Vertiefung

Etsy Produktideen bewerten: Nachfrage, Wettbewerb, Marge

Ein festes Verfahren, um Etsy-Produktideen vor der Produktion zu prüfen: Nachfragesignale, Wettbewerbsniveau, Deckungsbeitrag und die Punkte, an denen Ideen scheitern.

Von Oliver Wrase24 Min. LesezeitStand

Produktideen scheitern selten an mangelnder Kreativität. Sie scheitern daran, dass niemand sie geprüft hat, bevor Material bestellt wurde.

Der typische Verlauf sieht so aus: Eine Idee wirkt überzeugend, weil sie neu ist. Sie wird umgesetzt, weil sie überzeugend wirkt. Sie wird eingestellt, und dann passiert wenig. Nach drei Monaten steht die Frage im Raum, woran es lag: und weil vorher nichts festgehalten wurde, gibt es keine Antwort. Also kommt die nächste Idee, und der Kreis beginnt von vorn.

Ein Bewertungsverfahren beendet diesen Kreis. Es ist nicht kompliziert und es dauert je Idee etwa eine Stunde. Es besteht aus drei Prüfungen, die in einer festen Reihenfolge stehen: Gibt es Nachfrage? Ist der Wettbewerb schlagbar? Bleibt Geld übrig? Fällt eine Idee bei einer Prüfung durch, hörst Du auf, die weiteren Prüfungen sind dann verschwendete Zeit.

Der Überblick zum Thema beschreibt, wo Nischen entstehen. Dieser Beitrag geht eine Ebene tiefer: Wie prüfst Du eine konkrete Produktidee, welche Zahlen brauchst Du dafür, und woran erkennst Du eine Idee, die Du besser liegen lässt.

Warum die Reihenfolge der Prüfungen zählt

Die drei Prüfungen sind nicht gleichwertig. Sie stehen in einer Rangfolge, und diese Rangfolge spart Dir den größten Teil der Arbeit.

Nachfrage kommt zuerst, weil sie sich nicht herstellen lässt. Du kannst einen Preis ändern, ein Foto neu machen, einen Titel umschreiben. Du kannst nicht dafür sorgen, dass Menschen nach etwas suchen, wonach sie nicht suchen. Eine Idee ohne Nachfrage ist erledigt, egal wie gut alles andere aussieht.

Wettbewerb kommt als zweites, weil er darüber entscheidet, ob Du die vorhandene Nachfrage erreichen kannst. Nachfrage, die vollständig von fünf etablierten Shops bedient wird, nützt Dir wenig.

Die Marge kommt zuletzt, weil sie die aufwendigste Prüfung ist. Du musst Material kalkulieren, Zeit stoppen, Versandkosten ermitteln und Gebühren durchrechnen. Diese Stunde investierst Du erst, wenn die ersten beiden Prüfungen bestanden sind.

Der praktische Effekt: Von zehn Ideen fallen sechs bei der ersten Prüfung, zwei bei der zweiten, und Du rechnest nur noch zwei durch. Wer in umgekehrter Reihenfolge arbeitet, kalkuliert zehn Produkte, von denen acht nie relevant werden.

Ablauf der drei Prüfungen Nachfrage, Wettbewerb und Marge mit Begründung der Reihenfolge

Die Reihenfolge ist der eigentliche Zeitgewinn: Von zehn Ideen werden am Ende nur zwei durchgerechnet.

Nachfragesignal eins: die Suchvorschläge

Das erste Signal ist kostenlos, kommt direkt von Etsy und braucht fünf Minuten.

Tippe die Bezeichnung Deines Produkts in das Suchfeld und sieh Dir an, was Etsy ergänzt. Diese Vorschläge beruhen auf tatsächlichen Eingaben von Nutzern. Sie sind keine Schätzung und keine Hochrechnung.

Was ein gutes Ergebnis ist: Etsy schlägt mehrere Ergänzungen vor, und diese Ergänzungen beschreiben verschiedene Ausprägungen Deines Produkts, Material, Anlass, Empfänger, Größe. Das zeigt, dass die Nachfrage nicht nur existiert, sondern differenziert ist. Differenzierte Nachfrage ist die Voraussetzung dafür, dass Du mit einem spezialisierten Angebot überhaupt eine Chance hast.

Was ein schlechtes Ergebnis ist: keine Vorschläge, oder nur Vorschläge, die in eine ganz andere Richtung führen. Wenn Du „Kerzenhalter Beton“ eintippst und Etsy nur „Kerzenhalter Holz“ ergänzt, sagt das etwas.

Was Du daraus mitnimmst: Notiere alle Ergänzungen wörtlich. Sie sind später Dein Rohmaterial für Titel und Tags, und schon jetzt Dein Hinweis darauf, welche Ausprägung des Produkts die gefragteste ist. Wie Du aus solchen Phrasen brauchbare Suchbegriffe machst, steht unter Etsy SEO.

Nachfragesignal zwei: frische Bewertungen im Feld

Das zweite Signal ist das ehrlichste, das Du ohne Zugang zu Etsys Daten bekommst.

Öffne die ersten zehn bis fünfzehn Ergebnisse zu Deinem Begriff. Sieh Dir bei jedem Shop die Bewertungen an, nicht die Gesamtzahl, sondern die Daten der jüngsten Einträge. Bewertungen aus den letzten vier Wochen bedeuten laufende Verkäufe. Bewertungen, deren jüngste aus dem Vorjahr stammt, bedeuten einen ruhenden Shop.

