Lektion 1: Was Du verkaufst, und für wen
Danach hast Du: Eine schriftlich festgehaltene Produktentscheidung mit Zielgruppe und drei geprüften Startartikeln.
Zeitaufwand etwa 45 Minuten
Die meisten fangen bei Etsy mit der Frage an, wie man einen Shop eröffnet. Das ist die zweite Frage. Die erste lautet, was darin stehen soll, und sie wird deshalb übersprungen, weil sie unangenehm ist. Einen Shop eröffnen dauert zwanzig Minuten und fühlt sich nach Fortschritt an. Eine Produktentscheidung treffen dauert länger und kann falsch sein.
Trotzdem fängt der Kurs hier an, und zwar aus einem praktischen Grund: Fast alles, was später kommt, hängt an dieser Entscheidung. Der Shopname hängt daran. Die Preise hängen daran. Die Versandprofile hängen daran, weil ein Poster anders verschickt wird als eine Kerze. Wer das später ändert, ändert nicht ein Listing, sondern den ganzen Shop.
Der Unterschied zwischen einem Produkt und einem Anlass
Auf Etsy suchen Menschen selten nach dem, was Du herstellst. Sie suchen nach dem, wofür sie es brauchen.
Niemand tippt „Holzschild personalisiert Buche geölt” ein. Getippt wird „Geschenk Einzug”, „Türschild Familie”, „Hochzeitsgeschenk Freundin”. Das Produkt ist das Holzschild, der Anlass ist der Einzug. Verkauft wird über den Anlass.
Das klingt nach einer Feinheit, ist aber der Punkt, an dem sich später entscheidet, ob Du gefunden wirst. Wer sein Produkt nur beschreiben kann, schreibt Titel, nach denen niemand sucht.
Deshalb der erste Teil der Aufgabe: ein Satz, der beides enthält. Nicht „Ich verkaufe Kerzen”, sondern „Ich verkaufe Duftkerzen, die Menschen als Mitbringsel kaufen, wenn sie zum Essen eingeladen sind.” Der zweite Satz sagt Dir, welche Wörter später in den Titel gehören, welche Fotos Du brauchst und in welcher Preisklasse Du liegst.

Links steht, was Du herstellst. Rechts steht, was jemand sucht. Verkauft wird über die rechte Spalte.
Drei Artikel, nicht zwanzig
Der zweite typische Fehler am Anfang ist der zu große Start. Jemand nimmt sich vor, mit dreißig Artikeln zu eröffnen, kommt nach zwei Wochen bei elf an, hat von jedem ein schlechtes Foto und stellt alles gleichzeitig ein.
Drei Artikel sind aus mehreren Gründen besser. Du kannst sie ordentlich fotografieren. Du kannst für jeden eine saubere Beschreibung schreiben, statt zwanzigmal dieselbe zu kopieren. Und Du lernst am ersten Artikel Dinge, die Du beim zweiten und dritten schon richtig machst.
Dazu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen: Ein Shop mit drei durchdachten Artikeln verkauft eher als einer mit zwanzig halbfertigen. Die Sichtbarkeit hängt an der Qualität der einzelnen Listings, nicht an ihrer Anzahl.
Wachsen kannst Du jederzeit. In Lektion 10 geht es genau darum.
Die Frage, die Dir später Ärger erspart
Etsy ist ein Marktplatz für Handgemachtes, Vintage und Bastelbedarf. Reine Handelsware ist nicht zugelassen. Diese Regel wird durchgesetzt, und zwar durch Shopschließungen.
Zulässig ist mehr, als viele denken. Du darfst mit einem Fertigungspartner arbeiten, also etwa Deine eigenen Entwürfe von einer Druckerei auf Textilien bringen lassen. Voraussetzung ist ein eigener gestalterischer Beitrag und dass der Fertigungspartner in Deinem Shop hinterlegt ist.
Nicht zulässig ist, fertige Ware einzukaufen und weiterzuverkaufen. Wer ein Produkt bei einem Großhändler bestellt, das genauso auch dreihundert andere anbieten, verstößt gegen die Richtlinien, unabhängig davon, wie das Listing aussieht.
Deshalb der letzte Teil der Aufgabe. Beantworte für jeden Deiner drei Artikel: Stelle ich das selbst her, gestalte ich es selbst, oder ist es Ware, die es so schon gibt? Die dritte Antwort ist ein Stoppschild. Es lohnt nicht, einen Shop aufzubauen, der in drei Monaten geschlossen wird.
Wie Du die ersten zehn Treffer liest
Der Teil der Aufgabe, den die meisten am schnellsten abhaken, ist der wertvollste. Such nach Deinem Produkt, so wie ein Kunde es täte, und sieh Dir an, was oben steht.
Achte dabei nicht auf die Produkte, sondern auf drei andere Dinge. Erstens: Welche Wörter stehen in den Titeln, und in welcher Reihenfolge? Das zeigt Dir, was Etsy für diese Suche als passend ansieht. Zweitens: In welcher Preisspanne bewegen sich die Treffer? Das ist Dein Rahmen, und wenn Du weit darunter oder darüber liegst, brauchst Du dafür einen Grund. Drittens: Wie sehen die ersten Bilder aus? Nicht ob sie schön sind, sondern was sie zeigen. Produkt freigestellt, Produkt in Benutzung, Produkt mit Maßangabe.
Was Du dabei nicht tust: abschreiben. Du siehst Dir an, was funktioniert, um zu verstehen, wie diese Suche tickt. Der Rest ist Deine Entscheidung.
Wenn Du noch gar keine Idee hast
Falls Du diesen Kurs machst, ohne zu wissen, was Du verkaufen willst, dreh die Reihenfolge um. Fang nicht beim Produkt an, sondern bei dem, was Du kannst und schon hast.
Was stellst Du ohnehin her, für Dich oder für andere? Worauf wirst Du angesprochen? Was hast Du im letzten Jahr verschenkt, das gut ankam? Welche Technik beherrschst Du, die nicht jeder beherrscht?
Diese Fragen führen zu tragfähigeren Antworten als eine Trendrecherche. Ein Produkt, das Du gerne machst, überlebt die ersten drei Monate ohne Verkäufe. Ein Produkt, das Du nur ausgewählt hast, weil eine Liste es empfohlen hat, überlebt sie nicht.
Bleib trotzdem bei drei Artikeln. Auch eine gute Idee wird beim ersten Umsetzen besser, wenn sie klein anfängt.
Arbeitsblatt: Produktentscheidung und Startsortiment
Zwei Seiten zum Ausdrucken: Dein Satz aus Produkt und Anlass, eine Tabelle für die ersten zehn Suchtreffer und drei Felder für Deine Startartikel samt Zulässigkeitsprüfung.
Arbeitsblatt herunterladen (PDF)Leg Dein Startsortiment fest
Diese Lektion ist erst fertig, wenn alle Schritte erledigt sind. Hak sie einzeln ab, dann öffnet sich die nächste Lektion.
Wenn Du an dieser Stelle tiefer willst
Für den Kurs brauchst Du das nicht. Diese Beiträge gehen weiter, falls Dich ein Punkt genauer interessiert.
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