Vertiefung

Etsy Offsite Ads verstehen: 15 Prozent Gebühr, Pflicht und Wirkung

Wie Etsy Offsite Ads funktionieren: 15 oder 12 Prozent Gebühr, ab 10.000 USD Jahresumsatz verpflichtend, Abrechnung nur bei Verkauf innerhalb von 30 Tagen nach dem Klick.

Von Oliver Wrase20 Min. LesezeitStand

Offsite Ads sind die einzige Werbeform auf Etsy, die Du ab einer bestimmten Umsatzgrenze nicht mehr abwählen kannst. Wer das früh einkalkuliert, wird davon nicht überrascht.

Kein Thema auf Etsy erzeugt zuverlässiger Ärger als die Offsite-Ads-Gebühr. Ich habe Verkäufer erlebt, die deswegen ernsthaft darüber nachgedacht haben, den Shop zu schließen.

Die Empörung ist verständlich. Da kommt eine Bestellung herein, man freut sich, und in der Abrechnung stehen plötzlich 15 Prozent zusätzliche Gebühr, die man nicht bestellt hat und bei größeren Shops auch nicht abwählen kann. Das fühlt sich nach Enteignung an.

Nüchtern betrachtet ist es etwas anderes: ein Provisionsmodell, bei dem der Werbetreibende das gesamte Risiko trägt und Du nur im Erfolgsfall zahlst. Ob das teuer ist, hängt allein davon ab, ob Deine Kalkulation es trägt.

Dieser Beitrag erklärt die Mechanik im Detail, rechnet den Fall durch, und geht auf die Frage ein, die am häufigsten falsch beantwortet wird: ob diese Bestellungen auch ohne die Anzeige zustande gekommen wären. Der Unterschied zu den selbst geschalteten Anzeigen steht im Überblick zu Etsy Ads.

Was Offsite Ads sind

Etsy nimmt Deine Artikel und bewirbt sie außerhalb von Etsy. Auf Google, auf Meta-Plattformen, auf Pinterest, auf Bing und weiteren Partnern.

Etsy trägt die Werbekosten. Das Budget stammt vollständig von Etsy, Du zahlst keinen Cent für Schaltung, Einblendungen oder Klicks. Etsy entscheidet auch, welche Artikel beworben werden, in welchen Kanälen und mit welchem Einsatz.

Du zahlst nur im Erfolgsfall. Wenn jemand auf eine solche Anzeige klickt und danach in Deinem Shop bestellt, wird Dir eine Werbegebühr berechnet. Die Bedingungen sind eng gefasst: Der Klick muss stattgefunden haben, und die Bestellung muss innerhalb von 30 Tagen danach erfolgen.

Die Höhe hängt an Deinem Umsatz. Unter 10.000 USD Umsatz in den zurückliegenden 365 Tagen sind es 15 Prozent der Bestellsumme. Ab dieser Schwelle sinkt der Satz dauerhaft auf 12 Prozent, dafür wird die Teilnahme verpflichtend.

  • 15 %Gebühr unter 10.000 USD Umsatz in 365 Tagen
  • 12 %Gebühr oberhalb dieser Schwelle, dann verpflichtend
  • 30 TageZeitfenster zwischen Klick und zurechenbarer Bestellung
  • 100 USDHöchstbetrag je einzelner Bestellung

Der Unterschied zu Etsy Ads in einem Satz

Beide heißen „Ads“, und das ist der Grund für die meisten Missverständnisse.

Etsy Ads sind Anzeigen innerhalb von Etsy, die Du selbst startest, mit eigenem Tagesbudget, abgerechnet pro Klick. Du entscheidest über Teilnahme, Budget und Artikelauswahl. Wie Du das Budget dabei ansetzt, steht unter Etsy Ads Budget.

Offsite Ads sind Anzeigen außerhalb von Etsy, die Etsy startet, mit Etsys Budget, abgerechnet nur bei Verkauf. Du entscheidest über nichts davon, außer über die Teilnahme, und auch das nur unterhalb der Umsatzgrenze.

Etsy Ads

Anzeigen in der Etsy-Suche, von Dir gesteuert.

  • Du zahlst pro Klick, auch ohne Verkauf
  • Tagesbudget und Artikelauswahl liegen bei Dir
  • Jederzeit abschaltbar, keine Umsatzgrenze

Offsite Ads

Anzeigen auf Google, Meta, Pinterest, Bing.

  • Klicks kosten Dich nichts, nur Verkäufe
  • Etsy entscheidet über Artikel und Kanäle
  • Ab 10.000 USD Jahresumsatz verpflichtend

Der zweite Unterschied ist für die Kalkulation wichtiger als der erste: Bei Etsy Ads ist der Betrag, den Du ausgibst, von Dir gedeckelt. Bei Offsite Ads ist er von Deinem Umsatz abhängig. Ein guter Monat bedeutet bei Offsite Ads automatisch eine höhere Gebührenlast, während er bei Etsy Ads das Budget unverändert lässt.

