Kapitel 18 von 2010 Abschnitte3,5 Stunden

Kalkulation: Marge, Versand, Rabatte

Alle Kostenposten einzeln, die Rechnung in drei Varianten und der Preis, unter dem sich nichts lohnt.

Kapitel elf hatte eine grobe Rechnung, um Artikel auszuwählen. Jetzt kommt die vollständige, mit allen Posten. Sie ist der Grund, warum Print-on-Demand-Shops trotz Verkäufen kein Geld verdienen.

Alle Posten, einzeln

Position Höhe Worauf
Transaktionsgebühr 6,5 % Artikelpreis plus Versand plus Geschenkverpackung
Zahlungsbearbeitung 4 % + 0,30 € Gesamtbetrag der Bestellung, Satz für Deutschland
Einstellgebühr 0,20 $ je Listing für vier Monate oder bis zum Verkauf
Regulatorische Betriebsgebühr rund 0,3 % Gesamtbetrag, Satz je nach Land
Produktionskosten variabel je Artikel und Druckanbieter
Versand des Anbieters variabel je Zielland, sinkt bei mehreren Artikeln
Währungsumrechnung 2,5 % nur wenn Shop- und Auszahlungswährung verschieden sind
Offsite Ads 12 oder 15 % nur bei Verkäufen über diese Anzeigen
Umsatzsteuer 19 % aus dem Bruttopreis, nur bei Regelbesteuerung

Balkenvergleich: was von einem Verkauf bleibt, als Kleinunternehmer, mit Umsatzsteuer und mit Offsite Ads

Die Rechnung in drei Varianten

Dasselbe Shirt, dieselbe Bestellung, drei Situationen. Verkaufspreis 27,90 Euro, Versand 3,90 Euro, Produktion und Versand des Anbieters zusammen 15,70 Euro.

Kleinunternehmer mit USt. mit USt. und Offsite Ads
Kunde zahlt 31,80 € 31,80 € 31,80 €
Transaktionsgebühr − 2,07 € − 2,07 € − 2,07 €
Zahlungsbearbeitung − 1,57 € − 1,57 € − 1,57 €
Einstellgebühr und Betriebsgebühr − 0,28 € − 0,28 € − 0,28 €
Produktion und Versand − 15,70 € − 15,70 € − 15,70 €
Offsite Ads, 15 % – – − 4,77 €
Umsatzsteuer – − 5,08 € − 5,08 €
Bleibt 12,18 € 7,10 € 2,33 €
Was diese Tabelle bedeutet

Derselbe Verkauf bringt zwischen 12,18 und 2,33 Euro, je nach Situation. Das ist ein Faktor von mehr als fünf, und keiner dieser Posten ist versteckt oder ungewöhnlich.

Wer mit der linken Spalte kalkuliert und in der rechten landet, arbeitet umsonst. Deshalb rechnest Du immer die ungünstigste Variante, die für Dich in Frage kommt.

Bei der Umsatzsteuer beachte: Als Regelbesteuerer kannst Du die Vorsteuer aus den Produktionskosten und den Etsy-Gebühren ziehen. In der Tabelle oben ist das nicht enthalten, weil es die Rechnung unübersichtlich macht. Rechnest Du es dazu, verringert sich der Abstand zwischen den Spalten deutlich. Genau das war der Punkt aus Kapitel drei.

Offsite Ads, der Posten, den viele übersehen

Etsy bewirbt Listings auf Google, Facebook und anderen Kanälen. Wenn darüber ein Verkauf zustande kommt, behält Etsy einen Anteil.

Dein Jahresumsatz auf Etsy Teilnahme Satz
unter 10.000 $ freiwillig, abschaltbar 15 %
ab 10.000 $ verpflichtend 12 %

Solange Du unter der Grenze bist, kannst Du die Teilnahme abschalten. Ob Du das tust, ist eine Rechenfrage: Fünfzehn Prozent sind viel, aber ein Verkauf mit fünfzehn Prozent Abzug ist besser als kein Verkauf. Die Gebühr fällt außerdem nur an, wenn tatsächlich über eine solche Anzeige verkauft wurde.

