1.9Was digitale Produkte auf Etsy sind, und was Etsy erlaubt20 Minuten

Digitale Produkte gegen physische: die ehrliche Gegenüberstellung

Danach hast Du: Du kannst begründen, warum digitale Produkte für Deine Situation der richtige oder der falsche Weg sind.

Auf Etsy gibt es drei Wege, ein Geschäft aufzubauen: selbst herstellen, drucken lassen, Dateien verkaufen. Sie werden ständig verglichen und selten ehrlich.

Die Gegenüberstellung

Digital Print on Demand Handgemacht
Startkosten nahezu null gering, Muster und Konten Material, Werkzeug, Lager
Marge je Verkauf sehr hoch dünn, oft unter 30 Prozent mittel, Arbeitszeit selten eingerechnet
Stückpreis niedrig mittel hoch
Aufwand je Bestellung keiner gering, gelegentlich Reklamation hoch, jedes Stück von Hand
Skalierung unbegrenzt gut durch Deine Zeit begrenzt
Wettbewerb sehr hoch hoch überschaubar
Umsatzsteuer Etsy verkauft, nicht Du Du verkaufst Du verkaufst

Was die Zahlen bedeuten

Die Marge ist bei digitalen Produkten unschlagbar und trotzdem nicht der entscheidende Punkt. Von acht Euro bleiben nach Gebühren knapp sieben. Von einem Shirt für 24 Euro bleiben nach Herstellkosten und Gebühren vielleicht sieben. Der Unterschied je Verkauf ist also gering, obwohl die Marge in Prozent dramatisch auseinanderliegt. Prozente kaufen nichts ein.

Der Wettbewerb ist der eigentliche Unterschied. Eine Datei zu bauen kostet nichts außer Zeit. Also bauen sie viele. In den offensichtlichen Nischen konkurrierst Du mit zehntausenden Listings, von denen die meisten schlecht, aber eben da sind.

Die Skalierung ist das stärkste Argument. Ein Handmade-Shop, der gut läuft, wird irgendwann zum Problem: mehr Bestellungen bedeuten mehr Nächte. Ein Shop mit Dateien merkt den Unterschied zwischen zehn und tausend Verkäufen nur auf dem Kontoauszug.

Die Rechnung, die niemand gern aufmacht

Nimm ein Produkt, das sich dreimal im Monat für acht Euro verkauft. Nach Gebühren bleiben rund zwanzig Euro Gewinn im Monat.

Wenn Du tausend Euro im Monat willst, brauchst Du also die Wirkung von etwa 55 solcher Produkte. In der Praxis sind es mehr, weil die Verkäufe ungleich verteilt sind: Von hundert Listings tragen zehn den Umsatz, sechzig verkaufen selten, dreißig nie.

Realistisch landest Du bei 150 bis 250 Listings für ein verlässliches vierstelliges Nebeneinkommen. Bei zwei Stunden je Produkt sind das 300 bis 500 Stunden Arbeit, verteilt über ein bis zwei Jahre.

Die Zahl, die alles relativiert

Das klingt nach viel, und es ist viel. Es ist aber die ehrliche Zahl, und sie ist der Grund, warum die meisten nach drei Monaten aufhören: Sie haben mit zwanzig Listings gerechnet und stehen nach zwanzig Listings bei vierzig Euro im Monat.

Wer die Größenordnung von Anfang an kennt, hört nicht bei zwanzig auf.

Für wen digital der richtige Weg ist

Richtig, wenn Du Zeit hast und wenig Geld. Wenn Du gern gestaltest. Wenn Du keinen Platz für Lager hast. Wenn Du beruflich eingespannt bist und keine Bestellungen abarbeiten kannst, sobald sie kommen. Und wenn Du Ausdauer über Monate mitbringst.

Falsch, wenn Du schnell Geld brauchst. Wenn Gestaltung Dich quält. Wenn Du eine Fertigkeit hast, für die Menschen dreistellige Beträge zahlen, dann verkauf die, nicht Dateien für neun Euro.

Und die Steuerlage

Der Punkt, der in keinem Vergleich steht und der praktisch am meisten verändert.

Bei Handgemachtem und bei Print on Demand verkaufst Du an den Käufer. Der Vorgang ist der, den jeder kennt, und jeder Steuerberater auch.

Bei einer automatisch ausgelieferten Datei verkauft Etsy, und Du verkaufst an Etsy in Irland. Das ist buchhalterisch nicht schwerer, aber es ist anders, und wer es nicht weiß, legt seine Belege ein Jahr lang falsch ab. Kapitel 6 nimmt sich dafür zehn Abschnitte Zeit.

Aufgabe

Die Gegenüberstellung für Dich beantworten

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