Die 10.000-USD-Schwelle im Detail

An dieser Grenze hängt die Teilnahmepflicht, und sie wird häufig missverstanden.

Gemessen wird über 365 Tage rückwärts, nicht über ein Kalenderjahr. Es ist ein gleitendes Fenster. Wenn Du im März 2025 einen starken Monat hattest, fällt dieser Monat im März 2026 wieder aus dem Fenster heraus.

Gemessen wird in US-Dollar, auch wenn Du in Euro abrechnest. Der Wechselkurs spielt also hinein, was bedeutet, dass die Grenze in Euro nicht bei einem festen Betrag liegt. Wie sich Währungsfragen bei Etsy sonst auswirken, steht unter Währungsumrechnung bei Etsy.

Die Wirkung ist dauerhaft. Das ist der entscheidende Punkt. Wenn Dein Shop die Schwelle einmal überschreitet, gilt die Teilnahmepflicht für die Lebensdauer des Shops. Auch wenn Dein Umsatz später wieder unter 10.000 USD fällt, kannst Du Dich nicht mehr abmelden. Der Satz bleibt dann allerdings auch bei 12 Prozent.

Die Schwelle ist eine Einbahnstraße

Wer sie einmal überschreitet, bleibt dauerhaft im Programm, unabhängig davon, wie sich der Umsatz später entwickelt. Es gibt keinen Weg zurück in die Wahlfreiheit, und ein Shopwechsel wäre eine sehr teure Lösung für ein sehr kleines Problem. Kalkuliere deshalb von Anfang an so, als würdest Du die Grenze irgendwann überschreiten.

Wer sich unterhalb der Grenze abmeldet, sollte wissen, was er damit tut: Er verzichtet auf kostenlose externe Reichweite. Ob das klug ist, hängt an der Kalkulation und daran, wie viel Umsatz tatsächlich aus dieser Quelle kommt. Für die meisten kleinen Shops ist der Anteil ohnehin gering.

Wann genau die Gebühr anfällt

Die Bedingungen sind enger, als viele glauben, und dieses Detail entscheidet über die tatsächliche Belastung.

  1. Etsy schaltet eine Anzeige Dein Artikel erscheint auf einer externen Plattform, ohne dass Du davon etwas merkst oder etwas zahlst.
  2. Jemand klickt darauf Auch dieser Klick kostet Dich nichts, egal wie oft er stattfindet.
  3. Innerhalb von 30 Tagen wird bestellt Erst jetzt entsteht überhaupt eine Gebühr, und nur für diese eine Bestellung.
  4. Die Gebühr wird berechnet 15 oder 12 Prozent auf die Bestellsumme inklusive Versand, gedeckelt bei 100 USD.

Was daraus folgt: Der überwiegende Teil der Offsite-Werbung, die Etsy für Dich schaltet, kostet Dich nichts. Einblendungen ohne Klick sind gratis, Klicks ohne Kauf sind gratis, Käufe außerhalb des Zeitfensters sind gratis.

Und was ebenfalls daraus folgt: Die Zurechnung ist großzügig gefasst. Dreißig Tage sind ein langes Fenster. Jemand, der heute auf eine Pinterest-Anzeige klickt, sich nicht entscheidet, und in vier Wochen über die Etsy-Suche zurückkommt und kauft, löst die Gebühr trotzdem aus. Genau daran entzündet sich der Ärger, und dazu gleich mehr.

Was die Gebühr wirklich kostet: eine Rechnung

Prozentzahlen sind abstrakt. Rechnen wir eine Bestellung durch.

Artikel für 45 Euro, Versand 4,90 Euro. Bestellsumme also 49,90 Euro. Material und Fertigungskosten liegen bei 16 Euro, Verpackung und Porto bei 5,50 Euro.

Ohne Offsite Ads:

Transaktionsgebühr 6,5 Prozent auf 49,90 Euro: 3,24 Euro. Zahlungsbearbeitung 4,0 Prozent plus 0,30 Euro: 2,30 Euro. Anteilige Einstellgebühr: 0,20 Euro. Zusammen 5,74 Euro Gebühren.

Es bleiben 49,90 minus 16,00 minus 5,50 minus 5,74, also 22,66 Euro Deckungsbeitrag.

Mit Offsite Ads bei 15 Prozent:

Zusätzlich 15 Prozent auf 49,90 Euro, das sind 7,49 Euro.

Es bleiben 15,17 Euro Deckungsbeitrag.

