4.10Die Steuerfrage bei Print on Demand15 Minuten

Die Fragen für Deinen Steuerberater

Danach hast Du: Du hast eine Frageliste und die Unterlagen zusammen, mit denen ein Erstgespräch in einer halben Stunde zu führen ist.

Ich könnte dieses Kapitel ohne diesen Abschnitt beenden und so tun, als sei damit alles geklärt. Genau das machen die Kurse, die Dir Sicherheit verkaufen wollen. Seriös ist es nicht, weil die Einordnung im Einzelfall an Details hängt, die ich nicht kenne.

Was dieser Abschnitt leistet: Er macht aus einem unbestimmten Gespräch einen Vorgang von zwanzig Minuten.

Die sieben Fragen

Frage 1: Der Grundfall

„Ich verkaufe über Etsy Waren, die ein Dienstleister in meinem Auftrag produziert und direkt an den Endkunden liefert. Ich habe die Ware nie in Besitz. Wie ordnen wir das umsatzsteuerlich ein?“

Frage 2: Die US-Konstellation

„Ein Teil der Produktion findet in den USA statt und wird dort ausgeliefert. Ich gehe davon aus, dass diese Umsätze in Deutschland nicht steuerbar sind. Stimmt das, und in welcher Zeile der Voranmeldung stehen sie?“

Frage 3: Reverse Charge

„Etsy und mein Druckanbieter rechnen ohne Umsatzsteuer ab und verweisen auf das Reverse-Charge-Verfahren. Wie buche ich das, und was muss ich dafür anmelden?“

Frage 4: Kleinunternehmer und Reverse Charge

„Falls ich Kleinunternehmer bleibe: Welche Melde- und Erklärungspflichten entstehen mir durch die Reverse-Charge-Fälle, und was kostet mich die nicht abziehbare Steuer auf die Etsy-Gebühren?“

Frage 5: Die Entscheidung

„Mein Wareneinsatz liegt bei rund der Hälfte des Verkaufspreises. Ich habe beide Varianten an einem Beispieljahr durchgerechnet und komme im deutschen Markt auf vier Prozent Vorteil für die Kleinunternehmerregelung und im US-Geschäft auf drei Prozent Nachteil. Sehen Sie das genauso?“

Frage 6: Die EU-Schwelle

„Ich liefere gelegentlich in andere EU-Länder. Wie überwache ich die 10.000-Euro-Schwelle, und ab wann sollten wir über OSS sprechen?“

Frage 7: Die Rechnung

„Welchen Hinweistext soll ich auf meinen Rechnungen verwenden, jeweils für den steuerpflichtigen und für den nicht steuerbaren Fall?“

Was Du mitbringst

Unterlage Wozu
Eine Beispielabrechnung von Etsy zeigt die Gebührenstruktur und die Positionen
Eine Rechnung Deines Druckanbieters zeigt, ob Reverse Charge angewandt wird und wo der Anbieter sitzt
Deine Rechnung aus 3.7 zeigt, dass Du die Struktur verstanden hast
Deine Marktentscheidung aus 2.10 klärt in einem Satz, welche Fälle überhaupt vorkommen
Warum das den Termin halbiert

Ein Steuerberater, der zwei echte Belege vor sich hat, beantwortet die Fragen 1 bis 3 in wenigen Minuten. Ohne Belege muss er erst rekonstruieren, wie Dein Geschäft überhaupt abläuft, und das ist die teure Hälfte des Gesprächs.

Woran Du merkst, ob er die Konstellation kennt

Kein Test, sondern drei Beobachtungen aus der Praxis.

Er fragt nach dem Ort der Druckerei

Wer bei Print on Demand zuerst wissen will, wo produziert wird, hat die Systematik verstanden. Wer nur nach dem Wohnsitz des Käufers fragt, denkt in Versandhandel.

Er trennt Umsatz- und Einkommensteuer sauber

„In Deutschland nicht steuerbar“ und „hier nicht zu versteuern“ sind zwei verschiedene Aussagen. Wer sie auseinanderhält, ist im Thema.

Er kennt § 13b im Alltag

Reverse Charge auf Plattformgebühren ist bei Onlinehändlern Alltag. Ein Berater mit Mandanten in diesem Bereich zuckt bei der Frage nicht.

Und ein Satz, bei dem Du hellhörig wirst

„Das machen wir dann am Jahresende.“ Bei der Frage nach der Trennung der Umsatzarten ist das die falsche Antwort. Getrennt wird ab der ersten Bestellung, sonst ist es Handarbeit je Beleg.

Was das Ganze kostet

Ein Erstgespräch mit dieser Vorbereitung ist eine Angelegenheit von zwanzig bis dreißig Minuten. Die Kosten dafür liegen deutlich unter dem, was eine falsch eingeordnete Umsatzart über ein Jahr an Nacharbeit erzeugt, und um Größenordnungen unter einer Nachzahlung.

Was Du aus Kapitel 4 mitnimmst

Der Ort der Lieferung ist dort, wo die Beförderung beginnt, also in der Druckerei. Daraus folgt alles: EU-Fertigung nach Deutschland ist steuerpflichtig, US-Fertigung in die USA ist in Deutschland nicht steuerbar.

Die Etsy-Gebühren sind für jeden ein Reverse-Charge-Fall, für Regelbesteuerer neutral und für Kleinunternehmer eine echte Belastung. Die Sales Tax übernimmt Etsy vollständig. Und Deine Rechnung schreibst Du selbst.

Damit ist der schwierigste Teil des Kurses geschafft. Ab Kapitel 5 wird gebaut: Shop eröffnen, Anbieter einrichten, recherchieren, gestalten, veröffentlichen.

Zum AusdruckenFragenkatalog für den SteuerberaterZwei Seiten zum Mitnehmen: die sieben Fragen mit Platz für die Antworten, die Übersicht der vier Steuerfälle und die Liste der Unterlagen.PDF herunterladen

Aufgabe

Das Gespräch vorbereiten

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