2.2Die Wirtschaftlichkeit: warum die Marge alles verändert20 Minuten

Etsys Gebühren bei digitalen Artikeln im Einzelnen

Danach hast Du: Du kennst jede Gebühr, weißt worauf sie berechnet wird und welche Du steuern kannst.

Etsy erhebt fünf Gebühren, die für Dich relevant werden können. Drei davon sind unvermeidbar, zwei kannst Du steuern.

Die Transaktionsgebühr

6,5 Prozent auf den Artikelpreis. Bei einem digitalen Produkt ist der Artikelpreis der gesamte Preis, es gibt keinen Versand, der hinzukäme.

Ein Detail für Verkäufer außerhalb der USA: Die Gebühr wird auf den Preis einschließlich der Steuern berechnet, für die Du selbst verantwortlich bist. Bei digitalen Produkten führt allerdings meist Etsy die Umsatzsteuer ab, siehe Kapitel 6, dann stellt sich die Frage anders. Wenn Du unsicher bist, sieh in Deiner Abrechnung nach: Dort steht, worauf gerechnet wurde.

Unvermeidbar.

Die Zahlungsbearbeitung

4 Prozent plus 0,30 Euro je Bestellung, für Verkäufer mit deutschem Zahlkonto. Berechnet auf den gesamten Kaufbetrag.

Der feste Anteil ist der Teil, der bei digitalen Produkten weh tut, weil die Preise niedrig sind. Er ist auch der Grund, warum ein Käufer, der drei Dateien einzeln kauft, Dich dreimal 30 Cent kostet, während derselbe Käufer, der ein Bündel kauft, Dich nur einmal 30 Cent kostet.

Unvermeidbar, aber durch Bündelung beeinflussbar.

Die Einstellgebühr

0,20 US-Dollar je Listing, gültig vier Monate. Nach Ablauf oder nach jedem Verkauf wird erneuert, sofern die automatische Erneuerung eingeschaltet ist.

Bei digitalen Produkten wirkt sie anders als bei physischen: Weil Du viele Listings brauchst, um überhaupt gefunden zu werden, summiert sie sich. Bei zweihundert Listings zahlst Du rund 40 Dollar alle vier Monate, also gut hundert Dollar im Jahr, allein dafür, dass sie online stehen.

Das ist der Preis für Sichtbarkeit und in Ordnung, solange die Listings verkaufen. Bei Karteileichen ist es Geld für nichts, und deshalb gehört ein regelmäßiger Blick auf die Listings, die seit einem Jahr nichts verkauft haben, zum Betrieb. Kapitel 20 macht daraus eine feste Routine.

Unvermeidbar, aber durch Aufräumen begrenzbar.

Etsy Ads

Anzeigen innerhalb von Etsy, mit selbst gewähltem Tagesbudget. Du zahlst je Klick.

Bei digitalen Produkten ist die Rechnung härter als bei physischen, weil die Marge je Verkauf in absoluten Zahlen klein ist. Bei einem Produkt für acht Euro bleiben Dir 6,86 Euro. Wenn ein Klick 20 Cent kostet und jeder zwanzigste Klick zum Kauf führt, kostet Dich ein Verkauf vier Euro Werbung. Von 6,86 bleiben dann 2,86.

Das kann sich lohnen, wenn ein Produkt Wiederkäufer bringt oder wenn Du damit ein neues Listing aus dem Stand holst. Es lohnt sich nie als Dauerlösung für ein Produkt, das ohne Werbung nicht läuft.

Vermeidbar. Kapitel 13 geht die Frage im Einzelnen durch.

Offsite Ads

Etsy bewirbt Deine Artikel außerhalb von Etsy, bei Google, auf sozialen Netzwerken. Wenn ein Verkauf daraus entsteht, zahlst Du 12 oder 15 Prozent des Verkaufsbetrags, je nach Umsatzgröße Deines Shops.

Der entscheidende Punkt: Ab einem bestimmten Jahresumsatz ist die Teilnahme verpflichtend. Du kannst sie dann nicht abschalten.

Die gute Nachricht ist, dass die Gebühr nur bei einem tatsächlichen Verkauf über eine solche Anzeige anfällt. Es ist keine laufende Kostenposition, sondern eine Erfolgsbeteiligung.

Teilweise vermeidbar, abhängig von Deinem Umsatz.

Die Rechnung, die den Unterschied macht

Ein Verkauf für acht Euro über eine Offsite-Anzeige: 6,86 Euro nach den normalen Gebühren, minus 15 Prozent vom Verkaufsbetrag, also 1,20 Euro. Es bleiben 5,66 Euro statt 6,86.

Das sind gut 17 Prozent weniger. Verkraftbar, solange es einzelne Verkäufe betrifft. Wenn ein erheblicher Teil Deines Umsatzes darüber läuft, gehört das in Deine Kalkulation, nicht in die Rubrik „unerwartete Abzüge".

Was hundert Verkäufe kosten

Zum Mitrechnen, bei einem Preis von 8,00 Euro und ohne Werbung:

800,00 €Umsatz aus 100 Verkäufen
52,00 €Transaktionsgebühr
62,00 €Zahlungsbearbeitung
686,00 €bleibt vor Steuern

Wenn diese hundert Verkäufe sich auf vierzig Listings verteilen, kommen im Jahr noch rund vierzig Euro Einstellgebühren dazu: für das Stehen der vierzig Listings und für die Erneuerung nach jedem einzelnen Verkauf. Das ändert die Größenordnung nicht.

Was Du daraus mitnimmst

Die Gebührenlast bei digitalen Produkten liegt zwischen 14 und 22 Prozent, je nach Preis, und steigt auf gut 30 Prozent, sobald Offsite Ads greifen.

Das ist wenig im Vergleich zu jedem anderen Geschäftsmodell auf Etsy. Es ist trotzdem kein Freibrief, denn die absoluten Beträge sind klein. Vierzehn Prozent von acht Euro sind 1,14 Euro, und 1,14 Euro sind bei einem Produkt, das sich dreimal im Monat verkauft, der Unterschied zwischen einem funktionierenden und einem sinnlosen Preis.

Aufgabe

Deine Gebührenlast abschätzen

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