6.5Umsatzsteuer: warum bei digitalen Produkten Etsy verkauft, nicht Du30 Minuten

Was das für Deine Rechnungen bedeutet

Danach hast Du: Du weißt, welche Belege in Deinem Fall entstehen und was Du auf eine Rechnungsanfrage antwortest.

Die häufigste Nachricht in einem Shop mit digitalen Produkten, gleich nach der Frage zum Dateiformat: „Können Sie mir bitte eine Rechnung schicken?”

Die Antwort ist bei automatisch ausgelieferten Dateien überraschend: Du kannst nicht, jedenfalls nicht die Rechnung, die der Käufer meint. Und wenn Du es doch tust, kann es teuer werden.

Warum Du keine Rechnung an den Käufer schreibst

Weil Du ihm nichts verkauft hast. Deine Leistung ging an Etsy Ireland, und Etsy hat an den Käufer verkauft. Der Beleg über diesen zweiten Verkauf kommt folgerichtig von Etsy.

Etsy stellt ihn bereit: Der Käufer findet ihn in seinem Konto unter seinen Bestellungen, mit der Steuer, die Etsy in seinem Land abgeführt hat. Für die meisten Käufer ist das genau der Beleg, den sie brauchen.

Der Fehler, der nach § 14c UStG teuer wird

Wer aus Gefälligkeit eine Rechnung mit ausgewiesener deutscher Umsatzsteuer schreibt, schuldet diesen Steuerbetrag dem Finanzamt. Auch dann, wenn die Steuer gar nicht entstanden ist. Auch als Kleinunternehmer.

Bei einer 12-Euro-Datei sind das 1,92 Euro, und das ist zu verschmerzen. Bei zweihundert solchen Gefälligkeiten im Jahr sind es 384 Euro, die Du abführst, ohne sie eingenommen zu haben. Die Berichtigung ist möglich, aber aufwendig.

Deshalb gilt ohne Ausnahme: Auf keinem Beleg an einen Käufer steht deutsche Umsatzsteuer, solange die Datei automatisch ausgeliefert wurde.

Die Standardantwort

Formulier sie einmal und leg sie Dir als Textbaustein ab. Etwa so:

Vorschlag für Deine Antwort

„Vielen Dank für Deine Nachricht. Den Kaufbeleg mit ausgewiesener Umsatzsteuer stellt Etsy bereit, weil Etsy bei digitalen Dateien der Verkäufer gegenüber dem Käufer ist. Du findest ihn in Deinem Etsy-Konto unter Käufe und Bewertungen, dort bei der Bestellung unter Bestelldetails. Wenn Du eine geschäftliche Rechnung brauchst und dort etwas fehlt, sag Bescheid, dann sehe ich, was ich tun kann."

Der letzte Satz ist nicht Höflichkeit, sondern Vorsicht: Bei Geschäftskunden gibt es Konstellationen, in denen weitere Angaben nötig sind, und dann ist ein Blick auf den Einzelfall besser als ein vorschneller Beleg.

Der Beleg über Deinen eigenen Umsatz

Deinen Umsatz belegst Du nicht mit einer selbst geschriebenen Rechnung, sondern mit der Etsy-Monatsabrechnung. Sie ist die Gutschrift über Deine Leistung an Etsy und erfüllt diese Aufgabe.

Wer dennoch eine eigene Rechnung an Etsy schreiben will, kann das tun. Sie enthielte dann:

AngabeInhalt
LeistungsempfängerEtsy Ireland UC, Dublin, mit irischer USt-IdNr
Deine USt-IdNrPflichtangabe bei innergemeinschaftlichen Leistungen
SteuerbetragKeiner
Hinweis„Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers"

In der Praxis ist das entbehrlich, solange die Abrechnungen vorliegen. Was nicht entbehrlich ist: sie monatlich herunterzuladen, wie in Abschnitt 5.8 beschrieben.

Wenn Du personalisiert hast

Dann verkaufst Du an den Käufer, und dann schreibst Du auf Verlangen eine Rechnung. Was hineingehört, hängt an Deinem Status.

Als Kleinunternehmer

Rechnung ohne Steuerausweis, mit dem Hinweis, dass die Leistung nach § 19 UStG steuerfrei ist.

Dazu Name, Anschrift, Datum, Leistungsbeschreibung, Betrag und Deine Steuernummer oder USt-IdNr.

Als regelbesteuerter Verkäufer

Rechnung mit 19 Prozent, Nettobetrag, Steuerbetrag und Bruttobetrag getrennt ausgewiesen.

Der Steuerbetrag steckt im Etsy-Preis und muss herausgerechnet werden: Bruttopreis geteilt durch 1,19.

Die Pflichtangaben, wenn Du eine schreibst

Sie stehen in § 14 Abs. 4 UStG. Bei Beträgen bis 250 Euro genügt die vereinfachte Form, und darunter fallen digitale Produkte praktisch immer.

Kleinbetragsrechnung bis 250 Euro
  1. Dein vollständiger Name und Deine Anschrift.
  2. Das Ausstellungsdatum.
  3. Menge und Bezeichnung dessen, was geliefert wurde.
  4. Der Bruttobetrag und der Steuersatz, oder der Hinweis auf die Steuerbefreiung.

Anschrift des Käufers, Rechnungsnummer und Leistungszeitpunkt sind in dieser Form nicht zwingend. Eine fortlaufende Nummer zu vergeben ist trotzdem sinnvoll, weil es die eigene Aufzeichnung ordnet.

Was Du in Deinen Shoptexten nicht schreiben solltest

Keine Angaben zur Umsatzsteuer in der Artikelbeschreibung. Kein „inkl. 19 % MwSt.“, kein „zzgl. MwSt.”, keine Preisangabe mit Steuerhinweis.

Beides wäre falsch: Der Käufer zahlt die Steuer seines Landes an Etsy, und die steht auf Etsys Beleg. Eine eigene Angabe dazu ist im besten Fall überflüssig und im schlechteren ein Steuerausweis mit den Folgen aus dem Kasten oben.

Aufgabe

Deine Belegpraxis festlegen

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