Kapitel 12 von 2010 Abschnitte3,6 Stunden
Designs erstellen, ohne fremde Rechte zu verletzen
Was gestalterisch funktioniert, was der Druck technisch braucht und wo die rechtliche Grenze verläuft.
Kapitel 12 ist noch zu
Der Kurs läuft der Reihe nach. Kapitel 12 öffnet sich, sobald alle Abschnitte der Kapitel davor abgeschlossen sind. Das ist keine Schikane: Fast jede Entscheidung hier setzt eine frühere voraus.
Du stehst gerade bei .
Jetzt wird gestaltet. Rechne mit vier Stunden, und rechne damit, dass die ersten Entwürfe in den Papierkorb gehen. Das ist kein Rückschlag, sondern der Normalfall.
Dieses Kapitel hat drei Teile: was gestalterisch funktioniert, was der Druck technisch braucht, und wo die rechtliche Grenze verläuft. Der dritte Teil ist der wichtigste, weil ein Fehler dort vierstellig wird.
Was auf Print on Demand funktioniert
Die Erkenntnis vorweg: Die meisten verkauften Motive sind Text. Nicht Illustration, nicht Fotografie, sondern Schrift in guter Gestaltung. Das ist eine gute Nachricht, wenn Du nicht zeichnen kannst, und eine unbequeme, wenn Du glaubst, Gestaltung sei Dekoration.
| Funktioniert | Funktioniert selten |
|---|---|
| Ein Satz, der Zugehörigkeit ausdrückt | Ein allgemeiner Spruch ohne Adressat |
| Wenige Elemente, klar angeordnet | Viele Elemente, die um Aufmerksamkeit ringen |
| Hoher Kontrast zum Untergrund | Feine Farbabstufungen und Verläufe |
| Zwei Schriften, bewusst kombiniert | Vier Schriften, weil sie verfügbar waren |
| Große, ruhige Flächen | Dünne Linien und kleine Details |
Dein Motiv wird zuerst als Quadrat von etwa 150 Pixeln Kantenlänge gesehen, in einer Ergebnisliste zwischen vierzig anderen. Verkleinere Deinen Entwurf auf Daumennagelgröße und sieh ihn an.
Wenn Du dann nicht erkennst, worum es geht, ist das Motiv zu fein, zu klein oder zu voll. Das ist der häufigste Grund, warum gute Designs nicht verkaufen: Sie werden nie angeklickt.
Was der Druck technisch braucht
Diese Angaben sind Anbieter- und produktabhängig, die Größenordnung gilt aber überall.
| Angabe | Vorgabe | Warum |
|---|---|---|
| Auflösung | 300 dpi in Enddruckgröße | Darunter wird der Druck unscharf, besonders bei Kanten und Schrift |
| Dateiformat | PNG mit Transparenz | JPG hat keinen transparenten Hintergrund und druckt einen weißen Kasten |
| Farbraum | RGB | Die Anbieter rechnen selbst um. Wer vorher nach CMYK wandelt, verschenkt Farbraum |
| Größe Textil | etwa 4500 × 5400 Pixel | Entspricht rund 38 × 46 cm Druckfläche bei 300 dpi |
| Rand | Abstand zum Rand der Druckfläche einhalten | Der Druck ist nicht millimetergenau positioniert |
Ein Motiv in Bildschirmauflösung hochskalieren. Das sieht am Monitor passabel aus und wird im Druck matschig, besonders an den Kanten von Buchstaben.
Gestalte von Anfang an in der Enddruckgröße. Wer mit 800 Pixeln anfängt und später auf 4500 zieht, fängt von vorne an.
Zwei technische Punkte, die bei Textilien dazukommen:
Dunkle Textilien brauchen andere Motive als helle. Beim Direktdruck auf dunkler Ware wird eine weiße Grundierung gedruckt, auf die dann die Farben kommen. Feine Details und weiche Übergänge leiden darunter. Für dunkle Shirts sind flächige Motive mit klaren Kanten die sichere Wahl.
Transparenz ist nicht gleich Weiß. Ein Motiv mit weißem Hintergrund druckt einen weißen Kasten aufs Shirt. Nur echte Transparenz lässt die Textilfarbe durch. Prüf das, indem Du die Datei über einen farbigen Hintergrund legst.