  • 22,66 €Deckungsbeitrag ohne Offsite-Gebühr
  • 15,17 €Deckungsbeitrag mit 15 Prozent Offsite-Gebühr
  • 7,49 €Differenz, ein Drittel des ursprünglichen Deckungsbeitrags

Die ehrliche Einordnung: Ein Drittel des Deckungsbeitrags ist viel. Bei diesem Artikel bleibt trotzdem Geld übrig, weil die Ausgangsmarge stimmt.

Und die unangenehme Gegenrechnung: Derselbe Vorgang bei einem Artikel mit 25 Prozent Deckungsbeitrag. Bestellsumme 49,90 Euro, Deckungsbeitrag vor Offsite 12,48 Euro. Die Offsite-Gebühr von 7,49 Euro frisst davon 60 Prozent. Es bleiben 4,99 Euro. Bei 20 Prozent Deckungsbeitrag wäre es bereits ein Nullsummengeschäft.

Das ist der Grund, warum die Gebühr in Print-on-Demand-Shops und bei sehr knapp kalkulierten Artikeln so wehtut und in Shops mit gesunder Marge kaum auffällt. Die Ausgangskalkulation entscheidet, nicht die Gebühr. Wie eine tragfähige Kalkulation aussieht, steht unter Etsy-Preise kalkulieren.

Der Deckel bei 100 USD und wann er greift

Ein Detail, das bei hochpreisigen Artikeln erheblich ist.

Die Gebühr je Bestellung ist bei 100 USD gedeckelt. Rechnerisch wird der Deckel bei 15 Prozent ab einer Bestellsumme von etwa 667 USD erreicht, bei 12 Prozent ab etwa 833 USD.

Was das bedeutet: Bei einer Bestellung über 2.000 Euro wären 12 Prozent rechnerisch 240 Euro. Abgerechnet werden aber höchstens 100 USD. Der effektive Satz sinkt damit auf etwa 4,5 Prozent.

Für Shops mit hochpreisigen Einzelstücken, Möbeln, größeren Kunstwerken oder umfangreichen Auftragsarbeiten ist Offsite Ads dadurch deutlich günstiger, als die Prozentzahl vermuten lässt. Wer regelmäßig im vierstelligen Bereich verkauft, zahlt effektiv einen einstelligen Prozentsatz.

Der Deckel gilt je Bestellung, nicht je Artikel. Wer mehrere Artikel in einer Bestellung verkauft, profitiert also stärker als jemand, dessen Kunden einzeln bestellen. Das ist ein zusätzliches Argument für Bundles und für ein Sortiment, das zum Nachkaufen einlädt. Wie Du daran arbeitest, steht unter Sortiment aufbauen.

Die Frage, um die es eigentlich geht

Jetzt zu dem Punkt, an dem sich die Gemüter erhitzen: Hätte der Kunde nicht ohnehin gekauft?

Manchmal ja. Das lässt sich nicht bestreiten. Wenn jemand nach Deinem Shopnamen googelt, auf eine Etsy-Anzeige klickt, die genau Deinen Artikel zeigt, und dann kauft, dann hat die Anzeige diesen Verkauf nicht erzeugt. Sie hat ihn abgefangen. Die 15 Prozent sind in diesem Fall aus Deiner Sicht verloren.

Manchmal nein. Und das ist der Teil, der bei der Empörung untergeht. Ein Mensch, der bei Google nach „Geschenk zur Silberhochzeit personalisiert“ sucht, kennt weder Etsy noch Deinen Shop. Wenn er über eine Anzeige zu Dir kommt, ist das echter Zusatzumsatz, den Du ohne Etsy nicht bekommen hättest.

Wie sich beides verteilt, lässt sich von außen nicht messen. Ich habe keine Zahl dazu, und wer eine nennt, hat sie geschätzt. Was ich sagen kann: Der Anteil markennaher Suchen ist bei Shops mit bekanntem Namen höher als bei neuen Shops. Ein neuer Shop, bei dem niemand nach dem Namen sucht, hat entsprechend mehr echten Neuumsatz aus dieser Quelle.

Die Zurechnung ist großzügig, das Modell trotzdem defensiv

Dreißig Tage Zurechnungsfenster bedeuten, dass auch Käufe erfasst werden, die vermutlich ohnehin stattgefunden hätten. Dem steht gegenüber, dass Etsy das komplette Werberisiko trägt und Du bei jedem erfolglosen Klick nichts zahlst. Wer beide Seiten nebeneinanderlegt, kommt zu einem nüchterneren Urteil als jemand, der nur die Gebührenzeile in der Abrechnung sieht.