Warum Bewertungen und nicht Verkaufszahlen: Etsy weist Verkaufszahlen fremder Shops nicht artikelgenau aus. Werkzeuge, die solche Zahlen nennen, rechnen sie hoch. Bewertungen dagegen sind unmittelbar sichtbar und werden von Etsy angezeigt, ohne dass jemand dazwischen schätzt.

Was Du beachten musst: Längst nicht jeder Käufer bewertet. Die Bewertungsanzahl ist deshalb kein Verkaufszähler, sondern ein Bruchteil davon, und wie groß dieser Bruchteil ist, weißt Du nicht. Als Vergleichsmaßstab zwischen mehreren Ideen funktioniert die Zahl trotzdem gut, weil der Bruchteil in ähnlichen Produktgruppen ähnlich ausfällt.

Die Schwelle, die ich anlege: Mindestens fünf Anbieter in den oberen Ergebnissen sollten Bewertungen aus den letzten vier Wochen haben. Weniger ist ein Warnsignal. Null ist ein Ausschlussgrund.

Nachfragesignal drei: bezahlte Anzeigen über der Liste

Das dritte Signal wird selten genutzt und ist erstaunlich verlässlich.

Sieh Dir an, wie viele der oberen Ergebnisse als Anzeige gekennzeichnet sind. Wenn dort durchgehend beworbene Artikel stehen, gibt es Verkäufer, die für diesen Suchbegriff Geld ausgeben, und zwar dauerhaft, denn ein Budget, das nichts einbringt, wird schnell wieder abgeschaltet.

Was das aussagt: Der Begriff bringt Käufe. Das ist ein Rückschluss aus dem Verhalten anderer Verkäufer, keine Zahl von Etsy. Aber es ist ein Rückschluss, der wenig kostet und selten trügt.

Was das gleichzeitig bedeutet: Der Begriff ist umkämpft. Wenn Du in dieses Feld willst, konkurrierst Du nicht nur um organische Plätze, sondern gegen Werbebudgets. Das ist kein Ausschlussgrund, aber es verändert Deine Erwartung an die ersten Monate.

Der brauchbare Zustand ist eine Mischung: ein bis drei Anzeigen über der Liste, danach organische Ergebnisse mit erkennbaren Schwächen. Viel Werbung und gleichzeitig starke organische Ergebnisse heißt: Das Feld ist erschlossen.

  • Ergänzt Etsy Deinen Begriff überhaupt, und beschreiben die Vorschläge verschiedene Ausprägungen?
  • Notiere jede Ergänzung wörtlich. Sie ist später Rohmaterial für Titel und Tags
  • Haben mindestens fünf Anbieter in den oberen Ergebnissen Bewertungen aus den letzten vier Wochen?
  • Sieh auf die Daten der jüngsten Einträge, nicht auf die Gesamtzahl der Bewertungen
  • Stehen ein bis drei Anzeigen über der Liste, gefolgt von organischen Ergebnissen mit Schwächen?
  • Null frische Bewertungen im Feld ist ein Ausschlussgrund, kein Warnsignal

Was Werkzeuge liefern können, und was nicht

Es gibt eine Reihe von Werkzeugen, die Suchvolumen, Wettbewerb und geschätzte Verkäufe fremder Shops anzeigen. Sie sind nützlich, wenn man weiß, was sie sind.

Was sie sind: Hochrechnungen. Diese Anbieter haben keinen Zugang zu Etsys Verkaufsdaten. Sie beobachten öffentlich sichtbare Merkmale, Bewertungen, Listing-Alter, Position, Favoriten, und leiten daraus Schätzungen ab. Die Modelle sind teilweise gut, aber es bleiben Modelle.

Wofür sie taugen: für Vergleiche und Größenordnungen. Wenn ein Werkzeug für Idee A ein Vielfaches der Nachfrage von Idee B ausweist, ist die Richtung wahrscheinlich richtig, auch wenn die absoluten Zahlen daneben liegen. Für die Vorauswahl aus zwanzig Kandidaten ist das ein echter Zeitgewinn.

Wofür sie nicht taugen: als Grundlage einer Investitionsentscheidung. Wer wegen einer geschätzten Monatszahl Material für tausend Euro bestellt, hat eine Schätzung mit einer Tatsache verwechselt. Einen ausführlichen Blick auf ein solches Werkzeug findest Du unter EverBee für Etsy.

Was ich empfehle: Nutze Werkzeuge für die Vorauswahl und Etsys eigene Signale für die Entscheidung. Suchvorschläge, Bewertungsdaten und die Sichtbarkeitsseite in Deiner Shop-Statistik stammen von Etsy selbst und sind damit belastbarer als jede Rekonstruktion von außen.

Die Wettbewerbsprüfung: gegen wen Du wirklich antrittst

Die zweite Prüfung beantwortet die Frage, ob Du die vorhandene Nachfrage erreichen kannst. Sie dauert zwanzig Minuten.

Öffne die ersten vierzig Ergebnisse und zähle drei Dinge. Erstens: Wie viele davon sind wirklich Dein Produkt und nicht nur zufällig passende Treffer? Diese Zahl ist Dein tatsächliches Wettbewerbsfeld, oft ein Bruchteil der angezeigten Gesamtzahl.

Zweitens: Auf wie viele verschiedene Shops verteilen sich die oberen zwanzig? Vier Shops mit je fünf Listings ist eine andere Lage als zwanzig Shops mit je einem. Im ersten Fall haben wenige Anbieter das Feld erschlossen. Im zweiten ist es offen.

