2.1Die Wirtschaftlichkeit: warum die Marge alles verändert20 Minuten

Die Rechnung: was von 8 Euro übrig bleibt

Danach hast Du: Du kannst für jeden Preis ausrechnen, was Dir nach Etsys Gebühren tatsächlich bleibt.

Bei einem physischen Artikel weiß jeder, dass Kosten anfallen: Material, Verpackung, Porto. Bei einer Datei fällt das alles weg, und genau deshalb wird bei digitalen Produkten am seltensten nachgerechnet.

Die drei Gebühren

Für Verkäufer mit Zahlkonto in Deutschland fallen bei jedem Verkauf an:

Gebühr Höhe Bemessung
Transaktionsgebühr 6,5 % Artikelpreis
Zahlungsbearbeitung 4 % + 0,30 € gesamter Kaufbetrag
Einstellgebühr 0,20 USD je Listing, gilt vier Monate

Bei digitalen Produkten fällt eine Position weg, die bei physischen Artikeln oft übersehen wird: Versandkosten gehen nicht in die Bemessung ein, weil es keine gibt. Das ist ein echter Vorteil, denn bei physischen Artikeln wird die Transaktionsgebühr auch auf das Porto berechnet.

Der Verkauf für acht Euro

8,00 €Verkaufspreis
0,52 €Transaktionsgebühr, 6,5 %
0,62 €Zahlungsbearbeitung, 4 % + 0,30 €
6,86 €bleibt vor Steuern

Rund 14 Prozent gehen an Etsy. Das ist im Vergleich zu anderen Marktplätzen ordentlich und im Vergleich zu Print on Demand hervorragend, wo zusätzlich die Herstellkosten abgehen.

Der Verkauf für 2,49 Euro

Jetzt dieselbe Rechnung mit einem Preis, wie ihn viele Einsteiger ansetzen:

2,49 €Verkaufspreis
0,16 €Transaktionsgebühr, 6,5 %
0,40 €Zahlungsbearbeitung, 4 % + 0,30 €
1,93 €bleibt vor Steuern

Jetzt sind es 22 Prozent. Der Satz hat sich nicht geändert, die feste Gebühr von 0,30 Euro ist dieselbe geblieben. Bei einem Produkt für 2,49 Euro macht sie allein zwölf Prozent des Preises aus.

Die Regel, die daraus folgt

Je billiger Dein Produkt, desto größer der Anteil, den Etsy nimmt. Ein Produkt unter drei Euro arbeitet zu einem erheblichen Teil für die Zahlungsabwicklung.

Das ist kein Argument gegen günstige Produkte. Es ist ein Argument dafür, sie zu bündeln: Zwei Dateien für 6,90 Euro statt zweimal 2,49 Euro einzeln bringen Dir nicht das Doppelte, sondern deutlich mehr als das Doppelte.

Die Einstellgebühr, die niemand einrechnet

0,20 US-Dollar je Listing, rund 18 Cent, gültig für vier Monate. Nach Ablauf oder nach einem Verkauf wird erneuert, sofern die Automatik an ist, und die Gebühr fällt erneut an.

Bei einem Listing, das sich gut verkauft, ist das belanglos. Bei einem Listing, das nie etwas verkauft, sind es rund 54 Cent im Jahr für nichts.

Das klingt nach Kleingeld. Bei zweihundert Listings, von denen dreißig Prozent nie etwas verkaufen, sind es rund 32 Euro im Jahr. Immer noch überschaubar, aber es ist der Grund, warum ein Sortiment aus Karteileichen kein kostenloses Vergnügen ist.

Was noch nicht abgezogen ist

Zwei Dinge fehlen in der Rechnung oben, und beide sind wichtig:

Etsy Ads. Wenn Du wirbst, kommen die Anzeigenkosten dazu. Bei Offsite Ads, die Etsy teils verpflichtend schaltet, werden zusätzlich 12 bis 15 Prozent des Verkaufs fällig, allerdings nur, wenn der Verkauf über eine solche Anzeige zustande kam.

Deine Steuern. Von den 6,86 Euro ist noch nichts an das Finanzamt gegangen. Wie das bei digitalen Produkten genau läuft und warum es anders läuft als bei physischen, steht in Kapitel 6.

Die Rechnung für Dein Produkt

Nimm Deinen geplanten Preis und rechne einmal selbst. Die Formel ist kurz:

Was bleibt
  1. Preis mal 0,065, das ist die Transaktionsgebühr.
  2. Preis mal 0,04, plus 0,30 Euro, das ist die Zahlungsbearbeitung.
  3. Beides vom Preis abziehen.
  4. Das Ergebnis durch den Preis teilen, mal 100: Dein tatsächlicher Anteil in Prozent.

Mach die Rechnung zusätzlich mit dem halben und dem doppelten Preis. Der Vergleich der Prozentsätze ist die eigentliche Erkenntnis dieses Abschnitts, und sie beeinflusst jede Preisentscheidung, die Du in diesem Kurs noch treffen wirst.

Aufgabe

Deinen geplanten Preis durchrechnen

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