Der praktisch nützliche Umgang damit: Hör auf, jede einzelne Gebühr zu bewerten. Schau Dir stattdessen an, welcher Anteil Deines Jahresumsatzes über Offsite Ads zugerechnet wurde, und rechne die Gebühr als festen Prozentsatz auf Deinen Gesamtumsatz. Bei den Shops, in die ich Einblick hatte, lag dieser effektive Satz meist im niedrigen einstelligen Bereich des Gesamtumsatzes, weil eben nicht jede Bestellung betroffen ist.

Wie Du die Gebühr in Deine Preise einbaust

Der einzige Umgang, der tatsächlich funktioniert.

Rechne mit einem Mischsatz auf den Gesamtumsatz, nicht mit 15 Prozent auf jede Bestellung. Wenn im vergangenen Jahr 12 Prozent Deiner Bestellungen über Offsite Ads kamen, entspricht das bei 15 Prozent Gebühr einem effektiven Satz von 1,8 Prozent auf den Gesamtumsatz.

Diesen Satz kalkulierst Du wie eine weitere Gebühr ein. Also zusätzlich zu 6,5 Prozent Transaktionsgebühr und 4,0 Prozent plus 0,30 Euro Zahlungsbearbeitung. Zusammen mit einem Sicherheitsaufschlag landest Du dann bei einer Kalkulation, die auch dann trägt, wenn der Offsite-Anteil in einem Monat höher ausfällt.

Und plane die Grenze mit ein. Wenn Dein Shop wächst und die 10.000 USD absehbar erreicht werden, kalkuliere frühzeitig mit 12 Prozent auf einen wachsenden Anteil der Bestellungen. Wer das erst dann tut, wenn die Pflicht greift, muss Preise mitten im laufenden Betrieb anheben, und das ist ungünstiger als eine von Anfang an tragfähige Kalkulation.

  • Anteil der Offsite-Bestellungen aus dem Vorjahr ermitteln
  • Effektiven Mischsatz auf den Gesamtumsatz daraus ableiten
  • Diesen Satz als feste Kostenposition in die Preise einrechnen
  • Bei absehbarem Wachstum bereits mit 12 Prozent Pflichtteilnahme rechnen
  • Artikel mit sehr dünner Marge auf Tragfähigkeit prüfen oder aus dem Sortiment nehmen

Wo Du die Gebühr in der Abrechnung findest

Etsy weist die Offsite-Ads-Gebühr getrennt aus, und das solltest Du regelmäßig kontrollieren.

In Deiner Zahlungsübersicht erscheint sie als eigene Gebührenposition, zugeordnet zu der Bestellung, die sie ausgelöst hat. In der Bestellübersicht sind betroffene Bestellungen entsprechend gekennzeichnet.

Worauf Du achten solltest:

Die Gebühr wird auf die Bestellsumme berechnet, also einschließlich Versand. Bei Artikeln mit hohem Versandanteil fällt sie deshalb höher aus, als der Blick auf den Artikelpreis vermuten lässt.

Bei einer Rücksendung oder Erstattung wird auch die Werbegebühr anteilig erstattet. Das passiert nicht sofort, sondern mit der Bearbeitung der Rückerstattung.

Für die Buchhaltung sind Offsite-Ads-Gebühren Betriebsausgaben wie jede andere Etsy-Gebühr. Sie gehören in dieselbe Kategorie wie die Transaktionsgebühr. Wie Du die Positionen zuordnest, steht unter Etsy-Gebühren verbuchen und die Systematik der Abrechnung unter Etsy-Abrechnung lesen.

Was Du an Offsite Ads steuern kannst

Sehr wenig, aber nicht gar nichts. Drei Punkte gibt es.

Erstens: die Teilnahme, unterhalb der Grenze. Solange Du unter 10.000 USD liegst, kannst Du Dich in den Shopeinstellungen abmelden. Das ist die einzige echte Entscheidung, die Dir bleibt.

Zweitens: die Attraktivität Deiner Listings. Etsy bewirbt bevorzugt Artikel, die extern gut ankommen. Ein Listing mit starkem ersten Bild und stimmigem Titel hat bessere Chancen, ausgewählt und angeklickt zu werden. Das ist keine direkte Steuerung, aber ein realer Einfluss. Am Vorschaubild arbeitest Du unter Etsy-Produktfotos.

Drittens: den Bestellwert. Weil die Gebühr prozentual ist und bei 100 USD gedeckelt, verbessert jeder Euro zusätzlicher Bestellwert das Verhältnis. Ein Kunde, der zwei Artikel statt einem kauft, verursacht dieselbe prozentuale Gebühr auf einen größeren Betrag, aber Deine Fixkosten je Bestellung, insbesondere die 0,30 Euro Zahlungsbearbeitung und der anteilige Verpackungsaufwand, verteilen sich besser.

Was Du nicht steuern kannst: welche Artikel Etsy bewirbt, auf welchen Plattformen, mit welchen Suchbegriffen, zu welchen Zeiten, und ob eine bestimmte Bestellung zugerechnet wird oder nicht.