Drittens: Wie gut sind sie? Sieh Dir die ersten Bilder in Daumennagelgröße an. Sind die Produkte erkennbar? Sind die Titel lesbar oder aneinandergereihte Schlagworte? Enthalten die Beschreibungen Maße, Material und Pflegehinweise?

Der Befund, den Du suchst: hohe Nachfrage, viele verschiedene Anbieter, mittelmäßige Ausführung. Das ist die Lage, in der Sorgfalt gewinnt, und Sorgfalt ist der einzige Wettbewerbsvorteil, der ohne Kapital zu haben ist.

Der Befund, der abschreckt: Alle oberen zwanzig haben professionelle Fotos, saubere Titel, vierstellige Bewertungszahlen und Preise, die Deine Kalkulation unterbieten. Dann brauchst Du ein echtes Produktargument, keine bessere Ausführung.

Der Befund, den Du suchst

Hier gewinnt Sorgfalt, der einzige Vorteil, der ohne Kapital zu haben ist.

  • Hohe Nachfrage mit frischen Bewertungen
  • Viele verschiedene Anbieter, keiner beherrscht das Feld
  • Mittelmäßige Fotos, Titel und Beschreibungen

Der Befund, der abschreckt

Hier brauchst Du ein echtes Produktargument, keine bessere Ausführung.

  • Alle oberen zwanzig mit professionellen Fotos
  • Vierstellige Bewertungszahlen und saubere Titel
  • Preise, die Deine Kalkulation unterbieten

Die Lückensuche innerhalb des Wettbewerbs

Auch in gut besetzten Feldern gibt es fast immer Stellen, an die sich niemand gesetzt hat. Sie zu finden ist die produktivste halbe Stunde der ganzen Bewertung.

Größen. Gibt es das Produkt nur in einer Größe? Sehr große und sehr kleine Ausführungen fehlen häufig, obwohl in den Bewertungen danach gefragt wird.

Materialien und Farben. Wenn achtzig Prozent der Ergebnisse in Naturholz sind, ist die dunkle Ausführung eine Lücke. Farben lassen sich billig prüfen und schnell ergänzen.

Anlässe. Das ist die ergiebigste Stelle. Wenn alle „Geburtstag“ und „Weihnachten“ bedienen und niemand „Ruhestand“, „Genesung“, „Firmung“ oder „Richtfest“, hast Du eine Reihe von Suchanfragen ohne Konkurrenz.

Sets und Kombinationen. Einzelstücke sind Standard, Sets sind es selten. Ein Set hebt den Bestellwert und ist gleichzeitig ein eigener Suchbegriff.

Zielgruppen. Produkte für Linkshänder, für Menschen mit eingeschränkter Handkraft, für sehr kleine Wohnungen, für Allergiker. Solche Ausprägungen werden fast nie bedient und haben oft eine sehr klare Kaufabsicht.

Wie Du die Lücken bestätigst: Lies dreißig Bewertungen bei den führenden Anbietern und achte auf Sätze wie „hätte ich gern größer gehabt“ oder „schade, dass es das nicht in Schwarz gibt“. Das ist unbezahlte Marktforschung durch die Kunden Deiner Wettbewerber.

Die Rechnung: was am Ende übrig bleibt

Die dritte Prüfung ist die, an der die meisten Ideen tatsächlich scheitern. Sie braucht Papier und ehrliche Zahlen.

Nimm den Preis, den Du realistisch aufrufen kannst, abgeleitet aus der Preisspanne der oberen Ergebnisse, nicht aus Deinem Wunsch. Zieh davon in dieser Reihenfolge ab:

  • Einstellgebühr 0,20 USD je Artikel für vier Monate, umgelegt auf die erwartete Stückzahl
  • Transaktionsgebühr 6,5 % auf Artikelpreis und Versandkosten
  • Zahlungsbearbeitung in Deutschland 4,0 % zuzüglich 0,30 Euro je Bestellung
  • Offsite-Ads-Gebühr von 12 % oder 15 %, sofern der Verkauf darüber zustande kommt
  • Materialkosten inklusive Verschnitt und Ausschuss
  • Verpackung: Karton, Füllmaterial, Etikett, Klebeband
  • Porto, sofern Du nicht separat abrechnest
  • Umsatzsteuer, sofern Du nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst

Was danach übrig bleibt, teilst Du durch die Zeit, die eine Einheit tatsächlich braucht. Nicht die Zeit, die Du schätzt: die Zeit, die Du gestoppt hast, inklusive Vorbereiten, Verpacken und Aufräumen.

Das Ergebnis ist Dein Stundenlohn in dieser Idee. Wenn er unter dem liegt, was Du in derselben Zeit anderswo verdienst, ist die Idee nicht automatisch tot, aber sie braucht einen höheren Preis, eine schnellere Fertigung oder billigeres Material. Die ausführliche Rechnung steht unter Preise kalkulieren.

Der Versand ist der stille Margenkiller

In fast jeder Bewertung, die ich gesehen habe, wurde der Versand zu spät betrachtet. Dabei entscheidet er häufiger über die Marge als das Material.

Ein Produkt, das in einen Großbrief passt, hat eine völlig andere Kostenstruktur als eines, das ein Paket braucht. Zwischen beiden liegen bei kleinen Bestellwerten mehrere Euro. Bei einem Artikel für 20 Euro ist das ein erheblicher Anteil des Deckungsbeitrags.

Was Du vor der Entscheidung prüfst: Wie groß ist das Produkt im verpackten Zustand? Welche Portostufe ergibt sich daraus? Was wiegt es mit Verpackung? Ist es bruchempfindlich und braucht deshalb Polstermaterial und ein größeres Format?

