Die meisten Verkäufer recherchieren ihre Tags nicht. Sie fallen ihnen ein. Man sitzt vor dem fertigen Produkt, denkt sich dreizehn Begriffe aus, die dazu passen, und trägt sie ein. Das dauert vier Minuten und fühlt sich nach Arbeit an.

Das Problem daran ist nicht, dass die Begriffe falsch wären. Sie beschreiben das Produkt meistens sehr genau. Sie beschreiben nur nicht, was Menschen in das Suchfeld tippen, wenn sie so etwas suchen. Und danach fragt Etsy.

Der Unterschied zwischen Raten und Recherchieren ist keine Frage von Werkzeugen für 30 Euro im Monat. Etsy selbst legt Dir die Daten hin, die Du brauchst. Sie sind nur an vier verschiedenen Stellen versteckt, und keine davon heißt „Keyword-Recherche”.

Warum die Frage nach den besten Tags in die Irre führt

Es gibt keinen besten Tag. Es gibt nur Begriffe, für die Du eine Chance hast, und Begriffe, für die Du keine hast.

„Geschenk” wird sehr oft gesucht. Dahinter stehen Millionen Artikel. Deine zwölf Listings tauchen dort nicht auf, egal wie gut sie sind. „Personalisierte Holzkiste Hochzeit” wird viel seltener gesucht, aber dort konkurrierst Du mit ein paar hundert statt mit Millionen.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht: Welcher Tag ist der beste? Sondern: Welcher Begriff bringt genug Suchanfragen, damit sich die Arbeit lohnt, und hat wenig genug Wettbewerb, damit ich überhaupt sichtbar werde? Genau dieses Verhältnis lässt sich messen.

Quelle eins: der Marktbericht, den Etsy Dir kostenlos gibt

Etsy hat im Verkäuferbereich einen Marktbericht eingebaut, den erstaunlich wenige nutzen. Du gibst einen Suchbegriff ein und bekommst zurück, wie oft danach in den vergangenen 30 Tagen gesucht wurde, wie viele Artikel dafür angeboten werden und welche verwandten Begriffe die Leute außerdem eingeben.

Das ist genau das Verhältnis aus dem vorigen Abschnitt, direkt aus Etsys eigenen Zahlen. Keine Schätzung eines Drittanbieters, sondern die Suchen, die tatsächlich stattgefunden haben.

Der Haken: Du hast 15 Abfragen pro Woche. Das klingt wenig und ist es auch. Deshalb solltest Du nicht wahllos Begriffe eintippen, sondern Dir vorher auf einem Zettel notieren, welche fünfzehn Du wirklich wissen willst. Ergebnisse werden sieben Tage zwischengespeichert, ein bereits abgefragter Begriff kostet Dich also kein zweites Guthaben.

Mein Vorgehen: Ich sammle über die Woche Begriffe, die mir aus den anderen Quellen zufliegen, und frage sie gesammelt ab. Das Guthaben ist damit nie verschwendet.

Quelle zwei: der Suchbegriffsbericht aus Etsy Ads

Das ist die ehrlichste Datenquelle, die Etsy hergibt, und sie liegt an einer Stelle, an der niemand sie sucht.

Wenn Du Anzeigen schaltest, zeigt Etsy Dir je Listing, über welche Suchbegriffe Deine Anzeige in den letzten 30 Tagen ausgeliefert wurde. Das sind keine Vorschläge und keine Hochrechnungen. Das sind die Wörter, die echte Menschen eingetippt haben, bevor sie Deinen Artikel gesehen haben.

Der Trick dabei: Diese Begriffe gelten auch für die unbezahlte Suche. Wenn Etsy Dein Listing bei einem Suchbegriff für relevant genug hält, um es als Anzeige auszuspielen, hältst Du dort auch organisch eine Chance. Umgekehrt: Taucht ein Begriff, den Du für zentral hältst, in diesem Bericht nie auf, ordnet Etsy Dein Listing ihm nicht zu.

Deshalb lohnt sich ein kleines Anzeigenbudget selbst dann, wenn die Anzeigen sich nicht rechnen. Du kaufst Dir Daten, die es sonst nirgends gibt. Was Anzeigen kosten und wann sie sich lohnen, steht ausführlich unter Etsy Ads.

Quelle drei: die Suchvorschläge, richtig gelesen

Tipp den Anfang Deines Suchbegriffs in die Etsy-Suche und sieh Dir an, was vorgeschlagen wird. Diese Liste ist nicht zufällig, sie speist sich aus tatsächlichen Suchanfragen.

