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Reklamationen: erst lösen, dann klären

Danach hast Du: Du hast einen festen Ablauf für Reklamationen und Antwortvorlagen für die vier häufigsten Fälle.

Der Grundsatz steht in der Überschrift, und er ist das Gegenteil dessen, was der erste Impuls sagt.

Erst lösen, dann klären

Warum diese Reihenfolge

Der Käufer hat ein Problem und will es gelöst haben. Ob der Anbieter schuld ist, ob Du in Regress gehen kannst und wer die Kosten trägt, ist eine Frage zwischen Dir und dem Anbieter, siehe 20.3.

Wer diese Klärung vor die Lösung setzt, lässt den Käufer warten, während er mit einem Dritten verhandelt. Genau daraus entstehen die schlechten Bewertungen.

Der Ablauf

Fünf Schritte
  1. Schnell antworten, auch wenn Du noch keine Lösung hast. „Ich kümmere mich, ich melde mich heute noch.“
  2. Foto anfordern, wenn es um einen Mangel geht. Freundlich, mit Begründung.
  3. Lösung anbieten: Ersatz oder Erstattung, ohne lange Prüfung.
  4. Umsetzen, sofort.
  5. Danach beim Anbieter klären, siehe 20.3.
Schritt 1 ist der wichtigste

Eine Antwort innerhalb weniger Stunden entschärft fast jede Reklamation, auch ohne Lösung. Ein Käufer, der zwei Tage nichts hört, schreibt inzwischen die Bewertung.

Die vier häufigsten Fälle

Fall Deine Lösung Anbieter zahlt?
Druckfehler oder Beschädigung Ersatz, ohne Rücksendung in aller Regel ja
Falscher Artikel oder falsche Größe geliefert Ersatz, ohne Rücksendung in aller Regel ja
Paket nicht angekommen Sendungsverfolgung prüfen, dann Ersatz oder Erstattung je nach Fall und Versandart
Größe passt nicht Widerruf abwickeln, siehe 5.8 nein, Dein Fall
Warum Ersatz ohne Rücksendung

Bei den ersten beiden Fällen ist die Rücksendung sinnlos: Der Artikel ist fehlerhaft und für niemanden brauchbar. Die Rücksendekosten wären zusätzlicher Verlust.

Sag dem Käufer, dass er den fehlerhaften Artikel behalten oder entsorgen kann. Das kostet Dich nichts und wirkt großzügig.

Das Foto

Wie Du danach fragst
  1. Mit Begründung: „Damit ich es beim Druckdienstleister reklamieren kann, brauche ich ein Foto.“
  2. Konkret: „Am besten das ganze Produkt und eine Nahaufnahme der Stelle.“
  3. Ohne Bedingung: Die Lösung darf nicht vom Foto abhängen. Es geht um Deinen Regress, nicht um einen Nachweis gegenüber dem Käufer.
Der Unterschied macht den Ton

„Bitte schicken Sie ein Foto, damit ich das prüfen kann“ klingt nach Misstrauen. „Ich schicke Ihnen Ersatz. Für die Reklamation beim Druckdienstleister bräuchte ich noch ein Foto“ klingt nach Lösung.

Beides führt zum selben Foto, und nur eines führt zu einer guten Bewertung.

Die Grenze, bis zu der Du nicht prüfst

Leg einen Betrag fest

Bis zu einer bestimmten Höhe erstattest oder ersetzt Du ohne Rückfrage. Bei einem POD-Artikel ist das in aller Regel der volle Betrag.

Die Rechnung: Eine Stunde Diskussion kostet mehr als ein Shirt, und eine schlechte Bewertung kostet deutlich mehr, siehe 20.4.

Was Du nie tust

Nicht Warum
Den Käufer an den Anbieter verweisen er hat einen Vertrag mit Dir, siehe 6.1
Die Lösung von der Klärung abhängig machen der Käufer wartet, während Du verhandelst
Über die Schuldfrage diskutieren interessiert den Käufer nicht
In der öffentlichen Bewertung antworten, bevor Du privat gelöst hast wirkt defensiv
Um eine Änderung der Bewertung bitten, bevor das Problem gelöst ist kehrt die Reihenfolge um

Nach der Lösung

Beim Anbieter reklamieren

Mit Foto und Bestellnummer, siehe 20.3.

Den Fall notieren

Datum, Produkt, Grund, Kosten. Diese Liste zeigt Dir nach ein paar Monaten, ob ein Muster dahintersteckt.

Das Muster suchen

Zwei Fälle mit demselben Grund sind kein Zufall, siehe 11.5. Dreimal dieselbe Größe zurück heißt, die Angabe stimmt nicht, siehe 16.2.

Freundlich um eine Bewertung bitten, wenn es gelöst ist

Nicht um eine gute, sondern um eine. Ein Käufer, dessen Problem schnell gelöst wurde, schreibt oft eine bessere Bewertung als einer ohne Problem.

Aufgabe

Den Ablauf festlegen

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