Wann Offsite Ads nicht das Problem sind

Der Abschnitt, der die meiste Aufregung entschärft.

Wenn Dein Shop kaum Umsatz macht, ist die Offsite-Gebühr nicht die Ursache. Bei fünf Bestellungen im Monat, von denen vielleicht eine über eine externe Anzeige kommt, reden wir über wenige Euro. Das Problem liegt dann bei Sichtbarkeit und Konversion, nicht bei der Gebühr. Was dahinterstecken kann, steht unter keine Verkäufe auf Etsy.

Wenn Deine Marge grundsätzlich zu dünn ist, ist die Offsite-Gebühr nur der Auslöser, nicht der Grund. Ein Artikel, der bei 15 Prozent zusätzlicher Gebühr ins Minus kippt, war vorher schon knapp kalkuliert. Die Gebühr macht ein bestehendes Problem sichtbar.

Wenn Dich einzelne Gebührenzeilen ärgern, aber der Jahresanteil im niedrigen einstelligen Bereich liegt, kostet Dich die Beschäftigung damit mehr als die Gebühr. Rechne den Jahresanteil einmal aus, das beruhigt meistens.

Offsite Ads sind das Problem, wenn ein erheblicher Anteil Deiner Bestellungen betroffen ist und Deine Kalkulation die Gebühr nicht vorsieht. Dann ist die Antwort aber nicht Empörung, sondern eine Preisanpassung.

Die häufigsten Missverständnisse

Was ich immer wieder höre und was daran nicht stimmt.

  • „Ich zahle für Klicks, die nichts bringen“ trifft nicht zu, Klicks sind kostenlos
  • „Die Gebühr fällt auf jede Bestellung an“ trifft nicht zu, nur auf zugerechnete
  • „Mein Etsy-Ads-Budget deckt das ab“ trifft nicht zu, es sind getrennte Systeme
  • „Ich kann mich jederzeit abmelden“ gilt nur unterhalb von 10.000 USD Jahresumsatz
  • „Bei teuren Artikeln zahle ich 15 Prozent“ übersieht den Deckel bei 100 USD
  • „Stammkunden lösen jedes Mal die Gebühr aus“ trifft nur bei erneutem Anzeigenklick zu

Der dritte Punkt ist der folgenreichste. Wer glaubt, sein Etsy-Ads-Budget begrenze auch die Offsite-Kosten, plant seine gesamte Werbekalkulation falsch. Die beiden Systeme kennen einander nicht. Du kannst Etsy Ads vollständig abschalten und trotzdem Offsite-Gebühren zahlen.

Der fünfte ist der erfreulichste. Der Deckel wird selten erwähnt, obwohl er für hochpreisige Sortimente den effektiven Satz halbiert oder besser.

Ein Vergleich mit anderen Kanälen

Um die 15 Prozent einzuordnen, hilft der Blick darauf, was Reichweite anderswo kostet.

Klassische Klickwerbung. Bei Google oder Meta zahlst Du je Klick, unabhängig vom Ergebnis. Bei einer Konversionsrate von 2 Prozent und einem Klickpreis von 40 Cent kostet Dich ein Verkauf 20 Euro an Werbung. Bei einer Bestellsumme von 50 Euro entspricht das 40 Prozent. Und Du zahlst diesen Betrag auch dann, wenn kein Verkauf zustande kommt.

Ein eigener Shop mit eigener Werbung. Hier sparst Du die Marktplatzgebühren, trägst aber Aufbau, Pflege, Rechtstexte, Zahlungsanbieter und das gesamte Werberisiko selbst. Für die meisten kleinen Anbieter ist das keine Ersparnis, sondern eine Verlagerung von Kosten in Arbeitszeit.

Andere Marktplätze mit Provisionsmodell. Provisionssätze im zweistelligen Bereich sind dort üblich, teilweise ohne dass externe Werbung enthalten wäre.

Erfolgsabhängig ist die defensivste Form von Werbung

Bei klassischer Klickwerbung zahlst Du auch für die neunundneunzig Menschen, die nicht kaufen. Bei Offsite Ads zahlst Du ausschließlich für den einen, der kauft, und Etsy trägt das Risiko für alle anderen. Das macht die 15 Prozent nicht billig, aber es macht sie planbar: Die Kosten steigen nur, wenn auch der Umsatz steigt.

Was ich in eigenen Shops beobachtet habe

Drei Beobachtungen aus der Praxis, ohne erfundene Zahlen.

Der Anteil betroffener Bestellungen schwankt saisonal deutlich. Im vierten Quartal, wenn viele Menschen über Google nach Geschenken suchen, ist er spürbar höher als im Frühjahr. Wer seine Kalkulation auf einen Jahresdurchschnitt stützt, wird im November trotzdem eine höhere Belastung sehen.