Zwei Dinge machen den Unterschied zwischen oberflächlichem und brauchbarem Lesen. Erstens: Melde Dich vorher ab oder nutze ein privates Fenster, sonst mischt Etsy Deine eigene Suchhistorie hinein und Du siehst, wonach Du selbst gesucht hast. Zweitens: Geh nicht nur den Anfang durch, sondern setze auch mittendrin an. „Holzkiste personalisiert” bringt andere Vorschläge als „personalisierte Holzkiste”.

Was Du hier bekommst, sind Formulierungen, nicht Zahlen. Die Vorschläge sagen Dir, wie Menschen formulieren. Wie oft sie das tun, sagt Dir erst der Marktbericht.

Quelle vier: die Shops, die über Dir stehen

Sieh Dir die drei Listings an, die bei Deinem wichtigsten Suchbegriff oben stehen. Nicht, um abzuschreiben, sondern um zu verstehen, welche Wortkombinationen Etsy dort für passend hält.

Achte dabei auf den Titelanfang. Die ersten Wörter im Titel wiegen schwerer als der Rest, und wer oben steht, hat dort meistens keinen Zufall stehen. Achte außerdem darauf, ob es sich um einen alten Shop mit tausend Bewertungen handelt. Dann rankt das Listing möglicherweise nicht wegen seiner Begriffe, sondern trotz ihnen.

Was Du nicht tun solltest: die Tags eines erfolgreichen Shops eins zu eins übernehmen. Sie passen zu dessen Produkt, dessen Bildern und dessen Verkaufshistorie. Bei Dir fehlen alle drei.

Quelle fünf: die Fragen Deiner Kunden

Wenn Dir jemand eine Nachricht schreibt, benutzt er die Wörter, die er auch in die Suche eingeben würde. „Kann man da auch ein Datum reingravieren?” ist ein Hinweis auf „mit Datum” und „Gravur Datum”, nicht auf „personalisierbar”.

Dasselbe gilt für Bewertungen. Menschen schreiben dort, wofür sie das Produkt gekauft haben: zur Einschulung, als Geschenk für die Schwiegermutter, für den Garten. Das sind Anlässe, und Anlässe werden gesucht.

Diese Quelle ist die langsamste, aber die einzige, die Dir Wörter liefert, auf die kein Werkzeug kommt.

Was ChatGPT und Gemini dabei können und was nicht

Hier wird viel Unsinn verbreitet, deshalb deutlich: Weder ChatGPT noch Gemini kennen die Suchvolumina von Etsy. Wenn Du nach Suchzahlen fragst, bekommst Du Zahlen, die überzeugend klingen und erfunden sind. Sie stehen in keiner Datenbank, auf die ein Sprachmodell zugreift.

Wozu die Modelle taugen, ist die Stufe davor: Formulierungen sammeln. Beschreibe Dein Produkt in drei Sätzen und lass Dir dreißig Suchanfragen ausgeben, die ein Käufer dazu eintippen könnte, aufgeteilt nach Anlass, Empfänger, Material und Stil. Dabei kommen regelmäßig Wörter heraus, an die man selbst nicht denkt, weil man zu nah am eigenen Produkt sitzt.

Diese dreißig Vorschläge sind Kandidaten, keine Ergebnisse. Sie gehen anschließend in den Marktbericht, und dort entscheidet sich, welche davon Substanz haben. Genau in dieser Reihenfolge: KI für die Breite, Etsy für die Zahlen.

Vom Zettel zu dreizehn Tags

Am Ende der Recherche hast Du dreißig bis fünfzig Begriffe. Dreizehn Plätze hast Du, jeder darf höchstens zwanzig Zeichen lang sein.

Ich teile sie so auf: zwei bis drei Tags für das, was der Artikel ist. Drei bis vier für den Anlass, zu dem er gekauft wird. Zwei bis drei für Material, Farbe oder Stil. Zwei bis drei für die Person, die ihn bekommt. Ein bis zwei zum Ausprobieren.

Einzelne Wörter verschenken Plätze. „Kiste” bringt Dich nirgends nach vorn, „Erinnerungskiste Baby” schon. Die Zwanzig-Zeichen-Grenze zwingt Dich dabei zu Zweiwortkombinationen, und das ist keine Einschränkung, sondern eine Hilfe. Wie Du lange Begriffe kürzt, ohne dass sie ihre Bedeutung verlieren, steht im ausführlichen Beitrag zu Etsy Tags.

Und der wichtigste Punkt: Tags und Titel arbeiten zusammen, nicht gegeneinander. Was im Titel steht, muss nicht wortgleich in die Tags. Wie Du beides aufeinander abstimmst, steht unter Etsy Titel schreiben.