Der zweite Punkt ist die Reklamationsquote. Zerbrechliche Produkte kommen beschädigt an. Jeder Ersatz kostet Material, Zeit und Porto ein zweites Mal. Rechne bei empfindlichen Artikeln einen Aufschlag ein, statt zu hoffen.

Der dritte Punkt sind die Etsy-Gebühren auf den Versand. Die Transaktionsgebühr von 6,5 % bemisst sich auf Artikelpreis und Versandkosten. Wer die Versandkosten in den Artikelpreis einrechnet und kostenlosen Versand anbietet, zahlt denselben Betrag, die Gebühr entfällt dadurch nicht.

Der Versand entscheidet häufiger als das Material

Zwischen Großbrief und Paket liegen bei kleinen Bestellwerten mehrere Euro. Prüfe die Portostufe im verpackten Zustand, bevor Du das Produkt festlegst. Und rechne bei bruchempfindlicher Ware einen Aufschlag für Ersatzsendungen ein, statt zu hoffen. Die Transaktionsgebühr von 6,5 % bemisst sich ohnehin auf Artikelpreis und Versand zusammen.

Wie viel Kapital eine Idee bindet

Neben der Marge je Stück gibt es eine zweite finanzielle Frage: Wie viel Geld liegt fest, bevor der erste Verkauf kommt?

Mindestbestellmengen. Manche Materialien gibt es nur ab einer bestimmten Menge oder nur zu vernünftigen Preisen ab einer bestimmten Menge. Eine Idee, die eine Palette Rohmaterial voraussetzt, hat ein anderes Risiko als eine, bei der Du zehn Einheiten kaufen kannst.

Werkzeuge und Geräte. Eine Idee, die eine Anschaffung im dreistelligen oder vierstelligen Bereich verlangt, muss diese Anschaffung über die erwarteten Verkäufe tragen. Rechne durch, wie viele Stück Du verkaufen musst, bis das Gerät bezahlt ist.

Lagerdauer. Wie lange liegt Material im Regal, bevor es verarbeitet wird? Bei saisonalen Produkten kann das ein halbes Jahr sein. Gebundenes Kapital ist kein Verlust, aber es ist nicht verfügbar.

Was ich empfehle: Bevorzuge bei den ersten Ideen solche mit niedriger Kapitalbindung, auch wenn die Marge etwas kleiner ist. Der Lerneffekt der ersten Monate ist mehr wert als die zusätzlichen Prozentpunkte, und er kostet Dich weniger, wenn wenig Geld fest liegt.

Fertigungszeit ehrlich messen

Die Fertigungszeit ist die Zahl, die am häufigsten geschätzt und am seltensten gemessen wird. Dabei entscheidet sie über den Stundenlohn.

So misst Du richtig: Stelle drei Exemplare her und stoppe die Gesamtzeit vom ersten Handgriff bis zum verschlossenen Paket. Teile durch drei. Diese Zahl liegt in aller Regel deutlich über der geschätzten: weil Vorbereiten, Zwischenschritte, Trocknungszeiten, Reinigen und Verpacken in Schätzungen fehlen.

Was Du dabei mitmisst: die Rüstzeit. Wenn Du für ein Stück zwanzig Minuten Vorbereitung brauchst und die Fertigung fünf Minuten dauert, ist die Einzelfertigung ruinös und die Serienfertigung notwendig. Das ist eine Erkenntnis, die die ganze Produktgestaltung verändert.

Was daraus folgt: Produkte mit hoher Rüstzeit und kurzer Stückzeit gehören in Serien produziert und auf Lager gelegt. Produkte mit niedriger Rüstzeit können auf Bestellung gefertigt werden. Diese Entscheidung wirkt auf Bearbeitungszeit, Lagerbindung und Liquidität.

Und die Frage, die dazugehört: Wird das Produkt schneller, wenn Du es hundertmal gemacht hast? Bei den meisten handwerklichen Produkten ja, oft erheblich. Rechne mit dem Wert nach der Einarbeitung, nicht mit dem ersten Versuch, aber sei ehrlich darüber, wie lange die Einarbeitung dauert.

  1. Drei Stück fertigen Nicht eins, der erste Versuch ist nie repräsentativ.
  2. Durchgehend stoppen Vom ersten Handgriff bis zum verschlossenen Paket, ohne Pausen zu kürzen.
  3. Rüstzeit trennen Vorbereitung getrennt notieren, sie entscheidet über Serie oder Einzelstück.
  4. Durch drei teilen Das Ergebnis liegt fast immer deutlich über der Schätzung.

Der Unterschied zwischen guter Idee und gutem Sortimentsbaustein

Eine Idee kann für sich genommen gut sein und trotzdem nicht in Deinen Shop passen. Diese Frage wird fast immer übersprungen.

Passt sie zum Bestand? Ein Shop, der Papeterie verkauft, gewinnt mit einem weiteren Papierprodukt mehr als mit einem Keramikbecher, auch wenn der Becher für sich die besseren Zahlen hätte. Der Grund ist die Shop-Seite: Käufer, die über ein Listing kommen, sehen dort ein Angebot und kaufen ein zweites Mal, wenn es zusammenpasst.

Nutzt sie dieselben Materialien und Werkzeuge? Eine Idee, die Deine vorhandene Ausstattung nutzt, hat eine bessere Rechnung als eine, die eine neue Fertigungslinie eröffnet. Gleiche Materialien bedeuten außerdem größere Bestellmengen und bessere Einkaufspreise.

