Kapitel 3 von 2010 Abschnitte3,2 Stunden
Gewerbe, Kleinunternehmerregelung, Steuernummer
Die Anmeldung und die eine Entscheidung darin, die bei Print on Demand anders ausfällt als bei Handgemachtem.
Kapitel 3 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 3 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
Du stehst gerade bei .
Dieses Kapitel ist Papierkram, und Du wirst es trotzdem nicht überspringen wollen. Nicht wegen der Anmeldung selbst, die ist in zwanzig Minuten erledigt. Sondern wegen einer Entscheidung darin, die bei Print on Demand anders ausfällt als bei fast jedem anderen Etsy-Geschäft.
Wann Du anmelden musst
Ein Gewerbe meldest Du an, wenn Du selbstständig, planmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht tätig wirst. Nicht nach dem ersten Verkauf, nicht ab einem bestimmten Umsatz, sondern bevor Du anfängst.
Das wird oft anders erzählt. Die Zahl, die dabei kursiert, sind 410 Euro oder 24.500 Euro, und beide haben mit der Anmeldepflicht nichts zu tun. Die 24.500 Euro sind der Freibetrag bei der Gewerbesteuer, die 410 Euro betreffen die Einkommensteuer bei Nebeneinkünften. Anmelden musst Du unabhängig davon.
Wenn Du diesen Kurs machst, weil Du auf Etsy verkaufen willst, dann meldest Du jetzt an. Der Shop kann warten, bis der Gewerbeschein da ist, aber Du solltest nicht erst verkaufen und dann anmelden. Das ist eine Ordnungswidrigkeit und im Zweifel teurer als die Anmeldegebühr.
Der Ablauf
Formular ausfüllen, Ausweis dazu, Gebühr zahlen. Je nach Ort zwischen 15 und 65 Euro. Viele Gemeinden bieten das inzwischen online an.
Das Gewerbeamt meldet Deine Anmeldung an Finanzamt, IHK und Berufsgenossenschaft. Du musst niemanden extra benachrichtigen.
Den füllst Du selbst über ELSTER aus, elektronisch ist seit 2021 Pflicht. Hier fällt die Entscheidung zur Kleinunternehmerregelung, und hier schätzt Du Deinen Umsatz.
Dauert je nach Finanzamt zwischen zwei und sechs Wochen. Diese Nummer brauchst Du für Deine Rechnungen und für die Angaben in Deinem Etsy-Shop.
Bei der Tätigkeitsbeschreibung im Formular gilt: lieber weit als eng. „Onlinehandel mit bedruckten Textilien und Waren” deckt Shirts, Tassen, Poster und Taschen ab. Wer nur „Verkauf von T-Shirts” einträgt, muss beim ersten Kissenbezug nachmelden.
Die Entscheidung, um die es hier geht
Im Fragebogen wirst Du gefragt, ob Du die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG in Anspruch nehmen willst. Seit 2025 gelten dafür diese Grenzen: im Vorjahr höchstens 25.000 Euro Umsatz, im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro.
Als Kleinunternehmer weist Du keine Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Klingt einfacher, ist es auch. Der Haken: Du kannst dann auch keine Vorsteuer ziehen.
Und genau hier ist Print on Demand anders als Handgemachtes.
| Bei einem Shop mit | Einkaufskosten | Vorsteuer relevant? |
|---|---|---|
| Handgemachtem aus eigenem Material | gering, oft privat gekauft | kaum |
| Digitalen Produkten | praktisch keine | nein |
| Print on Demand | 50 bis 65 Prozent vom Verkaufspreis | ja, erheblich |
Bei Print on Demand ist Dein größter Kostenblock die Produktion, und die stellt Dir ein Unternehmen in Rechnung. Dazu kommen die Etsy-Gebühren. Über beides zahlst Du Umsatzsteuer mit, die Du als Regelbesteuerer zurückholen kannst und als Kleinunternehmer nicht.
Rechnen wir das an einem Jahr mit 15.000 Euro Umsatz durch, bei einer Produktionsquote von 55 Prozent.
| Kleinunternehmer | Regelbesteuerung | |
|---|---|---|
| Umsatz brutto | 15.000 € | 15.000 € |
| davon Umsatzsteuer ans Finanzamt | 0 € | − 2.395 € |
| Produktionskosten | − 8.250 € | − 8.250 € |
| Vorsteuer daraus zurück | 0 € | + 1.317 € |
| Bleibt vor sonstigen Kosten | 6.750 € | 5.672 € |
Auf den ersten Blick gewinnt der Kleinunternehmer. Das stimmt auch, solange Du an Privatkunden in Deutschland verkaufst: Dein Preis ist derselbe, aber Du behältst die Steuer.
