20.10Der laufende Betrieb20 Minuten

Wann Anzeigen sich lohnen und wann nicht

Danach hast Du: Du kannst ausrechnen, was ein Klick bei Deiner Marge höchstens kosten darf, und weißt, ob Anzeigen für Deinen Shop überhaupt in Frage kommen.

Anzeigen sind die einzige Stellschraube aus 20.9, die sofort wirkt. Sie sind auch die einzige, die Geld kostet, bevor sie etwas bringt. Ob sie sich lohnen, ist keine Meinungsfrage, sondern eine Rechnung mit zwei Zahlen.

Wie Etsy Ads abrechnen

Merkmal So funktioniert es
Abrechnung je Klick, nicht je Anzeige und nicht je Verkauf
Steuerung über ein Tagesbudget, das Du festlegst
Klickpreis bestimmt Etsy, Du bestimmst nur das Budget
Auswahl der Listings Du wählst aus, welche beworben werden
Platzierung innerhalb von Etsy, in Suche und Kategorien
Nicht zu verwechseln mit Offsite Ads

Offsite Ads laufen außerhalb von Etsy und kosten nur bei einem Verkauf eine Gebühr, dafür teilnahmepflichtig ab einer bestimmten Umsatzhöhe, siehe 18.5.

Etsy Ads kosten je Klick, auch wenn nichts verkauft wird, und sind vollständig freiwillig. Das ist der entscheidende Unterschied für Deine Rechnung.

Die Rechnung

Die Rechnung zu Etsy Ads: der höchste vertretbare Klickpreis je nach Marge und Conversion, und der ROAS am Nullpunkt

Zwei Zahlen, ein Ergebnis

Höchster vertretbarer Klickpreis = Marge je Verkauf × Conversion.

Der Grund ist einfach: Bei einer Conversion von zwei Prozent brauchst Du fünfzig Klicks für einen Verkauf. Was dieser eine Verkauf einbringt, muss auf alle fünfzig Klicks verteilt werden.

Marge je Verkauf bei 1 % bei 2 % bei 3 % bei 5 %
6,21 € 0,06 € 0,12 € 0,19 € 0,31 €
8,59 € 0,09 € 0,17 € 0,26 € 0,43 €
12,00 € 0,12 € 0,24 € 0,36 € 0,60 €
Das sind Nullpunkte, keine Ziele. Bei genau diesem Klickpreis verdienst Du null.
Zwölf Cent sind wenig

Das ist die unangenehme Erkenntnis für Print on Demand: Bei einer Marge von 6,21 Euro und zwei Prozent Conversion darf ein Klick zwölf Cent kosten, damit Du gerade nichts verlierst.

Ob Deine Klicks darunter liegen, siehst Du erst, wenn Du es probierst. Deshalb der Ablauf weiter unten: klein anfangen, früh nachrechnen.

Warum ein ROAS von 1 ein Verlust ist

Die Zahl, die am häufigsten falsch gelesen wird

Der ROAS setzt den Umsatz ins Verhältnis zu den Werbekosten, nicht die Marge. Ein ROAS von 1 heißt: Ein Euro Werbung hat einen Euro Umsatz gebracht. Von diesem Euro Umsatz bleiben Dir aber nur rund 21 Cent.

ROAS am Nullpunkt = Verkaufspreis geteilt durch Marge. Bei 29,90 Euro Preis und 6,21 Euro Marge sind das 4,8.

ROAS Was er bei 6,21 € Marge bedeutet
1,0 deutlicher Verlust
3,0 immer noch Verlust
4,8 der Nullpunkt
8,0 Anzeigen tragen sich
Rechne Deinen eigenen Nullpunkt aus

Er ist bei jedem anders, weil er nur von Preis und Marge abhängt. Je dünner die Marge, desto höher muss der ROAS sein.

Diese eine Zahl notierst Du Dir, bevor Du die erste Anzeige schaltest. Sonst liest Du im Anzeigenbericht eine Zahl, die gut aussieht, und zahlst dabei drauf.

Die vier Fälle für Anzeigen

Ein Listing verkauft bereits organisch

Dann ist belegt, dass es umwandelt. Anzeigen verstärken etwas, das funktioniert, statt etwas zu erzwingen, das nicht funktioniert.

Eine kurze Saisonspitze

Wenn ein Motiv erst spät fertig wurde und die acht Wochen Vorlauf aus 20.8 fehlen, kaufen Anzeigen die Sichtbarkeit, die sonst gefehlt hätte.