Nutzt sie dieselben Suchbegriffe? Wenn ja, Vorsicht: Zwei sehr ähnliche Listings konkurrieren in Etsys Suche gegeneinander. Wenn nein und die Begriffe sind trotzdem verwandt, ist das ideal, Du erweiterst Deine Fläche, ohne Dich selbst zu verdrängen.

Passt sie in dieselbe Verpackung? Ein banaler Punkt mit großer Wirkung. Wer für jedes Produkt ein anderes Kartonformat braucht, hat höhere Einkaufspreise, mehr Lagerfläche und mehr Fehler beim Packen. Mehr zum Zusammenspiel steht unter Sortiment aufbauen.

Die rechtliche Vorprüfung, die zehn Minuten dauert

Bevor eine Idee in die Umsetzung geht, gehören drei rechtliche Fragen geklärt. Sie kosten wenig Zeit und ersparen im Ernstfall erheblichen Ärger.

Fremde Rechte. Enthält Dein Produkt Namen, Logos, Figuren, Songtexte oder Zitate, die jemand anderem gehören? Das gilt auch für Anspielungen und für Schriftzüge in bekannter Aufmachung. Etsy verfolgt Meldungen von Rechteinhabern konsequent, und wiederholte Verstöße gefährden das Konto.

Produktsicherheit und Kennzeichnung. Manche Produktgruppen unterliegen besonderen Anforderungen: Spielzeug, Kosmetik, Lebensmittelkontakt, Textilien, elektrische Geräte. Ein handgenähtes Kuscheltier ist rechtlich etwas anderes als ein Kissen. Prüfe das früh, denn es kann die ganze Idee betreffen.

Die Etsy-Kategorie. Fällt das Produkt eindeutig unter handgemachte Artikel, Vintage oder Bastelbedarf? Und wenn Du mit einem Fertigungspartner arbeitest: Ist Dein gestalterischer Beitrag groß genug und der Partner im Shop hinterlegt?

Was ich dazu sage: Diese Prüfung ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Produktgruppen mit besonderen Anforderungen und bei allem, was fremde Rechte berühren könnte, gehört anwaltliche Prüfung dazu. Eine Übersicht der Themenfelder steht unter Etsy und das Recht.

  • Enthält das Produkt Namen, Logos, Figuren, Songtexte oder Zitate anderer?
  • Gilt das auch für Anspielungen und Schriftzüge in bekannter Aufmachung?
  • Gehört es zu einer Gruppe mit besonderen Anforderungen, Spielzeug, Kosmetik, Lebensmittelkontakt, Textilien, Elektrik?
  • Fällt es eindeutig unter handgemacht, Vintage oder Bastelbedarf?
  • Bei einem Fertigungspartner: Ist Dein gestalterischer Beitrag groß genug und der Partner hinterlegt?
  • Diese Prüfung ersetzt keine Rechtsberatung. Bei fremden Rechten gehört anwaltliche Prüfung dazu

Ideen, die in der Bewertung regelmäßig scheitern

Aus der Praxis lassen sich einige Muster benennen, die fast immer durchfallen.

Das Produkt, das nur online gut aussieht. Alles, dessen Reiz im Foto liegt und nicht in der Hand, produziert Rücksendungen und mittelmäßige Bewertungen. Bewertungen wirken auf Etsy unmittelbar auf die Sichtbarkeit.

Das Produkt ohne Suchbegriff. Manche Ideen sind gut und lassen sich nicht benennen. Wenn niemand weiß, wie man das Ding nennt, sucht auch niemand danach. Ein Produkt, das nur über Erklärung funktioniert, hat auf einem Suchmarktplatz einen schweren Stand.

Das Produkt mit zu vielen Entscheidungen. Wenn ein Käufer sich für Größe, Farbe, Schrift, Material und Anordnung entscheiden muss, springt ein Teil davon ab. Varianten sind gut, zu viele Varianten sind ein Hindernis.

Das Produkt, das nur im Set funktioniert. Ideen, deren Deckungsbeitrag erst ab drei Stück aufgeht, scheitern daran, dass die meisten Käufer eins kaufen wollen.

Das Produkt mit sehr langer Fertigungszeit. Alles über zwei bis drei Stunden je Stück braucht einen Preis, den der Markt in den meisten Kategorien nicht hergibt. Es gibt Ausnahmen. Sie liegen dort, wo der Aufwand für den Käufer sichtbar ist.

Der Test im eigenen Shop

Nach den drei Prüfungen bleibt eine Restunsicherheit, die sich nur durch Verkauf auflösen lässt. Der Test dafür ist überschaubar.

  1. Fünf bis zehn Listings anlegen Aus derselben Idee, in verschiedenen Ausprägungen, Anlässe, Farben, Größen. Ein einzelnes Listing liefert zu wenig Daten.
  2. Realistisch bepreisen Nicht am unteren Rand des Marktes. Ein Test mit Kampfpreis beantwortet die falsche Frage.
  3. Sechs bis acht Wochen unverändert laufen lassen Änderungen während des Tests zerstören die Vergleichbarkeit.
  4. Aufrufe, Klickrate und Käufe getrennt betrachten Die Shop-Statistik trennt diese Größen. Jede erzählt etwas anderes.
  5. Entscheiden Ausbauen, nachbessern oder einstellen, auf Grundlage der Zahlen, nicht des Gefühls.

Wie Du die Zahlen liest: Wenige Aufrufe heißt, dass Deine Listings nicht gefunden werden, ein SEO- oder Nachfrageproblem. Viele Aufrufe ohne Klicks heißt, dass das erste Foto oder der Preis in der Ergebnisliste nicht überzeugt. Viele Klicks ohne Käufe heißt, dass die Listing-Seite nicht schließt: Beschreibung, Versandkosten, Lieferzeit, Bewertungen.