Wann Du das Ergebnis beurteilen darfst

Nicht nach drei Tagen. Etsy braucht Zeit, um ein geändertes Listing neu einzuordnen, und Deine Statistik braucht genug Aufrufe, damit die Zahlen etwas bedeuten.

Ich sehe frühestens nach 30 Tagen nach, und ich ändere in dieser Zeit nichts weiter an dem Listing. Wer alle fünf Tage nachbessert, weiß am Ende nicht, welche Änderung gewirkt hat, und fängt wieder von vorn an zu raten.

Was Du dann ansiehst: Kommen mehr Aufrufe aus der Etsy-Suche? Nicht: Habe ich mehr verkauft. Tags beeinflussen, ob Du gefunden wirst. Ob dann jemand kauft, entscheiden Deine Bilder und Dein Preis.

Die Kurzfassung

  • Es gibt keine besten Tags, nur ein gutes Verhältnis aus Suchanfragen und Wettbewerb.
  • Der Marktbericht im Verkäuferbereich liefert genau dieses Verhältnis, 15 Abfragen pro Woche.
  • Der Suchbegriffsbericht aus Etsy Ads zeigt Dir echte Suchanfragen zu Deinen Listings. Ein kleines Budget kauft Dir Daten, die es sonst nirgends gibt.
  • ChatGPT und Gemini sammeln Formulierungen, sie kennen keine Suchzahlen. Erfundene Volumina sind der häufigste Fehler.
  • Beurteile das Ergebnis frühestens nach 30 Tagen, und ändere in dieser Zeit nichts anderes.

Mein Fazit zur Tag-Recherche

Die Recherche ist die Arbeit, das Eintragen dauert vier Minuten. Wer diese Reihenfolge umdreht, wundert sich dauerhaft über ausbleibende Aufrufe und tauscht dann alle paar Wochen Wörter gegen andere Wörter, ohne je zu wissen, warum.

Was mich am meisten überrascht hat, als ich anfing systematisch vorzugehen: Die besten Begriffe standen fast nie auf meiner ersten Liste. Sie kamen aus dem Anzeigenbericht und aus Kundennachrichten, also von den Menschen selbst. Meine eigenen Einfälle beschrieben zuverlässig mein Produkt und zuverlässig daneben.

Rechne mit einer Stunde für das erste Listing. Beim fünften bist Du bei zwanzig Minuten, weil sich die Begriffe innerhalb einer Produktgruppe wiederholen.

Häufige Fragen zur Tag-Recherche

Wie viele Tags soll ich verwenden? Alle dreizehn, immer. Jeder freie Platz ist eine Suchanfrage, für die Du nicht in Frage kommst. Es gibt keinen Vorteil darin, weniger zu setzen.

Muss ich für die Recherche Geld ausgeben? Nein. Marktbericht, Suchvorschläge, Kundennachrichten und Bewertungen kosten nichts. Nur der Suchbegriffsbericht setzt ein Anzeigenbudget voraus, und das kann sehr klein sein.

Soll ich einzelne Wörter oder Wortgruppen nehmen? Wortgruppen. Einzelne Wörter landen in Bereichen mit zu viel Wettbewerb. Zwei bis drei Wörter je Tag sind die brauchbare Regel, mehr passt selten in zwanzig Zeichen.

Wie oft soll ich die Tags ändern? Selten. Gib jeder Änderung 30 Tage, bevor Du sie beurteilst. Ständiges Wechseln verhindert, dass Du je erfährst, was gewirkt hat.

Bringen englische Tags etwas, wenn ich in Deutschland verkaufe? Nur wenn Du auch international verkaufst und Deine Listings übersetzt sind. Sonst verschenkst Du Plätze an Suchanfragen, die Dich nicht erreichen.

Kann ich die Tags eines erfolgreichen Shops übernehmen? Technisch ja, sinnvoll nein. Dessen Ranking hängt an Bildern, Bewertungen und Verkaufshistorie, die Du nicht mitkopierst. Nutze fremde Listings, um Formulierungen zu verstehen, nicht um sie abzuschreiben.

Was mache ich, wenn ein Begriff gar keine Suchanfragen hat? Weglassen. Ein Tag ohne Suchvolumen kostet Dich einen von dreizehn Plätzen und bringt nichts zurück, egal wie gut er Dein Produkt beschreibt.

Ich habe alles geändert und es passiert nichts. Woran liegt das? Häufig nicht an den Tags. Wenn Du Aufrufe bekommst, aber keine Verkäufe, liegt es an Bildern, Preis oder Beschreibung. Tags entscheiden nur darüber, ob Du überhaupt gefunden wirst.