Kapitel 4 von 2010 Abschnitte3,1 Stunden
Die Steuerfrage bei Print on Demand
Vier Fälle, je nachdem wo produziert und wohin geliefert wird. Der schwierigste Teil des Kurses, mit Fundstellen.
Kapitel 4 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 4 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
Du stehst gerade bei .
Das hier ist das Kapitel, in dem sich dieser Kurs von den Videokursen unterscheidet, und zwar nicht, weil ich klüger wäre, sondern weil das Thema unbequem ist und sich schlecht verkaufen lässt.
Print on Demand hat eine steuerliche Besonderheit: Die Ware, die Du verkaufst, hast Du nie besessen. Sie entsteht bei einem Dritten, oft in einem anderen Land, und geht von dort direkt zum Käufer. Deutsches Umsatzsteuerrecht hat für solche Konstellationen eigene Regeln, und die entscheiden darüber, ob Du 19 Prozent abführen musst oder null.
Die vier Fälle
Alles hängt an zwei Fragen: Wo wird produziert, und wohin geht die Ware? Daraus ergeben sich vier Fälle, und drei davon wirst Du in der Praxis nie brauchen, wenn Du Kapitel zwei ernst genommen hast.
| Fall | Fertigung | Käufer | Deutsche Umsatzsteuer |
|---|---|---|---|
| A | Europa | Deutschland | ja, 19 Prozent |
| B | USA | USA | nein, nicht steuerbar |
| C | Europa | anderes EU-Land | je nach Schwelle |
| D | Deutschland | USA | Ausfuhr, aber Zollproblem |
Fall D ist der, den ältere Anleitungen noch beschreiben und der seit 2026 praktisch tot ist. Die Gründe stehen in Kapitel zwei. Wir gehen die anderen drei durch.
Fall A: Europa fertigt, Deutschland kauft
Der einfachste Fall und der Normalfall für den deutschen Markt.
Deine Lieferung an den Käufer findet in Deutschland statt. Damit ist sie hier steuerbar und steuerpflichtig. Bist Du Regelbesteuerer, sind in Deinem Verkaufspreis 19 Prozent Umsatzsteuer enthalten, die Du ans Finanzamt abführst. Bist Du Kleinunternehmer, fällt keine an.
Die Rechnung Deines Druckanbieters trägt entweder deutsche Umsatzsteuer, wenn er in Deutschland sitzt, oder sie kommt ohne Steuer mit dem Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren, wenn er in einem anderen EU-Land sitzt. Im zweiten Fall berechnest Du die Steuer selbst, meldest sie an und ziehst sie im selben Atemzug als Vorsteuer ab. Unterm Strich bleibt null, aber es muss in der Meldung stehen.
Damit Dein europäischer Druckanbieter ohne Steuer abrechnen darf, muss er wissen, dass Du Unternehmer bist. Das weist Du mit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach. Ohne sie stellt er Dir die Steuer seines Landes in Rechnung, und die bekommst Du nur über ein aufwendiges Erstattungsverfahren zurück, wenn überhaupt. Die Nummer ist kostenlos und in wenigen Tagen da.
Fall B: Die USA fertigen, die USA kaufen
Der interessante Fall, und der, bei dem im Netz der meiste Unsinn steht.
Die Ware entsteht in den Vereinigten Staaten und wird dort ausgeliefert. Sie berührt Deutschland zu keinem Zeitpunkt. Nach der Grundregel des Umsatzsteuerrechts ist der Ort einer Lieferung dort, wo die Ware sich bei Beginn der Beförderung befindet, und das ist hier ein Lager in Nordamerika.
Damit ist Dein Verkauf in Deutschland nicht steuerbar. Du weist darauf keine deutsche Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Das gilt unabhängig davon, ob Du Kleinunternehmer bist oder nicht.
Das klingt nach einem Vorteil und ist auch einer. Es bedeutet aber nicht, dass Du nichts zu tun hättest.
Nicht steuerbar heißt nicht unsichtbar. Der Gewinn daraus unterliegt Deiner Einkommensteuer wie jeder andere. In der Umsatzsteuervoranmeldung werden diese Umsätze gesondert erfasst.
Obwohl Du auf den Verkauf keine Steuer abführst, kannst Du als Regelbesteuerer die Vorsteuer aus Deinen Kosten geltend machen. Genau deshalb ist die Kleinunternehmerregelung bei einem US-Shop meist die schlechtere Wahl.
Die amerikanische Verkaufssteuer wird von Etsy berechnet, beim Käufer eingezogen und an die Bundesstaaten abgeführt. Etsy tut das als sogenannter Marketplace Facilitator in allen US-Bundesstaaten mit Verkaufssteuer. Du musst Dich dafür nirgends registrieren.