Ein Bewertungsbogen mit Punkten

Wenn mehrere Ideen gleichzeitig auf dem Tisch liegen, hilft eine einfache Punktbewertung. Sie ersetzt keine Analyse, macht aber den Vergleich sichtbar.

Vergib für jede Idee null bis zwei Punkte in sieben Kategorien: Suchvorschläge vorhanden, frische Bewertungen im Feld, Anzeigen im Feld, Wettbewerbsniveau schlagbar, erkennbare Lücke, Stundenlohn ausreichend, Kapitalbindung niedrig. Maximal vierzehn Punkte.

Wie ich die Werte lese: Unter sieben Punkten würde ich nicht anfangen. Zwischen sieben und zehn ist es eine Idee mit Arbeit davor, meist am Preis oder an der Fertigung. Über zehn Punkte ist es ein guter Kandidat.

Der Nutzen liegt nicht in der Zahl, sondern im Zwang, jede Kategorie einzeln anzusehen. Ohne Bogen bewertet man Ideen nach dem stärksten Eindruck. Mit Bogen fällt auf, dass die schöne Idee bei der Marge eine Null hat.

Schätzungen sind keine Etsy-Zahlen

Verkaufszahlen und Umsätze, die Werkzeuge zu fremden Shops ausweisen, sind Hochrechnungen aus öffentlich sichtbaren Merkmalen, nicht Etsys eigene Daten. Für den Vergleich zweier Ideen sind sie brauchbar. Als Grundlage für eine Materialbestellung oder eine Geräteanschaffung sind sie es nicht.

  • 7Kategorien, je null bis zwei Punkte
  • 14 PunkteHöchstwert des Bewertungsbogens
  • unter 7damit würde ich nicht anfangen
  • über 10guter Kandidat für den Test im eigenen Shop

Wann Du eine Idee wieder einstellst

Genauso wichtig wie die Einführung ist die Entscheidung, ein Produkt wieder aufzugeben. Sie fällt schwer, weil Material und Arbeit schon investiert sind.

Das Kriterium ist nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Was Du bereits ausgegeben hast, kommt nicht zurück, egal wie Du entscheidest. Die Frage lautet: Lohnt sich die nächste Serie?

Die Anzeichen für ein Ende: Nach vier bis sechs Monaten kaum Verkäufe trotz sauberer Listings. Oder Verkäufe, deren Deckungsbeitrag den Aufwand nicht deckt. Oder ein Produkt, das regelmäßig Reklamationen erzeugt.

Was Du vorher prüfst: Ist es wirklich das Produkt, oder ist es die Ausführung? Ein neues erstes Foto und ein besserer Titel haben schon manches Listing gerettet, das als totes Produkt galt. Prüfe die naheliegenden Ursachen, bevor Du das Sortiment kürzt.

Und der praktische Umgang mit Restbeständen: Reste lassen sich als Set, als Sonderposten oder als Zugabe zu anderen Bestellungen verwerten. Das bringt selten die volle Marge, aber es macht Lagerfläche frei und schließt das Thema ab.

Die Idee gegen die eigene Werkstatt prüfen

Zwischen Marktbefund und Kalkulation liegt eine Prüfung, die gern übersprungen wird: Passt die Idee überhaupt zu dem, was Du hast?

Werkzeuge und Geräte. Braucht das Produkt eine Anschaffung? Dann gehört diese in die Rechnung, verteilt auf eine realistische Stückzahl. Ein Gerät für sechshundert Euro bei einem Deckungsbeitrag von vier Euro je Stück ist erst nach hundertfünfzig Verkäufen bezahlt.

Platz. Manche Produkte brauchen Trocknungsfläche, Absaugung, Lagerraum für Halbfertiges. Das klingt banal und beendet in der Praxis viele Vorhaben nach wenigen Wochen.

Fertigkeiten. Wie lange brauchst Du, bis das Ergebnis verkäuflich ist? Diese Einarbeitungszeit ist eine echte Investition und gehört benannt, auch wenn sie nicht in Euro anfällt.

Materialbeschaffung. Bekommst Du das Material verlässlich und zu planbaren Preisen? Eine Idee, die an einem einzigen Lieferanten hängt, trägt ein Risiko, das Du kennen solltest.

Und die Frage, die alles zusammenfasst: Kannst Du Dir vorstellen, dieses Produkt zweihundertmal herzustellen? Nicht zwölfmal. Wer bei der Vorstellung zögert, sollte den nächsten Kandidaten ansehen, Shops scheitern selten an der Idee und häufig an der Wiederholung.

Was Bewertungen fremder Shops über Dein Produkt sagen

Die ergiebigste Quelle für Produktverbesserungen liegt in den Bewertungen Deiner künftigen Wettbewerber.

Lies die Drei- und Vier-Sterne-Bewertungen zuerst. Dort steht, was gefehlt hat: zu klein, Farbe anders als abgebildet, keine Angabe zur Pflege, Gravur zu flach, Verpackung beschädigt. Jeder dieser Punkte ist eine Anforderung, die Du von Anfang an erfüllen kannst.

Notiere die genannten Anlässe. Wofür wurde gekauft? Diese Anlässe sind Suchbegriffe und gleichzeitig ein Hinweis darauf, welche Varianten sich lohnen.

Achte auf Wünsche. „Schade, dass es das nicht in Schwarz gibt“ ist eine Produktidee, formuliert von einem zahlenden Kunden.

