2.3Die Wirtschaftlichkeit: warum die Marge alles verändert15 Minuten

Warum der Stückpreis niedriger liegt als bei Physischem

Danach hast Du: Du verstehst, warum der Markt niedrige Preise erzwingt, und kennst die Wege, ihm auszuweichen.

Ein gedrucktes Poster kostet auf Etsy zwanzig bis vierzig Euro. Dieselbe Datei zum Selberdrucken kostet fünf bis fünfzehn. Der Käufer bekommt bei der Datei sogar mehr, nämlich beliebig viele Ausdrucke in mehreren Formaten, und zahlt trotzdem ein Drittel.

Das ist keine Fehleinschätzung des Marktes. Es hat drei Gründe, und wer sie kennt, kann mit ihnen arbeiten.

Grund eins: Der Käufer trägt einen Teil der Arbeit

Bei einer Datei ist der Kauf nicht das Ende. Der Käufer muss drucken, und das heißt: Papier besorgen, Drucker einstellen, Ränder prüfen, gegebenenfalls zum Copyshop. Er rechnet diesen Aufwand ein, bewusst oder nicht.

Was Du daraus machen kannst: Nimm ihm so viel Aufwand wie möglich ab. Fertige Formate für die gängigen Rahmen, eine Anleitung, die den Druckdialog erklärt, ein Hinweis, welches Papier funktioniert. Das rechtfertigt einen höheren Preis, und es ist der Unterschied zwischen einem Produkt für vier Euro und einem für zwölf.

Grund zwei: Der Wettbewerb hat keine Kosten

Wer ein Shirt bedruckt, hat Herstellkosten und kann nicht beliebig billig anbieten. Wer eine Datei verkauft, hat keine, und deshalb gibt es in jeder Nische jemanden, der für 1,99 Euro anbietet.

Diese Anbieter verdienen nichts, das haben wir in 2.1 ausgerechnet. Sie drücken trotzdem die Preiswahrnehmung, weil sie in derselben Ergebnisliste stehen.

Was Du daraus machen kannst: Nicht mitmachen. Ein Preiskampf, den Du gewinnst, bringt Dir nichts. Wenn Deine Nische von Ein-Euro-Angeboten geprägt ist, ist es die falsche Nische, und Kapitel 4 zeigt, wie Du eine bessere findest.

Grund drei: Es fühlt sich nicht nach einem Gegenstand an

Ein Poster in der Hand ist etwas. Eine Datei ist nichts, das man anfassen kann, und der Preis, den Menschen für Unsichtbares zahlen, ist niedriger, obwohl der Nutzen derselbe ist.

Was Du daraus machen kannst: Zeig, was der Käufer bekommt. Das ist die eigentliche Aufgabe der Listingbilder bei digitalen Produkten, und Kapitel 16 handelt ausschließlich davon. Ein Produkt, das in einem Rahmen an einer Wand gezeigt wird, verkauft sich zu einem höheren Preis als dieselbe Datei als flaches Vorschaubild.

Wo der Preis unten bleibt

Ein einzelnes Motiv, ein Format, keine Anleitung, das Vorschaubild zeigt die Datei flach.

Der Käufer sieht eine Datei und vergleicht mit den 1,99 Euro daneben.

Wo der Preis steigt

Ein Motiv in sechs Formaten, mit Druckanleitung, Papierempfehlung und einem Bild, das es gerahmt über einem Sofa zeigt.

Der Käufer sieht ein fertiges Ergebnis und vergleicht mit dem Poster für 29 Euro.

Die übliche Spanne

Als grobe Orientierung, aus dem, was sich am Markt hält:

Produktart Üblicher Bereich
Einzelnes Printable, ein Motiv3 bis 8 €
Set aus mehreren Motiven8 bis 18 €
Planer, umfangreich10 bis 25 €
Bearbeitbare Vorlage8 bis 20 €
Hochzeitsset, vollständig20 bis 50 €
Schnittdateien, Paket5 bis 15 €
Gewerbliche Lizenz, Aufschlagdrei- bis fünffach

Diese Zahlen sind kein Gesetz. Sie sagen Dir, wo der Markt liegt, damit Du weißt, wann Du bewusst darüber gehst.

Die Grenze nach unten

Sie liegt bei etwa vier Euro, und zwar aus der Rechnung in 2.1: Darunter frisst die feste Gebühr einen Anteil, der nicht mehr vertretbar ist.

Es gibt einen legitimen Grund, trotzdem darunter zu gehen: als Einstiegsprodukt, das Käufer in den Shop holt, die dann teurere Sachen kaufen. Das ist eine Strategie und keine Verzweiflung, und sie funktioniert nur, wenn im Shop tatsächlich etwas Teureres steht.

Der Satz, den ich mir merken würde

Der Preis eines digitalen Produkts hängt weniger davon ab, was drin ist, als davon, wie vollständig es das Problem des Käufers löst. Sechs Formate statt einem, eine Anleitung statt keiner, ein Bild vom Ergebnis statt der nackten Datei: Das ist derselbe Aufwand für Dich und der doppelte Preis.

Aufgabe

Die Preisspanne Deiner Nische ermitteln

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