In Foren liest man regelmäßig, man müsse sich als deutscher Verkäufer in den USA steuerlich registrieren, sobald man dort produzieren lässt. Für den normalen Fall stimmt das nicht: Ohne eigene Niederlassung, ohne Lager und ohne Personal in den USA entsteht in der Regel kein Nexus, der eine Registrierungspflicht auslösen würde, und die Verkaufssteuer übernimmt ohnehin der Marktplatz.
Was Du gegenüber Deinem Druckanbieter möglicherweise ausfüllen musst, ist ein Formular zur Steueransässigkeit, meist ein W-8BEN oder W-8BEN-E. Damit erklärst Du, dass Du kein US-Steuerpflichtiger bist. Das ist Routine und dauert fünf Minuten.
Fall C: Europa fertigt, ein anderes EU-Land kauft
Hier greift eine Schwelle, die Du kennen solltest, auch wenn Du sie zunächst nicht erreichst.
Für Lieferungen an Privatpersonen in anderen EU-Ländern gilt eine gemeinsame Grenze von 10.000 Euro netto im Jahr, EU-weit zusammengerechnet. Darunter versteuerst Du diese Verkäufe weiter in Deutschland mit deutscher Umsatzsteuer. Darüber verlagert sich der Ort in das jeweilige Zielland, und Du meldest über das OSS-Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern.
Für die meisten Print-on-Demand-Shops ist das im ersten Jahr kein Thema. Wer aber gleichzeitig noch andere Ware ins EU-Ausland verkauft, muss beides zusammenrechnen: Die Grenze gilt für alle Fernverkäufe und digitalen Leistungen gemeinsam, nicht je Kategorie.
Die Rechnung, die Du selbst schreibst
Etsy erstellt für Deine Verkäufe keine Rechnung an den Endkunden. Das ist Deine Aufgabe, und was darauf stehen muss, hängt vom Fall ab.
Fall A, Lieferung nach Deutschland
Vollständige Rechnung mit Deinen Angaben, Steuernummer oder USt-IdNr., Nettobetrag, Steuersatz und Steuerbetrag.
Als Kleinunternehmer stattdessen der Hinweis auf § 19 UStG und kein Steuerausweis.
Fall B, Lieferung in die USA
Rechnung ohne deutsche Umsatzsteuer, weil der Umsatz hier nicht steuerbar ist.
Ein Hinweis auf den Grund gehört darauf, damit später niemand rätselt, warum die Steuer fehlt.
Wichtig ist die Trennung in der Buchhaltung. Wenn Du beide Fälle im selben Shop hast, müssen die Umsätze getrennt erfasst werden, sonst stimmt die Voranmeldung nicht. Wie das mit Billbee oder Lexware praktisch läuft, steht in Kapitel neunzehn.
Die zwei Fragen für Deinen Steuerberater
Ich könnte diesen Abschnitt weglassen und so tun, als sei damit alles geklärt. Genau das machen die Kurse, die Dir Sicherheit verkaufen wollen. Seriös ist es nicht, denn die Einordnung im Einzelfall hängt an Details, die ich nicht kenne.
Zwei Punkte solltest Du deshalb klären lassen, bevor der erste Verkauf läuft.
„Ich verkaufe über Etsy Waren, die ein Dienstleister in meinem Auftrag in den USA produziert und dort direkt an den Endkunden liefert. Ich habe die Ware nie in Besitz. Wie ordnen wir das ein, und wie erfasse ich diese Umsätze in der Voranmeldung?"
„Mein Druckanbieter rechnet ohne Umsatzsteuer ab und verweist auf das Reverse-Charge-Verfahren. Wie buche ich das, und was muss ich dafür anmelden?"
Ein Steuerberater beantwortet beides in zwanzig Minuten. Das kostet weniger als eine Nachzahlung und deutlich weniger als der Kurs, in dem Ihnen jemand erzählt, das sei alles ganz einfach.
Stand September 2026. Dieses Kapitel erklärt die Systematik anhand der gesetzlichen Regeln und ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall. Es beschreibt den Regelfall eines in Deutschland ansässigen Einzelunternehmers ohne Betriebsstätte im Ausland. Sobald eine eigene Gesellschaft, ein Lager oder Personal im Ausland hinzukommt, gelten andere Regeln.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 4.1Warum POD steuerlich ein Sonderfall ist20 Minuten
- 4.2Die vier Fälle im Überblick15 Minuten
- 4.3Fall A: Europa fertigt, Deutschland kauft20 Minuten
- 4.4Fall B: Die USA fertigen, die USA kaufen25 Minuten
- 4.5Fall C: Lieferung ins EU-Ausland und die 10.000er-Grenze20 Minuten
- 4.6Reverse Charge auf der Anbieterrechnung20 Minuten
- 4.7Sales Tax: Was Etsy für Dich übernimmt15 Minuten
- 4.8Das Formular W-8BEN und wozu es dient15 Minuten
- 4.9Deine Ausgangsrechnung: was daraufgehört20 Minuten
- 4.10Die Fragen für Deinen Steuerberater15 Minuten
