Lektion 5: Den Preis rechnen, bevor Du ihn einträgst
Danach hast Du: Ein durchgerechneter Preis je Startartikel, bei dem nach allen Gebühren etwas übrig bleibt.
Zeitaufwand etwa 45 Minuten
Diese Lektion steht nach dem Listing und vor der Veröffentlichung, und beides hat einen Grund. Nach dem Listing, weil Du erst jetzt genau weißt, was Du anbietest, mit welchen Maßen und welchem Aufwand. Vor der Veröffentlichung, weil ein zu niedriger Preis später schwer zu korrigieren ist: Wer erhöht, verliert die Bewertungen und die Historie nicht, wohl aber das Gefühl, fair zu bleiben.
Der häufigste Fehler auf Etsy ist nicht ein zu hoher Preis. Es ist ein Preis, der ohne Rechnung entstanden ist. Jemand sieht, dass vergleichbare Artikel 24,90 Euro kosten, und nimmt 22,90, um günstiger zu sein. Was davon übrig bleibt, weiß niemand.
Die vier Bestandteile, die in jeden Preis gehören
Material. Alles, was in das Produkt selbst geht, umgerechnet auf ein Stück. Wenn eine Platte Holz 40 Euro kostet und sechs Schilder ergibt, sind das 6,67 Euro je Schild. Verschnitt gehört dazu, nicht abgezogen.
Verpackung und Versandmaterial. Karton, Füllmaterial, Etikett, Klebeband. Klingt nach Kleinbeträgen und liegt in der Praxis oft bei ein bis drei Euro je Sendung.
Arbeitszeit. Der Punkt, den fast alle weglassen, und der Grund, warum viele Shops nach einem Jahr aufgeben, obwohl sie verkaufen. Rechne die Zeit für Herstellung, Verpacken und Kundenkommunikation zusammen und setz einen Stundensatz an.
Gebühren. Etsy nimmt einen Anteil, und der ist höher, als die meisten im Kopf haben. Dazu gleich der genaue Rechenweg.
Was viele zusätzlich vergessen: die Zeit für das Fotografieren und das Anlegen des Listings. Die fällt einmal je Artikel an, nicht je Verkauf. Wenn Du einen Artikel hundertmal verkaufst, ist sie vernachlässigbar. Wenn Du ihn dreimal verkaufst, nicht.
Die Etsy Gebühren im Einzelnen
Drei Posten fallen regelmäßig an.
Die Einstellgebühr beträgt 0,20 US-Dollar je Artikel und gilt für vier Monate oder bis zum Verkauf. Verkauft sich der Artikel, wird das Listing üblicherweise automatisch erneuert, was erneut 0,20 US-Dollar kostet.
Die Transaktionsgebühr beträgt 6,5 Prozent. Wichtig ist die Bemessungsgrundlage: Sie fällt auf den Artikelpreis und die Versandkosten an, nicht nur auf den Artikel. Wer Versandkosten in den Artikelpreis einrechnet, ändert daran nichts.
Die Zahlungsbearbeitungsgebühr liegt in Deutschland bei 4,0 Prozent plus 0,30 Euro je Bestellung.
Dazu kommen mögliche Kosten für Etsy Ads, wenn Du sie schaltest, und für Offsite Ads. Letztere werden fällig, wenn ein Verkauf über eine externe Anzeige zustande kommt, die Etsy geschaltet hat. Der Satz liegt je nach Umsatz bei 12 oder 15 Prozent. Bei kleinen Shops ist die Teilnahme optional.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Nimm ein Schild, das Du für 32 Euro anbietest, plus 4,90 Euro Versand. Der Kunde zahlt 36,90 Euro.
Die Transaktionsgebühr von 6,5 Prozent auf 36,90 Euro sind 2,40 Euro. Die Zahlungsbearbeitung von 4,0 Prozent auf 36,90 Euro sind 1,48 Euro, plus 0,30 Euro macht 1,78 Euro. Die anteilige Einstellgebühr liegt bei etwa 0,18 Euro.
Zusammen sind das rund 4,36 Euro Gebühren. Es bleiben 32,54 Euro.
Davon geht das Porto ab, sagen wir 4,50 Euro, dazu 1,20 Euro Verpackung. Bleiben 26,84 Euro. Material für 6,67 Euro abgezogen, bleiben 20,17 Euro.
