3.9Gewerbe, Kleinunternehmerregelung, Steuernummer20 Minuten

IHK, Berufsgenossenschaft, Gewerbesteuer

Danach hast Du: Du weißt, was von IHK, Berufsgenossenschaft und Gewerbesteuer auf Dich zukommt und was davon Dich in den ersten Jahren tatsächlich betrifft.

Nach der Gewerbeanmeldung kommt Post, ohne dass Du etwas anstößt. Drei Absender sind echt, alles Weitere ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Werbung, die wie eine Behörde aussieht.

Die IHK

Die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer ist für Gewerbetreibende gesetzlich vorgeschrieben. Du kannst sie nicht abwählen. Wohl aber gibt es Beitragsbefreiungen, die für kleine Betriebe erheblich sind.

Situation Beitrag
Nicht im Handelsregister eingetragen, Gewerbeertrag unter der Freistellungsgrenze kein Grundbeitrag, keine Umlage
Existenzgründer in den ersten Jahren, unterhalb der Ertragsgrenze Befreiung nach den Regeln der jeweiligen Kammer
Darüber Grundbeitrag plus Umlage, je nach Kammer unterschiedlich
Warum hier keine festen Beträge stehen

Grundbeiträge, Umlagesätze und Freistellungsgrenzen legt jede Kammer selbst in ihrer Beitragsordnung fest. Sie unterscheiden sich von Region zu Region und ändern sich.

Such nach dem Namen Deiner Kammer und dem Wort Beitragsordnung. Fünf Minuten, und Du hast die Zahl, die für Dich gilt, statt einer aus dem Internet, die für jemand anderen galt.

Der praktische Punkt: In den ersten Jahren zahlen die meisten kleinen POD-Shops nichts. Der Beitragsbescheid kommt trotzdem, und Du solltest ihn lesen, statt ihn wegzulegen, weil darin steht, unter welcher Bedingung die Befreiung endet.

Die Berufsgenossenschaft

Die gesetzliche Unfallversicherung für Unternehmen. Sie ist die Stelle, die am häufigsten übersehen wird, und die einzige mit einer kurzen Frist.

Die Wochenfrist

Die Anmeldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft ist innerhalb einer Woche nach Beginn der Tätigkeit vorzunehmen. Sie ist Pflicht, auch ohne Beschäftigte.

Das Gewerbeamt leitet die Anmeldung in aller Regel weiter, sodass die BG sich meldet. Verlass Dich nicht darauf. Wer die Frist versäumt, riskiert im Ernstfall Nachforderungen.

Welche BG zuständig ist

Für Handel und Warenlogistik ist es die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik. Wenn Du unsicher bist, hilft die Suche nach Deiner Tätigkeitsbeschreibung auf deren Seite.

Was sie kostet

Ohne Beschäftigte fällt in vielen Fällen nur ein Mindestbeitrag an, teils gar keiner. Die Beitragshöhe richtet sich nach Entgelten und Gefahrklasse, und ohne Angestellte gibt es keine Entgelte.

Ob Du Dich selbst versichern kannst

Als Unternehmer bist Du in vielen Branchen nicht automatisch mitversichert, kannst Dich aber freiwillig versichern. Ob sich das lohnt, hängt an Deinem sonstigen Versicherungsschutz.

Die Gewerbesteuer

Die Stelle, an der die meisten unnötig nervös werden.

24.500 €Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften
3,5 %Steuermesszahl auf den Betrag darüber
je GemeindeHebesatz, mit dem der Messbetrag multipliziert wird

Der Freibetrag bezieht sich auf den Gewerbeertrag, also grob auf den Gewinn. Ein POD-Shop, der im ersten Jahr 1.600 Euro Ergebnis macht, ist davon meilenweit entfernt.

Und der Punkt, der sie fast ganz entschärft

Bei Einzelunternehmen wird die gezahlte Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet. In Gemeinden mit üblichem Hebesatz gleicht sich das weitgehend aus.

Für die ersten Jahre eines POD-Shops ist die Gewerbesteuer damit praktisch kein Thema. Sie wird eines, wenn der Gewinn deutlich fünfstellig wird, und dann hast Du längst einen Steuerberater.

Was noch kommen kann

Zwei Punkte, die nicht zu den drei Stellen gehören, aber in denselben Zeitraum fallen.

Das Verpackungsregister. Wer verpackte Ware in Verkehr bringt, ist grundsätzlich registrierungspflichtig. Bei Print on Demand kommt es darauf an, wer die Verpackung erstmals in Verkehr bringt, und das ist häufig der Druckdienstleister. Diese Frage ist von der Konstellation abhängig und gehört geklärt, siehe Kapitel 17.

Die Krankenkasse. Wer nebenberuflich selbständig ist, sollte prüfen, ob die Selbständigkeit den Status als hauptberuflich Angestellter berührt. Bei geringem Umfang in aller Regel nicht, ab einem gewissen Umfang schon. Ein Anruf bei der Kasse klärt das.

Und noch einmal die Schreiben, die keine Behörden sind

Adlerlogo, Aktenzeichen, Überweisungsträger, ein „Gewerberegister“ oder „Unternehmensverzeichnis“, dreistellige Beträge. Sie kommen zuverlässig in den ersten Wochen.

Echte Absender in dieser Phase sind: Finanzamt, IHK, Berufsgenossenschaft, Gemeinde. Alles andere gehört geprüft, bevor gezahlt wird.

Aufgabe

Die drei Stellen abarbeiten

Mehr zum Thema im Wissensportal