Kapitel 2 von 2010 Abschnitte3,5 Stunden

Die Wirtschaftlichkeit: warum die Marge alles verändert

Eine Datei wird einmal gebaut und beliebig oft verkauft. Was das für Preis, Menge und Arbeitszeit bedeutet, und warum trotzdem die meisten Shops nichts verdienen.

Digitale Produkte werden mit einem Argument verkauft: die Marge. Keine Herstellkosten, kein Porto, kein Lager. Von acht Euro bleiben fast acht Euro.

Das stimmt fast, und das Wort „fast” ist teurer, als es aussieht.

Die Zahl, mit der dieses Kapitel anfängt

Ein Produkt für 8,00 Euro kostet Dich an Etsy-Gebühren rund 1,14 Euro. Es bleiben 6,86 Euro.

Dasselbe Produkt für 2,49 Euro kostet Dich 0,56 Euro. Es bleiben 1,93 Euro.

Im ersten Fall gehen 14 Prozent an Etsy, im zweiten 22. Der Unterschied entsteht nicht durch einen höheren Satz, sondern durch die feste Gebühr von 0,30 Euro je Bestellung, die bei einem billigen Produkt einen viel größeren Anteil frisst.

Das ist der erste Grund, warum die Preisgestaltung bei digitalen Produkten kein Bauchgefühl ist. Abschnitt 2.7 geht ihn vollständig durch.

Der Denkfehler, der die meisten Shops beendet

„Einmal bauen, für immer verdienen” ist der Satz, mit dem dieses Geschäftsmodell beworben wird. Er ist nicht falsch, er ist unvollständig.

Richtig ist: Ein Produkt, das sich verkauft, verursacht keinen weiteren Aufwand.

Unterschlagen wird: Die allermeisten Produkte verkaufen sich nicht. In einem gewachsenen Shop tragen etwa zehn Prozent der Listings den Umsatz, sechzig verkaufen selten, dreißig nie. Welche zehn es sein werden, weiß niemand vorher.

Daraus folgt die unbequeme Rechnung dieses Kapitels: Du baust nicht ein Produkt, das läuft. Du baust vierzig, damit vier laufen.

Was in diesem Kapitel steht

Die zehn Abschnitte rechnen den Fall vollständig durch:

  • was von einem Verkauf übrig bleibt, Gebühr für Gebühr,
  • warum der Stückpreis bei Dateien niedriger liegt als bei Physischem und was das erzwingt,
  • wie viele Listings ein bestimmtes Monatsziel tatsächlich braucht,
  • wie Du Deine eigene Arbeitszeit einrechnest, bevor Du anfängst,
  • wie Du Preise setzt, die tragen, und warum das Bündel oft mehr bringt als der Einzelverkauf,
  • ab wann ein Produkt sich gerechnet hat und wann Du es aufgeben solltest.

Am Ende steht ein Rechenblatt, das Du ausfüllst. Danach weißt Du, ob sich das für Dich lohnt, und zwar mit Deinen Zahlen, nicht mit denen aus einem Werbevideo.

Warum dieses Kapitel vor der Gestaltung kommt

Weil die Antwort auch „nein” lauten kann.

Wer zweihundert Stunden in Produkte steckt und danach ausrechnet, dass daraus vierzig Euro im Monat werden, hat zweihundert Stunden verloren. Wer vorher rechnet, entscheidet sich entweder bewusst dafür oder macht etwas anderes. Beides ist besser.

Die Abschnitte dieses Kapitels

Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.

Anfangen mit 2.1

  1. 2.1Die Rechnung: was von 8 Euro übrig bleibt20 Minuten
  2. 2.2Etsys Gebühren bei digitalen Artikeln im Einzelnen20 Minuten
  3. 2.3Warum der Stückpreis niedriger liegt als bei Physischem15 Minuten
  4. 2.4Der Denkfehler „einmal bauen, ewig verdienen“20 Minuten
  5. 2.5Wie viele Listings es wirklich braucht20 Minuten
  6. 2.6Deine Arbeitszeit einrechnen, bevor Du anfängst25 Minuten
  7. 2.7Preisgestaltung: Anker, Bündel und der Zwei-Euro-Irrtum25 Minuten
  8. 2.8Wann sich ein Produkt gerechnet hat20 Minuten
  9. 2.9Die Zahlen, die Du von Anfang an mitschreibst20 Minuten
  10. 2.10Dein Rechenblatt ausfüllen25 Minuten