Die rechtliche Seite
Hier wird es ernst. Print on Demand ist der Bereich, in dem die meisten Abmahnungen entstehen, und der Grund ist fast immer derselbe: Jemand hat etwas verwendet, das ihm nicht gehört.
| Was Du nicht verwenden darfst | Beispiel |
|---|---|
| Eingetragene Marken | Namen und Logos von Unternehmen, Vereinen, Produkten |
| Geschützte Figuren | Comicfiguren, Filmfiguren, Maskottchen |
| Songtexte und Filmzitate | Auch einzelne Zeilen sind geschützt |
| Fremde Grafiken ohne Lizenz | Alles aus einer Bildersuche |
| Schriften ohne kommerzielle Lizenz | Viele kostenlose Schriften sind nur privat frei |
| Namen realer Personen | Sportler, Musiker, Prominente |
Besonders unterschätzt wird der Punkt mit den Schriften. Eine kostenlose Schrift ist nicht automatisch für gewerbliche Nutzung frei. Bei jeder Schrift, die Du verwendest, prüfst Du die Lizenz und legst sie ab. Bei Google Fonts ist die Lage klar, dort ist gewerbliche Nutzung erlaubt. Bei Schriften von Portalen mit kostenlosen Downloads steht die Einschränkung meist im Kleingedruckten.
Ebenso unterschätzt: eingetragene Wortmarken auf alltägliche Begriffe. Es gibt Marken auf harmlos wirkende Wortkombinationen, und wer sie aufs Shirt druckt, bekommt Post. Deshalb gehört die Recherche im Markenregister zu jedem Motiv, das aus Text besteht.
Beim Deutschen Patent- und Markenamt kannst Du kostenlos recherchieren, ob ein Begriff als Marke eingetragen ist. Achte dabei auf die Klasse: Klasse 25 ist Bekleidung, Klasse 21 unter anderem Tassen.
Lad Deinen Entwurf in eine umgekehrte Bildersuche. Wenn ein sehr ähnliches Motiv bereits existiert, ist das ein Warnzeichen, auch ohne eingetragene Marke.
Leg für jedes Design eine Notiz an: welche Schrift, welche Grafikelemente, welche Lizenz, wann heruntergeladen. Wenn in zwei Jahren jemand fragt, hast Du die Antwort.
Ein Motiv, bei dem Du unsicher bist, ist die Sache nicht wert. Es gibt unendlich viele andere.
Eine berechtigte markenrechtliche Abmahnung liegt schnell im vierstelligen Bereich, dazu kommt eine Unterlassungserklärung, die bei jedem Verstoß eine Vertragsstrafe auslöst. Etsy entfernt die Listings ohnehin.
Dagegen steht der Aufwand einer Markenrecherche: fünf Minuten je Motiv. Das ist keine schwierige Abwägung.
Womit Du gestaltest
Du brauchst kein teures Programm. Was Du brauchst, ist eines, mit dem Du in der richtigen Auflösung arbeiten und transparente PNG exportieren kannst.
- Canva in der kostenpflichtigen Version kann transparente PNG und reicht für Textmotive vollkommen. Achte auf die Lizenzbedingungen der verwendeten Elemente, nicht alles darin ist für den Weiterverkauf auf Produkten freigegeben.
- Kittl ist speziell auf Print on Demand zugeschnitten und nimmt Dir typografische Entscheidungen ab.
- Affinity Designer oder Photoshop sind die Werkzeuge, wenn Du ohnehin gestaltest.
- Inkscape und GIMP sind kostenlos und können alles, was nötig ist, verlangen aber mehr Einarbeitung.
Für den Kurs reicht das, womit Du am schnellsten zu einem Ergebnis kommst. Die Gestaltung entscheidet, nicht das Programm.
Im nächsten Kapitel geht es um die Bilder, mit denen Du das Motiv zeigst. Dort liegt eine Regel von Etsy, die viele nicht kennen.
Die Abschnitte dieses Kapitels
Hier liest Du nur, worum es geht. Gearbeitet wird in den Abschnitten: Dort steht der Klickweg, dort liegen die Arbeitsblätter, und dort hakst Du am Ende ab. Der nächste Abschnitt öffnet sich, sobald der vorige abgeschlossen ist.
- 12.1Warum die meisten verkauften Motive Text sind20 Minuten
- 12.2Der Vorschautest: zwei Sekunden auf dem Handy15 Minuten
- 12.3Auflösung, Format, Farbraum, Druckfläche25 Minuten
- 12.4Transparenz ist nicht Weiß15 Minuten
- 12.5Dunkle Textilien brauchen andere Motive20 Minuten
- 12.6Womit Du gestaltest: die Werkzeuge im Vergleich20 Minuten
- 12.7Ein Textmotiv aufbauen, Schritt für Schritt30 Minuten
- 12.8Markenrecht: die Recherche beim DPMA25 Minuten
- 12.9Urheberrecht, Schriftlizenzen, Bildelemente25 Minuten
- 12.10Lizenzen dokumentieren und Designs freigeben20 Minuten
