1.6Was digitale Produkte auf Etsy sind, und was Etsy erlaubt25 Minuten
Lizenzen verstehen: kommerziell, privat, erweitert
Danach hast Du: Du hast eine Lizenzformulierung für Deine Produkte, die verständlich ist und die Fälle abdeckt, die tatsächlich vorkommen.
Dieser Abschnitt ist noch zu
Der Kurs baut aufeinander auf: Jeder Abschnitt setzt voraus, was in den vorigen entschieden wurde. 1.6 öffnet sich, sobald alles davor abgeschlossen ist.
Du stehst gerade bei .
Wenn jemand Deine Datei kauft, kauft er nicht das Werk, sondern das Recht, es auf eine bestimmte Weise zu benutzen. Wie weit dieses Recht reicht, legst Du fest. Und wenn Du es nicht festlegst, legt es im Streitfall jemand anders fest, meistens zu Deinen Ungunsten.
Die drei Stufen
Private Nutzung. Der Käufer darf die Datei für sich verwenden: ausdrucken, aufhängen, verschenken. Er darf damit kein Geld verdienen. Das ist die Voreinstellung bei den meisten Produkten und für Poster, Karten und Planerseiten der Regelfall.
Gewerbliche Nutzung. Der Käufer darf das, was er mit der Datei herstellt, verkaufen. Ein Beispiel: Er kauft eine Schnittdatei, plottert damit Aufkleber und verkauft die Aufkleber. Diese Stufe ist bei Schnittdateien, Grafiken und Schriften üblich und rechtfertigt einen höheren Preis.
Erweiterte Rechte. Alles darüber hinaus: hohe Stückzahlen, Weitergabe an Dritte, Nutzung in einem eigenen Produkt zum Weiterverkauf. Selten, teuer, und Du solltest sie nur anbieten, wenn Du verstanden hast, was Du damit aus der Hand gibst.
Keine dieser Stufen erlaubt es dem Käufer, die Datei selbst weiterzuverkaufen. Er darf mit ihr arbeiten, nicht mit ihr handeln. Diesen Satz solltest Du in jede Lizenz schreiben, weil er der einzige ist, der wirklich zählt.
Warum die Lizenz in die Datei gehört, nicht nur ins Listing
Ein Listing kann geändert werden, gelöscht werden, ablaufen. Zwei Jahre später erinnert sich niemand, was dort stand.
Die Lizenz gehört deshalb dorthin, wo sie bleibt: in die ausgelieferte Datei. Eine Seite in der PDF-Anleitung, ein kurzer Abschnitt, mit Datum. Damit hast Du sie im Streitfall und der Käufer auch.
Ins Listing gehört sie zusätzlich, in der Beschreibung, weil der Käufer vor dem Kauf wissen muss, was er bekommt.
So formulierst Du sie
Kein Juristendeutsch. Der Käufer soll sie verstehen, nicht überspringen. Fünf Sätze reichen.
Unbrauchbar
„Alle Rechte vorbehalten. Die Nutzung erfolgt gemäß den geltenden Bestimmungen des Urheberrechts."
Sagt nichts. Der Käufer weiß danach nicht, ob er das Poster in seinem Café aufhängen darf.
Brauchbar
„Du darfst diese Datei so oft ausdrucken, wie Du möchtest, für Dich selbst und zum Verschenken. Du darfst sie nicht weitergeben, nicht weiterverkaufen und nicht gewerblich nutzen, also keine Produkte damit herstellen, die Du verkaufst. Wenn Du das vorhast, schreib mir, dafür gibt es eine erweiterte Lizenz."
Verständlich, deckt die drei häufigen Fälle ab und öffnet eine Tür für zusätzlichen Umsatz.
Die Fälle, die tatsächlich vorkommen
Aus der Praxis, nach Häufigkeit:
„Darf ich das im Klassenzimmer benutzen?“ Bei Arbeitsblättern die häufigste Frage. Entscheide das vorher und schreib es hin. Eine Lehrerin, die dreißig Kopien macht, ist für Dich der beste denkbare Kunde, weil sie wiederkommt.
„Darf ich es in meinem Café aufhängen?“ Ein Poster in einem Geschäft ist streng genommen gewerbliche Nutzung. Praktisch schadet es Dir nicht. Erlaub es ausdrücklich, das kostet Dich nichts und erspart eine Nachricht.
„Darf ich es für einen Kunden benutzen?“ Hier wird es ernst. Eine Grafikerin, die Deine Vorlage für ein Kundenprojekt verwendet, betreibt gewerbliche Nutzung. Wenn Du diese Stufe anbietest, dann als eigenes Listing mit eigenem Preis.
„Kann ich das für meinen Etsy Shop nutzen?“ Nein, und das ist der Fall, bei dem Du deutlich werden solltest. Wer Deine Vorlage kauft, um daraus ein eigenes digitales Produkt zu machen, macht genau das, was Abschnitt 1.5 beschreibt.
Preisunterschied zwischen den Stufen
Als Anhaltspunkt aus dem Markt: Die gewerbliche Lizenz kostet üblicherweise das Drei- bis Fünffache der privaten. Bei einem Produkt für neun Euro also 27 bis 45 Euro.
Das klingt viel und ist es nicht. Wer mit Deiner Datei Geld verdienen will, rechnet anders als jemand, der ein Poster für die Küche sucht. Und der Aufwand für Dich ist derselbe.
Biete beide Stufen an, als zwei Varianten desselben Listings oder als zwei Listings. Die private Lizenz holt die Masse, die gewerbliche macht den Umsatz. In vielen Shops steuern die wenigen gewerblichen Käufe einen erheblichen Teil des Ertrags bei, obwohl sie zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen.
Aufgabe
Deine Lizenz formulieren
Noch 4 Schritte offen.
Diesen Abschnitt hast Du schon abgeschlossen.
