11.4Produktauswahl: was sich bei POD rechnet20 Minuten

Warum Poster die unterschätzte Gruppe sind

Danach hast Du: Du kannst einschätzen, ob Poster für Deine Nische in Frage kommen, und kennst die Anforderungen an das Motiv.

Poster kommen in Anleitungen selten vor, weil Textilien griffiger klingen. Rechnerisch sind sie die stärkste Gruppe im ganzen Katalog.

Warum die Kostenstruktur besser ist

Merkmal Poster T-Shirt
Produktionskosten im Verhältnis zum Preis rund ein Viertel rund ein Drittel
Größenvarianten Formate, kein Passformproblem S bis 3XL, Passform je Marke anders
Farbvarianten keine nötig viele, jede mit eigenem Preis
Retourenrisiko niedrig hoch, siehe 11.5
Marge je Stück rund 11 € rund 11 €
Anteil rund 45 % rund 36 %

Der Punkt, der am meisten wiegt

Kein Größenproblem beim Verschenken

Ein Textil als Geschenk setzt voraus, dass der Schenkende die Größe kennt. Ein Poster nicht.

Das ist kein Nebenaspekt: Bei Geschenkanlässen, und das sind die meisten Anlässe aus 9.5, fällt damit die größte Kaufhürde weg.

Der zweite Punkt: weniger Varianten

Ein Shirt hat leicht dreißig Varianten

Sechs Größen mal fünf Farben. Jede mit eigenem Einkaufspreis, jede mit eigener Verfügbarkeit je Druckerei, siehe 6.5.

Ein Poster hat drei

Drei Formate, ein Papier. Das macht die Produktanlage schneller, die Kalkulation einfacher und die Fehlerquote kleiner.

Und es macht die Beschreibung kürzer

Keine Größentabelle, keine Passformhinweise, keine Farbabweichungshinweise für zehn Farben. Der Text ist in zwanzig Minuten fertig statt in einer Stunde.

Die Formatfrage

Format Wofür Besonderheit
DIN-Formate, A4 bis A2 deutscher Markt Rahmen sind überall erhältlich
Zollformate, etwa 8×10 oder 11×14 US-Markt DIN-Formate gibt es dort praktisch nicht
Quadratisch beide Rahmen seltener, dafür auffällig
Der Fehler, der Rücksendungen erzeugt

Ein Poster im DIN-Format an einen US-Käufer. Er hat keinen Rahmen dafür und bekommt auch keinen, weil DIN dort nicht verbreitet ist.

Und umgekehrt: 11×14 Zoll passt in keinen deutschen Standardrahmen. Das Format gehört zum Markt, genau wie Größentabelle und Maßsystem aus 2.7.

Was das Motiv leisten muss

Ein Posterdesign ist etwas anderes als ein Shirtdesign. Drei Unterschiede.

Shirtmotiv

Wird aus zwei Metern gesehen, meistens im Vorbeigehen. Muss in zwei Sekunden lesbar sein, siehe 9.6.

Steht auf farbigem Grund, braucht Transparenz und hohen Kontrast.

Wird getragen, muss also zur Person passen.

Postermotiv

Wird aus einem Meter betrachtet, oft täglich. Darf Details haben und sollte sie haben.

Hat einen eigenen Grund, also volle Gestaltungsfreiheit bei Farben und Flächen.

Hängt im Raum, muss also zur Einrichtung passen. Dezente Farben verkaufen sich besser als grelle.

Was daraus folgt

Ein Motiv einfach vom Shirt aufs Poster zu übertragen, funktioniert selten. Ein Spruch, der auf der Brust wirkt, wirkt an der Wand oft banal.

Umgekehrt genauso: Ein detailreiches Wandbild verschwindet auf einem Shirt in der Daumennagelansicht.

Die Nischen, in denen Poster besonders stark sind

Nische Warum
Wohnungseinweihung der Anlass verlangt geradezu ein Wandbild
Kinderzimmer Namen, Geburtsdaten, Maße als Personalisierung
Berufsbezug fürs Büro hängt am Arbeitsplatz, wird täglich gesehen
Regionale Motive Stadtkarten, Landschaften, Ortsbezug
Jubiläen und Jahrestage Datum als Personalisierung, hohe Zahlungsbereitschaft

Der Aufstieg zur Leinwand

Dasselbe Motiv, doppelte Marge

Aus 11.2: Poster 11,31 Euro, Leinwand 20,13 Euro. Dasselbe Motiv, dieselbe Recherche, dieselben Texte.

Wenn ein Postermotiv läuft, ist die Leinwand die naheliegendste Erweiterung überhaupt. Sie kostet Dich eine Produktanlage und ein Mockup.

Mit einer Einschränkung

Leinwände sind sperrig. Prüf die Versandkosten in Dein Zielland genau, siehe 6.7, und prüf, ob Dein Anbieter sie im Zielland produziert, siehe 7.3.

Eine Leinwand, die über den Atlantik geht, ist wirtschaftlich das Gegenteil einer guten Idee.

Aufgabe

Poster für Deine Nische prüfen

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