7.9Gelato als Alternative und Ergänzung15 Minuten

Wann ein zweiter Anbieter sinnvoll wird

Danach hast Du: Du kennst die vier Anlässe für einen zweiten Anbieter und den Ablauf, mit dem Du ihn einführst.

Der zweite Anbieter kommt aus einem Anlass, nicht aus Vorsorge. Es gibt vier.

Anlass 1: Der zweite Markt

Der eindeutigste Fall

Wenn Du in beide Märkte verkaufst, brauchst Du Produktion in Europa und in den USA. Das ist keine Optimierung, sondern eine Notwendigkeit, siehe 2.6.

Ob dafür ein zweiter Anbieter nötig ist, hängt davon ab, ob Dein bisheriger in beiden Regionen produziert. Beim Netzprinzip kann ein Produkt beides bedienen, siehe 7.3.

Anlass 2: Ein Produkt fehlt

Der häufigste Fall im Alltag. Du hast eine Idee, das Produkt ist beim Hauptanbieter nicht im Katalog oder nicht in Deinem Land verfügbar.

Erst prüfen, ob es sich lohnt

Ein zweiter Anbieter für ein einzelnes Produkt bedeutet einen zweiten Partnereintrag, ein zweites Versandprofil und eine zweite Belegquelle. Für ein Produkt, das drei Verkäufe im Jahr macht, ist das zu viel.

Für ein tragendes Produkt ist es in Ordnung

Wenn das fehlende Produkt eine eigene Nische bedient, rechtfertigt es den Aufwand. Ein zweites Konto für einen einzelnen Artikel ist völlig in Ordnung.

Anlass 3: Die Qualität stimmt nicht

Woran Du es erkennst

Zwei oder mehr Bewertungen mit demselben Hinweis. „Druck wirkt blass“, „Naht schief“, „Stoff dünner als erwartet“. Zwei gleiche Hinweise sind kein Zufall.

Und ein Anstieg bei Nachrichten und Rücksendungen ohne erkennbaren anderen Grund.

Bevor Du wechselst, prüf drei Dinge: Hat der Anbieter die Druckerei gewechselt? Hat sich das Druckverfahren geändert? Ist das Blank durch ein anderes ersetzt worden? Alle drei kommen vor, und alle drei erklären einen plötzlichen Qualitätsabfall.

Anlass 4: Der Ausfall

Der Anlass, den man nicht plant und für den man vorbereitet sein sollte.

Was passieren kann Was es für Dich bedeutet
Ein Basisprodukt wird ausgelistet Deine Listings dafür stehen leer
Eine Druckerei fällt aus oder wird ausgetauscht andere Preise, andere Laufzeiten, andere Varianten
Preise steigen deutlich Marge sinkt, ohne dass sich bei Dir etwas ändert
Der Anbieter hat eine Störung Bestellungen bleiben liegen, Käufer warten
Deshalb: ein zweites Konto, auch ungenutzt

Ein angelegtes und eingerichtetes Konto beim zweiten Anbieter kostet nichts und verkürzt die Reaktionszeit im Ernstfall von Tagen auf Stunden.

Steuerangaben eintragen, Etsy verbinden, Zahlungsart hinterlegen. Danach liegt es da, bis Du es brauchst.

Der Ablauf beim Umstellen

Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge
  1. Beim neuen Anbieter das Produkt anlegen und ein Muster bestellen. Nicht umstellen, bevor Du es in der Hand hattest.
  2. Im Etsy-Shop einen zweiten Produktionspartner anlegen, mit dem richtigen Produktionsland, siehe 5.4.
  3. Ein zweites Versandprofil anlegen, nach den Zeiten des neuen Anbieters, siehe 5.9.
  4. Die betroffenen Listings umstellen: neuer Partnereintrag, neues Versandprofil, neue Größentabelle, gegebenenfalls neue Mockups.
  5. Das alte Produkt beim alten Anbieter nicht sofort löschen. Erst, wenn die letzten offenen Bestellungen abgewickelt sind.
Der Punkt, den man vergisst

Die Größentabelle. Wenn das neue Blank von einem anderen Hersteller stammt, stimmen die Maße nicht mehr. Eine alte Tabelle im Listing produziert Rücksendungen, und zwar sofort.

Dasselbe gilt für Farbnamen und Farbbilder: „Heather Grey“ ist bei zwei Herstellern zweimal etwas anderes.

Was Du nicht tust

Falsch

Alle Produkte auf einmal umstellen. Wenn dabei etwas schiefgeht, betrifft es den ganzen Shop.

Umstellen ohne Muster. Der neue Anbieter kann schlechter sein als der alte, und dann hast Du den Aufwand zweimal.

Richtig

Mit dem meistverkauften Produkt anfangen, Muster bestellen, umstellen, zwei Wochen beobachten.

Danach die übrigen in Gruppen, mit einer Woche Abstand. Bei Problemen betrifft es eine Gruppe, nicht alles.

Zum Mitnehmen

Vier Anlässe: zweiter Markt, fehlendes Produkt, Qualitätsabfall, Ausfall. Alles andere ist kein Grund für einen zweiten Anbieter, sondern Ablenkung.

Und ein zweites, eingerichtetes Konto ohne Produkte ist keine Doppelarbeit, sondern Deine Rückfalloption.

Aufgabe

Deine Auslöser festlegen

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