Neue Listings werden häufiger extern beworben als alte. Zumindest ist das der Eindruck aus mehreren Shops. Etsy scheint neue Artikel testweise stärker auszuspielen. Das bedeutet, dass gerade beim Aufbau eines Sortiments der Offsite-Anteil überdurchschnittlich sein kann.

Der Ärger ist größer als der Betrag. In den Shops, deren Abrechnungen ich durchgesehen habe, lag der Offsite-Anteil am Gesamtumsatz meist unter dem, was die betroffenen Verkäufer geschätzt hatten. Der Grund ist psychologisch: Eine einzelne Gebührenzeile von 12 Euro auf einer Bestellung bleibt im Gedächtnis, die neunzig Bestellungen ohne diese Zeile nicht.

Deshalb der praktische Rat: Rechne den Jahresanteil einmal aus, schreib ihn auf, und hör danach auf, einzelne Zeilen zu bewerten.

Wie Du prüfst, ob echter Neuumsatz entsteht

Ganz auflösen lässt sich die Frage nicht, aber man kann sich ihr nähern. Drei Zugänge, die ohne Zusatzwerkzeuge auskommen.

Erstens: der Blick auf neue gegen wiederkehrende Käufer. Wenn ein großer Teil der Offsite-Bestellungen von Erstkäufern stammt, spricht das für echte Neuakquise. Kommen sie überwiegend von Menschen, die schon einmal bei Dir gekauft haben, ist der Anteil abgefangener Verkäufe höher. Etsy zeigt Dir in der Bestellhistorie, ob ein Käufer bereits bestellt hat.

Zweitens: der Vergleich mit der Bekanntheit Deines Shopnamens. Wenn niemand Deinen Shopnamen googelt, weil ihn niemand kennt, können Offsite Ads kaum markennahe Suchen abfangen. Für neue und kleine Shops ist der Anteil echten Neuumsatzes deshalb strukturell höher als für etablierte Marken. Wie Du an Deinem Namen und Auftritt arbeitest, steht unter Etsy-Shop-Profil.

Drittens: die Abmeldung als Test, solange sie möglich ist. Unterhalb der Umsatzgrenze kannst Du Dich für einen definierten Zeitraum abmelden und beobachten, wie sich der Gesamtumsatz entwickelt. Das ist ein grober Test, saisonale Effekte verzerren ihn, und er lässt sich oberhalb der Grenze nicht mehr durchführen. Wer ihn machen will, sollte es früh tun und über mindestens zwei Monate messen.

Was ich von diesem Test halte: Für die meisten Shops lohnt er den Aufwand nicht. Der Anteil am Gesamtumsatz ist zu klein, um in den üblichen Schwankungen sichtbar zu werden. Wer fünf Bestellungen im Monat hat, misst mit einer Abmeldung nichts als Rauschen. Sinnvoll wird der Test erst bei einer Bestellmenge, bei der ein Rückgang von zehn Prozent auch statistisch auffällt, und dort ist die Abmeldung meist ohnehin nicht mehr möglich.

Ein Jahresbeispiel zum Nachrechnen

Damit die abstrakten Prozentsätze eine Größenordnung bekommen, ein vollständiges Jahr.

Ein Shop macht 34.000 Euro Umsatz im Jahr, verteilt auf 780 Bestellungen mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 43,60 Euro. Er liegt oberhalb der Umsatzgrenze, zahlt also 12 Prozent und nimmt verpflichtend teil.

Angenommen, 11 Prozent der Bestellungen werden Offsite Ads zugerechnet. Das sind rund 86 Bestellungen mit zusammen etwa 3.750 Euro Umsatz.

Gebühr darauf: 12 Prozent von 3.750 Euro, also 450 Euro im Jahr.

Bezogen auf den Gesamtumsatz sind das 1,32 Prozent. Zum Vergleich: Die Transaktionsgebühr von 6,5 Prozent kostet diesen Shop im selben Jahr 2.210 Euro, die Zahlungsbearbeitung mit 4,0 Prozent plus 0,30 Euro je Bestellung rund 1.594 Euro.

  • 450 €Offsite-Ads-Gebühr im Jahresbeispiel
  • 1,32 %Anteil am Gesamtumsatz des Shops
  • 2.210 €Transaktionsgebühr im selben Jahr zum Vergleich

Was diese Rechnung zeigt: Die Offsite-Gebühr ist in diesem typischen Fall die kleinste der drei großen Gebührenpositionen, wird aber am stärksten wahrgenommen, weil sie unregelmäßig auftaucht und deutlich höher wirkt.