Achte auf das, was gelobt wird. Wenn zwanzig Bewertungen die Verpackung erwähnen, ist Verpackung in dieser Nische ein Kaufargument und gehört in Deine Kalkulation.

Wie viel Du lesen solltest: fünfzig Bewertungen aus einer Nische. Das dauert zwei Stunden und liefert mehr Substanz als jeder Werkzeugbericht, weil es echte Sätze von echten Käufern sind und keine Hochrechnung.

  • Drei- und Vier-Sterne-Bewertungen zuerst lesen. Dort steht, was gefehlt hat
  • Genannte Anlässe notieren: sie sind Suchbegriffe und Variantenhinweis zugleich
  • Wünsche mitschreiben, etwa nach einer fehlenden Farbe oder Größe
  • Auch das Gelobte erfassen. Es gehört in Deine Kalkulation und nach vorn in die Beschreibung
  • Etwa fünfzig Bewertungen aus einer Nische, rund zwei Stunden Arbeit

Eine Liste, die Dir nach einem Jahr hilft

Der letzte Schritt der Bewertung ist der, den fast niemand macht: das Ergebnis festhalten.

Was hineingehört: Datum, Produktidee, Befund zur Nachfrage, Befund zum Wettbewerb, errechneter Stundenlohn, Entscheidung und Begründung. Eine Zeile je Idee.

Warum das lohnt: Nach einem Jahr hast Du darin ein Bild Deines Marktes, das keine Software liefert. Du siehst, welche Nischen Du bereits geprüft hast, welche Kalkulationen aufgingen und wo Du regelmäßig danebenlagst.

Der zweite Nutzen: Du wiederholst keine Prüfung. Ideen kommen wieder, oft in leicht abgewandelter Form. Ein Blick in die Liste beantwortet die Frage in zwei Minuten.

Der dritte Nutzen: Du kannst Deine eigenen Schätzungen überprüfen. Wenn Du bei fünf umgesetzten Ideen die Fertigungszeit regelmäßig um vierzig Prozent unterschätzt hast, weißt Du, womit Du künftig rechnen musst.

Wie Du sie führst: Eine einfache Tabelle reicht. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern dass jede geprüfte Idee darin landet: auch und gerade die verworfenen.

Die Kurzfassung

Prüfe in fester Reihenfolge: Nachfrage, dann Wettbewerb, dann Marge. Nachfrage lässt sich nicht herstellen, eine Idee ohne Nachfragesignal ist erledigt, bevor Du rechnest.

Die drei kostenlosen Nachfragesignale kommen von Etsy selbst. Suchvorschläge, Bewertungsdaten in den oberen Ergebnissen und bezahlte Anzeigen über der Liste. Sie sind belastbarer als jede Hochrechnung von außen.

Der gesuchte Wettbewerbsbefund ist: viel Nachfrage, viele Anbieter, mittelmäßige Ausführung. Dort gewinnt Sorgfalt. Ein Feld mit durchweg starken oberen Ergebnissen braucht ein echtes Produktargument.

Die Rechnung endet beim Stundenlohn, nicht beim Deckungsbeitrag. Preis minus Gebühren, Material, Verpackung und Versand, geteilt durch die gestoppte Fertigungszeit.

Fünf bis zehn Listings über sechs bis acht Wochen sind der eigentliche Test. Alles davor ist Vorauswahl.

Eine Zeile je geprüfter Idee

Datum, Idee, Befund zu Nachfrage und Wettbewerb, errechneter Stundenlohn, Entscheidung und Begründung. Gerade die verworfenen Ideen gehören hinein. Nach einem Jahr siehst Du darin, wo Deine eigenen Schätzungen regelmäßig danebenlagen, etwa bei der Fertigungszeit.

Mein Fazit zur Bewertung von Produktideen

Der Wert eines Bewertungsverfahrens liegt nicht darin, die richtige Idee zu finden, er liegt darin, die falschen früh loszuwerden. Das ist eine unspektakuläre Leistung und die wirtschaftlich wichtigste.

Was mich in der Praxis am meisten überrascht hat: Die Prüfungen dauern zusammen etwa eine Stunde je Idee, und trotzdem machen sie die wenigsten. Der Grund ist psychologisch nachvollziehbar. Eine Idee zu prüfen heißt, das Risiko einzugehen, dass sie durchfällt. Also produziert man lieber. Nur ist das Ergebnis dann nach drei Monaten dasselbe, nur teurer.

Der Punkt, an dem ich am deutlichsten widerspreche, ist die Fixierung auf Neuheit. Viele Ideen scheitern nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie zu neu sind: Es gibt keinen Suchbegriff, keine Vergleichsprodukte, keine Nachfrage, die man messen könnte. Ein Produkt, das es schon zwanzigmal gibt, ist der einfachere Start. Du weißt, dass gekauft wird. Du weißt, was es kostet. Du musst nur besser sein als der Durchschnitt.

Was ich zuletzt empfehlen würde: Führe eine Liste. Jede geprüfte Idee mit Datum, Befund und Entscheidung. Nach einem Jahr hast Du darin ein Bild Deines Marktes, das keine Software liefert, und Du wiederholst keine Prüfung, die Du schon gemacht hast.

Häufige Fragen zur Bewertung von Produktideen

Reicht es, eine Idee nur über die Etsy-Suche zu prüfen? Für eine Vorauswahl ja. Für die Entscheidung nicht, weil die Suche nichts über Deine Fertigungszeit und Deine Materialkosten sagt. Die Marge musst Du selbst rechnen. Sie ist der Teil, den kein Werkzeug für Dich übernimmt.