Eine hohe Marge

Bei zwölf Euro Marge je Verkauf ist der vertretbare Klickpreis doppelt so hoch wie bei sechs. Anzeigen sind zuerst eine Frage der Marge, nicht des Budgets.

Ein befristeter Test

Vier Wochen, kleines Tagesbudget, danach nachrechnen. Als Datenerhebung, nicht als Dauerzustand.

Die vier Fälle dagegen

Situation Warum nicht
Neuer Shop ohne Verkäufe unbekannt, ob die Listings umwandeln. Du bezahlst für Klicks auf ein ungeprüftes Listing.
Listings ohne organische Aufrufe das Problem sind Tags und Titel, siehe Kapitel 17. Anzeigen überdecken es, sie lösen es nicht.
Dünne Marge unter etwa fünf Euro je Verkauf bleibt kein vertretbarer Klickpreis übrig
Anzeigen als Dauerzustand ohne Auswertung der häufigste teure Fehler. Ein Budget, das monatelang läuft und nie gegen den Nullpunkt gehalten wird.

Wenn Du es probierst

Der Ablauf für einen Test
  1. Deinen Nullpunkt ausrechnen und aufschreiben: Klickpreis und ROAS.
  2. Nur die zwei bis drei Listings bewerben, die organisch bereits verkaufen.
  3. Das kleinste Tagesbudget wählen, mit dem Etsy den Test zulässt.
  4. Vier Wochen laufen lassen, ohne zwischendurch zu ändern.
  5. Danach nachrechnen: Werbekosten gegen tatsächliche Marge aus den Verkäufen, nicht gegen den Umsatz.
  6. Unter dem Nullpunkt: abschalten. Das ist kein Scheitern, sondern das Ergebnis des Tests.
Schritt 5 ist der, den fast niemand macht

Der Anzeigenbericht zeigt Umsatz und ausgegebenes Budget. Die Marge steht dort nicht, weil Etsy Deine Produktionskosten nicht kennt.

Deshalb bleibt diese Rechnung Deine: Verkäufe aus Anzeigen × Deine Marge, minus Werbekosten. Ist das Ergebnis negativ, kostet die Anzeige Geld, egal was im Bericht steht.

Was Du aus Kapitel 20 mitnimmst

Drei Anfragen machen fast alle Nachrichten aus, und jede davon gehört ins Listing statt in eine Antwort. Bei Reklamationen gilt: erst lösen, dann klären.

Der Betrieb kostet zwanzig Minuten in der Woche und eine Stunde im Monat. Alles darüber ist Aufbau, und tägliches Nachsehen in der Statistik ist keins von beidem.

Skalierung hat drei Stellschrauben, sie multiplizieren sich, und die günstigste davon ist die Marge. Anzeigen sind die vierte Möglichkeit und die einzige, die vorher Geld kostet: Marge × Conversion ist Dein höchster Klickpreis, mehr Spielraum gibt es nicht.

Der Abschluss

Zwanzig Kapitel in fünf Sätzen

Print on Demand ist bei Etsy erlaubt, wenn das Design von Dir stammt und der Produktionspartner angegeben ist, siehe Kapitel 1.

Die rechtlichen und steuerlichen Pflichten entstehen mit dem ersten Verkauf, nicht ab einer Umsatzgrenze, siehe Kapitel 3 und 4.

Die Marge ist dünn und wird von Gebühren, Steuer, Retouren und Offsite Ads gemeinsam aufgezehrt: Rechne vollständig und von unten nach oben, siehe Kapitel 18.

Gefunden wirst Du über Suchabsichten, nicht über Produktbegriffe, und gekauft wirst Du wegen der Bilder und der Größenangaben, siehe Kapitel 13 bis 17.

Und der Betrieb ist billiger als der Aufbau. Was Du einmal richtig anlegst, kostet danach zwanzig Minuten in der Woche.

Was jetzt zu tun ist

Nicht alles auf einmal. Die Reihenfolge, die funktioniert: Nische prüfen, siehe 9.10, drei Motive gestalten, ein Listing vollständig anlegen, siehe 15.1, und ein Muster bestellen, bevor es live geht.

Danach: der Monatsablauf. Eine Änderung im Monat, gemessen nach vier Wochen. Zwölf richtige Entscheidungen im Jahr sind mehr, als die meisten Shops in drei Jahren treffen.

Aufgabe

Deine Grenze ausrechnen

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