Kapitel 1 von 2010 Abschnitte3,4 Stunden
Was digitale Produkte auf Etsy sind, und was Etsy erlaubt
Die Regelseite: welche Dateien Etsy als digitalen Artikel zulässt, wo die Grenze zum Wiederverkauf fremder Vorlagen verläuft und warum der Unterschied zwischen Sofort-Download und Auftragsarbeit später über Deine Steuerlast entscheidet.
Kapitel 1 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 1 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
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Ein digitales Produkt auf Etsy ist eine Datei, die der Käufer nach der Zahlung herunterlädt. Ein Poster zum Ausdrucken, eine Planerseite, eine Schnittdatei für den Plotter, eine Vorlage, die er selbst anpasst. Es wird nichts gedruckt, nichts verpackt und nichts verschickt.
Das ist die Erklärung, die überall steht. Sie ist richtig und sie hilft Dir nicht weiter, weil sie zwei Fragen auslässt, an denen auf Etsy alles hängt: Was darfst Du überhaupt als Datei verkaufen, und was verlangt Etsy dafür von Dir?
Diese Fragen stehen am Anfang des Kurses, weil ein Verstoß dagegen nicht mit einer Verwarnung endet, sondern mit entfernten Listings und im ungünstigen Fall mit einem gesperrten Konto. Alles andere in diesem Kurs kannst Du später korrigieren. Das hier nicht.
Etsy kennt vier Kategorien, und Du gehörst in genau eine
Etsy nennt seine Grundregel „Kreativitätsstandards”. Dort steht, welche Artikel überhaupt verkauft werden dürfen, und der Marktplatz teilt sie in vier Gruppen ein:
- Hergestellt von Verkäufer:innen sind physische Artikel, die Du selbst von Hand oder mit eigenen Werkzeugen fertigst.
- Designt von Verkäufer:innen sind Originaldesigns von Dir, die eine Drittpartei produziert oder druckt, oder die Du als digitalen Download anbietest.
- Handverlesen von Verkäufer:innen sind Vintage-Artikel und Naturfunde, die Du persönlich ausgesucht hast.
- Ausgewählt von Verkäufer:innen sind Kreativbedarf und Partyartikel sowie Produkte, die mit einem Text oder Bild des Käufers versehen werden.
Digitale Produkte gehören in die zweite Gruppe, und zwar ausdrücklich. Etsy nennt den digitalen Download dort in einem Atemzug mit Print on Demand.
Damit ist die Frage beantwortet, die in Verkäufergruppen regelmäßig auftaucht: Digitale Produkte sind auf Etsy erlaubt. Nicht geduldet, nicht in einer Grauzone, sondern als Teil einer eigenen Kategorie in den Richtlinien beschrieben. Etsy hat für sie sogar eine eigene Artikelart im Listing-Formular.
Die Bedingung, die alles trägt
Das Wort, auf das es ankommt, steht am Anfang: Originaldesign. Von Dir.
Daran scheitern die meisten Shops, die geschlossen werden. Nicht daran, dass sie etwas Falsches verkauft hätten, sondern daran, dass sie etwas verkauft haben, das jemand anders gestaltet hat.
Der Markt für fertige Vorlagenpakete ist groß. Für zwanzig Euro bekommst Du dreihundert Planerseiten „mit kommerzieller Lizenz zum Weiterverkauf”. Diese Lizenz ist zwischen Dir und dem Anbieter gültig. Sie sagt nichts darüber, was Etsy erlaubt, und Etsy erlaubt es nicht. Abschnitt 1.5 geht diesen Punkt vollständig durch, weil er teuer ist.
Zwei Arten der Auslieferung, mit sehr unterschiedlichen Folgen
Etsy unterscheidet bei digitalen Artikeln zwei Wege, und die Wahl hat Folgen weit über die Technik hinaus.
