3.4Gewerbe, Kleinunternehmerregelung, Steuernummer25 Minuten
Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
Danach hast Du: Du kannst den Fragebogen ausfüllen, kennst die drei Felder mit Tragweite und weißt, was Du dort einträgst.
Dieser Abschnitt ist noch zu
Der Kurs baut aufeinander auf: Jeder Abschnitt setzt voraus, was in den vorigen entschieden wurde. 3.4 öffnet sich, sobald alles davor abgeschlossen ist.
Du stehst gerade bei .
Die Gewerbeanmeldung ist die Formalie. Dieser Fragebogen ist der Vorgang, bei dem tatsächlich etwas entschieden wird.
Was er ist und wie er eingereicht wird
Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist die Grundlage, auf der das Finanzamt Deine Steuernummer vergibt und Deine steuerliche Behandlung festlegt. Er ist elektronisch über ELSTER einzureichen.
Ein ELSTER-Konto braucht ein Zertifikat, und der Aktivierungscode dafür kommt per Post. Das dauert einige Tage.
Wenn Du das erst anfängst, wenn die Aufforderung vom Finanzamt im Kasten liegt, verlierst Du diese Zeit doppelt. Leg das Konto am selben Tag an wie die Gewerbeanmeldung.
Die acht Abschnitte
| Nr. | Abschnitt | Aufwand |
|---|---|---|
| 1 | Allgemeine Angaben zur Person | Formalie |
| 2 | Angaben zur gewerblichen Tätigkeit | Übernahme aus dem Gewerbeschein |
| 3 | Bankverbindung für Erstattungen und Lastschrift | Formalie |
| 4 | Steuerliche Beratung und Empfangsvollmacht | nur bei Steuerberater |
| 5 | Schätzung von Umsatz und Gewinn | Tragweite |
| 6 | Gewinnermittlungsart | Tragweite |
| 7 | Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung | größte Tragweite |
| 8 | Soll- oder Istversteuerung, Voranmeldungszeitraum | bei Regelbesteuerung |
Die Abschnitte 5, 6 und 7 sind die, um die es geht.
Abschnitt 5: Die Schätzung
Du sollst Umsatz und Gewinn für das Gründungsjahr und das Folgejahr schätzen. Zwei Zahlen, die sich niemand aus den Fingern saugen möchte, und die trotzdem hin müssen.
Sie sind eine Prognose, keine Zusage. Das Finanzamt nutzt sie, um über Vorauszahlungen und den Voranmeldungszeitraum zu entscheiden.
Wer zu hoch schätzt, bekommt Vorauszahlungen festgesetzt, die er nicht braucht. Wer zu niedrig schätzt und deutlich darüber landet, bekommt später eine Nachzahlung auf einmal. Beides ist korrigierbar, beides ist unangenehm.
Ein POD-Shop, der im ersten Jahr startet, macht selten mehr als einen niedrigen vierstelligen Umsatz. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern die Regel. Setz an, was Du für wahrscheinlich hältst, nicht was Du hoffst.
Wenn Du im September startest, umfasst das Gründungsjahr vier Monate. Die Schätzung bezieht sich auf diesen Zeitraum, nicht auf zwölf Monate.
Stellt sich die Prognose als falsch heraus, lassen sich Vorauszahlungen auf Antrag anpassen. Ein Anruf beim Finanzamt genügt oft. Die Schätzung ist kein Versprechen.
Abschnitt 6: Die Gewinnermittlungsart
Hier gibt es für Dich praktisch nur eine Antwort: Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz EÜR, nach § 4 Abs. 3 EStG.
Sie ist die einfache Variante: Einnahmen minus Ausgaben, kein Bestandsvergleich, keine Bilanz. Für ein Einzelunternehmen unterhalb der Buchführungsgrenzen ist sie zulässig und der Normalfall.
Bei Print on Demand hast Du kein Warenlager. Es gibt keinen Bestand, der zu bewerten wäre, keine Inventur, keine Abgrenzung von Vorräten.
Das Modell ist damit buchhalterisch eines der einfachsten, die es gibt. Kapitel 19 zeigt, wie schlank die laufende Arbeit tatsächlich ist.
Abschnitt 7: Die Entscheidung mit der größten Tragweite
Hier wählst Du zwischen Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung. Fülle diesen Abschnitt nicht aus, bevor Du 3.5 und 3.6 gelesen hast.
Der Grund in einem Satz: Wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, ist an diesen Verzicht fünf Kalenderjahre gebunden. Das ist die einzige Angabe im ganzen Fragebogen, die sich nicht im nächsten Jahr korrigieren lässt.
Fast jede Anleitung im Netz sagt sinngemäß: „Am Anfang nimmt man Kleinunternehmer, das ist einfacher.“ Für Handgemachtes stimmt das meistens.
Bei Print on Demand liegt der Fall anders, und zwar aus Gründen, die mit der Struktur des Modells zu tun haben. Genau das ist der Inhalt von 3.6.
Abschnitt 8: Soll oder Ist
Betrifft Dich nur, wenn Du Dich in Abschnitt 7 für die Regelbesteuerung entscheidest.
Sollversteuerung heißt: Die Umsatzsteuer wird fällig, wenn die Leistung erbracht ist, unabhängig davon, ob das Geld da ist. Istversteuerung heißt: erst wenn gezahlt wurde.
Für Etsy-Verkäufer ist der Unterschied gering, weil zwischen Verkauf und Auszahlung wenige Tage liegen. Die Istversteuerung ist auf Antrag unter bestimmten Voraussetzungen möglich und schadet in keinem Fall. Frag Deinen Steuerberater, ob sie in Deinem Fall in Betracht kommt.
Beim Voranmeldungszeitraum gilt: Im Gründungsjahr und im Folgejahr kann monatlich vorgeschrieben sein. Das ist Aufwand, aber planbarer Aufwand.
Was Du bereitlegst
| Unterlage | Wofür |
|---|---|
| Steuer-Identifikationsnummer | Deine persönliche, elfstellige. Steht auf jedem Steuerbescheid. |
| Gewerbeschein | für Datum und Tätigkeitsbeschreibung |
| Bankverbindung | für Erstattungen und Lastschrift |
| ELSTER-Zertifikat | zum Einreichen. Vorher beantragen, siehe oben. |
| Deine Schätzungen | Umsatz und Gewinn, Gründungsjahr und Folgejahr |
Rechne für das Ausfüllen etwa eine Dreiviertelstunde. Danach dauert es in aller Regel zwei bis sechs Wochen, bis die Steuernummer kommt. Diese Zeit läuft nebenher, und die nächsten Kapitel füllen sie.
Aufgabe
Den Fragebogen vorbereiten
Noch 4 Schritte offen.
Diesen Abschnitt hast Du schon abgeschlossen.
