2.3Deutscher oder amerikanischer Markt20 Minuten

Der deutschsprachige Markt: Stärken und Grenzen

Danach hast Du: Du kannst benennen, worin der Vorteil des deutschen Marktes besteht und wo seine Grenze verläuft.

Der deutschsprachige Markt wird in Kursen und Videos regelmäßig übergangen, weil die meisten davon aus den USA stammen. Das ist Deine Gelegenheit, und sie hat eine klare Form.

Der Vorteil, der alle anderen trägt

Du schreibst in Deiner Muttersprache. Das klingt banal und ist der größte einzelne Vorteil, den Du in diesem Geschäft haben kannst.

Der Grund ist nicht, dass Deutsch schwer wäre. Der Grund ist, dass ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Listings übersetzt ist, und dass man das merkt.

Übersetzt

„Perfektes Geschenk für Krankenschwester, Geburtstag, Weihnachten, Abschluss. Hochwertige Qualität, weiches Material, langlebig.“

Grammatisch richtig, inhaltlich leer. Der Satz könnte jedes Produkt beschreiben. „Abschluss“ meint Graduation und ist als Geschenkanlass hier keiner.

Geschrieben

„Für die Kollegin, die im Nachtdienst noch Witze macht. Das Motiv ist innen platziert, damit es unter dem Kasack nicht durchdrückt, und übersteht die 60-Grad-Wäsche.“

Kennt die Zielgruppe, nennt einen Anlass, der in Deutschland existiert, und beantwortet die Frage, die im Beruf tatsächlich gestellt wird.

Der zweite Text ist nicht besser geschrieben, weil jemand talentierter wäre. Er ist besser, weil ihn jemand geschrieben hat, der weiß, was ein Kasack ist.

Die praktischen Vorteile

Vorteil Was es konkret bedeutet
Kurze Lieferzeit drei bis sieben Werktage bei europäischer Fertigung, statt zwei bis drei Wochen
Musterbestellung in Tagen Du hältst Dein Produkt in der Hand, bevor Du es beschreibst
Kein Zoll Lieferung innerhalb der EU, keine Anmeldung, keine Nachforderung beim Käufer
Bekannter Steuerfall deutsche Umsatzsteuer, jeder Steuerberater kennt ihn
Rücksendungen einfach Retoure im Inland statt über den Atlantik
Support auf Deutsch bei europäischen Anbietern erreichbar und in Deiner Sprache

Der zweite Punkt wird unterschätzt. Wer sein Produkt nie gesehen hat, schreibt über Materialien und Passform aus dem Datenblatt. Das liest man den Texten an, und es ist der Unterschied zwischen einer Beschreibung und einer Aufzählung.

Die Grenzen, ehrlich benannt

Der Markt ist kleiner. Das ist keine Meinung, sondern eine Größenordnung. Weniger Suchanfragen heißt weniger Aufrufe bei gleicher Platzierung.

Print on Demand ist als Kaufanlass weniger etabliert. Viele deutsche Käufer verbinden bedruckte Kleidung eher mit einem Textildiscounter als mit einem Marktplatz für Selbstgemachtes. Das heißt nicht, dass sie nicht kaufen, es heißt, dass Dein Motiv mehr Grund liefern muss als „bedrucktes Shirt“.

Die Preisbereitschaft ist niedriger. Ein Shirt, das in den USA für 28 Dollar weggeht, ist hier bei 28 Euro schwer zu verkaufen. Bei dünner Marge ist das ein echter Nachteil.

Was daraus folgt

Der deutsche Markt verzeiht schwache Produktauswahl schlechter. Ein Standardshirt mit einem allgemeinen Spruch verkauft sich hier kaum, weil der Preisvergleich sofort naheliegt.

Was hier funktioniert, ist Spezifität: ein Motiv, das eine bestimmte Gruppe anspricht und deshalb keinen Preisvergleich zulässt. Kapitel 9 dreht sich genau darum.

Wo der deutsche Markt stärker ist als der amerikanische

Drei Bereiche, in denen die niedrigere Preisbereitschaft nicht gilt.

Berufsbezogene Motive

Pflege, Handwerk, Erziehung, Feuerwehr, Landwirtschaft. Die Fachsprache ist deutsch und lässt sich nicht übersetzen. Wer sie richtig trifft, hat kaum Wettbewerb, weil ein US-Verkäufer sie nicht treffen kann.

Regionale Bezüge

Dialekt, Stadt, Verein, Landschaft. Die Zielgruppe ist klein, der Wettbewerb praktisch null, und die Zahlungsbereitschaft ist hoch, weil das Motiv nirgends sonst zu bekommen ist.

Anlässe, die es nur hier gibt

Einschulung mit Schultüte, Jugendweihe, Konfirmation, Kindergartenabschied, runde Geburtstage mit deutschen Sprüchen. Für all das gibt es keine US-Konkurrenz.

Diese drei Bereiche haben eines gemeinsam: Sie sind für einen amerikanischen Verkäufer unerreichbar. Nicht weil er nicht dürfte, sondern weil er nicht weiß, wie eine Schultüte aussieht und wann sie gebraucht wird.

Genau das ist die Nische, die der kleinere Markt bietet: Du konkurrierst nicht mit dreißigtausend Shirt-Shops, sondern mit einer Handvoll Leute, die dasselbe Wissen haben wie Du.

Wer hier richtig ist

Der deutsche Markt passt zu Dir, wenn

Du Deutsch als Muttersprache schreibst und eine Zielgruppe kennst, deren Sprache Du sprichst. Wenn Du im ersten halben Jahr überschaubare Wege brauchst. Wenn Du schnell sehen willst, ob Dein Motiv trägt, statt drei Wochen auf ein Muster zu warten.

Und vor allem: wenn Deine Motivideen aus Deinem eigenen Umfeld stammen. Das ist der Fall, in dem der kleinere Markt der bessere ist.

Aufgabe

Den Sprachvorteil überprüfen

Mehr zum Thema im Wissensportal