2.6Die Wirtschaftlichkeit: warum die Marge alles verändert25 Minuten

Deine Arbeitszeit einrechnen, bevor Du anfängst

Danach hast Du: Du kennst Deinen Stundensatz aus dem Shop und weißt, ab welchem Punkt er die Schwelle überschreitet, die für Dich zählt.

In fast jeder Kalkulation, die ich von Etsy-Verkäufern sehe, fehlt derselbe Posten: die eigene Arbeitszeit. Sie taucht nicht auf, weil sie nicht abfließt. Niemand überweist sie, also erscheint sie nirgends.

Bei digitalen Produkten ist sie die einzige nennenswerte Kostenposition. Wenn Du sie weglässt, lässt Du alles weg.

Was ein Produkt tatsächlich kostet

Nicht die Gestaltung allein. Der ehrliche Aufwand für ein Listing, vom Einfall bis zum Veröffentlichen:

SchrittAnfangsMit Übung
Idee und Recherche30 Min.10 Min.
Gestaltung120 Min.45 Min.
Export in alle Formate30 Min.10 Min.
Listingbilder60 Min.20 Min.
Suchbegriffe, Titel, Tags45 Min.15 Min.
Beschreibung und Anleitung30 Min.10 Min.
Zusammenrund 5 Std.rund 2 Std.

Die Spalte rechts erreichst Du nach etwa zwanzig Produkten, und zwar nicht durch Eile, sondern durch Vorlagen: eine Bildvorlage, eine Beschreibungsvorlage, eine Anleitungsvorlage. Kapitel 12 und 16 bauen sie mit Dir.

Die Rechnung, die weh tut

Ein Produkt, fünf Stunden Arbeit, verkauft sich zwei Jahre lang dreimal im Monat für acht Euro.

72Verkäufe in zwei Jahren
494 €Ertrag bei 6,86 € je Verkauf
5 Std.eingesetzte Arbeit
99 €je Stunde

Das ist ein hervorragender Stundensatz. Und er ist irreführend, weil er nur für die zehn Prozent der Produkte gilt, die laufen.

Rechne es ehrlich über das ganze Sortiment:

100gebaute Listings
300 Std.Arbeit bei 3 Std. je Stück
~2.500Verkäufe in zwei Jahren
57 €je Stunde über alles

Immer noch gut. Aber erst nach zwei Jahren, und die ersten sechs Monate davon liegen im negativen Bereich.

Warum die Rechnung anfangs immer schlecht aussieht

Die Arbeit fällt vorne an, der Ertrag hinten. In Monat drei hast Du sechzig Stunden investiert und vierzig Euro verdient. Das sind 67 Cent die Stunde, und wer an dieser Stelle rechnet, hört auf.

Die Zahl ist trotzdem richtig. Sie ist nur zu früh gemessen. Ein digitales Produkt ist eine Investition, und Investitionen bewertet man nicht nach drei Monaten.

Wann Du die Rechnung machen solltest

Nicht in Monat drei. Da ist sie garantiert schlecht und sagt nichts.

In Monat zwölf. Dann hast Du genug Produkte und genug Verkaufsgeschichte, damit die Zahl etwas bedeutet.

Und danach jedes Halbjahr. Weil sich die Antwort ändert, in beide Richtungen.

Die Schwelle, die für Dich zählt

Rechne aus, was Du in derselben Zeit anders verdienen könntest. Nicht theoretisch, sondern konkret: eine Nebentätigkeit, eine Überstunde, ein Auftrag.

Wenn Dein Shop nach achtzehn Monaten unter dieser Schwelle liegt, ist das eine Information und kein Scheitern. Dann ist entweder die Nische falsch, der Preis zu niedrig oder das Modell nicht Deins.

Was in die Rechnung nicht gehört

Der Spaß. Wenn Du gern gestaltest, ist die Zeit nicht vollständig Arbeit, und der Vergleich mit einer Nebentätigkeit hinkt.

Das ist ein legitimer Grund weiterzumachen, wenn Du ihn ausdrücklich benennst. Es ist ein schlechter Grund, wenn er unausgesprochen die schlechte Rechnung überdeckt. Der Unterschied liegt darin, ob Du die Zahl kennst.

Aufgabe

Deinen Stundensatz ausrechnen

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