Wenn Du 45 Minuten daran arbeitest, hast Du einen Stundenlohn von gut 26 Euro, aus dem Du noch Steuern und Deine sonstigen Kosten bezahlst. Das ist ein tragfähiger Wert. Hättest Du 22,90 Euro genommen, wären es rund 12 Euro Stundenlohn vor Steuern.
Diesen Rechenweg gehst Du für jeden Deiner drei Artikel durch. Es dauert beim ersten zehn Minuten und beim dritten drei.

Ein durchgerechnetes Beispiel. Die Balken zeigen, wie viel jeder Posten vom Gesamtbetrag nimmt.
Der Stundensatz, den Du ansetzen solltest
Hier hakt es bei den meisten, weil sich ein Stundensatz nach Anmaßung anfühlt, solange man noch nichts verkauft hat.
Trotzdem: Setz ihn an. Auch niedrig, aber setz ihn an. Wer mit null rechnet, baut sich einen Betrieb, der nur funktioniert, solange die eigene Zeit nichts wert ist. Das hält niemand über Jahre durch.
Ein brauchbarer Startwert für Handarbeit liegt bei 15 bis 25 Euro je Stunde. Das ist kein Gewinn, das ist Dein Arbeitslohn, aus dem noch Steuern und Sozialabgaben kommen.
Wenn der so gerechnete Preis deutlich über dem Marktniveau liegt, hast Du eine echte Information gewonnen, keine schlechte Nachricht. Sie lautet: Dieses Produkt ist in dieser Machart nicht tragfähig. Dann änderst Du die Machart, den Zuschnitt oder das Produkt. Nicht den Stundensatz.
Versandkosten sichtbar oder eingerechnet
Zwei Wege sind üblich, und beide sind vertretbar.
Versandkosten getrennt ausweisen: ehrlicher in der Darstellung, und Du zahlst die Transaktionsgebühr auf die Summe, also auch auf den Versand. Für Käufer wirkt ein niedrigerer Artikelpreis attraktiver, bis sie die Versandkosten sehen.
Kostenloser Versand mit eingerechneten Kosten: Etsy bevorzugt Artikel mit kostenlosem Versand in der Darstellung, besonders bei Bestellungen über einem bestimmten Betrag. Der Nachteil: Bei sehr unterschiedlichen Versandzonen rechnest Du entweder zu knapp oder verteuerst den Artikel für alle.
Was ich am Anfang empfehle: getrennt ausweisen, bis Du weißt, wohin Du tatsächlich lieferst. In Lektion 7 legst Du die Versandprofile an, und dort siehst Du, wie unterschiedlich die Sätze ausfallen. Danach kannst Du immer noch umstellen.
Wichtig ist nur eines: Rechne die Versandkosten in beiden Fällen in Deine Kalkulation ein, nicht nur in das Feld bei Etsy.
Was Du jetzt noch nicht anfassen solltest
Rabatte, Aktionen und Gutscheine sind an dieser Stelle verfrüht. Wer einen Preis kalkuliert und ihn sofort um 20 Prozent senkt, hat den Preis nicht kalkuliert.
Auch Staffelpreise und Mengenrabatte brauchst Du am Anfang nicht. Sie sind ein Werkzeug für Shops, die wissen, wie ihre Kunden bestellen.
Was Du dagegen einplanen solltest: einen Puffer. Etsy ändert Gebühren, Porto steigt, Material wird teurer. Wer auf Kante rechnet, rechnet nach jeder Änderung neu. Zwei bis drei Euro Luft im Preis ersparen Dir das.
Arbeitsblatt: Kalkulation je Artikel
Eine Seite je Artikel: Selbstkosten, alle Etsy Gebühren mit Rechenweg, was übrig bleibt, der Stundenlohn daraus und der Vergleich mit der Marktspanne.
Arbeitsblatt herunterladen (PDF)Rechne Deine drei Preise durch
Diese Lektion ist erst fertig, wenn alle Schritte erledigt sind. Hak sie einzeln ab, dann öffnet sich die nächste Lektion.
Wenn Du an dieser Stelle tiefer willst
Für den Kurs brauchst Du das nicht. Diese Beiträge gehen weiter, falls Dich ein Punkt genauer interessiert.
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