1.5Was digitale Produkte auf Etsy sind, und was Etsy erlaubt25 Minuten

Die Grenze zum Wiederverkauf fremder Vorlagen

Danach hast Du: Du verstehst, warum Lizenz und Etsy-Regel zwei verschiedene Dinge sind, und weißt, wie viel eigene Arbeit ein fremdes Ausgangsmaterial braucht.

Es gibt einen ganzen Markt für Pakete, die als Geschäftsmodell verkauft werden: „500 Planer-Vorlagen mit PLR-Lizenz”, „Commercial Use, Resell Rights included”, oft für zwanzig oder dreißig Euro. Die Werbung dazu verspricht, dass Du sie direkt bei Etsy einstellen und verkaufen kannst.

Das funktioniert nicht, und dieser Abschnitt erklärt, warum, weil der Irrtum teuer ist.

Zwei Regelwerke, die nichts miteinander zu tun haben

Die Lizenz ist ein Vertrag zwischen Dir und dem Anbieter des Pakets. Steht darin, dass Du weiterverkaufen darfst, dann darfst Du das, was ihn angeht. Er wird Dich nicht verklagen.

Etsys Regel ist etwas völlig anderes. Etsy verlangt nicht, dass Du das Recht hast, etwas zu verkaufen. Etsy verlangt, dass Du es gestaltet hast. Das ist eine Anforderung an Deine Rolle, nicht an Deine Rechte.

Ein unverändert weiterverkauftes Vorlagenpaket erfüllt Etsys Anforderung nicht, egal wie großzügig die Lizenz ist. Du bist dann Händler, und Etsy ist kein Marktplatz für Händler fremder Ware.

Warum das nicht durchgeht

Solche Pakete werden tausendfach verkauft. Wenn hundert Shops dieselben dreihundert Planerseiten anbieten, fällt das auf, und zwar ohne dass jemand aktiv suchen müsste. Etsys Systeme finden identische Dateien, und Wettbewerber melden. Die Frage ist nicht, ob es auffällt, sondern wann.

Wo die Grenze wirklich verläuft

Zwischen „unverändert weiterverkauft” und „selbst gestaltet” liegt eine Grauzone, und in ihr bewegen sich viele Shops. Die brauchbare Frage lautet nicht „habe ich genug verändert”, sondern:

Ist das Ergebnis erkennbar meine Gestaltung, oder erkennt man das Ausgangsmaterial?

Wenn jemand Dein Produkt neben die Quelle legt und sagt „das ist dieselbe Vorlage in einer anderen Farbe”, dann ist es Wiederverkauf. Wenn er sagt „da wurde etwas Eigenes daraus gemacht, man erkennt allenfalls einzelne Bausteine”, dann ist es Gestaltung.

Ein paar Anhaltspunkte, die keine Rechtsberatung sind, sondern Erfahrung:

  • Farben ändern ist keine Gestaltung.
  • Eine Schrift austauschen ist keine Gestaltung.
  • Das Format ändern ist keine Gestaltung.
  • Ein neues Layout aus einzelnen Bausteinen bauen, deren Lizenz das erlaubt, kann Gestaltung sein.
  • Alles selbst zeichnen und setzen ist zweifelsfrei Gestaltung.

Was passiert, wenn es auffällt

Etsy geht abgestuft vor, aber die Stufen sind kürzer, als viele denken.

Das Listing verschwindet

Ohne Vorwarnung. Du bekommst eine Mail mit einem Hinweis auf die verletzte Richtlinie, oft ohne konkrete Angabe, welcher Bestandteil beanstandet wurde.

Bei Wiederholung folgt eine Verwarnung

Sie steht in Deinem Konto. Mehrere Verwarnungen führen zur Einschränkung, etwa dass Du keine neuen Listings mehr anlegen kannst.

Am Ende steht die Sperrung

Und damit der Verlust aller Listings, Bewertungen und der Shopgeschichte. Guthaben wird ausgezahlt, das Konto bleibt zu. Ein neues Konto anzulegen ist untersagt und wird erkannt.

Bei einer Meldung durch einen Markeninhaber geht es schneller, dort kann die erste Stufe bereits die Sperrung sein.

Die Herkunftsliste

Der einfachste Schutz kostet zehn Minuten je Produkt: eine Liste, in der zu jedem Bestandteil steht, woher er kommt.

Was in die Liste gehört
  1. Der Bestandteil, benannt: „Hintergrundmuster", „Symbolsatz", „Schrift für Überschriften".
  2. Die Herkunft: selbst gezeichnet, aus Canva, bei einem Anbieter gekauft, aus einer freien Quelle.
  3. Der Beleg: Rechnung, Lizenztext, Screenshot der Nutzungsbedingungen mit Datum.

Diese Liste brauchst Du in zwei Situationen. Wenn Etsy nachfragt, kannst Du innerhalb von Minuten antworten statt tagelang zu suchen. Und wenn jemand Dein Produkt kopiert, kannst Du belegen, dass es Deines ist.

Der Satz, der Dir viel Ärger spart

Wenn Du ein Paket kaufst, das mit „Resell Rights" wirbt, dann frag Dich nicht, ob die Lizenz gilt. Frag Dich, wie viele andere dasselbe Paket gekauft haben. Die Antwort lautet: sehr viele. Und ein Produkt, das hundert andere identisch anbieten, verkauft sich ohnehin nicht.

Die Regel und der Geschäftssinn zeigen hier in dieselbe Richtung. Das ist selten und sollte einem zu denken geben.

Aufgabe

Die Herkunftsliste für Dein Produkt anlegen

Mehr zum Thema im Wissensportal