Was sie nicht zeigt: Wie hoch der Anteil in Deinem Shop ist. Zwischen 5 und 20 Prozent betroffener Bestellungen habe ich alles gesehen, abhängig von Kategorie, Preislage und davon, wie gut sich die Artikel extern bewerben lassen. Deshalb ist die Zahl aus Deiner eigenen Abrechnung die einzige, die für Deine Kalkulation zählt. Wie Du sie herausziehst, steht unter Etsy-Gebühren und Rechnung.

Was bei Erstattungen und Stornierungen passiert

Ein praktischer Punkt, der selten erklärt wird.

Bei einer vollständigen Erstattung wird auch die Werbegebühr erstattet. Du zahlst also nicht für eine Bestellung, die rückabgewickelt wurde. Das läuft nicht sofort, sondern mit der Bearbeitung der Erstattung, und taucht in der Abrechnung als Gutschrift auf.

Bei einer Teilerstattung wird die Gebühr anteilig angepasst. Wenn Du einem Kunden 10 Euro von 50 Euro erstattest, verringert sich auch die Bemessungsgrundlage.

Bei einer stornierten Bestellung vor Versand gilt dasselbe wie bei der vollständigen Erstattung.

Worauf Du achten solltest: Prüfe die Gutschriften. Bei komplexeren Fällen, etwa Teilerstattungen mit anschließender Rücksendung, lohnt ein Blick in die Abrechnung, ob die Gebührenkorrektur tatsächlich erfolgt ist. Das ist kein Vorwurf an Etsy, sondern normale kaufmännische Sorgfalt bei jeder automatisierten Abrechnung.

Besonderheiten bei digitalen Produkten und im Auslandsgeschäft

Zwei Konstellationen, in denen die Rechnung anders ausfällt.

Digitale Produkte. Hier ist die Offsite-Gebühr fast immer unproblematisch, weil der Deckungsbeitrag bei 85 bis 90 Prozent liegt. Fünfzehn Prozent Gebühr lassen immer noch reichlich übrig. Die Einschränkung: Digitale Artikel sind oft niedrigpreisig, und bei einem Verkaufspreis von 4 Euro ist die absolute Gebühr zwar klein, der Aufwand für die Buchung aber derselbe. Details zu dieser Produktgruppe stehen unter digitale Produkte auf Etsy.

Auslandsverkäufe. Wenn eine über Offsite Ads vermittelte Bestellung aus dem Ausland kommt, treffen mehrere Kostenpositionen aufeinander: die Werbegebühr, gegebenenfalls eine Währungsumrechnungsgebühr, höhere Versandkosten und je nach Zielland zusätzlicher Aufwand. Das ist keine neue Regel, sondern schlicht eine Häufung, die eine ohnehin knappe Kalkulation kippen lassen kann. Was beim Verkauf ins Ausland an Kosten hinzukommt, steht unter Etsy-Gebühren im Ausland.

Ein Punkt, der beides verbindet: Weil Etsy extern in vielen Ländern bewirbt, erhöht das Programm den Anteil internationaler Bestellungen. Wer den Versand ins Ausland nicht sauber eingerichtet hat, bekommt dadurch mehr Bestellungen, die ihm Mühe machen. Die Grundlagen dazu stehen unter international verkaufen.

Die Kurzfassung

Offsite Ads sind erfolgsabhängige Provision, keine Klickwerbung. Einblendungen und Klicks kosten Dich nichts, nur der Verkauf innerhalb von 30 Tagen nach dem Klick.

15 Prozent unter 10.000 USD Jahresumsatz, 12 Prozent darüber, gedeckelt bei 100 USD je Bestellung.

Ab 10.000 USD in 365 Tagen ist die Teilnahme verpflichtend, und zwar dauerhaft, auch wenn der Umsatz später wieder sinkt.

Die Gebühr kommt zu allen anderen hinzu: 6,5 Prozent Transaktion, 4,0 Prozent plus 0,30 Euro Zahlungsbearbeitung, anteilige Einstellgebühr.

Kalkuliere mit einem Mischsatz auf den Gesamtumsatz, nicht mit 15 Prozent auf jede Bestellung. Das entspricht der Realität und beruhigt die Nerven.

Mein Fazit zu Etsy Offsite Ads

Die Offsite-Ads-Gebühr ist teuer, fair konstruiert und für die meisten Shops kleiner als gefühlt.

Alle drei Teile dieses Satzes stimmen gleichzeitig, und das macht die Diskussion darüber so mühsam. Wer nur den ersten Teil sieht, ärgert sich dauerhaft. Wer nur den dritten sieht, kalkuliert zu optimistisch.

Was ich für den richtigen Umgang halte: die Gebühr als das behandeln, was sie ist, nämlich eine variable Vertriebskostenposition. Sie gehört in die Kalkulation, so wie Material und Porto. Wer sie dort einplant, hat kein Problem mehr, sondern nur eine Zahl.

