzsteuerliche LageLeistungsbeziehungen, Vorschriften, Status, Meldepflichten und offene Fragen auf einer Seite, für Dich und für den Steuerberater.PDF herunterladen

Aufgabe

Dein Steuerblatt schreiben

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