3.1Gewerbe, Kleinunternehmerregelung, Steuernummer15 Minuten
Wann Du anmelden musst, und wann nicht
Danach hast Du: Du weißt sicher, ob Du anmelden musst, und kennst die vier Merkmale, aus denen sich das ergibt.
Dieser Abschnitt ist noch zu
Der Kurs baut aufeinander auf: Jeder Abschnitt setzt voraus, was in den vorigen entschieden wurde. 3.1 öffnet sich, sobald alles davor abgeschlossen ist.
Du stehst gerade bei .
Die Frage kommt in jedem Forum, und die Antworten dort sind fast immer falsch, weil sie sich an Umsatzgrenzen orientieren. Solche Grenzen gibt es beim Gewerbe nicht.
Ich bin weder Steuerberater noch Rechtsanwalt. Was hier steht, gibt den Rahmen und zeigt Dir, wo die Fragen liegen. Die Einordnung Deines Einzelfalls gehört zu jemandem, der das beurteilen darf.
Das gilt für dieses ganze Kapitel und für Kapitel 4 in besonderem Maße.
Die vier Merkmale
Ein Gewerbe liegt vor, wenn eine Tätigkeit diese vier Merkmale erfüllt. Alle vier, aber eben nur diese vier.
| Merkmal | Was es bedeutet | Bei einem Etsy-Shop |
|---|---|---|
| Selbständig | auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, nicht weisungsgebunden | erfüllt |
| Nachhaltig | auf Wiederholung angelegt, nicht einmalig | erfüllt, sobald ein Sortiment dauerhaft steht |
| Gewinnerzielungsabsicht | die Absicht, Überschuss zu erzielen | erfüllt, auch ohne tatsächlichen Gewinn |
| Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr | Angebot an einen unbestimmten Personenkreis | erfüllt, ein Etsy-Shop ist öffentlich |
Das dritte Merkmal ist das, an dem sich die meisten Missverständnisse festmachen: Es geht um die Absicht, nicht um das Ergebnis. Wer im ersten Jahr Verlust macht, hat trotzdem ein Gewerbe, sofern er auf Gewinn zielt. Andernfalls wäre jeder Existenzgründer im ersten Jahr kein Gewerbetreibender.
Ein POD-Shop erfüllt alle vier Merkmale ab dem ersten Tag. Nicht ab dem tausendsten Euro, nicht ab dem hundertsten Verkauf, nicht ab dem Zeitpunkt, an dem es sich lohnt.
Das Sortiment steht dauerhaft, es ist öffentlich, es ist auf Wiederholung angelegt, und es zielt auf Gewinn. Vier von vier.
Die fünf Ausreden
Sie kommen alle vor, und keine trägt.
| Was gesagt wird | Warum es nicht zählt |
|---|---|
| „Ich verkaufe nur ein paar Sachen im Monat.“ | Häufigkeit ist kein Merkmal. Entscheidend ist die planmäßige, dauerhafte Anlage. |
| „Ich mache damit noch keinen Gewinn.“ | Maßgeblich ist die Absicht, nicht das Ergebnis. |
| „Für mich ist das ein Hobby.“ | Die eigene Einordnung ist unerheblich. Ein öffentlicher Shop mit Sortiment ist kein Hobby. |
| „Ich bleibe unter 25.000 Euro.“ | Das ist die Grenze der Kleinunternehmerregelung, nicht der Gewerbepflicht. |
| „Ich bin ja angestellt.“ | Ein Nebengewerbe ist ein Gewerbe. Es wird nur zusätzlich als Nebenerwerb angekreuzt. |
Die vierte ist die häufigste und die folgenreichste. Gewerberecht und Umsatzsteuerrecht sind zwei verschiedene Ebenen. Die 25.000 Euro entscheiden darüber, ob Du Umsatzsteuer ausweist. Über die Anmeldepflicht sagen sie nichts.
Wann tatsächlich keine Anmeldung nötig ist
Drei Fälle, in denen die Merkmale nicht erfüllt sind.
Du löst Deinen Dachboden auf und verkaufst zwanzig Gegenstände. Nicht nachhaltig, kein Sortiment, keine Wiederholungsabsicht. Kein Gewerbe.
Das reine Verwalten eigenen Vermögens, etwa Vermietung. Für einen Etsy-Shop nie einschlägig.
Bestimmte Katalogberufe, darunter künstlerische Tätigkeiten, sind kein Gewerbe. Hier lohnt ein genauer Blick, weil viele glauben, das treffe auf sie zu.
Der Punkt zur künstlerischen Tätigkeit
Weil er bei Gestaltern regelmäßig aufkommt: Wer eigene Motive entwirft, ist im weiteren Sinn gestalterisch tätig. Heißt das, es liegt eine freiberufliche Tätigkeit vor?
Bei Print on Demand verkaufst Du Waren, keine gestalterische Leistung. Der Kunde kauft ein Shirt, keinen Entwurf. Der Handel mit Waren ist gewerblich, unabhängig davon, wer das Motiv darauf entworfen hat.
Anders liegt es bei reinen Auftragsarbeiten, etwa wenn Du für einen Kunden ein Logo entwirfst. Das ist eine andere Tätigkeit und kann anders einzuordnen sein. Ob und wie sich beides trennen lässt, ist eine Frage für den Steuerberater.
Was die Anmeldung nicht ist
Damit die Hemmschwelle nicht größer wird, als sie sein muss.
Die Anmeldung verpflichtet Dich nicht zu Umsätzen, nicht zu Mindestbeträgen und nicht zu einer bestimmten Steuerform. Sie ist eine Mitteilung, keine Verpflichtung.
Und sie ist reversibel: Eine Abmeldung ist genauso unkompliziert und ebenfalls in wenigen Minuten erledigt.
Was passiert, wenn man es unterlässt
Die Anmeldung lässt sich nachholen, und das ist in jedem Fall besser als weiterzumachen. Je nach Fall kann ein Bußgeld drohen, und steuerlich müssen die zurückliegenden Zeiträume aufgearbeitet werden.
Der Aufwand des Nachholens steigt mit jedem Monat, weil zurückliegende Umsätze rekonstruiert und nachträglich erklärt werden müssen. Wer zwei Jahre ohne Anmeldung verkauft hat, hat ein echtes Projekt vor sich.
Die Anmeldung selbst dauert zwanzig Minuten. Das ist die einfachste Rechnung in diesem ganzen Kurs.
Wie sie abläuft, steht im nächsten Abschnitt.
Aufgabe
Die vier Merkmale prüfen
Noch 4 Schritte offen.
Diesen Abschnitt hast Du schon abgeschlossen.