Was ich für falsch halte: den Umsatz künstlich unter 10.000 USD zu halten, um die Pflicht zu vermeiden. Die Rechnung geht nicht auf. Der entgangene Deckungsbeitrag aus dem nicht gemachten Umsatz ist praktisch immer größer als die eingesparte Gebühr, zumal der Satz oberhalb der Grenze sinkt.

Und der eine Punkt, an dem ich Verkäufern wirklich zustimme: Dass eine einmal überschrittene Grenze dauerhaft bindet, auch wenn der Shop später schrumpft, ist eine harte Regel. Man kann sie nicht ändern, aber man kann sie einkalkulieren. Wer von Anfang an so rechnet, als sei er bereits im Programm, wird davon nie überrascht. Wie sich das auf die grundsätzliche Frage nach der Rentabilität von Werbung auswirkt, steht unter wann sich Etsy Ads rechnen.

Häufige Fragen zu Etsy Offsite Ads

Häufige Fragen

Was sind Etsy Offsite Ads genau?

Etsy bewirbt Deine Artikel auf externen Plattformen wie Google, Meta, Pinterest oder Bing. Du zahlst nichts für die Schaltung und nichts pro Klick. Eine Gebühr fällt nur an, wenn jemand über eine solche Anzeige klickt und innerhalb von 30 Tagen in Deinem Shop bestellt. Sie beträgt 15 Prozent, oberhalb von 10.000 USD Jahresumsatz 12 Prozent.

Kann ich Offsite Ads abschalten?

Nur solange Dein Shop in den zurückliegenden 365 Tagen weniger als 10.000 USD Umsatz gemacht hat. Wird diese Grenze einmal überschritten, ist die Teilnahme verpflichtend und lässt sich nicht mehr abwählen. Im Gegenzug sinkt der Satz dauerhaft von 15 auf 12 Prozent.

Auf welchen Betrag wird die Gebühr berechnet?

Auf die Bestellsumme, also Artikelpreis, Versand und Geschenkverpackung, so wie bei der Transaktionsgebühr auch. Sie ist bei 100 USD je Bestellung gedeckelt. Bei einer Bestellung über 1.500 Euro wären 15 Prozent rechnerisch 225 Euro, abgerechnet werden aber höchstens 100 USD.

Zahle ich, wenn jemand über eine Offsite-Anzeige klickt und nichts kauft?

Nein. Klicks sind vollständig kostenlos. Anders als bei Etsy Ads gibt es kein Budget, das ins Leere laufen kann. Die Gebühr entsteht ausschließlich bei einem tatsächlichen Verkauf innerhalb des Zurechnungsfensters von 30 Tagen nach dem Klick.

Zahle ich zusätzlich zur normalen Transaktionsgebühr?

Ja. Die Offsite-Ads-Gebühr kommt zu allen anderen Gebühren hinzu: 6,5 Prozent Transaktionsgebühr, 4,0 Prozent plus 0,30 Euro Zahlungsbearbeitung in Deutschland und die anteilige Einstellgebühr von 0,20 USD. Bei einer betroffenen Bestellung liegt die Gesamtbelastung deshalb deutlich über dem, was Du sonst gewohnt bist.

Gilt die Gebühr für jede Bestellung dieses Kunden?

Nein, nur für die Bestellung, die innerhalb von 30 Tagen auf den Anzeigenklick folgt. Kauft dieselbe Person Monate später erneut, ohne wieder über eine Anzeige zu kommen, fällt keine Offsite-Gebühr an. Stammkunden verursachen die Gebühr also in der Regel nur einmal.

Sehe ich, welche Bestellung über Offsite Ads kam?

Ja. Etsy kennzeichnet betroffene Bestellungen und weist die Gebühr in der Abrechnung als eigene Position aus. Du kannst also nachvollziehen, welcher Anteil Deiner Bestellungen aus externer Werbung stammt, und diesen Anteil über die Monate hinweg beobachten.

Lohnt es sich, unter der 10.000-USD-Grenze zu bleiben?

Wirtschaftlich fast nie. Um die Pflichtteilnahme zu vermeiden, müsstest Du Umsatz bewusst begrenzen, und der entgangene Deckungsbeitrag ist in aller Regel größer als die Ersparnis bei der Gebühr. Zumal der Satz oberhalb der Grenze von 15 auf 12 Prozent sinkt.

Offizielle Quellen

Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die offizielle Etsy-Dokumentation. Etsy kann Regeln und Gebühren jederzeit ändern. Im Zweifel gilt immer die Originalquelle.

Fragen zu Deinem Etsy Shop?

Schreib mir kurz, wo Dein Shop steht. Ich schaue ihn mir an und sage Dir, wo die größten Hebel liegen.