5.8Etsy-Shop eröffnen und für POD einrichten20 Minuten
Der Widerruf bei personalisierten Artikeln
Danach hast Du: Du kannst für jedes Deiner Produkte sagen, ob das Widerrufsrecht besteht, und hast Deine Rücknahmepraxis festgelegt.
Dieser Abschnitt ist noch zu
Der Kurs baut aufeinander auf: Jeder Abschnitt setzt voraus, was in den vorigen entschieden wurde. 5.8 öffnet sich, sobald alles davor abgeschlossen ist.
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Der Punkt, an dem sich bei Print on Demand die meisten irren, und der einzige in diesem Kapitel, an dem der Irrtum unmittelbar Geld kostet.
Ich bin kein Rechtsanwalt. Dieser Abschnitt beschreibt die Systematik und die Fragen, die sich stellen. Ob die Ausnahme für Dein konkretes Produkt greift, gehört anwaltlich geprüft, und zwar bevor Du eine Rücknahme ablehnst.
Der Irrtum
Er klingt so: „Ich lasse auf Bestellung produzieren, also ist alles maßgefertigt, also gibt es kein Widerrufsrecht.“
Die Ausnahme im Gesetz knüpft nicht daran an, wann produziert wird, sondern daran, wonach produziert wird.
Ein Shirt in Größe M mit einem Motiv, das in Deinem Shop für alle sichtbar angeboten wird, ist kein individuell angefertigter Artikel. Es ist ein Katalogartikel, der eben erst nach der Bestellung gedruckt wird.
Was das Gesetz verlangt
§ 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB nimmt vom Widerrufsrecht Waren aus, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers zugeschnitten sind.
Zwei Merkmale, die zusammenkommen müssen: nicht vorgefertigt, und individuell bestimmt durch den Verbraucher.
Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass sich ein Händler auf den Ausschluss auch dann berufen kann, wenn er mit der Herstellung noch nicht begonnen hat. Entscheidend ist der Vertragsinhalt, nicht der Produktionsstand.
Entscheidung vom 21.10.2020 in der Rechtssache C-529/19.
Das nützt Dir aber nur, wenn das erste Merkmal überhaupt erfüllt ist. Und daran hakt es bei Print on Demand.
Auswahl oder Individualisierung
Die entscheidende Unterscheidung, an einer Tabelle.
| Was der Käufer tut | Individualisierung? | Widerrufsrecht |
|---|---|---|
| Größe und Farbe aus Deinem Angebot wählen | nein, das ist Auswahl | besteht |
| Eines Deiner Motive aus dem Shop wählen | nein | besteht |
| Ein Motiv mit seinem eigenen Namen versehen lassen | in aller Regel ja | kann entfallen |
| Einen eigenen Text vorgeben, den Du setzt | in aller Regel ja | kann entfallen |
| Ein eigenes Foto einsenden, das gedruckt wird | in aller Regel ja | kann entfallen |
| Ein Datum oder Koordinaten angeben, die eingesetzt werden | in aller Regel ja | kann entfallen |
Auswählen ist keine Individualisierung. Etwas beisteuern schon.
Wenn der Artikel nach dem Widerruf an einen anderen Käufer verkäuflich wäre, spricht viel dafür, dass keine Individualisierung vorliegt. Ein Shirt mit dem Vornamen eines Fremden ist unverkäuflich, ein Shirt in Größe M nicht.
Was daraus für Deinen Shop folgt
Vierzehn Tage, ohne Begründung. Das ist der Normalfall für den überwiegenden Teil eines POD-Sortiments, und Du solltest damit kalkulieren.
Dann gehört ein entsprechender Hinweis in das Listing und in Deine Belehrung, und der Käufer muss vor der Bestellung erkennen, worauf er verzichtet.
Ein Motiv, das aus zehn vorgegebenen Bausteinen zusammengestellt wird. Ein Name aus einer Liste von fünfzig. Solche Konstruktionen liegen dazwischen und sind nichts, was man aus dem Bauch entscheidet.
Die Rechnung, die man aufmachen sollte
Bei Print on Demand ist eine Rücksendung besonders unangenehm: Der Anbieter hat produziert und will bezahlt werden, die Ware kommt zu Dir statt zu ihm, und ein Shirt mit Deinem Motiv ist nur mit Glück ein zweites Mal verkäuflich.
| Posten bei einem Widerruf | Beispiel |
|---|---|
| Erstattung an den Käufer | − 29,90 € |
| Produktionskosten, bereits gezahlt | − 15,50 € |
| Etsy-Gebühren, teilweise erstattet | unterschiedlich |
| Rücksendekosten, je nach Regelung | bis − 5,00 € |
| Verlust je Fall | rund 20 € |
Die Antwort ist nicht, das Widerrufsrecht wegzudefinieren. Sie ist, die Rücksendequote klein zu halten, und dafür gibt es drei wirksame Hebel: eine ehrliche Größentabelle, Bilder, die die Farbe richtig zeigen, und eine Beschreibung, die den Stoff benennt.
Kapitel 13 und 16 gehen darauf ein. Ein Shop mit guten Größenangaben hat spürbar weniger Rücksendungen als einer ohne, und das wirkt bei jedem Verkauf, nicht nur im Streitfall.
Die Praxisfrage: kulant oder nicht
Auch wo kein Widerrufsrecht besteht, kannst Du zurücknehmen. Ob Du solltest, ist eine Geschäftsentscheidung.
Für Kulanz
Eine schlechte Bewertung wiegt bei einem jungen Shop schwerer als 20 Euro. Und ein Käufer, der zufrieden aus einem Problem herauskommt, kauft eher wieder.
Gegen Kulanz
Bei echter Personalisierung ist der Artikel unverkäuflich. Wer das grundsätzlich erstattet, lädt zum Ausprobieren ein und trägt die Kosten allein.
Bei Standardmotiven unkompliziert zurücknehmen, denn dort gilt das Widerrufsrecht ohnehin. Bei echter Personalisierung im Einzelfall entscheiden und im Zweifel einen Teilbetrag erstatten, statt zwischen ganz oder gar nicht zu wählen.
Und in beiden Fällen: die Ursache notieren. Wenn dreimal dieselbe Größe zurückkommt, liegt es nicht am Käufer.
Aufgabe
Deine Produkte einordnen
Noch 4 Schritte offen.
Diesen Abschnitt hast Du schon abgeschlossen.