Wie gehe ich vor, wenn zwei Ideen gleich gut abschneiden? Nimm die mit der niedrigeren Kapitalbindung und der kürzeren Fertigungszeit. Beides erhöht die Zahl der Versuche, die Du Dir leisten kannst, und die Zahl der Versuche ist auf Etsy die wichtigste Größe im ersten Jahr.

Ist ein hoher Preis in der Ergebnisliste ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? In der Regel ein gutes. Ein Feld mit gesunden Preisen zeigt, dass Käufer dort Qualität honorieren. Felder mit zusammengebrochenen Preisen sind schwierig, weil Deine Kalkulation dort selten aufgeht.

Wie berücksichtige ich Saisonalität in der Bewertung? Prüfe den Jahresverlauf des Hauptbegriffs, bevor Du produzierst. Ein Saisonprodukt ist nicht schlechter, aber es verlangt Vorlauf: Material im Sommer, Listings im Spätsommer, Verkäufe im Herbst. Wer im Dezember mit der Produktion beginnt, ist ein Jahr zu spät.

Muss ich jede Idee einzeln testen oder kann ich mehrere gleichzeitig einstellen? Mehrere gleichzeitig sind sinnvoll, solange sie sich in den Suchbegriffen nicht überschneiden. Bei sehr ähnlichen Produkten konkurrieren die Listings gegeneinander und verwässern das Ergebnis.

Wie viel Gewicht sollte ich Bewertungstexten fremder Shops geben? Viel, wenn es um Produktdetails geht. Käufer schreiben dort ungefiltert, was gefehlt hat, was zu klein war und wofür sie gekauft haben. Das ist Marktforschung, die Dich nichts kostet und die direkt in Deine Produktgestaltung fließen kann.

Kann eine Idee gut sein, obwohl der Stundenlohn niedrig ist? Ja, wenn die Fertigungszeit mit der Übung deutlich sinkt oder wenn das Produkt Kunden bringt, die anschließend teurere Artikel kaufen. Beides muss man aber begründen können, nicht hoffen.

Was mache ich, wenn alle meine Ideen bei der Margenprüfung durchfallen? Dann liegt das Problem meist nicht bei den Ideen, sondern bei der Produktgestaltung. Prüfe, ob sich Rüstzeiten zusammenlegen, Material günstiger einkaufen oder Arbeitsschritte in Serie erledigen lassen. Ein Produkt, das in Serie gefertigt drei Minuten braucht statt zwanzig, ist plötzlich eine andere Rechnung.

Häufige Fragen

Wie viele Produktideen sollte ich gleichzeitig bewerten?

Fünf bis zehn. Eine einzelne Idee lässt sich schlecht beurteilen, weil der Vergleichsmaßstab fehlt. Bei fünf Kandidaten fällt sofort auf, welcher bei Nachfrage, Wettbewerb und Marge am wenigsten Schwächen hat. Der Vergleich ist die eigentliche Bewertung.

Woran erkenne ich Nachfrage, ohne Geld für ein Werkzeug auszugeben?

An drei kostenlosen Signalen: den Suchvorschlägen von Etsy, den Bewertungsdaten in den oberen Ergebnissen und der Anzahl bezahlter Anzeigen über der Ergebnisliste. Alle drei stammen direkt von Etsy und sind belastbarer als jede Hochrechnung von außen.

Welcher Deckungsbeitrag ist bei einem Etsy-Produkt sinnvoll?

Eine feste Prozentzahl gibt es nicht, weil Fertigungszeit und Warenwert stark schwanken. Brauchbarer ist der Blick auf den Stundenlohn: Preis abzüglich Gebühren, Material, Verpackung und Versand, geteilt durch die reine Fertigungszeit. Liegt das Ergebnis unter dem, was Du anderswo verdienst, muss der Preis oder die Fertigung sich ändern.

Kann ich ein Produkt einstellen, bevor ich es herstellen kann?

Ein Listing setzt voraus, dass Du innerhalb der angegebenen Bearbeitungszeit liefern kannst. Ein Artikel, den Du erst noch entwickeln musst, gehört nicht in den Shop. Wer die Bearbeitungszeit reißt, beschädigt seine Kennzahlen und riskiert Fälle im Käuferschutz.

Wie lange muss ein Test laufen, bis die Zahlen etwas aussagen?

Sechs bis acht Wochen bei mindestens fünf bis zehn Listings. Etsy braucht Zeit, um neue Artikel einzuordnen, und Du brauchst genug Aufrufe, um Zufall von Muster zu trennen. Wer nach zehn Tagen auswertet, misst Rauschen.

Was sagt eine hohe Zahl von Favoriten über eine Produktidee?

Weniger als viele annehmen. Favoriten zeigen Gefallen, nicht Kaufbereitschaft. Ein Artikel mit vielen Favoriten und wenigen Verkäufen ist ein Hinweis auf ein Preis- oder Versandkostenproblem, nicht auf ein gutes Produkt.

Soll ich eine Idee verwerfen, wenn es das Produkt schon oft gibt?

Nein, im Gegenteil. Vorhandene Anbieter mit laufenden Bewertungen sind der Beweis, dass Nachfrage existiert. Verwerfen solltest Du erst, wenn die oberen Ergebnisse handwerklich sehr gut sind und der Preis so tief liegt, dass Deine Kalkulation nicht mehr aufgeht.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern. Im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

Fragen zu Deinem Etsy Shop?

Schreib mir kurz, wo Dein Shop steht. Ich schaue ihn mir an und sage Dir, wo die größten Hebel liegen.