Es kippt in drei Fällen.
Erstens beim US-Markt. Verkäufe, die in den USA gefertigt und dort ausgeliefert werden, unterliegen nicht der deutschen Umsatzsteuer. Du zahlst darauf also ohnehin keine. Die Vorsteuer aus den Rechnungen Deines Druckanbieters und aus den Etsy-Gebühren könntest Du als Regelbesteuerer trotzdem geltend machen. Als Kleinunternehmer verschenkst Du sie.
Zweitens beim Wachstum. Reißt Du die 25.000 Euro, fällst Du im Folgejahr in die Regelbesteuerung. Deine Preise müssen dann entweder steigen oder Deine Marge sinkt um 19 Prozent. Beides mitten im Jahr ist unangenehm.
Drittens bei Anschaffungen. Ein neuer Rechner, eine Kamera, Software-Abos: Alles enthält Vorsteuer, die für Dich verloren ist.
Wenn Du überwiegend an deutsche Privatkunden verkaufst und unter 25.000 Euro bleibst: Kleinunternehmerregelung. Der Verwaltungsaufwand ist deutlich kleiner, und Du behältst mehr.
Wenn Du den amerikanischen Markt bedienst oder ernsthaft vorhast, die Grenze zu überschreiten: Regelbesteuerung von Anfang an. Der Wechsel mitten im Betrieb ist lästiger als der Start damit.
Beides ist keine Entscheidung fürs Leben. Du bist an die Wahl aber fünf Jahre gebunden, wenn Du freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichtest. In die andere Richtung geht es schneller.
Was sonst noch anfällt
IHK-Beitrag. Mit der Gewerbeanmeldung wirst Du automatisch Mitglied. Bei einem Gewerbeertrag unter 5.200 Euro fällt für nicht im Handelsregister eingetragene Betriebe kein Beitrag an, darüber wird es zwei- bis dreistellig im Jahr. Widersprechen kannst Du der Mitgliedschaft nicht.
Gewerbesteuer. Erst ab 24.500 Euro Gewerbeertrag im Jahr. Darunter fällt keine an.
Berufsgenossenschaft. Auch dort wirst Du gemeldet und musst Dich anmelden. Für Einzelunternehmer ohne Angestellte ist der Beitrag meist gering, aber die Meldung ist Pflicht.
Buchführung. Als Einzelunternehmer reicht die Einnahmenüberschussrechnung, solange Du unter 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn bleibst. Wie Du die im POD-Alltag führst, steht in Kapitel neunzehn.
Was Du Etsy mitteilen musst
Etsy verlangt bei gewerblichen Verkäufern aus Deutschland eine Reihe von Angaben, unter anderem die Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Ohne diese Angaben schränkt Etsy den Shop ein. Wo das im Shop eingetragen wird, zeigt Kapitel fünf.
Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragst Du beim Bundeszentralamt für Steuern, kostenlos und online. Als Regelbesteuerer brauchst Du sie ohnehin, sobald Du Leistungen von Unternehmen aus dem EU-Ausland beziehst, und genau das tust Du bei einem Druckanbieter mit Sitz in Europa. Warum, steht im nächsten Kapitel.
Die genannten Grenzen gelten für 2026: 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr für die Kleinunternehmerregelung, 24.500 Euro Freibetrag bei der Gewerbesteuer. Dieses Kapitel erklärt die Systematik und ersetzt keine Steuerberatung. Welche Variante für Deine Zahlen die richtige ist, klärst Du in einem kurzen Gespräch mit einem Steuerberater. Das kostet weniger als der Fehler.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 3.1Wann Du anmelden musst, und wann nicht15 Minuten
- 3.2Die Gewerbeanmeldung Schritt für Schritt20 Minuten
- 3.3Die Tätigkeitsbeschreibung richtig formulieren15 Minuten
- 3.4Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung25 Minuten
- 3.5Kleinunternehmerregelung: die Grenzen und die Logik20 Minuten
- 3.6Warum die Entscheidung bei POD anders ausfällt25 Minuten
- 3.7Die Rechnung an einem Beispieljahr20 Minuten
- 3.8Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen15 Minuten
- 3.9IHK, Berufsgenossenschaft, Gewerbesteuer20 Minuten
- 3.10Was Etsy an Angaben von Dir verlangt15 Minuten
