Kapitel 20 von 2010 Abschnitte3,4 Stunden
Der laufende Betrieb
Reklamationen, Kennzahlen, Sortimentsaufbau und die Frage, wann sich Skalierung lohnt.
Kapitel 20 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 20 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
Du stehst gerade bei .
Der Shop steht, die ersten Listings sind online. Ab hier entscheidet nicht mehr die Einrichtung, sondern was Du regelmäßig tust.
Dieses Kapitel beschreibt den Alltag. Es ist das kürzeste des Kurses, weil der Alltag aus wenigen wiederkehrenden Handgriffen besteht.
Die drei Anfragen, die immer kommen
Bereite drei Textbausteine vor. Damit ist Kundenservice bei Print on Demand zu neunzig Prozent erledigt.
| Anfrage | Was tatsächlich dahintersteckt | Deine Antwort enthält |
|---|---|---|
| „Wo bleibt meine Bestellung?" | Die Bearbeitungszeit wurde nicht gelesen | Sendungsnummer, erwartetes Zustelldatum, Hinweis auf Fertigung nach Bestellung |
| „Welche Größe passt mir?" | Die Größentabelle wurde nicht gefunden | die Maße in Zentimetern, die Empfehlung, den Brustumfang zu messen |
| „Der Artikel ist beschädigt" | Produktions- oder Transportschaden | Bitte um ein Foto, Zusage einer Lösung innerhalb von 24 Stunden |
Wenn ein Käufer ein Foto eines fehlerhaften Drucks schickt, ist die richtige Reaktion: Ersatz oder Erstattung, sofort und ohne Diskussion. Danach reichst Du das Foto bei Deinem Druckanbieter ein und bekommst in aller Regel erstattet.
Der umgekehrte Weg, also erst mit dem Anbieter klären und den Käufer warten lassen, kostet Dich die Bewertung. Und die ist teurer als das Shirt.
Was Etsy misst
Drei Kennzahlen bestimmen Deine Sichtbarkeit, und alle drei kannst Du beeinflussen.
| Kennzahl | Wo Du sie siehst | Was Du tun kannst |
|---|---|---|
| Klickrate in der Suche | Statistik, Aufrufe je Listing | besseres erstes Bild, besserer Titel |
| Kaufrate der Besucher | Statistik, Conversion | vollständige Beschreibung, Größentabelle, Preis |
| Pünktlichkeit und Bewertungen | Shop-Übersicht | realistische Bearbeitungszeit, schnelle Antworten |
Die Kaufrate ist bei Print on Demand oft niedriger als bei Handgemachtem, weil Käufer vergleichen. Werte zwischen einem und drei Prozent sind normal. Wer darunter liegt und trotzdem Aufrufe hat, hat ein Problem im Listing, nicht in der Sichtbarkeit.
Der wöchentliche Ablauf
Zwanzig Minuten, ein fester Tag.
Etsy misst die Antwortzeit. Innerhalb von 24 Stunden ist die Vorgabe, an der Du Dich orientieren solltest.
Sind alle an den Anbieter übergeben? Hängt eine wegen einer fehlgeschlagenen Zahlung? Das passiert und fällt sonst erst auf, wenn der Käufer nachfragt.
Welches Listing bekommt Aufrufe, welches nicht. Über welche Suchbegriffe kommen Besucher. Das sind zwei Minuten und die Grundlage für alle Anpassungen.
Wann Du das Sortiment erweiterst
Die Versuchung, ständig neue Motive nachzulegen, ist groß. Sie führt zu einem Shop mit sechzig Listings, von denen keines Fahrt aufnimmt.
Erst optimieren, dann erweitern. Wenn ein Listing nach vier bis sechs Wochen Aufrufe hat, aber nicht verkauft, liegt es am Listing. Ein weiteres Listing löst das nicht.
Erweitere, wenn eines Deiner Motive verkauft. Dann weißt Du, was funktioniert, und die Erweiterung ist eine Variation von etwas Bewährtem statt eines neuen Versuchs.
Der sinnvolle Weg der Erweiterung ist deshalb dieser: Ein Motiv verkauft. Du bringst dasselbe Motiv auf einem zweiten Artikel. Dann eine Variation des Motivs für dieselbe Zielgruppe. Erst danach eine neue Zielgruppe.
Die saisonale Seite
Print on Demand hat ausgeprägte Spitzen, und die wichtigste liegt im vierten Quartal.
| Zeitraum | Was passiert | Was Du tust |
|---|---|---|
| September und Oktober | Käufer beginnen zu suchen | Weihnachtsmotive online stellen, damit sie Zeit haben zu ranken |
| November | Hauptsaison | Bearbeitungszeiten prüfen, Anbieter melden längere Laufzeiten |
| Anfang Dezember | Letzte Bestellungen für Weihnachten | Bestelltermine im Listing angeben, sonst gibt es Ärger |
| Januar und Februar | Ruhige Monate | Zeit für Kalkulation, neue Motive und Aufräumen |
Der Punkt mit den Bearbeitungszeiten im November ist ernst gemeint: Druckanbieter haben in der Hochsaison längere Laufzeiten, und wenn Dein Versandprofil noch die Sommerwerte zeigt, versprichst Du etwas, das Dein Anbieter nicht hält.
Wann sich Skalierung lohnt
Skalierung heißt bei Print on Demand nicht, mehr Listings anzulegen. Es heißt, dass Du an einer der drei Stellschrauben drehst.
- Mehr Sichtbarkeit durch Anzeigen. Erst sinnvoll, wenn ein Listing nachweislich verkauft, sonst bewirbst Du etwas, das nicht funktioniert.
- Höhere Marge durch einen bezahlten Anbietertarif oder einen anderen Druckanbieter. Die Rechnung dafür steht in Kapitel sechs.
- Höherer Bestellwert durch Sets und Zusatzartikel. Der günstigste Hebel, weil die Gebühren pro Bestellung anfallen, nicht pro Artikel.
Du hast jetzt einen eingerichteten Shop, geprüfte Listings, eine Kalkulation, die trägt, und einen Ablauf für den Alltag. Das ist mehr, als die meisten haben, die ein Jahr dabei sind.
Was jetzt kommt, sind Monate, in denen wenig passiert. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass etwas falsch ist. Bleib bei dem Ablauf, sieh Dir die Zahlen an und ändere jeweils eine Sache.
Wenn Du an einem Punkt nicht weiterkommst: Das Wissensportal geht auf jedes dieser Themen tiefer ein, und für einen Blick von außen auf Deinen konkreten Shop gibt es die Shopanalyse.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 20.1Die drei Anfragen, die immer kommen20 Minuten
- 20.2Reklamationen: erst lösen, dann klären20 Minuten
- 20.3Den Anbieter in Regress nehmen15 Minuten
- 20.4Die Kennzahlen, die Etsy misst25 Minuten
- 20.5Die Shop-Statistik lesen25 Minuten
- 20.6Der wöchentliche Ablauf in zwanzig Minuten15 Minuten
- 20.7Wann Du das Sortiment erweiterst20 Minuten
- 20.8Das Jahr planen: die saisonalen Spitzen25 Minuten
- 20.9Die drei Stellschrauben der Skalierung20 Minuten
- 20.10Wann Anzeigen sich lohnen und wann nicht20 Minuten
