Lektion 2: Gewerbe, Kleinunternehmer und was vor dem ersten Verkauf stehen muss
Danach hast Du: Eine Entscheidung zur Kleinunternehmerregelung und ein Termin oder ein abgeschickter Antrag für die Gewerbeanmeldung.
Zeitaufwand etwa 60 Minuten
Diese Lektion kommt an zweiter Stelle, und das ist eine bewusste Entscheidung mit zwei Seiten. Sie kommt nicht zuerst, weil niemand sinnvoll ein Gewerbe anmelden kann, ohne zu wissen, was er verkauft. Der Gewerbeschein will eine Tätigkeitsbeschreibung, und die hast Du seit Lektion 1.
Sie kommt aber auch nicht später, weil ein Teil davon vor dem ersten Verkauf erledigt sein muss. Wer verkauft und erst danach anmeldet, hat rückwirkend ein Problem, das sich nur mit Mehraufwand lösen lässt.
Der gute Teil: Es ist weniger, als die meisten befürchten. Für den Anfang sind es im Kern zwei Vorgänge, die Gewerbeanmeldung und der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Alles andere folgt daraus.
Ein Hinweis vorweg, der für diese Lektion besonders gilt: Was hier steht, ist der Normalfall. Verbindliche Auskünfte für Deine Situation gibt ein Steuerberater. Wenn Du unsicher bist, ob Dein Fall der Normalfall ist, ist er es meistens nicht, und dann lohnt ein Termin.
Ab wann ein Gewerbe nötig ist
Ein Gewerbe liegt vor, wenn Du selbstständig, planmäßig, auf Dauer und mit Gewinnerzielungsabsicht tätig bist. Alle vier Punkte zusammen.
Auf Etsy sind sie schnell erfüllt. Wer einen Shop eröffnet, Artikel einstellt und wiederholt verkaufen will, handelt planmäßig und auf Dauer. Die verbreitete Vorstellung, es gebe eine Umsatzgrenze, unterhalb derer man kein Gewerbe braucht, stimmt nicht. Es gibt Grenzen für die Umsatzsteuer und Freibeträge bei der Einkommensteuer, aber die Gewerbepflicht hängt nicht daran.
Der Gegenfall ist der echte Privatverkauf: Wer den eigenen Dachboden räumt und gebrauchte Dinge einzeln verkauft, betreibt kein Gewerbe. Sobald aber regelmäßig produziert und angeboten wird, kippt es.
Die praktische Empfehlung lautet deshalb: anmelden. Die Gewerbeanmeldung kostet je nach Gemeinde meist zwischen 15 und 60 Euro und ist in der Regel schnell erledigt. Der Aufwand, sie nachzuholen, wenn schon Umsätze gelaufen sind, ist größer.
Ob Du das im Haupt- oder Nebengewerbe machst, ändert am Vorgang wenig. Beim Nebengewerbe solltest Du zusätzlich prüfen, ob Dein Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeit anzeigepflichtig macht, und ob Deine Krankenversicherung informiert werden will.

Die Reihenfolge ist kein Zufall: Der Fragebogen fragt nach Deiner Entscheidung, also triffst Du sie vorher.
Was der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung von Dir will
Nach der Gewerbeanmeldung meldet sich das Finanzamt, oder Du wirst über Elster zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aufgefordert. Das ist der Vorgang, aus dem Deine Steuernummer entsteht.
Zwei Angaben darin verdienen Aufmerksamkeit. Die erste ist die Schätzung Deines Umsatzes im Eröffnungsjahr und im Folgejahr. Schätz hier ehrlich und eher zurückhaltend. Zu hohe Angaben führen zu Vorauszahlungen, die Dir Geld binden, das Du noch nicht verdient hast.
Die zweite ist die Frage nach der Kleinunternehmerregelung. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt, und deshalb steht diese Entscheidung in der Aufgabe vor der Anmeldung: Du willst sie getroffen haben, bevor Du das Formular ausfüllst.
Ein dritter Punkt, der oft übersehen wird: Wenn Du auf Etsy verkaufst, beziehst Du Leistungen von Etsy Ireland. Dafür brauchst Du eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, und zwar auch als Kleinunternehmer. Du kannst sie im Fragebogen gleich mitbeantragen. Das erspart Dir einen zweiten Vorgang.
Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung
Diese Entscheidung ist die einzige in dieser Lektion, die wirklich eine ist.
Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG kannst Du nutzen, wenn Dein Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überstieg und im laufenden Jahr voraussichtlich 100.000 Euro nicht übersteigt. Diese Werte gelten seit dem 1. Januar 2025. Ältere Quellen nennen 22.000 und 50.000 Euro, das ist überholt.
Wählst Du sie, weist Du auf Rechnungen keine Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Du hast dafür auch keinen Vorsteuerabzug, kannst also die Umsatzsteuer auf Deine Einkäufe nicht zurückholen.
Wann sie sinnvoll ist: wenn Du überwiegend an Privatpersonen verkaufst, was auf Etsy fast immer zutrifft, und wenn Deine Einkäufe überschaubar sind. Der Vorteil liegt darin, dass Dein Preis für den Kunden derselbe bleibt, Du aber 19 Prozent mehr davon behältst.
Wann die Regelbesteuerung besser ist: wenn Du am Anfang viel investierst, etwa in Maschinen, Material oder Ausstattung. Dann holst Du Dir die Vorsteuer aus diesen Anschaffungen zurück. Wer für 8.000 Euro Ausstattung kauft, spricht über rund 1.300 Euro.
Ein Punkt, der überrascht: Die Kleinunternehmerregelung befreit Dich nicht von der Umsatzsteuer auf die Etsy Gebühren. Weil Etsy aus Irland abrechnet, geht die Steuerschuld auf Dich über, und einen Vorsteuerabzug hast Du als Kleinunternehmer nicht. Das ist kein Grund gegen die Regelung, aber es gehört zur Rechnung.
Was Du an dieser Stelle noch nicht brauchst
Damit die Liste nicht länger wird, als sie sein muss: Eine Firma im rechtlichen Sinn brauchst Du nicht. Ein Einzelunternehmen entsteht mit der Gewerbeanmeldung, ohne Gründungsakt und ohne Stammkapital. Eine GmbH ist am Anfang fast nie die richtige Antwort.
Einen Eintrag ins Handelsregister brauchst Du nicht, solange Dein Betrieb keinen kaufmännischen Umfang hat. Das ist bei einem startenden Etsy Shop nicht der Fall.
Eine Verpackungslizenz brauchst Du, sobald Du Ware an private Endverbraucher versendest, und das wirst Du. Die Registrierung im Verpackungsregister ist Pflicht, kostenlos, und dauert wenige Minuten. Der Systembeteiligungsvertrag bei einem dualen System kostet bei kleinen Mengen im Jahr meist einen niedrigen zweistelligen Betrag. Das erledigst Du sinnvollerweise, bevor Du das erste Paket verschickst, also spätestens in Lektion 7.
Und ein Geschäftskonto brauchst Du rechtlich als Einzelunternehmer nicht zwingend, praktisch aber sehr wohl. Ein getrenntes Konto ist der billigste Schutz gegen Chaos in der Buchhaltung, und er kostet bei vielen Banken nichts.
Der häufigste Fehler in dieser Phase
Er heißt Aufschieben, und er hat einen nachvollziehbaren Grund: Diese Lektion macht keinen Spaß, und man sieht nichts davon im Shop.
Was daraus wird, sehe ich regelmäßig. Jemand verkauft drei Monate lang ohne Anmeldung, weil es ja erst mal nur ein Versuch war. Dann läuft es besser als gedacht, und jetzt muss rückwirkend angemeldet, rückwirkend erfasst und rückwirkend erklärt werden. Das ist machbar, aber es kostet Nerven und meistens Steuerberatergebühren.
Die zweite Variante ist die falsche Reihenfolge bei der Umsatzsteuer: erst verkaufen, dann feststellen, dass man Regelbesteuerung gewählt hat, und nun 19 Prozent aus Preisen herausrechnen muss, die ohne Steuer kalkuliert wurden. Deshalb steht diese Lektion vor der Kalkulation in Lektion 5.
Setz die Aufgabe heute an, auch wenn es zäh ist. Der Rest des Kurses macht mehr Freude, wenn dieser Teil hinter Dir liegt.
Arbeitsblatt: Anmeldung und Umsatzsteuer
Eine Seite mit der Umsatzschätzung, einer Gegenüberstellung von Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung, der Erledigungsliste und einem Feld für Deine Steuernummern.
Arbeitsblatt herunterladen (PDF)Melde an, was angemeldet gehört
Diese Lektion ist erst fertig, wenn alle Schritte erledigt sind. Hak sie einzeln ab, dann öffnet sich die nächste Lektion.
Wenn Du an dieser Stelle tiefer willst
Für den Kurs brauchst Du das nicht. Diese Beiträge gehen weiter, falls Dich ein Punkt genauer interessiert.
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