Meine Empfehlung für den Start: anlassen. Und die Kalkulation so bauen, dass sie auch mit dem Abzug trägt.

Der Mindestpreis

Aus der Rechnung ergibt sich eine Zahl, die Du kennen musst: der Preis, unter dem sich der Verkauf für Dich nicht lohnt.

Die Formel

Mindestpreis = (Produktion + Versand + Deine Zeit) geteilt durch (1 minus Gebührenanteil)

Bei 15,70 Euro Kosten, 10 Minuten eigener Zeit zu 15 Euro Stundensatz, also 2,50 Euro, und einem Gebührenanteil von 27,5 Prozent bei Regelbesteuerung mit Offsite Ads:

18,20 geteilt durch 0,725 ergibt 25,10 Euro. Darunter zahlst Du drauf. Dein tatsächlicher Preis sollte deutlich darüber liegen, sonst arbeitest Du zum Selbstkostenpreis.

Die eigene Zeit gehört in diese Rechnung, auch wenn sie bei Print on Demand gering ist. Zehn Minuten je Bestellung für Kommunikation, Prüfung und Buchhaltung sind realistisch.

Kostenloser Versand

Etsy bevorzugt Listings mit kostenlosem Versand in der Anzeige, und viele Käufer filtern danach. Kostenloser Versand heißt aber nur, dass die Versandkosten im Artikelpreis stecken.

Versand getrennt

Artikel 27,90, Versand 3,90. Wirkt günstiger in der Ergebnisliste, weil dort der Artikelpreis steht.

Nachteil: kein Vorteil bei der Sichtbarkeit, und der Käufer sieht den Aufschlag erst im Warenkorb.

Versand inklusive

Artikel 31,80, Versand 0. Wirkt in der Liste teurer, wird aber bevorzugt angezeigt.

Vorteil: keine Überraschung im Warenkorb, was die Abbruchquote senkt.

Für Etsy spricht die Erfahrung, dass Käufer Versandkosten als Ärgernis empfinden und Bestellungen deshalb abbrechen. Rechne den Versand ein, aber rechne ihn wirklich ein: Der häufigste Fehler ist, kostenlosen Versand anzubieten und den Artikelpreis nicht anzupassen.

Wann Du die Preise erhöhst

Nicht nach Gefühl, sondern wenn einer dieser Fälle eintritt:

  • Dein Anbieter hat die Produktionskosten erhöht.
  • Du wechselst von Kleinunternehmer in die Regelbesteuerung.
  • Du überschreitest die Grenze für verpflichtende Offsite Ads.
  • Deine Wettbewerbsanalyse zeigt, dass vergleichbare Listings höher liegen.

Preiserhöhungen bei laufenden Listings sind unkritisch, solange sie moderat ausfallen. Eine Erhöhung um zwei Euro merkt niemand. Eine Verdoppelung schon.

Die Abschnitte dieses Kapitels

Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.

Anfangen mit 18.1

  1. 18.1Alle Kostenposten im Überblick20 Minuten
  2. 18.2Die Etsy-Gebühren im Einzelnen25 Minuten
  3. 18.3Produktions- und Versandkosten des Anbieters20 Minuten
  4. 18.4Die Rechnung in drei Varianten25 Minuten
  5. 18.5Offsite Ads: Pflicht, Satz und Wirkung20 Minuten
  6. 18.6Die Umsatzsteuer in der Kalkulation20 Minuten
  7. 18.7Den Mindestpreis ausrechnen25 Minuten
  8. 18.8Versand getrennt oder inklusive20 Minuten
  9. 18.9Rabatte und Aktionen durchrechnen20 Minuten
  10. 18.10Wann Du die Preise erhöhst15 Minuten