4.2Die Steuerfrage bei Print on Demand15 Minuten

Die vier Fälle im Überblick

Danach hast Du: Du kannst Deinen eigenen Fall benennen und weißt, welchen der folgenden Abschnitte Du wirklich brauchst.

Zwei Fragen, vier Antworten. Diese Tabelle ist das Gerüst des ganzen Kapitels.

Die Übersicht

Fall Fertigung Käufer Deutsche Umsatzsteuer Praxisrelevanz
A EU Deutschland ja, 19 Prozent Normalfall deutscher Markt
B USA USA nein, nicht steuerbar Normalfall US-Markt
C EU anderes EU-Land je nach Schwelle kommt von selbst dazu
D Deutschland USA Ausfuhr, steuerfrei praktisch tot, siehe 2.5

Warum Fall D nicht mehr vorkommt

Rein steuerlich wäre Fall D der angenehmste: eine Ausfuhrlieferung, in Deutschland steuerfrei, mit Vorsteuerabzug. Genau das beschreiben ältere Anleitungen.

Was ihn erledigt hat

Nicht das Steuerrecht, sondern das Zollrecht. Seit die US-Freigrenze ausgesetzt ist, braucht jede Sendung eine vollständige Zollanmeldung und trägt Abgaben. Bei einem Artikel für 30 Euro frisst das die gesamte Marge, siehe 2.5.

Der Fall ist also nicht verboten, er rechnet sich nur nicht mehr. Wenn Du irgendwo eine Anleitung liest, die ihn als Weg beschreibt, ist sie älter als ihr Erscheinungsdatum.

Wie sich Dein Fall aus Kapitel 2 ergibt

Deutscher Markt gewählt

Dein Fall ist A. Fall C kommt automatisch dazu, sobald der erste Käufer aus Österreich oder den Niederlanden bestellt. Fall B und D betreffen Dich nicht.

Amerikanischer Markt gewählt

Dein Fall ist B. Fall A kommt dazu, wenn Du zusätzlich an deutsche Käufer verkaufst, aber dann brauchst Du eine zweite Druckerei, siehe 2.6.

Beides

Dann hast Du A und B parallel, mit zwei Druckereien und zwei Umsatzarten in der Buchhaltung. Möglich, aber genau die Konstellation, von der 2.9 abrät, solange der erste Markt nicht steht.

Die Trennung in der Buchhaltung

Der eine Punkt, der schon jetzt wichtig ist, egal welcher Fall Deiner ist.

Was Du von Anfang an trennst

Umsätze aus Fall A und Umsätze aus Fall B gehören getrennt erfasst. Nicht am Jahresende, sondern von der ersten Bestellung an.

Der Grund: Sie gehen in unterschiedliche Zeilen der Umsatzsteuervoranmeldung. Wer sie in einen Topf wirft, muss sie später aus Etsy-Abrechnungen wieder auseinandersortieren, und das ist Handarbeit je Bestellung.

Wie das praktisch geht, mit welchen Werkzeugen und welchen Konten, steht in Kapitel 19. Was Du jetzt tun kannst: Notier Dir, dass es zwei Töpfe gibt.

Der Fall, der hier nicht vorkommt

Der Vollständigkeit halber, weil er gelegentlich auftaucht: Fertigung in einem EU-Land, Käufer in den USA. Das wäre eine Ausfuhr aus der EU mit denselben Zollproblemen wie Fall D, nur ohne dass die Ware Deutschland berührt.

Er ist praktisch bedeutungslos und aus demselben Grund tot. Erwähnt sei er, damit Du nicht rätselst, wenn er Dir irgendwo begegnet.

Was in den nächsten Abschnitten kommt

Abschnitt Inhalt Für wen
4.3 Fall A im Einzelnen deutscher Markt
4.4 Fall B im Einzelnen amerikanischer Markt
4.5 Fall C und die 10.000-Euro-Schwelle alle, die in der EU liefern
4.6 Reverse Charge auf der Anbieterrechnung alle
4.7 und 4.8 Sales Tax und W-8BEN amerikanischer Markt
4.9 Deine Ausgangsrechnung alle
4.10 Die Fragen für den Steuerberater alle
Wenn Du wenig Zeit hast

Die beiden Abschnitte, die niemand überspringen sollte, sind 4.6 und 4.10. Der erste betrifft jeden POD-Shop, weil jeder Anbieterrechnungen aus dem Ausland bekommt. Der zweite spart Dir beim Steuerberater die Hälfte der Zeit.

Aufgabe

Deinen Fall bestimmen

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