Kapitel 10 von 2010 Abschnitte3,3 Stunden
Wettbewerbsanalyse ohne bezahlte Werkzeuge
Wie Du aus öffentlich sichtbaren Angaben ableitest, wie gut ein Shop wirklich verkauft und wo die Lücke liegt.
Kapitel 10 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 10 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
Du stehst gerade bei .
Wettbewerbsanalyse klingt nach Werkzeug und Abonnement. Ist es nicht. Die aussagekräftigsten Angaben stehen offen auf jeder Etsy-Seite, man muss nur wissen, welche und wie man sie zusammenrechnet.
Dieses Kapitel zeigt beides. Es kommt ohne bezahlte Werkzeuge aus, weil die geschätzten Verkaufszahlen aus Kapitel acht ohnehin nicht verlässlich sind.
Die vier Zahlen, die offen dastehen
| Angabe | Wo sie steht | Was sie Dir sagt |
|---|---|---|
| Gesamtverkäufe des Shops | auf der Shopseite unter dem Namen | Wie groß der Anbieter insgesamt ist |
| Eröffnungsdatum des Shops | auf der Shopseite, Abschnitt „Shop-Mitglieder" oder im Profil | Zusammen mit den Verkäufen: der Schnitt pro Monat |
| Zahl und Datum der Bewertungen | am Listing und am Shop | Ob aktuell verkauft wird oder ob der Shop von früher zehrt |
| Alter des Listings | über EverBee oder am ältesten Bewertungsdatum | Wie lange gebraucht wurde, um die Position zu erreichen |
Die Rechnung, die alles relativiert
Ein Shop mit 12.400 Verkäufen wirkt einschüchternd. Bis Du das Eröffnungsdatum dazunimmst.
Gesamtverkäufe geteilt durch die Zahl der Monate seit Eröffnung.
Ein Shop mit 12.400 Verkäufen, eröffnet im März 2018: Das sind rund 102 Monate, also etwa 122 Verkäufe im Monat. Über das gesamte Sortiment, nicht für ein Listing.
Hat der Shop 400 Listings, entfallen im Schnitt 0,3 Verkäufe pro Listing und Monat. Das relativiert die 12.400 erheblich.
Diese Rechnung ist grob und unterschätzt aktive Shops, weil die Verkäufe meist nicht gleichmäßig über die Jahre verteilt sind. Genau deshalb kommt die zweite Prüfung dazu.
Der Aktualitätstest
Die Gesamtzahl sagt nichts darüber, ob ein Shop heute noch verkauft. Dafür sieh Dir die letzten fünf Bewertungen an.
| Letzte fünf Bewertungen | Bedeutung | Für Dich |
|---|---|---|
| alle aus den letzten zwei Wochen | Der Shop verkauft aktiv und regelmäßig | Nachfrage bestätigt |
| über mehrere Monate verteilt | Gelegentliche Verkäufe | Nische lebt, aber langsam |
| älteste über ein Jahr alt | Der Shop zehrt von früher | Die Zahl täuscht |
Bedenke dabei: Auf Etsy bewertet grob jeder fünfte bis zehnte Käufer. Fünf Bewertungen im letzten Monat bedeuten also eher 25 bis 50 Verkäufe, nicht fünf.
Woran Du eine Lücke erkennst
Jetzt kommt der Teil, für den es kein Werkzeug gibt. Du siehst Dir die zehn Listings an und suchst nach dem, was sie gemeinsam schlecht machen.
Ist das Produkt groß genug im Bild? Erkennt man auf dem Handy, was es ist? Sehr viele POD-Listings zeigen ein generisches Mockup mit zu kleinem Motiv.
Steht dort ein Satz oder eine Stichwortliste mit Kommas? Titel im Stichwortstil sind ein starkes Zeichen dafür, dass niemand am Listing gearbeitet hat.
Redet sie über den Käufer oder über das Produkt? Steht eine Größentabelle drin? Fehlt sie, ist das eine offene Flanke, weil sie über die Retourenquote entscheidet.
Ist erkennbar, für wen das gemacht ist, oder könnte es für jeden sein? Das ist die häufigste Lücke und die, die Du mit Kapitel neun schließt.
Notier den niedrigsten und den höchsten Preis. Beides brauchst Du für die Kalkulation. Wenn alle im selben engen Band liegen, gibt es oben oder unten möglicherweise Platz.
Am Ende dieser Analyse steht ein Satz wie dieser: „Zehn Listings mit aktuellen Verkäufen zwischen 22 und 29 Euro, alle mit generischen Mockups, keines mit Größentabelle, keines spricht die Zielgruppe direkt an."
Das ist eine Lücke. Sie besteht nicht aus einem fehlenden Motiv, sondern aus fehlender Sorgfalt.
Was ein zu starker Wettbewerb ist
Manchmal ist die ehrliche Antwort: Hier ist nichts zu holen. Das erkennst Du an diesen Zeichen.
- Die ersten zehn Treffer sind alle professionell gemacht: eigene Fotos, klare Positionierung, vollständige Angaben.
- Mehrere Shops mit fünfstelligen Verkaufszahlen und aktuellen Bewertungen.
- Die Preise liegen niedrig, also wird über den Preis konkurriert. Bei Print on Demand mit festen Produktionskosten verlierst Du diesen Kampf.
- Etsy zeigt viele Anzeigen für den Begriff. Das heißt, andere zahlen bereits für Sichtbarkeit.
Wenn drei davon zutreffen, geh eine Ebene tiefer. Statt „Geschenk für Krankenschwestern” nimm einen bestimmten Bereich, eine bestimmte Station, einen bestimmten Anlass. Die Suchmenge sinkt, die Chance steigt.
Was Du dabei nicht tust
Abschreiben. Du siehst Dir an, was funktioniert, und ziehst Schlüsse über die Ausführung. Du kopierst keine Motive, keine Titel und keine Beschreibungen. Abgesehen davon, dass es rechtlich heikel ist, funktioniert es auch nicht: Ein kopiertes Listing hat keine Historie und landet hinter dem Original.
Dich entmutigen lassen. Jede Nische, in der verkauft wird, sieht auf den ersten Blick voll aus. Der Unterschied zwischen voll und dicht ist genau das, was Du in diesem Kapitel prüfst.
Im nächsten Kapitel geht es darum, welche Artikel sich für Deine Nische überhaupt rechnen.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 10.1Die vier Zahlen, die offen auf Etsy stehen20 Minuten
- 10.2Verkäufe pro Monat ausrechnen20 Minuten
- 10.3Der Aktualitätstest über die Bewertungen20 Minuten
- 10.4Von Bewertungen auf Verkäufe schließen15 Minuten
- 10.5Die zehn Treffer systematisch aufnehmen25 Minuten
- 10.6Woran Du eine Lücke erkennst25 Minuten
- 10.7Die Preisspanne bestimmen und einordnen20 Minuten
- 10.8Wann der Wettbewerb zu stark ist20 Minuten
- 10.9Eine Ebene tiefer gehen, wenn es eng wird20 Minuten
- 10.10Deine Schlussfolgerung in drei Sätzen15 Minuten