Sofort-Download. Du lädst die Datei beim Anlegen des Listings hoch. Der Käufer bekommt sie unmittelbar nach der Zahlung, ohne dass Du etwas tust. Das ist der Regelfall.
Auftragsarbeit. Du erstellst die Datei erst nach der Bestellung, etwa eine personalisierte Einladung mit den Namen des Brautpaars, und schickst sie über die Nachrichtenfunktion. Hier arbeitest Du bei jeder Bestellung mit.
Der Unterschied klingt nach einer Frage der Bequemlichkeit. Er ist umsatzsteuerlich der Unterschied zwischen zwei völlig verschiedenen Vorgängen, und zwar so grundlegend, dass Kapitel 6 fast ausschließlich davon handelt. Kurz gesagt: Beim Sofort-Download gilt Etsy als Verkäufer, bei der Auftragsarbeit Du.
Merk Dir an dieser Stelle nur, dass es zwei Wege gibt und dass die Wahl kein Detail ist.
Was technisch geht und was nicht
Etsy setzt Grenzen, die Deinen Produktzuschnitt beeinflussen, lange bevor Du an Steuern denkst:
- Fünf Dateien je Listing, nicht mehr.
- 20 Megabyte je Datei, nicht mehr.
- Damit 100 Megabyte als Obergrenze für ein Listing.
Das reicht für die meisten Produkte und wird ausgerechnet dort eng, wo Geld zu verdienen ist: bei umfangreichen Paketen, bei hochauflösenden Grafiken, bei Schriften mit vielen Schnitten. Kapitel 8 und Kapitel 18 zeigen die beiden Auswege, das ZIP-Archiv und den Downloadlink, mit ihren jeweiligen Nachteilen.
Die drei Pflichten, die an einem digitalen Listing hängen
Erstens: Das Werk muss von Dir stammen. Siehe oben. Was Du nicht selbst gestaltet hast, gehört nicht in Deinen Shop.
Zweitens: Du musst sagen, was der Käufer bekommt und was nicht. Formate, Größen, Auflösung, ob eine Schrift enthalten ist, ob er die Datei gewerblich nutzen darf. Fehlt das, entstehen Rückgabewünsche und schlechte Bewertungen, und beides kostet mehr als die zehn Minuten, die es gekostet hätte, es hinzuschreiben.
Drittens: KI-Anteile musst Du kenntlich machen. Etsy verlangt Offenlegung, wenn generative Werkzeuge im Spiel waren. Abschnitt 1.7 sagt, wo genau das hingehört und wie der Satz lautet.
Was in diesem Kapitel noch kommt
Die zehn Abschnitte gehen jede dieser Fragen einzeln durch: was als digitaler Artikel zählt, wo die Grenze zum Wiederverkauf verläuft, wie Lizenzen funktionieren, was bei einem Verstoß tatsächlich passiert und, am Ende, eine Selbstprüfung für Dein eigenes Vorhaben.
Am Schluss des Kapitels weißt Du, ob das, was Du vorhast, auf Etsy zulässig ist. Erst danach lohnt es sich, über Nischen und Preise nachzudenken.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 1.1Was Etsy als digitalen Artikel zählt15 Minuten
- 1.2Sofort-Download und Auftragsarbeit: der Unterschied20 Minuten
- 1.3Die technischen Grenzen: fünf Dateien, zwanzig Megabyte15 Minuten
- 1.4Was Du verkaufen darfst und was nicht25 Minuten
- 1.5Die Grenze zum Wiederverkauf fremder Vorlagen25 Minuten
- 1.6Lizenzen verstehen: kommerziell, privat, erweitert25 Minuten
- 1.7KI-Inhalte: was Etsy verlangt20 Minuten
- 1.8Was bei einem Regelverstoß tatsächlich passiert20 Minuten
- 1.9Digitale Produkte gegen physische: die ehrliche Gegenüberstellung20 Minuten
- 1.10Selbstprüfung: Ist Dein Vorhaben zulässig?20 Minuten
